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Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 146 Zeilen
- Frankreich ist Deutschlands größter Nachbar und wohl auch wichtigster Partner.
- Was dort passiert, hat auch direkte Auswirkungen auf uns, nicht zur zur Zeit von Wahlen oder eines Krieges.
- Dennoch kennen viele von Frankreichs Geschichte meist nur die Zeit der Revolution bis Napoleon oder der Weltkriege.
- Dabei haben viele Ereignisse den Nährboden gelegt für große Diskussionen, die die Gesellschaft noch heute bewegen,
- in beiden Ländern. Migration zum Beispiel, Streiks oder das Erstarken rechter Parteien.
- Deshalb erklären wir euch in diesem Video die Geschichte Frankreichs seit dem Zweiten Weltkrieg.
- Verschiedene Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg prägen Frankreich auch im Frieden danach.
- Da ist die schnelle Niederlage 1940. Alle Welt hält damals Frankreich
- für das militärisch stärkste Land in Europa. Dann erringt die Deutsche Wehrmacht einen raschen Sieg.
- Die Franzosen sind daraufhin demoralisiert und zweifeln an sich selbst.
- Weil die Deutschen nur einen Teil des Landes besetzen, entsteht im unbesetzten südlichen Frankreich das Vichy-Regime.
- Dazu haben wir mal ein Video gemacht, findet ihr auf dem "i". Es gibt diejenigen, die sich dieser neuen Regierung voll verschreiben
- und auch etliche, die mit den Deutschen kollaborieren. Neben den Kollaborateuren gibt es
- die Mitglieder der Widerstandsbewegung, der Résistance. Die kämpft gegen die Deutschen und hilft bei der Befreiung Frankreichs,
- die allerdings einige Zeit dauern wird. Diese Erfahrung des gemeinsamen Kampfes ist eine,
- die die Widerstandskämpfer verbindet, über alle Parteigrenzen hinweg. Ein Mann erwirbt sich dabei ganz besonderes Ansehen:
- Charles de Gaulle. Der General gibt nach der Niederlage nicht auf,
- sondern er führt aus dem Londoner Exil heraus den Kampf gegen Adolf Hitler weiter.
- Auch dank seiner Standhaftigkeit gehört Frankreich am Ende zu den Siegern des Krieges.
- Er rettet Frankreichs Ehre, so empfinden das fast alle. de Gaulle steht für Freiheit und für Liebe zum Vaterland.
- Auch wenn er selbst zeitlebens nicht unumstritten ist. Als Charles de Gaulle im August 1944 in das befreite Paris einmarschiert,
- jubeln ihm die Menschen zu. Er bildet eine provisorische Regierung,
- die den Befreiungskampf anführt und das Leben ordnet. Das ist ziemlich schwierig.
- Denn ungefähr 2,5 Millionen Franzosen sind in deutscher Gefangenschaft oder müssen Zwangsarbeit leisten.
- Außerdem kommt es zu sogenannten Säuberungen durch die Résistance-Mitglieder.
- Frauen, die sich mit Deutschen eingelassen haben, wird etwa der Kopf geschoren.
- Und überall kommt es zu Lynchmorden. Um das zu stoppen, setzt die Regierung Gerichte ein.
- Aber wer gilt als Kollaborateur? Der Gestapo-Spitzel? Ja, sicher.
- Und die französische Frau, die mit einem Soldaten ins Bett geht, um Lebensmittel zu bekommen? Schwierig.
- Am Ende gibt es 86.000 Verurteilungen. 767 vollstreckte Todesurteile.
- Auch die Wirtschaft ist am Boden. Die Menschen leiden Hunger. Die Deutschen haben das Land ausgeplündert.
- Millionen Gebäude liegen in Trümmern. Tausende Brücken sind zerstört. Die Aufgaben sind also klar:
- Frankreich braucht eine neue politische Ordnung, die den Wiederaufbau möglich macht und politisch stabil ist.
- Aber diese Hoffnung erfüllt sich erst einmal nicht mit der sogenannten Vierten Republik.
- Die Vierte Republik ist die Staatsform Frankreichs von 1946 bis 1958,
- wie ihr auch in dieser Übersicht seht. Die Erste Republik entsteht im Rahmen der Französischen Revolution.
