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Frühlings Erwachen

Frühlings Erwachen (Untertitel „Eine Kindertragödie“) ist ein 1891 erschienenes gesellschaftskritisch-satirisches Drama von Frank Wedekind.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Hauptfiguren
  3. 3. Handlung: Beginn der Konflikte
  4. 4. Handlung: Eskalation und Selbstmord
  5. 5. Handlung: Schuld, Tod und Entscheidung für das Leben
  6. 6. Entstehung und Wirkung

Überblick und Bedeutung

Frühlings Erwachen – Eine Kindertragödie ist ein gesellschaftskritisch-satirisches Drama von Frank Wedekind. Es erschien 1891 in deutscher Sprache und wurde am 20. November 1906 in den Berliner Kammerspielen in Berlin uraufgeführt. Regie führten Max Reinhardt und, ungenannt, Hermann Bahr.

Das Stück behandelt Jugendliche in der Pubertät, ihre sexuelle Neugier, psychische Belastungen und den Druck einer intoleranten Erwachsenenwelt. Im Mittelpunkt steht die Kritik an einer bürgerlichen Sexualmoral, die Sexualität tabuisiert. Wedekind zeigt, wie fehlende Aufklärung, Schuldgefühle, Schulangst und gesellschaftliche Kontrolle junge Menschen zerstören können. Obwohl das Drama ernste Themen behandelt, arbeitet es auch mit satirischen, grotesk überzeichneten Figuren und Situationen.

Hauptfiguren

Melchior Gabor ist ein intelligenter, sexuell aufgeklärter Gymnasiast. Seine Mutter erzieht ihn vergleichsweise liberal. Gerade sein Wissen und sein fortschrittliches Denken bringen ihn später in Schwierigkeiten.

Moritz Stiefel ist fünfzehn Jahre alt und einer der schlechtesten Schüler seiner Klasse. Er leidet unter starkem Schuldruck und ist sexuell nicht aufgeklärt. Melchior ist sein einziger wirklicher Freund.

Wendla Bergmann ist ein vierzehnjähriges, neugieriges Mädchen. Ihre Mutter ist konservativ-bürgerlich und klärt sie nicht über Sexualität auf. Diese Unwissenheit wird Wendla später zum Verhängnis.

Der vermummte Herr erscheint am Ende des Dramas. Er steht für das Leben und bringt Melchior dazu, sich nicht umzubringen, sondern weiterzuleben. Eine ähnliche Funktion hat Ilse im zweiten Akt: Sie versucht Moritz zum Leben und Spielen zu verführen, scheitert aber.

Handlung: Beginn der Konflikte

Zu Beginn streiten Wendla und ihre Mutter über ein Kleid. Die Mutter möchte, dass Wendla ein züchtigeres neues Kleid trägt, während Wendla ihr altes, kürzeres Kleid bevorzugt. Dahinter steht Wendlas Unwissenheit über ihre beginnende Weiblichkeit und die Unfähigkeit der Mutter, offen darüber zu sprechen.

Melchior und Moritz sprechen über Zukunft, Erziehung und Sexualität. Moritz versteht seine ersten „männlichen Regungen“ nicht. Weil ihm ein direktes Gespräch peinlich ist, soll Melchior ihm schriftliche und bildliche Erläuterungen über Fortpflanzung geben.

Wendla redet mit Thea und Martha über Jungen, Schläge in der Familie und die Möglichkeit, Kinder zu bekommen. Martha berichtet, dass sie von ihren Eltern geschlagen wird. Wendla reagiert mit Unverständnis und Neugier.

Vor dem Gymnasium geht es um Moritz’ gefährdete Versetzung. Moritz hat heimlich im Konferenzzimmer nachgesehen und glaubt, dass er doch noch versetzt wird. Am Ende des Aktes trifft Wendla Melchior im Wald. Sie fordert ihn auf, sie zu schlagen, weil sie Gewalt nur aus Erzählungen kennt. Melchior weigert sich zunächst, schlägt sie dann aber immer heftiger und erschrickt über sein eigenes Verhalten.

Handlung: Eskalation und Selbstmord

Moritz klagt in Melchiors Zimmer über den Schuldrück. Melchiors Mutter zeigt sich zwar besorgt, weil die Jungen Goethes Faust lesen, vertraut ihrem Sohn aber grundsätzlich und lässt ihm Freiheit bei der Wahl seiner Bücher.

