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Sardinien

Sardinien (sardisch Sardigna, italienisch Sardegna, katalanisch Sardenya) ist nach Sizilien die zweitgrößte Insel im Mittelmeer. Die Insel gehört politisch …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Lage, Landschaft und Klima
  3. 3. Bevölkerung und politische Ordnung
  4. 4. Natur, Verkehr und Wirtschaft
  5. 5. Kultur, Tourismus und Spezialitäten
  6. 6. Wappen und militärische Nutzung

Überblick

Sardinien (sardisch Sardigna, italienisch Sardegna, katalanisch Sardenya) ist nach Sizilien die zweitgrößte Insel im Mittelmeer und gehört politisch zu Italien. Zusammen mit kleinen vorgelagerten Inseln bildet sie die Autonome Region Sardinien. Die Region umfasst 24.090 km² und hatte am 31. Dezember 2025 1.554.490 Einwohner; die Übersicht nennt für die Insel 23.833 km² und 1.598.000 Einwohner. Hauptort ist Cagliari.

Die Insel liegt bei 40° 2′ N, 9° 4′ O. Ihr höchster Berg ist die Punta La Marmora mit 1834 m. Historische Bezeichnungen sind unter anderem das phönizische Šrdn, Ichnoussa bei den Euboiern und Sandalyon bei den Griechen. Ob die in ägyptischen Texten genannten Šrdn beziehungsweise Scherden aus Sardinien stammten, ist strittig.

Lage, Landschaft und Klima

Sardinien liegt 190 km von der Italienischen Halbinsel entfernt; dazwischen befindet sich das Tyrrhenische Meer. Im Norden trennt die 12 km breite Straße von Bonifacio Sardinien von Korsika. Menorca liegt 335 km westlich, Tunesien 184 km südlich. Die Insel ist etwa 270 km lang und 145 km breit. Zu ihr gehören unter anderem der Sulcis-Archipel, Asinara, der La-Maddalena-Archipel und der Tavolara-Archipel.

Hügel- und Berglandschaften prägen mehr als vier Fünftel der Insel. Das felsige Hochland umfasst 16.352 km², Berge 3.287 km² beziehungsweise 14 % des Territoriums. Im Gennargentu liegen Punta La Marmora und Bruncu Spina (1829 m); Supramonte erreicht bis 1463 m. Der Tirso ist mit 150 km der längste Fluss, gefolgt von Coghinas (123 km) und Flumendosa (122 km). Die Küstenlänge einschließlich kleiner Inseln beträgt 1848,6 km.

Das Klima ist mediterran: Frühling und Herbst sind warm, der Sommer heiß, der Winter mild. Für Cagliari nennt die Klimatabelle eine mittlere Tageshöchsttemperatur von 21,1 °C, eine mittlere Tagesminimumtemperatur von 12,3 °C und 458 mm Jahresniederschlag. Bedeutende Winde sind etwa der heiße Scirocco aus Südosten, der stürmische Maestrale aus Nordwesten und der Libeccio aus Südwesten.

Bevölkerung und politische Ordnung

Viele Sarden sprechen noch Sardisch, eine romanische Sprache. Im öffentlichen Leben überwiegt Italienisch; wegen der kulturellen und sprachlichen Italianisierung seit dem späten 18. Jahrhundert gilt Sardisch als hochgradig gefährdet. In Alghero wird ein katalanischer Dialekt gesprochen, an der Nordküste bestehen korsische Dialekte und im Südwesten eine ligurische Sprachinsel. Der größte Teil der Bevölkerung ist römisch-katholisch. 2019 hatte Sardinien mit 5,4 Lebendgeburten je 1000 Einwohner die niedrigste Geburtenrate Italiens. Die Behauptung einer besonders hohen Lebenserwartung in der Barbagia könnte laut einer 2024 ausgezeichneten Forschungsarbeit nicht stichhaltig sein.

Sardinien ist eine von 20 Regionen der Italienischen Republik. Präsidentin ist seit März 2024 Alessandra Todde (M5S). Nach mehreren Reformen besteht die Region seit 2025 aus acht Gebietskörperschaften mit insgesamt 377 Gemeinden: den Metropolitanstädten Cagliari und Sassari sowie den Provinzen Gallura Nord-Est Sardegna, Medio Campidano, Nuoro, Ogliastra, Oristano und Sulcis Iglesiente. Die größten Gemeinden waren Ende 2025 Cagliari mit 145.981 und Sassari mit 120.231 Einwohnern.

