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Erich Kästner
Emil Erich Kästner (* 23. Februar 1899 in Dresden; † 29. Juli 1974 in München) war ein deutscher Schriftsteller, Publizist, Drehbuchautor und …
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Bedeutung und Schaffen
Emil Erich Kästner (23. Februar 1899 in Dresden; 29. Juli 1974 in München) war deutscher Schriftsteller, Publizist, Drehbuchautor und Kabarettdichter. Bekannt ist er besonders für Kinderbücher wie Emil und die Detektive (1929), Pünktchen und Anton (1931), Das fliegende Klassenzimmer (1933) und Das doppelte Lottchen (1949). Zugleich schrieb er Gedichte, Epigramme (kurze, pointierte Sinnsprüche), Aphorismen, Glossen, Essays, Romane, Theatertexte und Drehbücher.
Seine Texte verbinden häufig Humor, Satire und Gesellschaftskritik. Als Satiriker kritisierte er vor allem Krieg, Militarismus, gesellschaftliche Ungerechtigkeit und moralische Schwächen. Seine Gebrauchslyrik sollte für die Gegenwart verständlich und unmittelbar lesbar sein: Er beschrieb sie als Verse „für heute, zum Sofortessen“.
Kästners Werk richtet sich an Kinder und Erwachsene. In seinen Kinderbüchern stehen meist kluge, solidarische Kinder im Mittelpunkt; die Geschichten spielen oft in einer ihnen vertrauten Gegenwart. Emil und die Detektive war für seine Zeit ungewöhnlich, weil der Kinderroman in der Großstadt Berlin der Gegenwart spielt. Das Buch wurde allein in Deutschland über zwei Millionen Mal verkauft und in 59 Sprachen übersetzt.
Kindheit, Ausbildung und Beginn als Journalist
Kästner wuchs als Einzelkind in kleinbürgerlichen Verhältnissen in Dresden auf. Sein Vater Emil Richard Kästner war Sattlermeister, seine Mutter Ida Kästner arbeitete zunächst als Dienstmädchen und Heimarbeiterin, später als Friseurin. Zu ihr hatte er eine besonders enge, lebenslange Beziehung. Ein späteres, nie bestätigtes Gerücht bezeichnete den jüdischen Arzt Emil Zimmermann als seinen leiblichen Vater.
Ab 1913 besuchte Kästner in Dresden ein Lehrerseminar. Die strenge, auf Gehorsam ausgerichtete Ausbildung lehnte er ab und brach sie kurz vor dem Ende ab. Erfahrungen daraus verarbeitete er später in Das fliegende Klassenzimmer. 1917 wurde er zum Militärdienst eingezogen. Der harte Drill bei der schweren Artillerie verursachte eine lebenslange Herzschwäche und bestärkte seinen Antimilitarismus. Diese Haltung prägt etwa das Gedicht Sergeant Waurich Luft.
Nach dem Krieg machte er das Abitur mit Auszeichnung und erhielt das Goldene Stipendium der Stadt Dresden. Von 1919 an studierte er in Leipzig Geschichte, Philosophie, Germanistik, Zeitungskunde und Theaterwissenschaft; 1925 wurde er mit einer germanistischen Dissertation zum Dr. phil. promoviert. Er verdiente bereits als Journalist und Theaterkritiker für die Neue Leipziger Zeitung. Nach seiner Kündigung 1927 zog er nach Berlin und schrieb auch unter Pseudonymen wie Berthold Bürger, Melchior Kurtz, Peter Flint und Robert Neuner.
Erfolg in Berlin und Verfolgung im Nationalsozialismus
Die Jahre 1927 bis 1933 in Berlin waren Kästners produktivste und erfolgreichste Zeit. Er veröffentlichte Gedichte, Glossen, Reportagen und Rezensionen unter anderem im Berliner Tageblatt, in der Vossischen Zeitung und in Die Weltbühne. Sein erster Gedichtband Herz auf Taille erschien 1928. Mit Leben in dieser Zeit hatte er im Dezember 1929 auch Erfolg im Rundfunk. Als wichtige Stimme der Neuen Sachlichkeit schrieb er bewusst klar, zeitnah und gesellschaftskritisch.
Zu seinen bedeutenden Werken dieser Zeit gehören Emil und die Detektive, Pünktchen und Anton, Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee sowie Fabian – Die Geschichte eines Moralisten (1931). Fabian arbeitet mit schnellen Schnitten und Montagen und schildert am Beispiel des arbeitslosen Germanisten Jakob Fabian das Berliner Leben und den Niedergang der Weimarer Republik.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme am 30. Januar 1933 emigrierte Kästner nicht. Er wollte unter anderem Chronist der Ereignisse bleiben und seine Mutter nicht allein lassen. Seine Bücher wurden verboten; am 10. Mai 1933 wurden sie bei der Bücherverbrennung als „wider den deutschen Geist“ verbrannt, was Kästner selbst beobachtete. Die Ablehnung seines Antrags bei der Reichsschrifttumskammer bedeutete ein Publikationsverbot im Deutschen Reich. Seine Werke erschienen dennoch im Schweizer Atrium Verlag, etwa Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke (1936).