- Auch dazu findet ihr ein Video auf dem "i". Die Fünfte Republik ist die, die bis heute noch existiert.
- Zu dieser Fünften Republik kommen wir gleich noch. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in der sogenannten Vierten Republik,
- gibt es keine starke Exekutive, keine starken Präsidenten mit einer großen Machtfülle, wie wir das heute kennen.
- Dabei sind die Herausforderungen enorm, auch wirtschaftlich. Wirtschaftspolitisch stellt die Vierte Republik darum die Weichen
- für einen großen staatlichen Einfluss auf die Industrie. Die Energiewirtschaft, die Automobilindustrie
- und das Bankenwesen werden verstaatlicht. So will man den Wiederaufbau kraftvoll umsetzen.
- Das größte Problem für die französische Regierung in der Zeit stellen aber wohl die Kolonialgebiete dar,
- Französisch-Nordafrika, zum Beispiel, oder Französisch-Indochina. Dort begehren die Menschen nach Kriegsende auf.
- Die Unabhängigkeitsbewegungen werden mit brutaler Gewalt unterdrückt. Es gibt auch Versuche, das Kolonialreich
- in einem losen Bund umzubilden, so wie das britische Kolonialreich zum Commonwealth wurde.
- Aber man muss sagen, so eine Union française, eine französische Union,
- scheitert letztendlich. Die französische Regierung will damals ihre Kolonialgebiete,
- in denen es schon vor dem Krieg Unabhängigkeitsbewegungen und Unruhen gab, behalten.
- Frankreich will wieder eine Weltmacht werden. Dazu gehören, nach damaligem Verständnis,
- eben auch Kolonien und Einflusszonen. Eine besondere Rolle spielt dabei das sogenannte Indochina,
- die heutigen Staaten Kambodscha, Laos und vor allem Vietnam. Ab Dezember 1946 führt Frankreich einen Krieg gegen die Việt Minh
- um die Unabhängigkeit Vietnams. Auch mit Unterstützung der USA.
- 1954 endet der Krieg mit der Teilung des Landes. Frankreich hat verloren.
- Was allerdings viele Menschen im Mutterland gar nicht so sehr kümmert. Weitere gewalttätige Konflikte und Kriege finden in Madagaskar,
- in der Elfenbeinküste und in Kamerun statt. Ermutigt durch den Ausgang des Indochinakrieges
- schlägt die Unabhängigkeitsbewegung in Algerien los, sozusagen vor der französischen Haustür.
- Der Algerienkrieg dauert von 1954 bis 1962. Er ist ein Musterbeispiel, im schlechtesten Sinne,
- wie die Gewalt in solchen Kolonialkonflikten eskaliert. Es kommt zu Aufständen zuerst, bei denen Gewalt angewendet wird.
- Frankreich schlägt diese Aufstände brutal nieder, weshalb sich die Aufständischen radikalisieren.
- Am Ende steht der Krieg, in dem 25.000 französische Soldaten und 400.000 Algerier sterben.
- Jetzt ist Algerien, rechtlich gesehen, ein Teil Frankreichs. Allerdings besitzen die muslimischen Einwohner
- nur eingeschränkte politische Rechte. Auch wirtschaftlich sind sie
- gegenüber den europäischen Einwohnern schlechtergestellt. Ich erspar euch die Einzelheiten des Krieges.
- Er fordert aber die französische Gesellschaft heraus, sich mit wichtigen Fragen auseinanderzusetzen.
- Viele Intellektuelle kritisieren damals den Krieg. Die Regierung erweckt mehr und mehr den Eindruck,
- die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Regierungskoalitionen zerbrechen an der Haltung zum Algerienkrieg.
- Manchmal kann über Monate hinweg kein Ministerpräsident gewählt werden. Das Militär in Algerien verweigert der Pariser Regierung
- sogar den Gehorsam und fordert, dass der ehemalige General de Gaulle die Regierung übernehmen soll.
- Ein Putsch bahnt sich an. Übrigens, die Probleme, die sich aus der Kolonialzeit ergeben,
- dauern bis heute an. Lange gilt der grausame algerische Unabhängigkeitskrieg
- als verdrängtes Thema in Frankreich. Bis heute belastet dieser Krieg die Beziehungen der beiden Staaten.
