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Dante Alighieri
Dante Alighieri (italienisch [ˈdante aliˈɡi̯ɛːri]; * 29. Mai 1265 in Florenz; † 14. September 1321 in Ravenna) war ein spätmittelalterlicher italienischer …
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Bedeutung und Lebensdaten
Dante Alighieri war ein spätmittelalterlicher italienischer Dichter und Philosoph. Er lebte vom 29. Mai 1265 in Florenz bis zum 14. September 1321 in Ravenna. Seine besondere Bedeutung liegt darin, dass er mit der in Altitalienisch beziehungsweise Toskanisch verfassten Göttlichen Komödie die Vorherrschaft des Lateins in der europäischen Literatur überwand und das Italienische zu einer Literatursprache entwickelte.
Dantes Biografie ist nur lückenhaft durch zeitgenössische Quellen belegt und muss teilweise aus seinen Werken erschlossen werden. Das Geburtsdatum ist unsicher: Dante stellt sich in der Commedia für die fingierte Jenseitsreise in der Karwoche 1300 ungefähr 35 Jahre alt und im Sternzeichen Zwillinge dar, woraus der 29. Mai 1265 folgt. Einige wichtige Handschriften nennen jedoch 1260 als Geburtsjahr. Sicher belegt ist seine Taufe am 26. März 1266. Sein Taufname war Durante, der zu Dante verkürzt wurde.
Dante entstammte dem guelfisch gesinnten Stadtadel von Florenz. Sein Vater Alighiero II. war unter anderem Geldverleiher. Dante heiratete um 1285 Gemma di Manetto Donati; aus der Ehe gingen die Söhne Pietro, Giovanni und Jacopo sowie die Tochter Antonia hervor. Seine Werke bezeugen außerdem seine lebensbestimmende Beziehung zu Beatrice, die er erstmals als Neunjähriger begegnete und die 1290 früh starb. Ob Beatrice eine historische Person war und ob sie mit Bice Portinari identifiziert werden kann, ist in der Forschung umstritten.
Dantes Ausbildungsweg ist nicht sicher bekannt. Wahrscheinlich besuchte er Lehrstätten der Dominikaner und Franziskaner in Florenz, die „Schulen der Mönche“ und „Disputationen der Philosophen“, wie er im Convivio schreibt. Studien in Bologna oder Paris sind möglich, aber nicht historisch gesichert. Seine Werke zeigen jedenfalls eine außergewöhnliche Kenntnis von Theologie, Philosophie, Naturwissenschaften und Literatur.
Politik, Verurteilung und Exil
Dantes Leben war von den politischen Konflikten des spätmittelalterlichen Reichsitaliens geprägt. 1289–1290 kämpfte er auf guelfischer Seite in der Schlacht von Campaldino und bei der Einnahme der Festung Caprona. Um ein politisches Amt übernehmen zu können, schrieb er sich 1295 in die Zunft der Apotheker und Ärzte ein. Danach war er unter anderem Mitglied im Rat des Capitano del Popolo, im Rat der Hundert und in weiteren städtischen Räten. Vom 15. Juni bis 15. August 1300 gehörte er als einer von sechs Prioren dem höchsten Gremium von Florenz an. 1300 war er außerdem diplomatisch in San Gimignano tätig; im Oktober und November 1301 befand er sich vermutlich in einer Gesandtschaft zu Papst Bonifatius VIII. in Rom.
Die Guelfen, die grundsätzlich die päpstliche Seite vertraten, spalteten sich in Florenz um 1300 in Weiße und Schwarze. Die Weißen um die Cerchi verlangten mehr Autonomie gegenüber dem Papst, während die Schwarzen um die Donati eine kompromisslose Politik gegenüber dem Kaiser vertraten. Als es 1300 zu Unruhen kam, beschlossen Dante und seine Mitregenten die Verbannung von Vertretern beider Parteien, darunter Dantes Freund Guido Cavalcanti und der schwarze Anführer Corso Donati. Florenz wurde daraufhin mit dem Kirchenbann belegt. Karl von Valois zog am 1. November 1301 in Florenz ein, worauf die Schwarzen ihre Gegner verfolgten.
Am 27. Januar 1302 wurde Dante in Abwesenheit zu einer Geldstrafe und zum Ausschluss von allen öffentlichen Ämtern verurteilt. Weil er sich von Florenz fernhielt und die Strafe nicht bezahlte, wurde sein Besitz konfisziert. Im März 1302 wurde er für den Fall seiner Rückkehr oder Verhaftung zum Tod durch Verbrennen verurteilt. Damit begann sein Exil.