Kästner wurde zweimal von der Gestapo festgenommen und verhört. Trotz Repressionen schrieb er unter Pseudonym weiterhin Theatertexte und Drehbücher. Mit einer Ausnahmegenehmigung verfasste er 1942 als Berthold Bürger das Drehbuch für den Ufa-Film Münchhausen, der 1943 erschien. Seine Berliner Wohnung mit etwa 4000 Büchern wurde im Februar 1944 durch Bomben zerstört. Im März 1945 gelangte er mit einem fingierten Filmteam nach Mayrhofen in Tirol und erlebte dort das Kriegsende; darüber schrieb er später Notabene 45.
Nachkriegszeit, persönliches Leben und spätere Jahre
Nach 1945 lebte Kästner in München und leitete bis 1948 das Feuilleton der Neuen Zeitung. Er beobachtete die Eröffnung der Nürnberger Prozesse und schrieb über nationalsozialistische Verbrechen, den Krieg und das zerstörte Deutschland. Außerdem gab er die Kinder- und Jugendzeitschrift Pinguin heraus und arbeitete für literarisches Kabarett sowie Hörfunk. In dieser Zeit entstanden unter anderem Die Konferenz der Tiere und Texte wie Marschlied 1945 und Deutsches Ringelspiel.
Er blieb antimilitaristisch, sprach bei Ostermärschen und wandte sich gegen den Vietnamkrieg. Ebenso protestierte er gegen Einschränkungen der Pressefreiheit, 1952 gegen das Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften und 1962 gegen Maßnahmen während der Spiegel-Affäre. Von 1951 bis 1962 war er Präsident des westdeutschen PEN Deutschland, ab 1965 Ehrenvorsitzender, und er gehörte zu den Begründern der Internationalen Jugendbibliothek in München.
Kästner blieb unverheiratet. Seine langjährige Lebensgefährtin war Luiselotte Enderle; mit der Schauspielschülerin Friedel Siebert hatte er den am 13. September 1957 geborenen Sohn Thomas. Für ihn schrieb Kästner seine letzten Kinderbücher Der kleine Mann und Der kleine Mann und die kleine Miss. Ab 1965 zog er sich fast vollständig aus dem Literaturbetrieb zurück. Er starb mit 75 Jahren an Speiseröhrenkrebs und wurde auf dem Bogenhausener Friedhof in München beigesetzt.
Seine Kinderbücher wurden vielfach übersetzt und verfilmt. Mehr als 40 Filme entstanden nach seinen Werken oder mit seinen Drehbüchern, darunter Emil und die Detektive (1931), Das doppelte Lottchen (1950), Die Vermählung ihrer Eltern geben bekannt/The Parent Trap (1961) und Fabian oder Der Gang vor die Hunde (2021).
Themen, Rezeption und Erinnerung
Nach einer Deutung von Andreas Drouve durchzieht Kästners Werk ein Gegensatz: einer schlechten, spöttisch und negativ dargestellten Erwachsenenwelt steht eine gute Welt der Kinder gegenüber. Seine Kinderbücher zeigen Hoffnung auf eine bessere Entwicklung des Menschen; die satirischen Texte wirken dagegen pessimistisch. Der Kinderbuchautor Fred Rodrian kritisierte diese Zweiteilung als Kästners „großen Irrtum“.
Kästner wollte als Satiriker Menschen durch Einsicht moralisch bessern. In Gedichten wie Die Entwicklung der Menschheit vertritt er jedoch die Auffassung, dass technischer und wissenschaftlicher Fortschritt keinen entsprechenden moralischen Fortschritt garantiert: Die Menschen seien „bei Lichte betrachtet … noch immer die alten Affen“. Krieg und Militarismus gehören zu seinen wichtigsten Angriffszielen, etwa in Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?. Seine Kritik appelliert meist an den guten Willen und endet häufig resignativ, beispielsweise in Gesang zwischen den Stühlen.
Zeitgenössische Kritik fiel unterschiedlich aus. Walter Benjamin warf Kästner in Linke Melancholie positionslosen politischen Radikalismus und Fatalismus vor. Klaus Mann kritisierte seinen Roman Drei Männer im Schnee scharf. Dagegen lobten Hermann Hesse und Hans Fallada insbesondere Fabian und die klare, anständige Moral seiner Bücher. Marcel Reich-Ranicki betonte später die vertauschten Rollen: Kinder handeln in Kästners Büchern oft vernünftiger als Erwachsene und bringen Ordnung wieder her.
Kästner erhielt unter anderem 1951 den Deutschen Filmpreis für Das doppelte Lottchen, 1957 den Georg-Büchner-Preis, 1959 das Große Bundesverdienstkreuz und 1960 die Hans-Christian-Andersen-Medaille. Nach ihm sind 96 Straßen, über 100 Erich Kästner-Schulen, der Asteroid (12318) Kästner sowie Preise und eine Bibliothek benannt. Das Erich Kästner Museum befindet sich in Dresden-Neustadt in der Villa Augustin; sein schriftlicher Nachlass liegt im Deutschen Literaturarchiv Marbach. Das Erich Kästner Kinderdorf in Oberschwarzach bewahrt seit Anfang der 1990er Jahre unter anderem 8200 Bücher aus seiner Privatbibliothek.