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Erster Punischer Krieg
Der Erste Punische Krieg (lateinisch bellum Punicum primum), auch Erster Römisch-Punischer Krieg, wurde zwischen Karthago und Rom von 264 bis 241 v.
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Überblick und Ausgangslage
Der Erste Punische Krieg (lateinisch bellum Punicum primum), auch Erster Römisch-Punischer Krieg, wurde von 264 bis 241 v. Chr. zwischen Rom und Karthago geführt. Im Wesentlichen ging es um Sizilien. Er war der erste von drei Kriegen zwischen den beiden Reichen und bis dahin der längste Krieg Roms. Sein wichtigstes Ergebnis war Roms Aufstieg von einer regionalen Macht auf der Italischen Halbinsel zu einer Großmacht im Mittelmeerraum: Rom eroberte Sizilien. Karthago erlitt große Verluste, blieb aber zunächst ein politischer Akteur im westlichen Mittelmeerraum.
Karthagos Reich umfasste vor dem Krieg die nordafrikanische Küste im Bereich des heutigen Tunesien, Libyen, Algerien und Marokko, Westsizilien, Sardinien, Korsika sowie die Südostküste des heutigen Spanien. Es war stark auf das Meer ausgerichtet und kontrollierte sein Hinterland weniger fest. Umstritten ist, wie stark Karthager selbst im Heer beteiligt waren: Ältere Forschung sprach von einer „Kaufmannsaristokratie“ und einem überwiegend aus Söldnern bestehenden Heer; Walter Ameling betont dagegen die Beteiligung zahlreicher Karthager, etwa als Ruderer, adlige Fußsoldaten und Streitwagenkämpfer.
Rom hatte seit dem Sieg über Pyrrhos 275 v. Chr. Unteritalien beherrscht. Zunächst bestand mit der Seemacht Karthago kein direkter Interessenkonflikt; beide waren mehrfach gegen griechische Gegner verbündet. Frühere Verträge regelten Handel und Einflussbereiche, ihre genaue Zahl und ihr Inhalt sind aber umstritten. Besonders umstritten ist der sogenannte Philinos-Vertrag von 306 v. Chr., der die Straße von Messina als Grenze beider Einflussbereiche und Sizilien als karthagische Interessensphäre festgelegt haben soll. Seine Existenz wurde bereits vom antiken Historiker Polybios bestritten. Die Forschung bewertet diese Frage unterschiedlich.
Kriegsbeginn und Ausweitung auf Sizilien
Anlass war Messana (heute Messina). Dort herrschten die Mamertiner, ehemalige italische Söldner, die frühere Einwohner getötet oder vertrieben hatten. Nach ihrer Niederlage gegen Hieron II. von Syrakus in der Schlacht am Longanos 270/269 v. Chr. suchten sie Unterstützung. Die antiken und modernen Rekonstruktionen sind widersprüchlich: Unklar bleibt insbesondere, ob in Messana bereits eine karthagische Besatzung lag und wie sie die Stadt verließ.
264 v. Chr. nahm Rom das Hilfeersuchen an und intervenierte auf Sizilien. Nach Polybios zögerte der Senat zunächst; die Volksversammlung entschied schließlich für die Hilfe. Historiker beurteilen unterschiedlich, ob der Senat die Entscheidung vorbereitete oder ob besonders der Konsul Appius Claudius Caudex sie gegen den Senat durchsetzte. Wichtig war im politischen System Roms das Prestige der Konsuln: Militärische Erfolge konnten den Rang einer Familie erhöhen. Zugleich brachte Krieg Soldaten Beute.
Römische Truppen entsetzten Messana gegen Syrakus und Karthago. Im folgenden Jahr entsandte Rom vier Legionen, insgesamt 18.000 Mann, verstärkt durch Bundesgenossen. Hieron II. schloss Frieden mit Rom: Er ließ römische Gefangene frei, zahlte 100 Talente, davon 25 sofort, und wurde Freund und Bundesgenosse Roms. Syrakus blieb unter seiner Herrschaft und wurde eine wichtige römische Nachschubbasis.
