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Internationaler Währungsfonds

Der Internationale Währungsfonds (IWF; englisch International Monetary Fund, IMF; auch bekannt als Weltwährungsfonds) ist eine rechtlich, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kernaufgabe und Bedeutung
  2. 2. Finanzierung, Kredite und Auflagen
  3. 3. Organisation, Mitglieder und Stimmrechte
  4. 4. Entstehung und Entwicklung der Kreditvergabe
  5. 5. Kritik und öffentliche Kontrolle

Kernaufgabe und Bedeutung

Der Internationale Währungsfonds (IWF; englisch International Monetary Fund, IMF), auch Weltwährungsfonds genannt, ist eine rechtlich, organisatorisch und finanziell selbständige Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Er wurde am 27. Dezember 1945 gegründet und hat seinen Sitz in Washington, D.C. Seine Hauptaufgabe besteht darin, Mitgliedstaaten zu unterstützen, die zu geringe Währungsreserven besitzen und deshalb in Zahlungsbilanzschwierigkeiten geraten. Der IWF gilt dabei als Kreditgeber letzter Instanz. Anders als die Weltbank finanziert er grundsätzlich keine einzelnen Entwicklungsprojekte.

Zu seinen Zielen gehören die internationale Zusammenarbeit in der Währungspolitik, die Ausweitung des Welthandels, die Stabilisierung der internationalen Finanzmärkte und Wechselkurse, die Überwachung der Geldpolitik sowie die Sicherung des internationalen Zahlungsverkehrs vor staatlichen Beschränkungen des freien Devisenverkehrs. Außerdem vergibt er kurzfristige Kredite zum Ausgleich von Zahlungsdefiziten, leistet technische Hilfe und beteiligt sich an Maßnahmen des Währungsunion-Finanzstabilitätsgesetzes.

Der IWF unterstützt auch Entwicklungsländer in Afrika, Asien und Südamerika bei Wachstums- und Wohlstandskonzepten. Solche Hilfen werden häufig mit Anforderungen an Good Governance, also etwa Korruptionsabbau und Demokratie, sowie an wirtschaftliche Liberalisierung verbunden.

Finanzierung, Kredite und Auflagen

Jeder Mitgliedstaat erhält eine Quote. Sie bestimmt seine Einzahlungsverpflichtungen in Gold, Devisen und Landeswährung, den Umfang möglicher Kredite und Sonderziehungsrechte sowie sein Stimmgewicht. Benötigt ein Staat Devisen, kann er über den IWF die Währung eines anderen Landes gegen Gold oder Landeswährung kaufen. Dieser Vorgang heißt Ziehung.

Die Rechnungslegungseinheit des IWF ist das Sonderziehungsrecht (SZR). SZR bestehen seit 1969 und dienen als eine Art Weltgeld im Zahlungsverkehr zwischen Zentralbanken. Sie werden den Mitgliedstaaten in bestimmter Höhe zugeteilt und ermöglichen den Kauf von Devisen unter Einschaltung des IWF. Für verwendete SZR sind Zinsen an den Fonds zu zahlen. Durch SZR steigt die internationale Liquidität; vor jeder Erhöhung wird geprüft, ob weltweit ein inflationsneutraler Bedarf besteht. Im Artikel wird als Beispiel genannt, dass die Türkei bei einer passiven Leistungsbilanz Devisen benötigen könnte. Der IWF könnte dann etwa die USA mit ihren hohen Devisenreserven bestimmen, der Türkei Devisen gegen SZR zu verkaufen.

IWF-Kredite sind befristet und an Konditionalität gebunden, also an wirtschaftspolitische Bedingungen. Diese werden meist in Strukturanpassungsprogrammen (SAP) festgelegt. Mögliche Vorgaben sind die Kürzung der Staatsausgaben, niedrige Inflation, höhere Exporte, die Liberalisierung des Bankenwesens, die Privatisierung öffentlicher Einrichtungen wie Sparkassen, Elektrizitäts- und Wasserversorgung oder Telekommunikation sowie die Entlassung bestimmter Beschäftigtengruppen.

