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Index der menschlichen Entwicklung
Sehr hohe menschliche Entwicklung ; 1 · Island Island ; 2 · Norwegen Norwegen ; 2 · Schweiz Schweiz ; 4 · Danemark Dänemark ; 5 · Deutschland Deutschland …
Inhalt5 Abschnitte
Bedeutung und Grundidee
Der Index der menschlichen Entwicklung (englisch Human Development Index, HDI) ist ein Indikator der Vereinten Nationen für den Entwicklungsstand von Staaten und wird auch als Wohlstandsindikator bezeichnet. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) veröffentlicht ihn seit 1990 jährlich im Bericht über die menschliche Entwicklung (Human Development Report).
Der HDI betrachtet Entwicklung nicht nur als wirtschaftlichen Wohlstand. Er verbindet drei Dimensionen: Gesundheit, Bildung und materiellen Lebensstandard. Dafür werden die Lebenserwartung bei der Geburt, die durchschnittliche und die voraussichtliche Dauer des Schulbesuchs sowie das kaufkraftbereinigte Bruttonationaleinkommen pro Kopf verwendet. Das Bruttonationaleinkommen, kurz BNE, umfasst die Einkommen, die den Einwohnern eines Landes zugerechnet werden.
Der Index wurde im Wesentlichen vom pakistanischen Ökonomen Mahbub ul Haq entwickelt, in Zusammenarbeit mit Amartya Sen und Meghnad Desai. Ausgangspunkt war die Kritik, dass Größen wie das Bruttoinlandsprodukt den Entwicklungsstand eines Landes nur unzureichend abbilden. Entwicklung sollte nach dieser Grundidee die Möglichkeiten der Menschen erweitern, etwa hinsichtlich Ernährung, Gesundheit, Bildung, Freizeit und Mitbestimmung. Menschen und ihre Chancen auf ein langes, gesundes und kreatives Leben stehen damit im Mittelpunkt.
Berechnung seit 2010
Seit dem Bericht von 2010 werden zunächst drei auf den Wertebereich [0;1] normalisierte Teilindizes berechnet. Die Mindest- und Höchstwerte dienen dabei als feste Vergleichs- beziehungsweise Zielwerte.
• Lebenserwartungsindex: LEI = (LE − 20) / (85,0 − 20). LE bezeichnet die Lebenserwartung bei der Geburt; angesetzt werden mindestens 20,0 und höchstens 85,0 Jahre.
• Bildungsindex: BI = (DSDI + VSDI) / 2. Der Index der durchschnittlichen Schulbesuchsdauer lautet DSDI = (DSD − 0) / (15,0 − 0). DSD ist die Zahl der Schuljahre einer mindestens 25-jährigen Person; der Höchstwert beträgt 15,0 Jahre. Der Index der voraussichtlichen Schulbesuchsdauer lautet VSDI = (VSD − 0) / (18,0 − 0). VSD gibt an, wie viele Jahre ein fünfjähriges Kind voraussichtlich die Schule besuchen wird; der Höchstwert beträgt 18,0 Jahre.
• Einkommensindex: EI = [ln(BNEpk) − ln(100)] / [ln(75.000) − ln(100)]. BNEpk ist das kaufkraftbereinigte Bruttonationaleinkommen pro Kopf in US-Dollar. Die Grenzen liegen bei 100 und 75.000 US-Dollar. Der natürliche Logarithmus ln sorgt dafür, dass zusätzliche Einkommen bei hohen Ausgangswerten schwächer ins Gewicht fallen.
Der Gesamtwert ist das geometrische Mittel: HDI = ∛(LEI · BI · EI). Das geometrische Mittel verbindet die drei Dimensionen multiplikativ. Der nach dieser Methode berechnete Index wird zur Abgrenzung von der früheren Methode teilweise New Human Development Index (NHDI) genannt.
Kategorien und frühere Verfahren
Der HDI nimmt Werte zwischen 0 und 1 an. Seit 2009 teilt das UNDP Staaten in vier Kategorien ein:
• sehr hohe menschliche Entwicklung: HDI ≥ 0,800 • hohe menschliche Entwicklung: HDI ≥ 0,700 • mittlere menschliche Entwicklung: HDI ≥ 0,550 • geringe menschliche Entwicklung: unterhalb dieser Grenze; im Artikel wird hierfür HDI < 0,549 angegeben.
Beim Verfahren von 2009/2010 wurden ebenfalls Lebenserwartung, Bildung und Einkommen zu normalisierten Teilindizes umgerechnet. Für einen Teilindex galt allgemein: I = (Wert − Minimum) / (Maximum − Minimum). Der Bildungsindex verband die erfolgte und die erwartete Schulbildung, der Einkommensindex verwendete den Logarithmus des BNE, und der HDI wurde bereits als geometrisches Mittel der drei Dimensionen gebildet.
