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Frank Wedekind

Mit seinen gesellschaftskritischen Theaterstücken wie Erdgeist, Die Büchse der Pandora und Frühlings Erwachen gehört er zu den meistgespielten Dramatikern …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und künstlerisches Profil
  2. 2. Jugend, Schule und Studium
  3. 3. Schriftsteller, Bühnenkünstler und politischer Provokateur
  4. 4. Privatleben, Tod und zentrale Werke
  5. 5. Weiterwirkung und Erinnerung

Bedeutung und künstlerisches Profil

Frank Wedekind, geboren als Benjamin Franklin Wedekind am 24. Juli 1864 in Hannover und gestorben am 9. März 1918 in München, war ein deutscher Schriftsteller, Dramatiker, Dichter, Schauspieler, Kabarettist und Journalist. Er gehört zu den meistgespielten Dramatikern seiner Epoche. Besonders bekannt sind Frühlings Erwachen sowie die später zum Drama Lulu zusammengefassten Stücke Erdgeist und Die Büchse der Pandora.

Wedekinds dramaturgische Konzepte gingen über den Naturalismus hinaus und bereiteten einem anti-illusionistischen Theater den Weg. Dieses stellt nicht die möglichst wirklichkeitsgetreue Nachahmung des Lebens in den Mittelpunkt, sondern macht den künstlichen Charakter der Bühne sichtbar. Wedekind trat selbst in seinen Stücken auf und provozierte das bürgerliche Publikum mit grotesk wirkenden Darstellungen.

Seine Dramen üben scharfe Gesellschaftskritik. Sie richten sich vor allem gegen schulische Dressur, bürgerliche Scheinheiligkeit, Prüderie und eine Moral, die Sexualität unterdrückt. Wegen sexuell anstößig geltender Inhalte wurden seine Texte häufig als sittenwidrig betrachtet, beschlagnahmt oder mit Aufführungsverboten belegt. Frühlings Erwachen und Der Marquis von Keith enthalten unter anderem sadomasochistische Motive; auch die Darstellung von Sexualität in Lulu wurde besonders beachtet und später vor allem psychoanalytisch untersucht.

Jugend, Schule und Studium

Wedekinds Vater Friedrich Wilhelm Wedekind war Gynäkologe, politischer Gegner der bestehenden Verhältnisse und nach der gescheiterten Märzrevolution 1848/1849 nach San Francisco ausgewandert. Dort erwarb er während des kalifornischen Goldrauschs ein bedeutendes Vermögen und heiratete Emilie Kammerer, die Tochter des Erfinders Friedrich Kammerer. 1864 kehrte die Familie nach Deutschland zurück und lebte zunächst in Hannover.

1872 zog sie aus Opposition gegen das neu gegründete preußisch-deutsche Reich in die Schweiz. Der Vater kaufte Schloss Lenzburg im Kanton Aargau, wo Wedekind seine Jugend verbrachte. Er besuchte die Gemeinde- und Bezirksschule in Lenzburg und wechselte 1879 an die Kantonsschule Aarau. Dort gründete er mit Walter Laué, Adolf Vögtlin und Oskar Schibler den Dichterbund Senatus Poeticus. Wegen schulischer Schwierigkeiten erhielt er ab 1881 weitgehend Einzelunterricht.

Nach der Matura 1884 studierte Wedekind zunächst deutsche und französische Literatur in Lausanne. Noch im selben Jahr begann er auf Wunsch seines Vaters in München ein Jurastudium, brach es jedoch ab. Er arbeitete als Journalist, als Werbetexter beziehungsweise Leiter der Werbeabteilung bei Maggi und kurzzeitig als Sekretär beim Zirkus Herzog. Die Welt des Zirkus faszinierte ihn dauerhaft und beeinflusste seine Dichtung. In dieser Zeit entstanden erste Gedichte, Prosatexte und eine Komödie.

Nachdem sein Vater ihm 1886 wegen unzureichender Studienleistungen die Unterstützung entzogen hatte, nahm Wedekind 1888 in Zürich nochmals ein Jurastudium auf. Nach dem Tod des Vaters im Oktober 1888 brach er es endgültig ab. Das beträchtliche Erbe verschaffte ihm zunächst künstlerische Freiheit, war aber nach wenigen Jahren verbraucht.

Schriftsteller, Bühnenkünstler und politischer Provokateur

1889 zog Wedekind nach München und 1891 nach Paris, wo er den späteren Verleger Albert Langen kennenlernte. Ebenfalls 1891 vollendete er Frühlings Erwachen. 1895 erschien Erdgeist. Nach Aufenthalten in der Schweiz, London und Berlin kehrte er 1896 nach München zurück und gründete die Satirezeitschrift Simplicissimus mit. Dort veröffentlichte er unter mehreren Pseudonymen, darunter „Hieronymos“.

Sein unter diesem Namen publiziertes satirisches Gedicht Im heiligen Land verspottete die Palästinareise Kaiser Wilhelms II. im Oktober 1898. Wedekind floh deshalb nach Paris. Nach seiner Rückkehr wurde er 1899 wegen Majestätsbeleidigung verurteilt und vom 21. September 1899 bis zu seiner Begnadigung im Februar 1900 sechs Monate auf der Festung Königstein inhaftiert.