Ursprünglich sollten Staaten bei entsprechenden Voraussetzungen, etwa Zahlungsbilanzproblemen, automatisch Kredite erhalten. Nach Zahlungsbilanzkrisen infolge des Preisverfalls bei Rohstoffen nach dem Koreakrieg setzte sich auf Initiative der USA die Konditionalität durch. Kredite wurden nun von Bedingungen wie der Beseitigung von Devisenkontrollen und der Liberalisierung von Handelshemmnissen abhängig. Bei Krediten an Chile 1956 und Haiti 1958 wurde die Auszahlung erstmals in Phasen unterteilt. Vor jeder weiteren Phase mussten die zuvor vereinbarten Bedingungen erfüllt sein. Festgehalten wurden sie in einem „letter of intent“, einer Absichtserklärung mit praktisch vertraglichem Charakter.

Organisation, Mitglieder und Stimmrechte

Der IWF hat 191 Mitgliedstaaten und etwa 2700 Mitarbeiter aus 147 Staaten. Mitglieder sind alle Staaten der Vereinten Nationen außer Kuba, Monaco und Nordkorea; außerdem gehört das nicht zur UN gehörende Kosovo seit 2009 dazu. Nauru wurde am 12. April 2016 das 189., Andorra am 16. Oktober 2020 das 190. und Liechtenstein am 21. Oktober 2024 das 191. Mitglied. Deutschland trat am 14. August 1952, die Schweiz am 29. Mai 1992 bei.

Oberstes Gremium ist der Gouverneursrat, in dem jeder Staat gewöhnlich durch seinen Finanzminister oder Zentralbankleiter vertreten wird. Der Internationale Währungs- und Finanzausschuss berät ihn. Das Exekutivdirektorium mit 24 Mitgliedern führt die Tagesgeschäfte. Hinzu kommen der Entwicklungsausschuss für entwicklungspolitische Fragen und das IWF-Verwaltungsgericht für arbeitsrechtliche Streitigkeiten zwischen dem IWF und seinen Beschäftigten.

An der Spitze steht die geschäftsführende Direktorin Kristalina Georgiewa, die ihr Amt am 1. Oktober 2019 antrat. Nach einer informellen Vereinbarung zwischen den USA und einigen westeuropäischen Staaten stammt die Leitung des IWF stets aus Europa, während der erste stellvertretende Direktor ein US-Amerikaner ist. Derzeit gibt es vier stellvertretende geschäftsführende Direktoren. Chefökonom ist seit 2022 Pierre-Olivier Gourinchas.

Die Stimmrechte richten sich vor allem nach den Kapitalanteilen. Stand August 2025 besitzen die USA 16,49 %, Japan 6,14 %, China 6,08 %, Deutschland 5,31 %, Frankreich und das Vereinigte Königreich jeweils 4,03 % sowie Italien 3,02 %. Beschlüsse benötigen eine Mehrheit von 85 %. Deshalb haben die USA allein und die EU-Staaten gemeinsam faktisch jeweils eine Sperrminorität. Der gemeinsame Stimmenanteil der 19 Euro-Staaten beträgt 21,43 %. Der Sitz des IWF muss laut Satzung in dem Land mit den meisten Stimmrechten liegen.

Eine 2010 beschlossene Reform verteilte Stimmen zugunsten von Entwicklungs- und Schwellenländern um und sollte die flexibel verfügbaren Finanzmittel verdoppeln; sie trat im Januar 2016 in Kraft. Die Schweiz gründete 1992 mit zentralasiatischen Staaten und Polen die Stimmrechtsgruppe „Helvetistan“.

Entstehung und Entwicklung der Kreditvergabe

Der IWF und die Weltbank entstanden aus dem 1944 geschaffenen Bretton-Woods-System. Es sollte nach den Währungsproblemen der Zwischenkriegszeit und den Fehlern des Goldstandards der 1920er Jahre ein stabileres Weltwährungssystem schaffen. Auf der Konferenz von Bretton Woods verhandelten 44 Staaten vom 1. bis 22. Juli 1944. Der US-amerikanische White-Plan setzte sich gegen den britischen Keynes-Plan durch. Statt der von John Maynard Keynes vorgeschlagenen Kunstwährung wurde der goldgedeckte US-Dollar zur Leitwährung. Zum System gehörten feste Wechselkurse, die indirekte Goldkonvertibilität über den Dollar und möglichst freier Handel. Die Goldbindung des Dollars endete 1971 mit dem Nixon-Schock, die festen Wechselkurse 1973.