Dante hielt sich wahrscheinlich vor allem in Ober- und Mittelitalien auf, unter anderem 1303/1304 in Verona, 1304–1306 in Treviso und ab 1306 in der Lunigiana. Große politische Hoffnungen setzte er auf Heinrich VII., der 1312 in Rom zum Kaiser gekrönt wurde und die italienischen Parteien versöhnen sowie die Rechte des Reiches wiederherstellen wollte. Nach Heinrichs Tod am 24. August 1313 zerschlugen sich diese Hoffnungen. Ein Angebot, gegen Geldbuße und öffentliche Abbitte nach Florenz zurückzukehren, lehnte Dante ab; seine Verurteilung wurde am 15. Oktober 1315 erneuert. Zuletzt lebte er vermutlich in Verona und ab 1318 in Ravenna bei Guido Novello da Polenta. Nach einer Mission in Venedig erkrankte er und starb in der Nacht vom 13. auf den 14. September 1321 in Ravenna, wo er begraben liegt.
Dichtung, Philosophie und Sprache
Dantes Werk verbindet die Theologie, Philosophie und Wissenschaften seiner Zeit mit Einflüssen aus der italienischen, provenzalischen, altfranzösischen und lateinischen Dichtung. Er stellt häufig ein literarisch gestaltetes Ich in den Mittelpunkt: Dieses Ich erscheint als Liebender und Leidender, als Irrender und Lernender. Dabei handelt es sich nicht um eine schlichte Autobiografie, sondern um eine bewusst geformte „Autofiktion“.
Dante verbindet die Darstellung persönlicher Erfahrungen mit einem ethischen Anspruch. Seine Werke sollen dem einzelnen Leser, der politischen Gesellschaft und der Kirche einen Spiegel zur Selbsterkenntnis und ein Leitbild zur Besserung geben. Als Ziel gilt die Übereinstimmung mit der göttlichen Weltordnung, wie sie nach Dante in der Bibel, der Auslegung der frühen Kirchenlehrer sowie teilweise bereits bei Vergil und Aristoteles vorgezeichnet ist.
Seine Bedeutung für die italienische Literatur hängt besonders mit der Verwendung der Volkssprache zusammen. Dante zeigt, dass auch Altitalienisch beziehungsweise Toskanisch für anspruchsvolle philosophische, politische und poetische Werke geeignet ist. Damit trägt er entscheidend dazu bei, dass Italienisch den Rang einer Literatursprache gewinnt.
Lyrik und Vita nova
Die Rime sind ungefähr 90 seit etwa 1283 entstandene lyrische Gedichte Dantes. Hinzu kommen 30 Rime dubbie, deren Autorschaft zweifelhaft ist. Die wichtigsten Formen sind Sonett und Kanzone, daneben Ballade und Sestine. Die Gedichte behandeln vor allem die Liebe. Dante knüpft an die Trobadordichtung, die Scuola Siciliana und Guittone d’Arezzo an. Gemeinsam mit Guido Cavalcanti, Dino Frescobaldi und Cino da Pistoia entwickelt er den dolce stil novo. In dieser Stilrichtung wird die Liebe als göttliche Macht verstanden; die verehrte Dame kann den Liebenden zum Göttlichen führen. Die Gedichte sind sprachlich und rhetorisch anspruchsvoll und richten sich an ein kundiges Publikum. Eine Sonderstellung haben die derbe Tenzone mit Forese Donati und die vier Rime petrose über die unerreichbare donna Petra.
Die Vita nova entstand zwischen 1292 und 1295. Sie erzählt, scheinbar aus dem „Buch der Erinnerung“, von den inneren Wandlungen des Erzählers seit seiner Begegnung mit Beatrice und von deren Wirkung über ihren Tod hinaus. Beatrice wird mit christusähnlichen und erlösenden Eigenschaften dargestellt. Das Werk ist Guido Cavalcanti gewidmet und richtet sich vor allem an die „Getreuen Amors“ (fedeli d’Amore), ausdrücklich auch an Frauen mit ausreichendem Verständnis für die Liebe.
Formal ist die Vita nova ein Prosimetrum, also eine Verbindung aus Prosa und Versen. Sie enthält 31 lyrische Gedichte: 25 Sonette oder Doppelsonette, 5 Kanzonen oder Kanzonenstanzen und eine Ballade. Die Prosateile erläutern die Gedichte durch divisioni, also Gliederungen ihrer Aussagen, und ragioni, also Erzählungen über ihre Entstehungsbedingungen. Die heute übliche Einteilung in 42 oder 43 Kapitel ist nicht durch die Handschriften gesichert, sondern geht auf den Erstdruck von 1576 und die Ausgabe von Alessandro Torri von 1842 zurück.