262 v. Chr. belagerten die Römer das karthagisch gehaltene Agrigent. Ein karthagisches Entsatzheer unter Hanno zerstörte zwar das römische Vorratslager, konnte die Römer aber nicht besiegen. Nach einem weiteren abgewehrten Angriff floh der Verteidiger Hannibal Gisko mit einem Teil seiner Garnison. Die Römer plünderten Agrigent und verkauften alle Einwohner in die Sklaverei. Dennoch waren römische Gewinne auf Sizilien unsicher, solange Karthago über Stützpunkte und seine Flotte verfügte. Karthagische Angriffe im Winter 261/260 zeigten die Grenzen eines nur saisonal geführten römischen Landkriegs. Der Konflikt eskalierte dadurch von der Frage um Messana zu einem Krieg um Sizilien.
Rom wird zur Seemacht und greift Afrika an
261 v. Chr. beschloss Rom den Bau oder zumindest eine starke Vergrößerung seiner Kriegsflotte. Die Quellen stellen die Römer oft als unerfahren zur See dar; dies wird in der Forschung teilweise bezweifelt. Entscheidend wurde die Enterbrücke, lateinisch Corvus: Sie fixierte ein gegnerisches Schiff, sodass römische Soldaten es entern und im Nahkampf kämpfen konnten. Der Seekrieg wurde damit teilweise in einen „Landkrieg“ verwandelt. Römische Schiffe konnten außerdem größere Besatzungen als punische Schiffe aufnehmen.
In der Seeschlacht von Mylae 260 v. Chr. besiegte Konsul Gaius Duilius die Flotte Hannibal Giskos. Die Römer enterten 30 Schiffe, darunter Hannibals Heptere. Strategisch konnte Karthago die Verluste wohl schnell ersetzen, doch der Sieg war psychologisch sehr bedeutend: Rom gewann Selbstvertrauen als Seemacht. Duilius wurde mit der Columna rostrata auf dem Forum geehrt.
Die folgenden Jahre brachten wechselnde Kämpfe auf Sizilien, bei Korsika, Sardinien und in der Straße von Sizilien. 257 v. Chr. siegte Rom bei Tyndaris. 256 v. Chr. vereinigten die Konsuln Lucius Manlius Vulso Longus und Marcus Atilius Regulus ihre Flotten und bereiteten die Überfahrt nach Afrika vor. Nach Polybios standen sich bei Ecnomus 330 römische und 350 karthagische Kriegsschiffe gegenüber; diese Zahlen gelten als überhöht, doch beide Seiten suchten offenbar eine große Entscheidung. Rom siegte und landete anschließend bei Aspis in Nordafrika.
Regulus blieb mit zwei Legionen in Afrika, nachdem Manlius mit Beute nach Rom zurückgekehrt war. Die römischen Friedensforderungen an Karthago waren so hart, dass sie einer Kapitulation gleichkamen. Umstritten ist, welche Forderungen tatsächlich von Regulus stammten; wahrscheinlich gehörten dazu der Verzicht Karthagos auf Sizilien und Sardinien, die Freilassung römischer Gefangener, der Loskauf eigener Gefangener und die Übernahme römischer Kriegskosten.
Karthago lehnte ab. Der Söldnerführer Xanthippos trainierte die punische Infanterie sowie den Einsatz von Reiterei und Kriegselefanten. 255 v. Chr. erlitt Regulus in der Schlacht von Tunes eine vernichtende Niederlage und geriet in Gefangenschaft. In der Ebene konnten Karthager Reiterei und Elefanten besonders wirksam einsetzen. Die Überlebenden zogen sich nach Aspis zurück.
Rückschläge, neue Flotte und Entscheidung
Eine römische Flotte von etwa 350 Schiffen sollte 255 v. Chr. die Überlebenden aus Afrika evakuieren. Bei Kap Bon (Kap Hermaion) besiegte sie eine rund 200 Schiffe starke punische Flotte, versenkte 16 Schiffe und kaperte 114. Auf der Rückfahrt sank jedoch vor der sizilischen Südküste im Sturm der Großteil der römischen Flotte. Mit bis zu 100.000 Toten gilt dies als größte Katastrophe der Seefahrtsgeschichte.