Wendla drängt ihre Mutter zur Aufklärung, nachdem ihre Schwester ein Kind bekommen hat. Die Mutter kann aus Anstandsgründen nicht offen über Sexualität sprechen. Wendla erfährt nur, dass Heirat und große Liebe nötig seien, um Kinder zu bekommen.

Hänschen Rilow, ein unverklemmter Mitschüler, betrachtet auf der Toilette die Reproduktion eines nackten Kunstwerks von Palma il Vecchio und befriedigt sich selbst. Später trifft Wendla Melchior auf einem Heuboden, wo er sie vergewaltigt.

Moritz bittet Melchiors Mutter in einem Brief um Geld, um nach Amerika zu fliehen. Sie lehnt ab, nimmt seine suizidalen Andeutungen aber nicht ernst genug und sucht kein persönliches Gespräch. Moritz wandert am Fluss entlang, denkt über sein Leben nach und begegnet Ilse, die ihn einlädt mitzukommen. Er lehnt ab, verbrennt den Brief von Melchiors Mutter und erschießt sich.

Handlung: Schuld, Tod und Entscheidung für das Leben

Nach Moritz’ Selbstmord sorgt sich die Schule vor allem um ihren Ruf. Der Rektor und die Professoren beschäftigen sich kaum mit den Ursachen des Todes. Melchior wird wegen der Aufklärungsschrift für Moritz verantwortlich gemacht. Er darf sich nicht fair verteidigen und wird wie ein Schwerverbrecher behandelt.

Bei Moritz’ Beerdigung verachten viele Erwachsene den Toten wegen seines Selbstmords. Sein Vater sagt sogar, Moritz sei nicht sein Sohn gewesen. Die Schüler reagieren makaber und wenden sich bald wieder ihren Schularbeiten zu.

Melchiors Eltern streiten über seine Erziehung. Ein abgefangener Brief an Wendla zeigt Melchiors Reue über seine sexuellen Handlungen. Daraufhin schicken die Eltern ihn in eine Korrektionsanstalt. Dort lebt er unter abgestumpften Jungen und setzt sich mit seiner Schuld gegenüber Wendla auseinander.

Wendla erfährt schließlich, dass sie schwanger ist. Ihre Mutter hatte sie zuvor mit der Behauptung beruhigt, sie habe Bleichsucht. Um eine uneheliche Mutterschaft zu verhindern, veranlasst die Mutter eine medikamentöse Abtreibung, an der Wendla stirbt.

Am Ende flieht Melchior aus der Korrektionsanstalt auf den Friedhof. Vor Wendlas Grab denkt er an Selbstmord. Der tote Moritz erscheint ihm mit dem Kopf unter dem Arm und will ihn ins Grab locken. Der vermummte Herr hält Melchior davon ab. Melchior entscheidet sich, weiterzuleben, dankt Moritz für die gemeinsame Zeit und vertraut seine Zukunft dem Vermummten an.

Entstehung und Wirkung

Wedekind schrieb das Drama zwischen Oktober 1890 und April 1891 in München; einen ersten Entwurf hatte er in Zürich verfasst. Das Stück ist von Erlebnissen des Autors und seiner Mitschüler inspiriert. Für Moritz Stiefel dienten zwei Mitschüler als Vorbilder: Frank Oberlin und Moritz Dürr, die 1883 beziehungsweise 1885 Suizid begangen hatten. Nachdem ein Münchner Verlag die Veröffentlichung aus Angst vor rechtlichen Problemen abgelehnt hatte, erschien das Drama im Oktober 1891 auf Wedekinds eigene Kosten beim Verlag Jean Groß in Zürich. Es war Wedekinds erstes gedrucktes Buch.

Frühlings Erwachen wurde früher wegen angeblicher Obszönität verboten oder zensiert. Heute ist es Teil der ZEIT-Schülerbibliothek und eine verbreitete Schullektüre in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Das Drama wurde mehrfach bearbeitet: 1923 wurde es erstmals verfilmt. 2007 wurde eine Oper des belgischen Komponisten Benoît Mernier am Théatre Royal de la Monnaie in Brüssel uraufgeführt. Die Musical-Fassung Spring Awakening erhielt im selben Jahr am Broadway acht Tony Awards. 2009 verfilmte Nuran David Çalış das Drama in einer zeitgemäßen Adaption für das ZDF.

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