Philosophische, politische und kleinere Werke
Das Convivio, entstanden etwa 1303–1306, ist eine unvollendete umfangreiche Abhandlung in Altitalienisch. Es behandelt den Gebrauch philosophischer Weisheit anhand von Kommentaren zu Dantes Kanzonen. De vulgari eloquentia, etwa von 1304, ist ebenfalls unvollendet und untersucht den Gebrauch der gesprochenen Sprache in Gedichten des hohen oder tragischen Stils.
Dantes philosophisches Hauptwerk ist De Monarchia libri tres. Diese politische Abhandlung will zeigen, dass das römische Kaisertum göttlich zur Weltherrschaft bestimmt sei und in weltlichen Fragen unabhängig von der Herrschaft des Papstes bleiben müsse, während der Papst auf geistliche Aufgaben beschränkt sein solle. Die Datierung ist umstritten: Vorgeschlagen werden unter anderem 1308/09, 1310/12 oder ein späteres Datum wie 1317. Das Werk ist in 21 Handschriften, von denen eine seit 1950 nicht mehr auffindbar ist, sowie in einem frühen Druck von 1559 überliefert.
Die Eclogae sind vier lateinische hexametrische Gedichte, die 1319/20 zwischen Giovanni del Virgilio und Dante ausgetauscht wurden. Thema war die Frage, ob Dante seine Begabung in volkssprachlichen Gedichten an das italienische Volk verschwende, statt durch lateinische Dichtung bei Gelehrten Ruhm zu gewinnen. Dantes Antworten sind Dialoggedichte im bukolischen Stil Vergils. Die Echtheit des Austauschs wurde teilweise bezweifelt.
Die Quaestio de situ et forma aquae et terrae ist ein Vortrag vom 20. Januar 1320 in Verona. Darin untersucht Dante naturwissenschaftlich die Frage, warum die Erde als niedrigstes der vier Elemente nicht vollständig von Wasser bedeckt ist.
Dante wurden außerdem zwölf lateinische Briefe als authentisch zugeschrieben. Beim dreizehnten, dem Widmungsbrief an Cangrande della Scala zum Paradiso, ist die Verfasserschaft umstritten. Ebenfalls umstritten ist, ob Dante Il Fiore, eine allegorische Dichtung in 232 Sonetten, und den Detto d’Amore, ein Lehrgedicht in 480 paargereimten Siebensilblern, verfasst hat.
Die Göttliche Komödie und Rezeption
Dantes bekanntestes Werk ist die Göttliche Komödie, ursprünglich Commedia genannt und etwa 1307–1320 verfasst. Der ursprüngliche Titel verweist auf den glücklichen Ausgang, die italienische Sprache und den wechselnden Stil des Werkes. Das Beiwort „göttlich“ wurde erst nach Dantes Tod durch Giovanni Boccaccio hinzugefügt und dient der Würdigung des Werkes, nicht einer Aussage über den Inhalt.
Die Commedia schildert Dantes Reise durch drei Jenseitsbereiche: die Hölle (Inferno), den Läuterungsberg (Purgatorio) und das Paradies (Paradiso). Hölle und Paradies sind jeweils in neun konzentrische Kreise gegliedert. Je näher die Seelen zu den inneren Kreisen kommen, desto sündiger beziehungsweise heiliger sind sie. Das Werk gilt zugleich als dichterisches Hauptsymbol der Scholastik und verbindet religiöse Weltdeutung, Philosophie, politische Kritik und poetische Erzählung.
Schon kurz nach Dantes Tod wurde die Commedia öffentlich kommentiert und glossiert. Auch Dantes Söhne und seit der Mitte des 14. Jahrhunderts Giovanni Boccaccio trugen zu dieser Wirkung bei. Humanismus und Renaissance begegneten Dante teils kritisch, teils mit Bewunderung. In der Neuzeit wurde er zunächst besonders im romantischen Interesse am Mittelalter wiederentdeckt und später für das politische und kulturelle Selbstverständnis des italienischen Risorgimento genutzt. Unterschiedliche politische, religiöse und weltanschauliche Gruppen beanspruchten sein Werk für eigene Zwecke, was teilweise zu Verzerrungen führte. Seit dem 19. Jahrhundert entwickelten deutsche, englische und später amerikanische Forscher wichtige Grundlagen der Dantephilologie. Nach Dante sind außerdem der Asteroid (2999) Dante und der Mondkrater Dante benannt.