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Thomas Mann

Dem 1901 erschienenen ersten Roman Buddenbrooks folgten Novellen und Erzählungen wie Tonio Kröger, Tristan und Der Tod in Venedig. ... Diese Merkmale prägen auch …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und literarisches Profil
  2. 2. Leben bis zum Nobelpreis
  3. 3. Exil und politische Haltung
  4. 4. Späte Jahre und Verhältnis zu Deutschland
  5. 5. Werk, Einflüsse und Nachwirkung

Bedeutung und literarisches Profil

Paul Thomas Mann (* 6. Juni 1875 in Lübeck; † 12. August 1955 in Zürich) war ein deutscher Schriftsteller und einer der bedeutendsten Erzähler des 20. Jahrhunderts. 1929 erhielt er den Nobelpreis für Literatur, vor allem für seinen ersten Roman Buddenbrooks von 1901.

Sein Werk umfasst Romane, Novellen, Erzählungen, Essays, Reden, autobiographische Texte, Tagebücher und Briefe. Zu den zentralen erzählerischen Werken gehören Buddenbrooks, Tonio Kröger, Tristan, Der Tod in Venedig, Der Zauberberg, Mario und der Zauberer, Joseph und seine Brüder, Lotte in Weimar, Doktor Faustus, Der Erwählte und Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull.

Typisch für Manns Prosa sind skeptisch-ironische Distanz, Leitmotive, wiederkehrende Figurenkonstellationen und ein syntaktisch komplexer, anspruchsvoller Stil. Leitmotiv bedeutet: ein wiederkehrendes Motiv, Bild oder Thema, das Figuren und Handlung verbindet. Eine wichtige Grundspannung seines Werks ist das Verhältnis von Kunst und Leben. Viele Werke beruhen auf gründlicher Recherche und verarbeiten reale Erfahrungen, ohne einfach als direkte Lebensberichte gelesen werden zu können.

Leben bis zum Nobelpreis

Thomas Mann stammte aus der angesehenen Lübecker Patrizier- und Kaufmannsfamilie Mann. Sein Vater Thomas Johann Heinrich Mann war Kaufmann und Lübecker Senator, seine Mutter Julia Mann, geborene da Silva-Bruhns, wurde in Brasilien geboren und war mütterlicherseits indigener und portugiesischer Herkunft. Thomas Mann hatte unter anderem den älteren Bruder Heinrich Mann, der ebenfalls Schriftsteller wurde. Auch vier seiner sechs Kinder, Erika, Klaus, Golo und Monika, waren schriftstellerisch tätig.

Nach dem Tod des Vaters 1891 wurde das Unternehmen verkauft. Thomas Mann verließ 1894 vorzeitig das Katharineum zu Lübeck und ging nach München. Zunächst arbeitete er als Volontär in einer Feuerversicherungsgesellschaft, begann aber früh zu schreiben. 1894 erschien seine Novelle Gefallen, 1897 schrieb er in Italien unter anderem Der kleine Herr Friedemann und begann Buddenbrooks. Der Roman erschien 1901, wurde mit der einbändigen Auflage von 1903 ein Erfolg und machte Mann bekannt. Viele Figuren erinnerten an Lübecker Vorbilder, was in seiner Heimatstadt Spannungen auslöste.

1905 heiratete Thomas Mann Katharina „Katia“ Pringsheim. Das Ehepaar hatte sechs Kinder: Erika (1905–1969), Klaus (1906–1949), Golo (1909–1994), Monika (1910–1992), Elisabeth (1918–2002) und Michael (1919–1977). Katias Sanatoriumsaufenthalt in Davos inspirierte Mann zu Der Zauberberg, den er 1913 begann und 1924 veröffentlichte.

Im Ersten Weltkrieg vertrat Mann zunächst nationalistische und kriegsbefürwortende Positionen, besonders in Gedanken im Kriege und Betrachtungen eines Unpolitischen. Nach 1918 distanzierte er sich zunehmend davon. In der Weimarer Republik wandelte er sich zu einem Verteidiger der Demokratie. 1922 trat er mit Von deutscher Republik öffentlich für die Republik ein. 1929 erhielt er den Nobelpreis für Literatur; das Preisgeld betrug 200.000 Reichsmark.

Exil und politische Haltung

Thomas Mann wurde in den 1920er und 1930er Jahren ein prominenter Gegner des Nationalsozialismus. Nach dem starken Stimmenzuwachs der NSDAP bei der Reichstagswahl 1930 hielt er am 17. Oktober 1930 im Berliner Beethoven-Saal seine Deutsche Ansprache. Darin bezeichnete er den Nationalsozialismus als „eine Riesenwelle exzentrischer Barbarei und primitiv-massendemokratischer Jahrmarktsrohheit“.

1933 reisten Thomas und Katia Mann zunächst zu Vorträgen und dann in die Schweiz. Auf Drängen von Erika und Klaus Mann kehrten sie nicht mehr nach München zurück. Mann trat aus der Sektion Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste aus. Die nationalsozialistischen Behörden durchsuchten sein Haus, beschlagnahmten Besitz und Konto und betrieben später seine Ausbürgerung. 1936 erhielt Mann die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft; kurz danach wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Die Universität Bonn entzog ihm 1936 die Ehrendoktorwürde, die 1946 erneuert wurde.

