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Erster Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg war ein bewaffneter Konflikt, der von 1914 bis 1918 in Europa, Vorderasien, Afrika, Ostasien und auf den Ozeanen geführt wurde.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Voraussetzungen
  2. 2. Julikrise und Ausweitung zum Weltkrieg
  3. 3. Der Krieg als Material- und Mehrfrontenkrieg
  4. 4. Wende im Osten und Zusammenbruch 1916 bis 1918
  5. 5. Gesellschaft, Kriegsziele und Folgen

Gegenstand und Voraussetzungen

Der Erste Weltkrieg war ein bewaffneter Konflikt von 1914 bis 1918, der in Europa, Vorderasien, Afrika, Ostasien und auf den Ozeanen geführt wurde. Etwa 17 Millionen Menschen starben; diese Schätzung ist mit großen Unsicherheiten behaftet. Rund 40 Staaten beteiligten sich, annähernd 70 Millionen Menschen standen unter Waffen. Zu den Mittelmächten gehörten vor allem Deutschland, Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich; ihre wichtigsten Gegner waren Frankreich, Großbritannien und sein Britisches Weltreich, Italien, die USA sowie zunächst Russland. Deutschland, Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich verloren den Krieg, Russland schied vorzeitig aus.

Vor 1914 befand sich Europa im Hochimperialismus, also in einer Zeit globaler Macht- und Kolonialpolitik. Industrielle Revolution und Bevölkerungsexplosion hatten die politische Vorherrschaft Europas sowie die imperialen Aktivitäten der USA und Japans gefördert. Kolonien wurden zunehmend zu einer Frage des nationalen Prestiges. Die Spannungen der imperialistischen Konkurrenz wirkten auf den europäischen Kontinent zurück, besonders weil Italien und das Deutsche Reich ihren Ansprüchen nicht entsprechende Kolonialanteile besaßen.

Seit der deutschen Reichsgründung von 1871 war das europäische Machtgleichgewicht verändert. Rivalitäten zwischen Deutschland und Frankreich, Österreich-Ungarn und Russland sowie innenpolitische Spannungen führten zu einer riskanteren Außenpolitik. Krisen wie die Balkankrisen, die Marokkokrisen, die Bosnische Annexionskrise 1908/09, die Balkankriege 1912 und 1913 und die Liman-von-Sanders-Krise 1913/14 verschärften Nationalismus und Misstrauen. Der Krieg war trotz dieses Konfliktpotenzials jedoch keine zwangsläufige Folge: Mehrere Krisen wurden diplomatisch beigelegt.

Das Bündnissystem bestand 1914 aus Dreibund und Triple Entente. Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien hatten sich im Dreibund verbunden; Rumänien war ihm 1883 beigetreten. Frankreich und Russland schlossen 1891/92 ein Abkommen, das 1894 als Französisch-Russische Allianz bestätigt wurde. Die Entente Cordiale zwischen Frankreich und Großbritannien entstand am 8. April 1904, die Triple Entente durch den Vertrag von Sankt Petersburg am 31. August 1907. Das deutsche Flottenwettrüsten mit Großbritannien und die deutsche Bindung an Österreich-Ungarn verstärkten Deutschlands außenpolitische Isolierung.

Am Vorabend des Krieges waren die Mittelmächte der Entente zahlenmäßig und wirtschaftlich unterlegen: Sie verfügten einschließlich Türkei über 138 Millionen Einwohner und 33 Millionen wehrfähige Männer, die Entente einschließlich Kolonien über 708 Millionen Einwohner und 179 Millionen wehrfähige Männer. Die Rüstungsausgaben der Entente waren 1913 etwa doppelt so hoch. Deutschland besaß jedoch einen Vorteil bei moderner schwerer Artillerie. Die Entente beherrschte vor allem die Meere und konnte Deutschland blockieren; Deutschland und Österreich-Ungarn profitierten zunächst von der geostrategischen „Inneren Linie“.

Julikrise und Ausweitung zum Weltkrieg

Am 28. Juni 1914 ermordete Gavrilo Princip in Sarajevo den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gemahlin. Princip gehörte Mlada Bosna an, einer revolutionären Untergrundorganisation, die mit der serbischen Geheimorganisation Schwarze Hand verbunden war. Das Ziel war die „Befreiung“ Bosnien-Herzegowinas von Österreich-Ungarn und die Einigung der Südslawen unter serbischer Führung.