Natur, Verkehr und Wirtschaft

Sardinien gilt als Naturreservat mit vielen geschützten seltenen Tier- und Pflanzenarten. Zu den genannten Säugetieren gehören Tyrrhenischer Rothirsch, Mufflon und Sardisches Langohr, zu den Vögeln Rosaflamingo und Sardengrasmücke. Beispiele für Amphibien sind der Sardische Gebirgsmolch und der Tyrrhenische Laubfrosch. Unter den Insekten sind Ochrilidia nuragica und die Sardische Steinschrecke Endemiten, also Arten, die nur in einem begrenzten Gebiet vorkommen.

Sardinien ist die einzige italienische Region ohne Autobahn, verfügt aber über gebührenfreie Schnellstraßen. Wichtig für den öffentlichen Verkehr sind Überlandbusse; daneben gibt es Staatsbahn-, Schmalspur- und touristische Trenino-Verde-Strecken. Verkehrsflughäfen liegen in Cagliari, Olbia und Alghero. 2016 kamen 619 Personenkraftwagen auf 1000 Einwohner.

Die Wirtschaft beruht vor allem auf Tourismus und Erdölindustrie sowie auf Handel, Dienstleistungen, Informationstechnik und Gastronomie. Wichtig sind außerdem Cannonau-Wein, Pecorino sardo und die Korkproduktion im Norden. Steinkohle wurde bei Carbonia von 1854 bis 2012 gefördert. 2017 lag das BIP je Einwohner bei einem Index von 70 (EU-28 = 100), die Arbeitslosenquote bei 17 %.

Kultur, Tourismus und Spezialitäten

Bekannt ist Canto a Tenore, ein a-cappella-Gesang aus der Barbagia. Ein Solist (boche) wird von drei Männerstimmen begleitet: bassu, mesu boche und contra. Kehlkopf-Techniken erzeugen bei den unteren Stimmen Obertöne. Der Gesang wird bei Treffen, religiösen Feiern, Hochzeiten und im Karneval vorgetragen und gehört seit 2008 zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe. Universitäre Einrichtungen sind die Universitäten Cagliari und Sassari sowie die Pontificia facoltà teologica della Sardegna.

2009 verzeichnete Sardinien rund 2,46 Millionen Ankünfte, knapp 12,3 Millionen Übernachtungen und etwa 199.000 Schlafgelegenheiten. Ziele sind unter anderem Gennargentu, Supramonte, Grotta di Nettuno, Parco del Sulcis und La Maddalena. Klima, Winde, Häfen und Marinas machen die Insel zu einem beliebten Segel- und Windsurfrevier.

Typische Speisen sind Pane Carasau, ein zweimal sehr heiß gebackenes dünnes Hirtenbrot, Porcheddu (gegrilltes Spanferkel), Culurgiones, Seadas mit Honig sowie Pecorino. Getränke sind Cannonau di Sardegna, Vermentino di Gallura als einziger sardischer Weißwein mit DOCG-Prädikat, Ichnusa-Bier und Mirto-Likör. Sardinien ist außerdem Namensgeber der Mineralarten Sardignait und Ichnusait sowie des 2008 benannten Asteroiden (53252) Sardegna.

Wappen und militärische Nutzung

Wappen und Flagge zeigen in Silber ein durchgehendes rotes Georgskreuz mit vier Maurenköpfen. Bis 1999 waren die Köpfe nach rechts gewandt und trugen silberne Augenbinden. 1999 wurden Blickrichtung und Augenbinde geändert; diese wurde zum Stirnband. Das Zeichen wird auf Peter I. von Aragon und den Sieg bei Alcoraz während der Reconquista zurückgeführt.

Mit dem Poligono Salto di Quirra liegt auf Sardinien der größte NATO-Truppenübungsplatz Europas. Dort werden seit Jahrzehnten Waffen getestet, darunter nachweislich oder mutmaßlich Munition mit abgereichertem Uran. Auch andere NATO-Staaten, darunter die Bundeswehr, nutzten das Gelände für Übungen.

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