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Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg

MrWissen2go Geschichte | Terra X13:21 337.556 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 146 Zeilen
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  1. Frankreich ist Deutschlands größter Nachbar und wohl auch wichtigster Partner.
  2. Was dort passiert, hat auch direkte Auswirkungen auf uns, nicht zur zur Zeit von Wahlen oder eines Krieges.
  3. Dennoch kennen viele von Frankreichs Geschichte meist nur die Zeit der Revolution bis Napoleon oder der Weltkriege.
  4. Dabei haben viele Ereignisse den Nährboden gelegt für große Diskussionen, die die Gesellschaft noch heute bewegen,
  5. in beiden Ländern. Migration zum Beispiel, Streiks oder das Erstarken rechter Parteien.
  6. Deshalb erklären wir euch in diesem Video die Geschichte Frankreichs seit dem Zweiten Weltkrieg.
  7. Verschiedene Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg prägen Frankreich auch im Frieden danach.
  8. Da ist die schnelle Niederlage 1940. Alle Welt hält damals Frankreich
  9. für das militärisch stärkste Land in Europa. Dann erringt die Deutsche Wehrmacht einen raschen Sieg.
  10. Die Franzosen sind daraufhin demoralisiert und zweifeln an sich selbst.
  11. Weil die Deutschen nur einen Teil des Landes besetzen, entsteht im unbesetzten südlichen Frankreich das Vichy-Regime.
  12. Dazu haben wir mal ein Video gemacht, findet ihr auf dem "i". Es gibt diejenigen, die sich dieser neuen Regierung voll verschreiben
  13. und auch etliche, die mit den Deutschen kollaborieren. Neben den Kollaborateuren gibt es
  14. die Mitglieder der Widerstandsbewegung, der Résistance. Die kämpft gegen die Deutschen und hilft bei der Befreiung Frankreichs,
  15. die allerdings einige Zeit dauern wird. Diese Erfahrung des gemeinsamen Kampfes ist eine,
  16. die die Widerstandskämpfer verbindet, über alle Parteigrenzen hinweg. Ein Mann erwirbt sich dabei ganz besonderes Ansehen:
  17. Charles de Gaulle. Der General gibt nach der Niederlage nicht auf,
  18. sondern er führt aus dem Londoner Exil heraus den Kampf gegen Adolf Hitler weiter.
  19. Auch dank seiner Standhaftigkeit gehört Frankreich am Ende zu den Siegern des Krieges.
  20. Er rettet Frankreichs Ehre, so empfinden das fast alle. de Gaulle steht für Freiheit und für Liebe zum Vaterland.
  21. Auch wenn er selbst zeitlebens nicht unumstritten ist. Als Charles de Gaulle im August 1944 in das befreite Paris einmarschiert,
  22. jubeln ihm die Menschen zu. Er bildet eine provisorische Regierung,
  23. die den Befreiungskampf anführt und das Leben ordnet. Das ist ziemlich schwierig.
  24. Denn ungefähr 2,5 Millionen Franzosen sind in deutscher Gefangenschaft oder müssen Zwangsarbeit leisten.
  25. Außerdem kommt es zu sogenannten Säuberungen durch die Résistance-Mitglieder.
  26. Frauen, die sich mit Deutschen eingelassen haben, wird etwa der Kopf geschoren.
  27. Und überall kommt es zu Lynchmorden. Um das zu stoppen, setzt die Regierung Gerichte ein.
  28. Aber wer gilt als Kollaborateur? Der Gestapo-Spitzel? Ja, sicher.
  29. Und die französische Frau, die mit einem Soldaten ins Bett geht, um Lebensmittel zu bekommen? Schwierig.
  30. Am Ende gibt es 86.000 Verurteilungen. 767 vollstreckte Todesurteile.
  31. Auch die Wirtschaft ist am Boden. Die Menschen leiden Hunger. Die Deutschen haben das Land ausgeplündert.
  32. Millionen Gebäude liegen in Trümmern. Tausende Brücken sind zerstört. Die Aufgaben sind also klar:
  33. Frankreich braucht eine neue politische Ordnung, die den Wiederaufbau möglich macht und politisch stabil ist.
  34. Aber diese Hoffnung erfüllt sich erst einmal nicht mit der sogenannten Vierten Republik.
  35. Die Vierte Republik ist die Staatsform Frankreichs von 1946 bis 1958,
  36. wie ihr auch in dieser Übersicht seht. Die Erste Republik entsteht im Rahmen der Französischen Revolution.
