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1918

Die Novemberrevolution stürzt das Deutsche Kaiserreich und führt in die Erste Republik. Kaiser Wilhelm II. geht ins Exil.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Wendepunkt des Weltkriegs
  2. 2. Revolution und Republik in Deutschland
  3. 3. Neue Staaten und Zerfall der Reiche
  4. 4. Revolution und Bürgerkrieg im ehemaligen Zarenreich
  5. 5. Pandemie, Wissenschaft und Alltag
  6. 6. Kultur und Auszeichnungen

Wendepunkt des Weltkriegs

1918 markierte das Ende des Ersten Weltkriegs und den Zerfall mehrerer europäischer Monarchien. US-Präsident Woodrow Wilson stellte am 8. Januar sein 14-Punkte-Programm zur Beendigung des Krieges vor. Am 11. November trat der Waffenstillstand von Compiègne zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich in Kraft; der Krieg hatte über neun Millionen Menschenleben gefordert.

An der Ostfront schieden Sowjetrussland mit dem Frieden von Brest-Litowsk am 3. März und Rumänien nach dem Vorfrieden von Buftea aus den Kämpfen aus. Der „Brotfrieden“ vom 9. Februar erkannte die Ukraine als unabhängigen Staat an und verpflichtete sie zu Getreidelieferungen. An der Westfront scheiterten die deutschen Frühjahrsoffensiven: Unternehmen Michael begann am 21. März, die deutsche Offensive an der Marne wurde ab 15. Juli zurückgeschlagen. Der alliierte Durchbruch bei Amiens am 8. August leitete die kriegsentscheidende Hunderttageoffensive ein. Österreich-Ungarn verlor nach der Schlacht von Vittorio Veneto den Krieg gegen Italien und schloss am 3. November den Waffenstillstand von Villa Giusti.

Auch außerhalb Europas endeten Kämpfe: Die deutsche Schutztruppe Paul von Lettow-Vorbecks kapitulierte am 25. November in Abercorn. Im See- und Luftkrieg entstand am 1. April die Royal Air Force als weltweit erste selbständige Luftwaffe. U-Boot-Krieg und Schiffsversenkungen forderten weiterhin viele Opfer.

Revolution und Republik in Deutschland

Die militärische Niederlage führte im Deutschen Reich zur Novemberrevolution. General Erich Ludendorff verlangte am 29. September ein Waffenstillstandsgesuch; am 3. Oktober wurde Prinz Max von Baden Reichskanzler. Der Plan der Marineführung, Ende Oktober noch eine Entscheidungsschlacht gegen die Royal Navy zu suchen, löste den Kieler Matrosenaufstand aus. Daraus entwickelte sich rasch eine Revolution, in der im ganzen Reich Arbeiter- und Soldatenräte entstanden.

Am 9. November rief Philipp Scheidemann in Berlin die Republik aus; kurz darauf proklamierte Karl Liebknecht eine Räterepublik. Max von Baden setzte Kaiser Wilhelm II. eigenmächtig ab und übergab Friedrich Ebert (SPD) die Geschäfte des Reichskanzlers. Damit wurde das Deutsche Reich zur Republik, der später sogenannten Weimarer Republik. Der Rat der Volksbeauftragten unter Ebert und Hugo Haase (USPD) übernahm am 10. November die Regierung. Wilhelm II. verzichtete am 28. November auf seine Rechte als preußischer König und deutscher Kaiser.

Wichtige Folgen waren das allgemeine Wahlrecht ab 20 Jahren auch für Frauen sowie das Verhältniswahlrecht, angekündigt am 12. November. Das Reichswahlgesetz vom 30. November regelte die Wahl zur verfassunggebenden Nationalversammlung. Parteien ordneten sich neu: Die Deutsche Demokratische Partei entstand am 20. November, die Deutschnationale Volkspartei am 24. November und die Deutsche Volkspartei am 15. Dezember. Ende Dezember trennte sich der Spartakusbund von der USPD; am 30. Dezember begann der Gründungsparteitag der Kommunistischen Partei Deutschlands.

Neue Staaten und Zerfall der Reiche

Der Zusammenbruch der Mittelmächte veränderte die politische Landkarte Europas. Bulgarien schloss am 29. September den Waffenstillstand von Thessaloniki, das Osmanische Reich am 30. Oktober den Waffenstillstand von Moudros. In Konstantinopel folgte Mehmed VI. am 4. Juli seinem Bruder Mehmed V. als letzter Sultan; am 13. November besetzten französische und britische Truppen die Stadt.

Österreich-Ungarn zerfiel im Oktober und November. Am 28. Oktober entstand die Tschechoslowakei, am 29. Oktober der Staat der Slowenen, Kroaten und Serben; am 1. Dezember wurde daraus das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Die Asternrevolution beendete zwischen dem 28. und 31. Oktober die Doppelmonarchie, und am 16. November wurde die Ungarische Demokratische Republik ausgerufen. In Wien rief die Provisorische Nationalversammlung am 12. November die Republik Deutschösterreich aus und führte das Frauenwahlrecht ein. Kaiser Karl I. hatte am 11. November auf jeden Anteil an den österreichischen Staatsgeschäften und am 13. November auch auf deren Ausübung in Ungarn verzichtet.