Österreich-Ungarn suchte die Unterstützung Deutschlands. Kaiser Wilhelm II. und Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg gaben Anfang Juli den sogenannten Blankoscheck, also die bedingungslose Unterstützung für das Vorgehen gegen Serbien. Russland sagte Serbien Hilfe zu, Frankreich bekräftigte seine Allianz mit Russland. Am 23. Juli stellte Österreich-Ungarn Serbien ein auf 48 Stunden befristetes Ultimatum. Serbien akzeptierte einen großen Teil der Forderungen, lehnte aber die Beteiligung österreichischer Beamter an der Strafverfolgung auf seinem Gebiet ab.

Am 28. Juli erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. Russland begann ab dem 26. Juli mit ersten Mobilisierungsmaßnahmen und ordnete am 30. Juli die Generalmobilmachung an. Deutschland forderte deren Rücknahme, erklärte Russland aber am 1. August den Krieg, nachdem diese ausblieb. Frankreich mobilisierte ebenfalls und erhielt am 3. August eine deutsche Kriegserklärung. Deutschland griff entsprechend dem Schlieffen-Plan Frankreich über Belgien und Luxemburg an. Damit verletzte es die Neutralität Belgiens, die im Londoner Vertrag vom 19. April 1839 garantiert worden war. Großbritannien erklärte Deutschland deshalb am 4. August den Krieg. Aus dem österreichisch-serbischen Lokalkrieg wurde innerhalb weniger Tage ein Kontinental- und schließlich ein Weltkrieg.

Die deutsche Kriegsplanung scheiterte 1914. Der Vormarsch durch Belgien wurde durch den Widerstand bei Lüttich und den belgischen Festungen verzögert. Deutsche Truppen verübten in Belgien und Frankreich schwere Übergriffe; zwischen August und Oktober 1914 wurden rund 6500 Zivilisten getötet. Die französische Strategie Plan XVII setzte auf einen Angriff in Lothringen. In den Grenzschlachten erlitten die französischen Armeen hohe Verluste, konnten sich aber geordnet zurückziehen.

An der Marne begann am 6. September die französische Gegenoffensive. Zwischen der deutschen 1. und 2. Armee entstand eine etwa 40 Kilometer breite Lücke, in die französische und britische Kräfte eindrangen. Der deutsche Rückzug hinter die Aisne bedeutete das Scheitern des Schlieffen-Plans. Der anschließende „Wettlauf zum Meer“ führte zur Verlängerung der Front bis zur Nordsee. Nach der Ersten Flandernschlacht bei Ypern endete der Bewegungskrieg. Eine über 700 Kilometer lange Westfront erstarrte im Stellungskrieg.

Im Osten besiegten deutsche Truppen Russland bei Tannenberg vom 26. bis 31. August und an den Masurischen Seen vom 6. bis 15. September. Österreich-Ungarn erlitt in Galizien schwere Niederlagen. Auch die österreichischen Angriffe gegen Serbien blieben 1914 weitgehend erfolglos. Das Osmanische Reich trat nach dem Angriff seiner Flotte auf russische Küstenstädte am 29. Oktober auf Seiten der Mittelmächte in den Krieg ein. In Afrika und im Pazifik wurden die deutschen Kolonien angegriffen; Togo fiel sofort, Kamerun kämpfte bis 1916, Deutsch-Ostafrika hielt sich mit Guerillataktik bis zum Kriegsende. Japan eroberte die deutschen pazifischen Besitzungen und Kiautschou kapitulierte am 7. November 1914.

Der Krieg als Material- und Mehrfrontenkrieg

Der Grabenkrieg war eine Kriegsführung entlang dauerhafter, befestigter Frontlinien. Verteidiger wurden durch Unterstände, Maschinengewehre, Sperrfeuer und die Möglichkeit geschützt, Reserven heranzuführen. Aus einer zunächst einfachen Grabenlinie entwickelten sich ab etwa Ende 1916 häufig drei tief gestaffelte Linien und eine elastische Zonenverteidigung. Angriffe erforderten örtliche Überlegenheit und lange Artillerievorbereitung, die den Gegner jedoch warnte. Giftgas, Minen, Tanks, Granatwerfer und Maschinenpistolen sollten die erstarrten Fronten aufbrechen. Der Alltag wechselte zwischen Untätigkeit und Überlebenskampf und führte zu Kriegstraumata, Kriegsneurosen und Reaktionen wie dem „Angstschlafen“. Gelegentlich entstand zwischen den Gegnern ein nicht vereinbartes „Leben und Leben lassen“.