Vor 2009 unterschied sich besonders die Messung der Bildung: Die Alphabetenquote der Erwachsenen erhielt ein Gewicht von 66,67 %, die kombinierte primäre, sekundäre und tertiäre Brutto-Schuleinschreibungsrate 33,33 %. Als weitere Grenzen galten 25 bis 85 Jahre Lebenserwartung und 100 bis 40.000 US-Dollar reale Kaufkraft je Einwohner. Weil Schulen und Lehrkraftqualifikationen in Entwicklungs- und Industrieländern nicht ohne Weiteres gleichgesetzt werden können, ersetzte man diese Bildungsgrößen durch die tatsächliche und die erwartete Schuldauer. Änderungen der Methode schränken die Vergleichbarkeit von Werten verschiedener Jahre ein.
Rangliste und zeitliche Entwicklung
Die Rangliste für 2023 wurde im Human Development Report 2025 am 6. Mai 2025 veröffentlicht. Island belegte mit 0,972 Rang 1. Norwegen und die Schweiz folgten gemeinsam mit 0,970 auf Rang 2. Deutschland und Schweden lagen mit jeweils 0,959 gemeinsam auf Rang 5. Die Gruppe der sehr hohen menschlichen Entwicklung reichte bis Bosnien und Herzegowina auf Rang 74 mit 0,804.
In der hohen Kategorie standen Iran mit 0,799 am Anfang und Nauru mit 0,703 am Ende. Die mittlere Kategorie begann mit Bhutan bei 0,698 und endete mit Lesotho bei 0,550. In der niedrigen Kategorie lag Pakistan mit 0,544 auf Rang 168; den letzten Rang 193 belegte Südsudan mit 0,388. Einzelne Werte und Platzierungen veränderten sich gegenüber 2022 deutlich, während einige Länder Rückgänge verzeichneten. Die Rangliste zeigt deshalb nicht nur langfristige Entwicklung, sondern auch Veränderungen zwischen einzelnen Berichtsjahren.
Ein historischer Rückblick nennt seit 1997 überwiegend Norwegen als Land auf Platz 1. Ausnahmen waren Island 2007 und 2008, die Schweiz 2021 und 2022 sowie Island 2023. Zuvor führten unter anderem die Schweiz, Kanada und Australien. Da die Berechnungsmethode ab 1990 verändert wurde, sind historische Spitzenwerte nur eingeschränkt direkt vergleichbar.
Eine gesonderte Übersicht berechnet Länderwerte von 1990 bis 2017 nach der heutigen Methode. Viele Länder steigerten ihren HDI, beispielsweise China von 0,502 auf 0,752, Indien von 0,427 auf 0,640 und Ruanda von 0,250 auf 0,524. Entwicklungen verliefen jedoch nicht überall gleichmäßig: Syrien sank von 0,556 im Jahr 1990 auf 0,536 im Jahr 2017; Libyen erreichte 2010 einen Wert von 0,755 und lag 2017 bei 0,706.
Für Kosovo, Macau, Monaco, Nordkorea, Puerto Rico, Taiwan, Vatikanstadt und Westsahara veröffentlicht der Bericht keinen HDI-Wert. Daneben existieren HDI-Auswertungen für subnationale Gebiete, darunter deutsche und österreichische Bundesländer, Schweizer Regionen, chinesische Provinzen sowie Bundesstaaten Australiens, Brasiliens, Indiens, Mexikos und der USA.
Ergänzende Indizes und Kritik
Das UNDP veröffentlicht ergänzend den ungleichheitsbereinigten Index der menschlichen Entwicklung (IHDI). Er berücksichtigt, wie ungleich Gesundheit, Bildung und Einkommen innerhalb eines Landes verteilt sind. Weitere Kennzahlen des Berichts sind der um Belastungen für die Erde bereinigte PHDI (Planetary pressures–adjusted Human Development Index), der erstmals im Report 2020 erschien, der Index der geschlechtsspezifischen Entwicklung (GDI), der Index der geschlechtsspezifischen Ungleichheit (GII) und der multidimensionale Armutsindex für Entwicklungsländer.
Die Aussagekraft des HDI wird kontrovers beurteilt. Umstritten ist, welche Aspekte menschlicher Entwicklung einbezogen und wie stark sie gewichtet werden sollen. Mehrfache Änderungen bei Einkommensberechnung sowie Ober- und Untergrenzen erschweren Vergleiche über längere Zeiträume. Außerdem wird kritisiert, dass die verwendeten Größen stark mit dem Bruttonationaleinkommen pro Kopf zusammenhängen und der HDI daher teilweise redundante Informationen enthalte.
Ein weiterer Kritikpunkt ist das Fehlen ökologischer Faktoren. Nach Angaben des World Wide Fund For Nature (WWF) besitzen Länder mit sehr hoher menschlicher Entwicklung gegenwärtig einen besonders großen ökologischen Fußabdruck. Der WWF geht davon aus, dass kein Land zugleich die Bedingungen eines angemessenen Lebensstandards und eines erdverträglichen ökologischen Fußabdrucks erfüllt. Weil ein intaktes Ökosystem als Grundlage menschlichen Wohlergehens und hoher Lebenserwartung gelten könne, fordert der WWF, den ökologischen Fußabdruck im HDI zu berücksichtigen.
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