Rom ersetzte die Verluste zunächst durch weitere Flottenbauten und eroberte 254 v. Chr. Palermo (Panormos). Die Stadt brachte über 400 Talente Silber ein, entsprechend 8–14,4 Tonnen, weil Bewohner sich von der Versklavung freikaufen durften. Weitere Schiffskatastrophen, besonders 253 v. Chr. mit über 150 verlorenen Schiffen vor Palinuro, führten aber dazu, dass der staatliche Flottenkrieg zeitweise zurücktrat. 251 v. Chr. verteidigte Lucius Caecilius Metellus Palermo gegen Hasdrubal: Leichtbewaffnete lockten 140 Kriegselefanten in einen Graben, verletzten sie mit Wurfgeschossen und lösten eine Panik aus. Hasdrubal wurde nach seiner Rückkehr nach Karthago hingerichtet.
Ab 250 v. Chr. war Lilybaion ein Hauptkriegsschauplatz. Die karthagische Festung konnte trotz römischer Belagerung nicht ausgehungert werden, da sie über See versorgt wurde. 249 v. Chr. versuchte Konsul Publius Claudius Pulcher, Drepana überraschend anzugreifen. In der Schlacht von Drepana verlor er wegen der ungeübten römischen Besatzungen 93 Schiffe und entkam mit etwa 30. Kurz danach sank auch die Flotte des Lucius Iunius Pullus im Sturm. 247 v. Chr. wurde der staatliche Flottenkrieg eingestellt; Claudius wurde später wegen angeblicher Missachtung der Auspizien angeklagt und mit einer Geldstrafe belegt.
In dieser Zeit führte Hamilkar Barkas auf Sizilien erfolgreiche schnelle Angriffe. Parallel bestanden private römische Flottenverbände, die Kaperkrieg betrieben. Als Rom 242 v. Chr. wieder eine Flotte aufbaute, wurde sie privat finanziert: Angehörige der Nobilität und des Ritterstandes stellten nach Vermögen allein, zu zweit oder zu dritt ausgerüstete Penteren; die Besatzungen waren Freiwillige mit Erfahrung aus dem Kaperkrieg. Konsul Gaius Lutatius Catulus eroberte den Hafen von Drepana sowie Stellungen bei Lilybaion.
Im März 241 v. Chr. griff Catulus bei starkem Seegang und im Morgengrauen einen großen karthagischen Versorgungskonvoi bei den Ägadischen Inseln an. Die als Transportschiffe umgerüsteten, schwer beladenen Kriegsschiffe waren schlecht manövrierbar. Rom siegte entscheidend; ein Teil der karthagischen Flotte konnte jedoch entkommen.
Frieden und Folgen
Nach der Niederlage bei den Ägadischen Inseln bat Karthago um Frieden. Es ist umstritten, ob Karthago militärisch völlig handlungsunfähig war: Klaus Zimmermann weist darauf hin, dass Karthago die hohen Geldforderungen erfüllen konnte und daher vielleicht auch eine neue Flotte hätte finanzieren können. Die karthagische Führung verzichtete offenbar lieber auf Sizilien, als den kostspieligen Krieg mit ungewissem Ausgang fortzusetzen.
Hamilkar Barkas und Catulus vereinbarten zunächst: Karthago räumt Sizilien einschließlich Lilybaion, versöhnt sich mit Hieron, lässt alle römischen Gefangenen frei und zahlt 2200 euböische Talente innerhalb von 20 Jahren. Die römische Volksversammlung verschärfte die Bedingungen: Karthago musste 3200 Talente zahlen, davon 1000 sofort und den Rest innerhalb von 10 Jahren, außerdem die Liparischen Inseln räumen. Beide Seiten durften nicht mit Bundesgenossen der jeweils anderen Seite verhandeln. Das Hauptinteresse Roms war die höhere und schneller zu zahlende Reparation.
Sizilien wurde damit römisch, doch Rom hatte zunächst keinen ausgearbeiteten Plan für die Nutzung der Insel. Karthago demobilisierte danach sein Söldnerheer, worauf in Nordafrika ein Streit über Soldzahlungen zum Söldnerkrieg führte. Karthago konnte den Aufstand schließlich niederschlagen. Auch auf Sardinien revoltierten Söldner. Rom blieb zunächst neutral, zwang Karthago später aber unter dem Vorwurf aggressiver Aufrüstung zur Abtretung Sardiniens und zu weiteren 1200 Talenten. 237 v. Chr. besetzten römische Truppen Sardinien; 227 wurden Sardinien und Korsika gemeinsam einem römischen Statthalter unterstellt.
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