1915 versuchten die Alliierten, den deutschen Frontbogen zwischen Lille und Verdun durch Angriffe in Artois und der Champagne einzudrücken. Die Materialschlachten brachten trotz hoher Verluste nur geringe Geländegewinne. Am 22. April kam bei Ypern erstmals tödliches Chlorgas im großen Stil zum Einsatz. Die zeitgenössische Zahl der Toten wurde mit bis zu 5000 angegeben; heutige Schätzungen nennen etwa 1200 Tote und 3000 Verwundete. Der Gaskrieg galt als Verstoß gegen die Haager Landkriegsordnung.

An der Ostfront erzielten die Mittelmächte mit der Schlacht von Gorlice-Tarnów vom 1. bis 10. Mai einen Durchbruch. Es folgten die Bug- und Narew-Offensive sowie der „Große Rückzug“ Russlands. Russland räumte Polen, Litauen und große Teile Kurlands; seine Front verkürzte sich von 1600 auf 1000 Kilometer. Die geplante vollständige Ausschaltung Russlands gelang jedoch nicht.

Das Gallipoli-Unternehmen sollte das Osmanische Reich durch die Bedrohung Konstantinopels aus dem Krieg drängen und die Nachschubroute nach Russland öffnen. Nach dem Scheitern des Flottenangriffs am 18. März landeten am 25. April alliierte Truppen auf Gallipoli. Über 500.000 alliierte Soldaten wurden eingesetzt; die Operation wurde am 9. Januar 1916 evakuiert. Insgesamt starben 110.000 Soldaten beider Seiten.

Italien erklärte Österreich-Ungarn am 23. Mai den Krieg. Der Londoner Vertrag vom 26. April 1915 hatte Italien dafür weitreichende Gebietsversprechen gemacht. Die Isonzoschlachten und der Gebirgskrieg in den Alpen brachten trotz großer Verluste keinen entscheidenden Durchbruch. Bulgarien trat am 14. Oktober den Mittelmächten bei. Im Serbienfeldzug eroberten die Mittelmächte Belgrad und Niš; etwa 150.000 serbische Soldaten zogen sich nach Albanien und Montenegro zurück. Serbien wurde zwischen Österreich-Ungarn und Bulgarien aufgeteilt.

Im Osmanischen Reich begann nach den Deportationsgesetzen vom 27. und 30. Mai die systematische Phase des Völkermords an Armeniern und Assyrern. Bis Kriegsende starben schätzungsweise eine Million Armenier. Deutsche Stellen wussten von den Vorgängen; die deutsche Regierung unter Bethmann Hollweg unterließ jedoch aus Bündnisgründen eine öffentliche Verurteilung.

Die britische Seeblockade und die Umstellung auf Kriegswirtschaft verschärften die Versorgungskrise in Deutschland. Höchstpreise, Schleichhandel und Lebensmittelmangel untergruben das Vertrauen in den Staat. Im Herbst 1915 protestierten besonders Frauen. Die SPD brachte am 27. November eine Friedensinterpellation ein; am 21. Dezember verweigerten 20 sozialdemokratische Abgeordnete erneut die Kriegskredite.

Wende im Osten und Zusammenbruch 1916 bis 1918

1916 scheiterte der deutsche Angriff auf Verdun. Die Schlacht begann am 21. Februar und dauerte bis zur Einstellung der deutschen Offensive am 12. Juli. Die deutsche Führung wollte die französische Armee durch die Einnahme der Maas-Höhen und die Bedrohung Verduns in eine verlustreiche Verteidigung zwingen. Die Franzosen hielten die Festung unter General Pétain über die „Voie Sacrée“. Im Herbst eroberten sie fast alle verlorenen Gebiete zurück. Die Verluste betrugen 337.000 Mann bei den Deutschen, darunter 143.000 Tote, und 377.000 bei den Franzosen, darunter 162.000 Tote.