1938 zog Mann mit seiner Familie in die USA. Bei seiner Ankunft erklärte er: „Wo ich bin, ist Deutschland. Ich trage meine deutsche Kultur in mir.“ Zunächst lebte er in Princeton, wo er eine Gastprofessur erhielt. Ab 1941 wohnte die Familie in Pacific Palisades bei Los Angeles. 1944 wurde Mann Staatsbürger der Vereinigten Staaten.

Während des Zweiten Weltkriegs sprach er in der Radiosendereihe Deutsche Hörer! regelmäßig zu den Deutschen. Die BBC übertrug seine fünf- bis achtminütigen Ansprachen über Langwelle ins Deutsche Reich. Darin warnte er vor dem NS-Regime, kritisierte Hitler und seine Helfer und verband moralische Kritik mit politischer Aufklärung. Nach dem Krieg wurde darüber gestritten, ob Mann eine Kollektivschuld aller Deutschen nahegelegt habe oder vor allem die politische und gesellschaftliche Mentalität der Zeit kritisierte.

Späte Jahre und Verhältnis zu Deutschland

Nach 1945 blieb Thomas Manns Verhältnis zu Deutschland schwierig. In seinem offenen Brief Warum ich nicht nach Deutschland zurückkehre vertrat er die These von der Kollektivschuld der Deutschen. Auch seine Äußerung zur Bombardierung deutscher Städte, „Alles muß bezahlt werden“, führte zu Ablehnung und Angriffen in Teilen der westdeutschen Öffentlichkeit.

Von der Politik der USA war Mann nach dem Tod Franklin D. Roosevelts 1945 und besonders seit Beginn des Kalten Krieges 1947 zunehmend enttäuscht. Nachdem er 1951 im US-Repräsentantenhaus als “one of the world’s foremost apologists for Stalin and company” bezeichnet worden war, musste er vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe Rechenschaft ablegen. 1952 kehrte er mit Katia und Erika in die Schweiz zurück. Er nannte dies im Tagebuch eine „wiederholte Emigration“.

Schon 1949 hatte Mann Deutschland zum Goethejahr besucht, sowohl Frankfurt am Main in der Trizone als auch Weimar in der Sowjetischen Besatzungszone. Den Vorwurf politischer Parteinahme beantwortete er mit dem Satz: „Ich kenne keine Zonen. Mein Besuch gilt Deutschland selbst, Deutschland als Ganzem, und keinem Besatzungsgebiet.“ 1955 erhielt er die Ehrenbürgerwürde seiner Vaterstadt Lübeck.

Im Juli 1955 erkrankte Mann an einer Beinvenenthrombose. Am 12. August 1955 starb er achtzigjährig im Zürcher Kantonsspital an einer Ruptur der unteren Bauchschlagader infolge von Arteriosklerose. Er wurde am 16. August 1955 auf dem Friedhof Kilchberg beigesetzt.

Werk, Einflüsse und Nachwirkung

Manns wichtigste Einflüsse waren Johann Wolfgang von Goethe, Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietzsche, Richard Wagner, Theodor Fontane, Leo Tolstoi und Theodor Storm. Von Tolstoi übernahm er den weit ausholenden Erzählgestus, von Fontane und Wagner Symbole und Leitmotive. Charakteristisch sind Ironie und „heitere Ambiguität“, also eine Mehrdeutigkeit, die nicht alles eindeutig festlegt.

Buddenbrooks schildert den Verfall einer Familie und verarbeitet Manns Lübecker Herkunft. Der Zauberberg verbindet Sanatoriumswelt, Bildungsroman und Zeitdiagnose. Joseph und seine Brüder ist eine Tetralogie nach der alttestamentlichen Josephserzählung und entstand 1926 bis 1943. Doktor Faustus erzählt die Lebensgeschichte des Komponisten Adrian Leverkühn vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs und setzt sie symbolisch zur deutschen Geschichte in Beziehung. Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull blieb Fragment.

Die Tagebücher sind eine wichtige Quelle zu Manns Leben und Werk. Er verbrannte 1945 die meisten Hefte aus der Zeit vor März 1933; erhalten blieben unter anderem Hefte von September 1918 bis Dezember 1921 und die Tagebücher von März 1933 bis Juli 1955. Testamentarisch bestimmte er, dass sie erst 20 Jahre nach seinem Tod veröffentlicht werden sollten. Die Veröffentlichung begann 1975.

Manns Wirkung war groß, aber nicht die einer literarischen Schule. Er selbst sagte, er habe nie einer Schule oder „Koterie“ angehört. Seine Werke wurden vielfach für Film, Theater, Oper, Hörbuch, Hörspiel, bildende Kunst und Comics adaptiert. Besonders bekannt sind Verfilmungen von Buddenbrooks, Der Tod in Venedig, Der Zauberberg, Doktor Faustus, Mario und der Zauberer und Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull.

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