1901 und 1902 gehörte Wedekind zum Münchner Kabarett „Die Elf Scharfrichter“. Er sang eigene Lieder zur Gitarre und verkörperte ein modernes Lebensgefühl jenseits der bürgerlichen Scheinwelt. Bis heute bekannt ist die 1902 entstandene Moritat Der Tantenmörder mit der Anfangszeile „Ich habe meine Tante geschlachtet…“.

1902 schloss Wedekind Die Büchse der Pandora ab. Bei der Uraufführung und Buchveröffentlichung 1904 wurde die erste Auflage noch vor der Auslieferung wegen Unzüchtigkeit beschlagnahmt. Im anschließenden Strafprozess wurden Autor und Verleger 1906 vom Vorwurf der Verbreitung unzüchtiger Schriften freigesprochen. 1908 verarbeitete Wedekind in Oaha den Simplicissimus-Verleger Albert Langen, dessen Frau Dagny Bjørnson und die Redaktion der Zeitschrift in Form einer Travestie.

Ab 1910 erreichte sein Schaffen in Berlin einen Höhepunkt. Max Reinhardt inszenierte 1912 und 1914 am Deutschen Theater zwei erfolgreiche Wedekind-Zyklen. Zugleich erschien Schloss Wetterstein als Buch. Während des Ersten Weltkriegs geriet Wedekind erneut in finanzielle Schwierigkeiten. Seine Rede Deutschland bringt die Freiheit vom 18. September 1914 enthielt nationalistische Töne und löste kontroverse Reaktionen aus. Wie seine Haltung zum Krieg zu deuten ist, bleibt umstritten.

Privatleben, Tod und zentrale Werke

Wedekind führte Beziehungen mit verschiedenen Frauen und hatte mehrere Kinder. Aus einer Affäre mit Frida Strindberg, der Ehefrau August Strindbergs, ging 1897 Friedrich Strindberg hervor. Mit Hildegard Zellner hatte er den 1902 geborenen Sohn Frank Zellner-Wedekind. 1906 heiratete er die Schauspielerin Tilly Newes, die in vielen seiner Stücke Hauptrollen übernahm und mit ihm auch im Zwiegesang auftrat. Das Paar lebte bis zu Wedekinds Tod in München und hatte die Töchter Pamela und Kadidja.

Zu seinen wichtigsten Werken zählen Frühlings Erwachen von 1891, Erdgeist von 1895, Der Marquis von Keith von 1901, Die Büchse der Pandora von 1902, Mine-Haha von 1903, Musik von 1907, Franziska von 1911 und Lulu von 1913. Lulu verbindet Erdgeist und Die Büchse der Pandora. Außerdem schrieb Wedekind Gedichte, Romanfragmente, Einakter, Lieder und dramatische Dichtungen. Zu seinen späten Arbeiten gehören Bismarck von 1914/15, Überfürchtenichts von 1915/16 und Herakles von 1916/17.

Seit Ende 1914 litt Wedekind infolge einer Blinddarmoperation unter einer bakteriellen Infektion der Bauchhaut, Fisteln und Narbenbrüchen. Vier weitere Eingriffe brachten keine Besserung. Er starb am 9. März 1918 an Herzschwäche und Lungenentzündung infolge dieser Komplikationen. Sein letztes Gedicht An Tilly war an seine Frau gerichtet. Beigesetzt wurde er auf dem Münchner Waldfriedhof. Sein Nachlass befindet sich im Literaturarchiv Monacensia in München und in der Aargauer Kantonsbibliothek in Aarau.

Weiterwirkung und Erinnerung

Wedekinds Dramen wirkten auf Theater, Oper, Film und Musik weiter. Erdgeist und Die Büchse der Pandora bildeten die Vorlage für Alban Bergs unvollendete Oper Lulu, die 1937 uraufgeführt wurde. Sie wurden außerdem in mehreren Stummfilmen verarbeitet, darunter Lulu von 1917, Leopold Jessners Erdgeist von 1923 und Georg Wilhelm Pabsts Die Büchse der Pandora von 1929. Spätere Filme wie Lulu von 1962, Something Wild von 1986 und Lulu on the Bridge von 1998 griffen ebenfalls die Lulu-Figur auf. 2011 veröffentlichten Metallica und Lou Reed das von ihr beeinflusste Album Lulu.

Frühlings Erwachen wurde mehrfach für andere Medien bearbeitet. Eine musikalische Fassung von Duncan Sheik und Steven Sater kam Ende 2006 erfolgreich am Broadway heraus und wurde weltweit ausgezeichnet. Bereits 1923 erschien eine Verfilmung; 2009 schuf Nuran David Çalış für das ZDF eine zeitgemäße Adaption. König Nicolo oder So ist das Leben wurde zur Grundlage einer Oper von Hans Chemin-Petit, die am 6. Mai 1962 in Aachen uraufgeführt wurde.

Auch im öffentlichen Raum wird an Wedekind erinnert: 1951 erhielt eine Straße in Berlin-Friedrichshain den Namen Wedekindstraße. 1959 schuf Ferdinand Filler auf dem Münchner Wedekindplatz den Wedekindbrunnen. Mehrere Werk-, Brief- und Tagebuchausgaben erschließen Wedekinds umfangreiches Schaffen, darunter die achtbändige, in 15 Teilbänden erschienene Kritische Studienausgabe der Werke von 1994 bis 2011.

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