  37. Auch dazu findet ihr ein Video auf dem "i". Die Fünfte Republik ist die, die bis heute noch existiert.
  38. Zu dieser Fünften Republik kommen wir gleich noch. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in der sogenannten Vierten Republik,
  39. gibt es keine starke Exekutive, keine starken Präsidenten mit einer großen Machtfülle, wie wir das heute kennen.
  40. Dabei sind die Herausforderungen enorm, auch wirtschaftlich. Wirtschaftspolitisch stellt die Vierte Republik darum die Weichen
  41. für einen großen staatlichen Einfluss auf die Industrie. Die Energiewirtschaft, die Automobilindustrie
  42. und das Bankenwesen werden verstaatlicht. So will man den Wiederaufbau kraftvoll umsetzen.
  43. Das größte Problem für die französische Regierung in der Zeit stellen aber wohl die Kolonialgebiete dar,
  44. Französisch-Nordafrika, zum Beispiel, oder Französisch-Indochina. Dort begehren die Menschen nach Kriegsende auf.
  45. Die Unabhängigkeitsbewegungen werden mit brutaler Gewalt unterdrückt. Es gibt auch Versuche, das Kolonialreich
  46. in einem losen Bund umzubilden, so wie das britische Kolonialreich zum Commonwealth wurde.
  47. Aber man muss sagen, so eine Union française, eine französische Union,
  48. scheitert letztendlich. Die französische Regierung will damals ihre Kolonialgebiete,
  49. in denen es schon vor dem Krieg Unabhängigkeitsbewegungen und Unruhen gab, behalten.
  50. Frankreich will wieder eine Weltmacht werden. Dazu gehören, nach damaligem Verständnis,
  51. eben auch Kolonien und Einflusszonen. Eine besondere Rolle spielt dabei das sogenannte Indochina,
  52. die heutigen Staaten Kambodscha, Laos und vor allem Vietnam. Ab Dezember 1946 führt Frankreich einen Krieg gegen die Việt Minh
  53. um die Unabhängigkeit Vietnams. Auch mit Unterstützung der USA.
  54. 1954 endet der Krieg mit der Teilung des Landes. Frankreich hat verloren.
  55. Was allerdings viele Menschen im Mutterland gar nicht so sehr kümmert. Weitere gewalttätige Konflikte und Kriege finden in Madagaskar,
  56. in der Elfenbeinküste und in Kamerun statt. Ermutigt durch den Ausgang des Indochinakrieges
  57. schlägt die Unabhängigkeitsbewegung in Algerien los, sozusagen vor der französischen Haustür.
  58. Der Algerienkrieg dauert von 1954 bis 1962. Er ist ein Musterbeispiel, im schlechtesten Sinne,
  59. wie die Gewalt in solchen Kolonialkonflikten eskaliert. Es kommt zu Aufständen zuerst, bei denen Gewalt angewendet wird.
  60. Frankreich schlägt diese Aufstände brutal nieder, weshalb sich die Aufständischen radikalisieren.
  61. Am Ende steht der Krieg, in dem 25.000 französische Soldaten und 400.000 Algerier sterben.
  62. Jetzt ist Algerien, rechtlich gesehen, ein Teil Frankreichs. Allerdings besitzen die muslimischen Einwohner
  63. nur eingeschränkte politische Rechte. Auch wirtschaftlich sind sie
  64. gegenüber den europäischen Einwohnern schlechtergestellt. Ich erspar euch die Einzelheiten des Krieges.
  65. Er fordert aber die französische Gesellschaft heraus, sich mit wichtigen Fragen auseinanderzusetzen.
  66. Viele Intellektuelle kritisieren damals den Krieg. Die Regierung erweckt mehr und mehr den Eindruck,
  67. die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Regierungskoalitionen zerbrechen an der Haltung zum Algerienkrieg.
  68. Manchmal kann über Monate hinweg kein Ministerpräsident gewählt werden. Das Militär in Algerien verweigert der Pariser Regierung
  69. sogar den Gehorsam und fordert, dass der ehemalige General de Gaulle die Regierung übernehmen soll.
  70. Ein Putsch bahnt sich an. Übrigens, die Probleme, die sich aus der Kolonialzeit ergeben,
  71. dauern bis heute an. Lange gilt der grausame algerische Unabhängigkeitskrieg
  72. als verdrängtes Thema in Frankreich. Bis heute belastet dieser Krieg die Beziehungen der beiden Staaten.