Die Schlacht an der Somme begann am 1. Juli 1916 nach einer gewaltigen Artillerievorbereitung. Am ersten Tag starben 19.240 britische Soldaten. Bis zum 25. November gewannen die Alliierten nur 8 bis 10 Kilometer. Ihre Verluste betrugen 624.000, die deutschen etwa 420.000; deutsche Verlustzahlen sind umstritten, britische Autoren nennen bis zu 650.000. Die Brussilow-Offensive ab 4. Juni war der erfolgreichste alliierte Großangriff bis dahin. Österreich-Ungarn verlor 624.000 Mann. Die Offensive trug zum rumänischen Kriegseintritt am 27. August bei, doch Rumänien wurde bis Dezember weitgehend besiegt.

Die neue deutsche Führung Hindenburgs und Ludendorffs, die 3. OHL, übernahm am 29. August 1916 die Leitung. Sie verstärkte die wirtschaftliche Mobilisierung und gewann politischen Einfluss. 1917 zog sich Deutschland in die Siegfriedstellung zurück und wandte eine „Verteidigung in der Tiefe“ an. Alliierte Angriffe bei Arras und an der Aisne scheiterten. Französische Meutereien in 68 Divisionen wurden durch Pétains Ablösung Nivelles und Verbesserungen bei Verpflegung und Ruhezeiten eingedämmt. Die Schlacht von Cambrai zeigte mit etwa 320 britischen Panzern die Möglichkeiten geschlossener Panzerverbände.

Am 1. Februar 1917 begann erneut der uneingeschränkte U-Boot-Krieg. Deutschland nahm auch die Versenkung neutraler Schiffe in Kauf. Die USA brachen am 3. Februar die diplomatischen Beziehungen ab und erklärten Deutschland am 6. April den Krieg. Die Lusitania-Versenkung vom 7. Mai 1915, amerikanische Opfer und die Zimmermann-Depesche verstärkten die amerikanische Kriegsbereitschaft. Im Winter 1916/17 führte eine schlechte Ernte zum „Steckrübenwinter“; die durchschnittliche Tagesration sank im Februar auf 1000 Kilokalorien gegenüber einem Durchschnittsbedarf von 2410.

Die Februarrevolution in Russland begann mit Massendemonstrationen in Petrograd am 23. Februar julianisch/8. März gregorianisch 1917. Der Zar dankte am 3./16. März ab; eine „Doppelherrschaft“ zwischen provisorischer Regierung und Sowjets entstand. Lenin kehrte am 21. März/3. April mit deutscher Unterstützung zurück und forderte in den Aprilthesen die sofortige Beendigung des Krieges. Nach dem Scheitern der Kerenski-Offensive und der Oktoberrevolution vom 24./6. bis 25./7. Oktober/November übernahmen die Bolschewiki die Macht. Der Waffenstillstand vom 5. Dezember und der Vertrag von Brest-Litowsk vom 3. März 1918 beendeten Russlands Kriegsteilnahme. Russland verlor ein Drittel seiner Bevölkerung sowie große Teile seines Rohstoff- und Industriepotenzials.

Die deutsche Frühjahrsoffensive begann am 21. März 1918. Trotz anfänglicher Einbrüche scheiterte sie an wechselnden Angriffsschwerpunkten, Versorgungsschwierigkeiten, hohen Verlusten und der materiellen Überlegenheit der Alliierten. In der Zweiten Schlacht an der Marne ab 15. Juli gewannen Franzosen und Amerikaner am 18. Juli die Initiative. Die am 8. August bei Amiens beginnende Hunderttageoffensive führte die deutsche Armee endgültig in die Defensive. Die Alliierten nutzten Panzer, Flugzeuge und ihre personelle Überlegenheit; am 29. September wurde die Siegfriedstellung durchbrochen.