- Kommen wir zurück zu Charles de Gaulle. Charles de Gaulle, der zwischendurch abgetaucht schien,
- kann jetzt als Nothelfer zurückkehren. 1958 ernennt ihn das Parlament zum Ministerpräsidenten,
- mit Notstandsvollmachten. Er bekommt auch den Auftrag, eine neue Verfassung auszuarbeiten.
- Das Ergebnis ist die Fünfte Republik, die bis heute existiert. Der Präsident verfügt jetzt über bedeutend mehr Macht.
- Der erste Präsident wird 1959, könnt ihr euch denken, Charles de Gaulle. Seine zehnjährige Regierungszeit wird unterschiedlich beurteilt.
- Was bleibt, ist, dass unter ihm Frankreich zur Atommacht aufsteigt und die entscheidenden Schritte zur Aussöhnung mit Deutschland geht.
- Auf dem "i" findet ihr ein Video zur Außenpolitik von Konrad Adenauer. Da erfahrt ihr mehr dazu.
- In den 1960er-Jahren beginnt die Hochphase eine Wirtschaftsbooms in Frankreich, was vor allem an der wachsenden Bevölkerung liegt.
- Frankreich ist ein Land mit einer, im europaweiten Vergleich, jungen Bevölkerung.
- Kein Wunder, dass im Mai 1968 studentische Unruhen in Frankreich ausbrechen
- und von da auch die deutschen Studenten anstecken. de Gaulle tritt übrigens 1969 zurück.
- Im folgen Georges Pompidou und Valéry Giscard d'Estaing, die damit zurechtkommen müssen,
- dass Frankreich seit Beginn der 1970er-Jahre mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat.
- Die Arbeitslosigkeit steigt rasant an. Giscard tut sich zur Krisenbekämpfung mit dem damaligen
- deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt zusammen. Beide starten Initiativen,
- vor allem für die Weiterentwicklung der europäischen Gemeinschaft. Über die Geschichte der europäischen Einigung
- haben wir schon mal ein Video gemacht. Auch das findet ihr oben auf dem "i".
- 1981 kommt der Sozialist François Mitterrand an die Macht. Mitterrand setzt darauf, dass staatliches Handeln
- die Wirtschaftskrise überwinden kann. Europapolitisch kooperiert er eng mit Bundeskanzler Helmut Kohl.
- Berühmt ist dieses Bild der beiden Staatsmänner, die sich an den Soldatengräbern von der Schlacht bei Verdun
- die Hände reichen. Helmut Kohl schreibt in seinen Memoiren,
- Mitterrand habe seine Hand ergriffen. Die Botschaft des Bildes:
- Wir waren Feinde 1870. Wir waren Feinde 1914. Wir waren Feinde 1940. Und wir sind heute Freunde.
- Eine richtig starke Geste, die beweist, dass man aus der Geschichte auch lernen kann.
- Trotzdem muss Helmut Kohl Mitterrand später erst überzeugen, 1990 der deutschen Einheit zuzustimmen.
- Der Franzose hat das Dritte Reich erlebt und erlitten. Er stimmt erst zu, als Kohl die deutsche Einheit
- in die europäischen Einigungsprozesse einbindet. Viele Deutsche reiben sich heute die Augen,
- wenn es in Frankreich zu nicht selten gewalttätigen Auseinandersetzungen auf den Straßen kommt.
- Demonstrationen, die, so sehen das viele Deutsche, aus dem Ruder laufen.
- In Deutschland ist die Verfassung so gestrickt, dass politische Macht
- immer von mehreren anderen Institutionen kontrolliert wird. Im Frankreich der Fünften Republik ist der Präsident sehr mächtig.
- Ihn kontrolliert sozusagen das Volk selbst. Wenn etwas nicht passt, dann geht man auf die Straße.
- Notfalls auch sehr rabiat. So auch während der Amtszeit von Mitterrand.
- Damals entstehen große Industrieregionen, die sozialen Spannungen nehmen zu, insbesondere in diesen Regionen.
- Viele Proteste und Konflikte in Frankreich hängen mit der Sozialpolitik und sozialen Problemen zusammen.
- Beispiel: Nach dem Zweiten Weltkrieg werden Hochhaussiedlungen hochgezogen,
- in denen die Industriearbeiter Wohnraum finden sollen. Aber diese Siedlungen, die Banlieue, sind keine attraktiven Wohngebiete.