  73. Kommen wir zurück zu Charles de Gaulle. Charles de Gaulle, der zwischendurch abgetaucht schien,
  74. kann jetzt als Nothelfer zurückkehren. 1958 ernennt ihn das Parlament zum Ministerpräsidenten,
  75. mit Notstandsvollmachten. Er bekommt auch den Auftrag, eine neue Verfassung auszuarbeiten.
  76. Das Ergebnis ist die Fünfte Republik, die bis heute existiert. Der Präsident verfügt jetzt über bedeutend mehr Macht.
  77. Der erste Präsident wird 1959, könnt ihr euch denken, Charles de Gaulle. Seine zehnjährige Regierungszeit wird unterschiedlich beurteilt.
  78. Was bleibt, ist, dass unter ihm Frankreich zur Atommacht aufsteigt und die entscheidenden Schritte zur Aussöhnung mit Deutschland geht.
  79. Auf dem "i" findet ihr ein Video zur Außenpolitik von Konrad Adenauer. Da erfahrt ihr mehr dazu.
  80. In den 1960er-Jahren beginnt die Hochphase eine Wirtschaftsbooms in Frankreich, was vor allem an der wachsenden Bevölkerung liegt.
  81. Frankreich ist ein Land mit einer, im europaweiten Vergleich, jungen Bevölkerung.
  82. Kein Wunder, dass im Mai 1968 studentische Unruhen in Frankreich ausbrechen
  83. und von da auch die deutschen Studenten anstecken. de Gaulle tritt übrigens 1969 zurück.
  84. Im folgen Georges Pompidou und Valéry Giscard d'Estaing, die damit zurechtkommen müssen,
  85. dass Frankreich seit Beginn der 1970er-Jahre mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat.
  86. Die Arbeitslosigkeit steigt rasant an. Giscard tut sich zur Krisenbekämpfung mit dem damaligen
  87. deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt zusammen. Beide starten Initiativen,
  88. vor allem für die Weiterentwicklung der europäischen Gemeinschaft. Über die Geschichte der europäischen Einigung
  89. haben wir schon mal ein Video gemacht. Auch das findet ihr oben auf dem "i".
  90. 1981 kommt der Sozialist François Mitterrand an die Macht. Mitterrand setzt darauf, dass staatliches Handeln
  91. die Wirtschaftskrise überwinden kann. Europapolitisch kooperiert er eng mit Bundeskanzler Helmut Kohl.
  92. Berühmt ist dieses Bild der beiden Staatsmänner, die sich an den Soldatengräbern von der Schlacht bei Verdun
  93. die Hände reichen. Helmut Kohl schreibt in seinen Memoiren,
  94. Mitterrand habe seine Hand ergriffen. Die Botschaft des Bildes:
  95. Wir waren Feinde 1870. Wir waren Feinde 1914. Wir waren Feinde 1940. Und wir sind heute Freunde.
  96. Eine richtig starke Geste, die beweist, dass man aus der Geschichte auch lernen kann.
  97. Trotzdem muss Helmut Kohl Mitterrand später erst überzeugen, 1990 der deutschen Einheit zuzustimmen.
  98. Der Franzose hat das Dritte Reich erlebt und erlitten. Er stimmt erst zu, als Kohl die deutsche Einheit
  99. in die europäischen Einigungsprozesse einbindet. Viele Deutsche reiben sich heute die Augen,
  100. wenn es in Frankreich zu nicht selten gewalttätigen Auseinandersetzungen auf den Straßen kommt.
  101. Demonstrationen, die, so sehen das viele Deutsche, aus dem Ruder laufen.
  102. In Deutschland ist die Verfassung so gestrickt, dass politische Macht
  103. immer von mehreren anderen Institutionen kontrolliert wird. Im Frankreich der Fünften Republik ist der Präsident sehr mächtig.
  104. Ihn kontrolliert sozusagen das Volk selbst. Wenn etwas nicht passt, dann geht man auf die Straße.
  105. Notfalls auch sehr rabiat. So auch während der Amtszeit von Mitterrand.
  106. Damals entstehen große Industrieregionen, die sozialen Spannungen nehmen zu, insbesondere in diesen Regionen.
  107. Viele Proteste und Konflikte in Frankreich hängen mit der Sozialpolitik und sozialen Problemen zusammen.
  108. Beispiel: Nach dem Zweiten Weltkrieg werden Hochhaussiedlungen hochgezogen,
  109. in denen die Industriearbeiter Wohnraum finden sollen. Aber diese Siedlungen, die Banlieue, sind keine attraktiven Wohngebiete.