Die Verbündeten Deutschlands brachen zusammen: Bulgarien beantragte am 26. September einen Waffenstillstand, das Osmanische Reich erlitt im September eine endgültige Niederlage, und Österreich-Ungarn löste sich im Oktober und November 1918 in mehrere Staaten auf. Die Oktoberreformen machten Deutschland vom 28. Oktober bis 9. November formal zu einer parlamentarischen Monarchie. Der Kieler Matrosenaufstand Ende Oktober führte zur Novemberrevolution. Am 9. November rief Philipp Scheidemann die Republik aus; Wilhelm II. floh am 10. November in die Niederlande.

Am 11. November 1918 trat der Waffenstillstand von Compiègne in Kraft. Deutschland musste die besetzten Gebiete räumen, große Mengen an Waffen und Transportmitteln abgeben, Teile der Flotte übergeben und Brest-Litowsk sowie den Frieden von Bukarest aufheben. Der Waffenstillstand verhinderte praktisch eine Fortsetzung des Krieges.

Gesellschaft, Kriegsziele und Folgen

Zu Kriegsbeginn gab es keine einheitliche, alle Bevölkerungsschichten erfassende Kriegsbegeisterung. Patriotische Kundgebungen standen neben Ratlosigkeit und Antikriegsdemonstrationen. In Deutschland fanden nach Angaben der SPD 288 Versammlungen in rund 160 Städten statt; am 28. Juli 1914 demonstrierten in Berlin-Mitte mehr als 100.000 Menschen. Nach der russischen Teilmobilmachung setzte sich jedoch der „Burgfrieden“ durch, und die sozialdemokratische Führung stimmte zunächst der politischen Einheitsfront und den Kriegskrediten zu.

Die Kriegswirtschaft bedeutete die staatliche Lenkung von Produktion, Arbeit, Konsum und Finanzierung. Das wirtschaftliche Potenzial der Mittelmächte entsprach zu Kriegsbeginn nur 46 Prozent der Bevölkerung und 61 Prozent des Sozialprodukts der Entente. Die Staatsausgabenquote stieg in Deutschland von 17 auf 70 Prozent, in Großbritannien von 13 auf 48 Prozent und in den USA von 1,4 auf 22 Prozent. In Deutschland nahm die Beschäftigung in der Rüstungsindustrie um 44 Prozent zu, während sie in der zivilen Produktion um 40 Prozent sank. Frauen und Jugendliche rückten in die Arbeitswelt nach; die Zahl der werktätigen Frauen stieg in Großbritannien um 23 Prozent und in Deutschland um 17 Prozent. Finanziert wurde der Krieg vor allem durch Anleihen und Geldschöpfung. Deutschland verschuldete sich bis Kriegsende mit 156 Milliarden Mark; die Geldmenge stieg um 285 Prozent und legte damit die Grundlage für die Inflation bis 1923.

Die Kriegsziele reichten von territorialen Annexionen bis zu politischen Neuordnungen. Deutschland strebte eine europäische Hegemonialstellung an. Österreich-Ungarn wollte seinen Bestand sichern und seine Stellung auf dem Balkan stärken. Frankreich forderte vor allem Elsass-Lothringen zurück, Russland unter anderem die Meerengen und Gebiete in Ostmitteleuropa. Großbritannien verlangte die Wiederherstellung Belgiens und kleinerer Staaten, später auch die Aufteilung des Osmanischen Reiches. Italien beanspruchte vor allem italienisch besiedelte Gebiete Österreich-Ungarns. Wilsons 14 Punkte vom 8. Januar 1918 forderten unter anderem das Selbstbestimmungsrecht der Völker, die Wiederherstellung Belgiens, Serbiens und Montenegros, die Rückgabe Elsass-Lothringens, Rüstungsbeschränkungen, freie Meere und einen unabhängigen polnischen Staat.

Die Friedensverträge von 1919 bis 1923 zerstörten die politische Ordnung der Vorkriegszeit. Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich zerfielen, in Deutschland endete das Kaiserreich und in Russland das Zarentum. Der Krieg gilt wegen seiner politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Folgen als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. Er begünstigte den Leninismus, den italienischen Faschismus und den Nationalsozialismus und wurde zum Vorläufer des Zweiten Weltkriegs. Die Schuldfrage, insbesondere in der Fischer-Kontroverse, blieb kontrovers. Das Fronterlebnis, das Massensterben und die Not im Alltag veränderten die Gesellschaften der beteiligten Staaten nachhaltig.

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