- Wer kann, der zieht weg. Die Banlieue verkommen zunehmend, und sozial schwache Familien,
- oft Einwanderer aus den Kolonien, vor allem aus Afrika, ziehen dort ein.
- Zwangsläufig entstehen soziale Brennpunkte und auch Gewalt und Frust entladen sich, bis heute.
- Zum Beispiel in den Pariser Vororten. Politische Parteien am rechten Rand
- machen damals schon gegen die Einwanderer mobil. Vor allem eine Partei: der Front National,
- die Nationale Front. Schon 1972 wurde sie unter anderem von Jean-Marie Le Pen gegründet.
- Eine rechte Partei. Nicht wenige bezeichnen sie damals auch als rechtsextrem.
- Diese Partei hetzt gegen Einwanderer, den Islam, setzt auf Nationalismus. Die sozialen Probleme in den 1980er-Jahren verschaffen ihr Zulauf.
- Noch erfolgreicher wird die Partei als später die Tochter, Marine Le Pen, die Partei übernimmt und versucht,
- sich weniger radikal, mehr rechtspopulistisch darzustellen. Inzwischen heißt die Partei Rassemblement National,
- Nationale Versammlung. Sie versucht immer wieder, die Herausforderungen Frankreichs
- verstärkt als ihre Themen zu nutzen. Macht etwa Stimmung gegen die europäische Zusammenarbeit,
- heute wie damals. Die Präsidenten Nicolas Sarkozy, ab 2007,
- und François Hollande, ab 2012, müssen versuchen, mit den Grundbedingungen der französischen Politik zu arbeiten.
- Wie jedes europäische Land ist Frankreich einfach zu klein, zu unbedeutend, um international Politik machen zu können.
- Um international etwas zu erreichen, müssen die Präsidenten immer mit den deutschen Kanzlern,
- in dem Fall mit der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel, zusammenarbeiten.
- Manchmal, muss man sagen, auch zähneknirschend. Die größten innenpolitischen Herausforderungen Frankreichs
- der vergangenen Jahre sind lange die Unruhen in den Banlieue und die islamistischen Terroranschläge in Paris 2015.
- Seit 2018 demonstrieren auch immer wieder globalisierungskritische Mitglieder der Gelbwestenbewegung,
- ursprünglich wegen hoher Spritpreise. Bis heute sind einige Themen aus der Geschichte geblieben:
- die sozialen Spannungen oder auch die Integration. Manches ist dazugekommen, wie der Umgang mit der Pandemie
- und all ihren Auswirkungen. Außenpolitisch steht momentan wohl, wie für andere Nationen,
- der russisch-ukrainische Krieg im Fokus. Das wird ein bedeutendes Thema für die Präsidentschaftswahl 2022.
- Geblieben aber ist die Suche nach der Rolle in Europa. Es gibt politische Kommentatoren, die meinen,
- Frankreich sei eine verunsicherte Nation. Ihr habt ja gehört,
- wie die Ereignisse während des Zweiten Weltkriegs damals die Franzosen verunsichert haben.
- Die Politik fand einen Weg aus dieser Verunsicherung heraus. Heute ist die französische Gesellschaft wieder herausgefordert.
- Ich würde sagen, genauso wie die deutsche Gesellschaft, die niederländische, italienische, spanische.
- Im Gegensatz zu früher sind die Herausforderungen heute aber nicht mehr allein national zu lösen,
- sondern verstärkt gemeinsam, international, europaweit. Etwas was vielen im Hinblick auf den Krieg in Europa
- wieder bewusst geworden ist. Was denkt ihr: Wohin entwickelt sich Frankreich?
- Ist das ein Land, zu dem ihr eine besondere Beziehung habt? Schreibt das gerne unten in die Kommentare.
- Merci beaucoup schon mal dafür. Neben mir findet ihr ein Video von uns
- zur Entstehung der Ersten Französischen Republik. Und darunter eine Doku aus der ZDF-Mediathek:
- Ein Tag in Paris 1775. Auch da gerne mal reinschauen.
- Vielen Dank fürs Zuschauen. Und bis zum nächsten Mal.
Zum Nachlesen
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