  110. Wer kann, der zieht weg. Die Banlieue verkommen zunehmend, und sozial schwache Familien,
  111. oft Einwanderer aus den Kolonien, vor allem aus Afrika, ziehen dort ein.
  112. Zwangsläufig entstehen soziale Brennpunkte und auch Gewalt und Frust entladen sich, bis heute.
  113. Zum Beispiel in den Pariser Vororten. Politische Parteien am rechten Rand
  114. machen damals schon gegen die Einwanderer mobil. Vor allem eine Partei: der Front National,
  115. die Nationale Front. Schon 1972 wurde sie unter anderem von Jean-Marie Le Pen gegründet.
  116. Eine rechte Partei. Nicht wenige bezeichnen sie damals auch als rechtsextrem.
  117. Diese Partei hetzt gegen Einwanderer, den Islam, setzt auf Nationalismus. Die sozialen Probleme in den 1980er-Jahren verschaffen ihr Zulauf.
  118. Noch erfolgreicher wird die Partei als später die Tochter, Marine Le Pen, die Partei übernimmt und versucht,
  119. sich weniger radikal, mehr rechtspopulistisch darzustellen. Inzwischen heißt die Partei Rassemblement National,
  120. Nationale Versammlung. Sie versucht immer wieder, die Herausforderungen Frankreichs
  121. verstärkt als ihre Themen zu nutzen. Macht etwa Stimmung gegen die europäische Zusammenarbeit,
  122. heute wie damals. Die Präsidenten Nicolas Sarkozy, ab 2007,
  123. und François Hollande, ab 2012, müssen versuchen, mit den Grundbedingungen der französischen Politik zu arbeiten.
  124. Wie jedes europäische Land ist Frankreich einfach zu klein, zu unbedeutend, um international Politik machen zu können.
  125. Um international etwas zu erreichen, müssen die Präsidenten immer mit den deutschen Kanzlern,
  126. in dem Fall mit der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel, zusammenarbeiten.
  127. Manchmal, muss man sagen, auch zähneknirschend. Die größten innenpolitischen Herausforderungen Frankreichs
  128. der vergangenen Jahre sind lange die Unruhen in den Banlieue und die islamistischen Terroranschläge in Paris 2015.
  129. Seit 2018 demonstrieren auch immer wieder globalisierungskritische Mitglieder der Gelbwestenbewegung,
  130. ursprünglich wegen hoher Spritpreise. Bis heute sind einige Themen aus der Geschichte geblieben:
  131. die sozialen Spannungen oder auch die Integration. Manches ist dazugekommen, wie der Umgang mit der Pandemie
  132. und all ihren Auswirkungen. Außenpolitisch steht momentan wohl, wie für andere Nationen,
  133. der russisch-ukrainische Krieg im Fokus. Das wird ein bedeutendes Thema für die Präsidentschaftswahl 2022.
  134. Geblieben aber ist die Suche nach der Rolle in Europa. Es gibt politische Kommentatoren, die meinen,
  135. Frankreich sei eine verunsicherte Nation. Ihr habt ja gehört,
  136. wie die Ereignisse während des Zweiten Weltkriegs damals die Franzosen verunsichert haben.
  137. Die Politik fand einen Weg aus dieser Verunsicherung heraus. Heute ist die französische Gesellschaft wieder herausgefordert.
  138. Ich würde sagen, genauso wie die deutsche Gesellschaft, die niederländische, italienische, spanische.
  139. Im Gegensatz zu früher sind die Herausforderungen heute aber nicht mehr allein national zu lösen,
  140. sondern verstärkt gemeinsam, international, europaweit. Etwas was vielen im Hinblick auf den Krieg in Europa
  141. wieder bewusst geworden ist. Was denkt ihr: Wohin entwickelt sich Frankreich?
  142. Ist das ein Land, zu dem ihr eine besondere Beziehung habt? Schreibt das gerne unten in die Kommentare.
  143. Merci beaucoup schon mal dafür. Neben mir findet ihr ein Video von uns
  144. zur Entstehung der Ersten Französischen Republik. Und darunter eine Doku aus der ZDF-Mediathek:
  145. Ein Tag in Paris 1775. Auch da gerne mal reinschauen.
  146. Vielen Dank fürs Zuschauen. Und bis zum nächsten Mal.

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