Polen wurde am 11. November unabhängig; Józef Piłsudski übernahm die militärische und politische Führung. Auch im Baltikum entstanden Staaten: Litauen erklärte am 16. Februar, Estland am 23./24. Februar und Lettland am 18. November seine Unabhängigkeit. Diese Staaten gerieten jedoch teils sofort in Konflikte mit deutschen Besatzungsmächten oder der Roten Armee.

Revolution und Bürgerkrieg im ehemaligen Zarenreich

In Sowjetrussland lösten die Bolschewiki am 18. Januar die gewählte Konstituierende Versammlung faktisch auf. Der Rat der Volkskommissare gründete am 28. Januar die Rote Armee und führte am 14. Februar den Wechsel vom julianischen zum gregorianischen Kalender durch. Die Regierung zog am 12. März von Sankt Petersburg nach Moskau. Im Bürgerkrieg kämpften Bolschewiki, Freiwilligenarmeen und ausländische Interventionstruppen gegeneinander; britische Truppen landeten am 2. August in Archangelsk.

Die Gewalt eskalierte: Großfürst Michail wurde am 13. Juni ermordet, die Zarenfamilie am 17. Juli in Jekaterinburg erschossen. Nach dem Attentat auf Lenin am 30. August begann der sogenannte Rote Terror. Das Dekret vom 5. September stärkte die Tscheka, sah Konzentrationslager für Klassenfeinde und sofortige Erschießungen bestimmter Gegner vor.

Im früheren russischen Reich entstanden und verschwanden zahlreiche politische Gebilde. In der Ukraine errichtete Pawlo Skoropadskyj am 29. April mit Unterstützung der deutschen Besatzungsmacht einen Ukrainischen Staat, der im Dezember durch einen Aufstand wieder aufgelöst wurde. Georgien, Aserbaidschan und Armenien erklärten im Mai ihre Unabhängigkeit nach dem Ende der Transkaukasischen Demokratisch-Föderativen Republik. In Aserbaidschan wurden bei den „März-Ereignissen“ vom 30. März bis 3. April etwa 12.000 Menschen aufgrund ihrer Religions- und Volkszugehörigkeit getötet.

Pandemie, Wissenschaft und Alltag

Die Spanische Grippe wurde 1918 zu einer weltweiten Pandemie. Ende März berichtete der Arzt Loring Miner in Kansas über ungewöhnlich schwere Grippefälle. Der Erste Weltkrieg beschleunigte die Ausbreitung, weil bis August mehr als eine Million US-Soldaten nach Europa gelangten. Den Namen erhielt die Krankheit am 27. Mai, nachdem Zeitungen über die Erkrankung des spanischen Königs Alfons XIII. berichtet hatten; kriegführende Staaten vertuschten dagegen die Verbreitung in ihren Ländern. Im Herbst folgte eine noch tödlichere zweite Welle. Nach Schätzungen der WHO starben bis 1920 20 bis 50 Millionen Menschen, Vermutungen reichen bis zu 100 Millionen.

Weitere Katastrophen waren das Erdbeben der Stärke 7,3 in Guangdong am 13. Februar mit etwa 10.000 Toten und der Eisenbahnunfall von Nashville am 9. Juli mit 101 Toten und 171 Verletzten. Am 21. Februar starb im Zoo von Cincinnati Incas, der letzte Karolinasittich; damit galt die einzige Papageienart Nordamerikas als ausgestorben.

In Wissenschaft und Technik beschrieb Walter Schottky elektronisches, insbesondere thermisches Rauschen und den Schrot-Effekt. Die Royal Air Force wurde gegründet, und in San Francisco ging am 3. Februar der Twin Peaks Tunnel in Betrieb. Wirtschaftlich wurden in der Sowjetunion Großindustrie und Eisenbahnen verstaatlicht; Matsushita, später Panasonic, wurde im März gegründet.

Kultur und Auszeichnungen

Trotz Krieg und Umbrüchen entstanden kulturelle Werke und Gruppen. In Berlin gründeten Max Pechstein, César Klein und zwölf weitere Künstler am 3. Dezember die revolutionäre Novembergruppe; außerdem entstanden der Arbeitsrat für Kunst und die Merz Akademie. Amedeo Modigliani malte L’Homme assis (Sitzender Mann mit Stock).

Im Film erschienen unter anderem der erste Tarzan-Film Tarzan bei den Affen am 27. Januar und Ernst Lubitschs Carmen am 20. Dezember. In der Literatur wurde Heinrich Manns bereits 1914 vollendeter Roman Der Untertan erstmals als Buch veröffentlicht. Karl Kraus veröffentlichte am 13. Dezember den Epilog seiner Tragödie Die letzten Tage der Menschheit. Giacomo Puccinis Opernzyklus Il trittico wurde am 14. Dezember in New York uraufgeführt.

Die Nobelpreise für Physik und Chemie des Jahres 1918 wurden erst 1919 verliehen: Max Planck erhielt den Physikpreis für die Entdeckung der Energiequanten, Fritz Haber den Chemiepreis für die Synthese von Ammoniak aus dessen Elementen im Haber-Bosch-Verfahren. Die Preise für Physiologie oder Medizin, Literatur und Frieden wurden nicht verliehen.

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