Der IWF nahm im Mai 1946 erste Arbeiten auf; seine operative Tätigkeit begann am 1. März 1947. In den ersten Jahrzehnten nahmen sowohl Industrie- als auch Entwicklungsländer Kredite auf. Während der Sterlingkrise von März bis November 1976 sank der Kurs des britischen Pfunds trotz hoher Kredite anderer Zentralbanken von über 2 auf 1,56 US-Dollar. Großbritannien musste den IWF um Hilfe bitten. Für einen Stand-by-Kredit verlangte der Fonds 1977 unter anderem weniger Sozialausgaben und die Abschaffung von Importkontrollen. Danach beantragte lange kein Industrieland mehr IWF-Kredite; erst 2010 wandten sich Griechenland und Irland wieder an ihn.

Nach Richard Peet entwickelte sich der IWF damit von einer Zusammenarbeit der Industrieländer über Wechselkurse und internationale Zahlungen zu einem Instrument, mit dem die „Erste Welt“ die Wirtschaftspolitik der „Dritten Welt“ kontrolliere. Viele Fachleute widersprechen dieser Deutung und sehen den IWF als Spiegel seiner Mitglieder und ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse. Zu den im Artikel genannten Kreditnehmern zählen außerdem Rumänien 2008 und Argentinien.

Kritik und öffentliche Kontrolle

Kritiker werfen dem IWF vor, dass Sparprogramme, Privatisierungen und Einschnitte in Sozialprogramme bestehende Sozialsysteme schädigten, für Menschen in Entwicklungsländern unzumutbar seien und das Wirtschaftswachstum hemmten. Joseph E. Stiglitz kritisierte eine seiner Ansicht nach „blinde“ Anwendung des Washington Consensus und das Vorgehen beim Übergang osteuropäischer Planwirtschaften zu Marktwirtschaften; der damalige IWF-Chefökonom Kenneth S. Rogoff widersprach ihm. William Easterly bemängelt fehlende Legitimation und Rechenschaftspflichten und meint, Strukturanpassungs- und Transformationsprogramme hätten betroffenen Volkswirtschaften eher geschadet.

Ein weiterer Vorwurf betrifft das Demokratiedefizit: Reiche Industriestaaten hätten wegen ihrer höheren Stimmanteile mehr Einfluss als Entwicklungsländer. Als Rechtfertigung wird angeführt, dass sie den IWF finanziell stärker tragen. Laut einer IWF-Feststellung von 2001 verschob sich die tatsächliche Finanzierung der administrativen Ausgaben und Ziel-Unternehmensergebnisse jedoch deutlich: 1982 trugen Schuldnerstaaten etwa 28 % und Gläubigerstaaten 72 % bei; 2002 waren es 75 % gegenüber 25 %. Kritisiert wird außerdem die Unterstützung prowestlicher oder antikommunistischer Militärdiktaturen während des Kalten Kriegs. Befürworter entgegnen, wirtschaftliche Stabilität sei eine Voraussetzung funktionierender Demokratien.

In der griechischen Staatsschuldenkrise räumte der IWF selbst Fehler ein. Eigene Kriterien seien gebeugt worden, um Hilfen zu ermöglichen. Olivier Blanchard und Daniel Leigh stellten zudem fest, dass die Wirkung von Ausgabenkürzungen unterschätzt worden war: Ein eingesparter Euro sollte das Bruttoinlandsprodukt kaum vermindern, tatsächlich sank es um 1,5 Euro.

Zur laufenden Beobachtung der Finanzmärkte veröffentlicht der IWF seit März 2002 vierteljährlich den Global Financial Stability Report. Seit März 1996 erscheint außerdem vierteljährlich die Zeitschrift Finance and Development.

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