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Emil und die Detektive

Emil und die Detektive (Untertitel Ein Roman für Kinder) ist ein Kinderbuch von Erich Kästner (Text) und Walter Trier (Illustrationen).

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern des Werks
  2. 2. Handlung
  3. 3. Literarische Bedeutung
  4. 4. Entstehung und Zeitgeschichte
  5. 5. Fortsetzung und Bearbeitungen
  6. 6. Ausgaben und Nachleben

Kern des Werks

„Emil und die Detektive“ ist ein Kinderbuch von Erich Kästner mit Illustrationen von Walter Trier. Es trägt den Untertitel „Ein Roman für Kinder“, erschien im Herbst 1929 und wurde ein großer Erfolg, der bis heute anhält. Im Mittelpunkt steht der zwölfjährige Emil Tischbein, der zum ersten Mal allein aus seiner Heimatstadt Neustadt nach Berlin reist.

Das Buch ist wichtig, weil es in der Literaturgeschichte als eines der ersten modernen Kinderbücher gilt. Es verbindet Humor, Abenteuer und eine realistische Darstellung des städtischen Alltags. Neu war besonders, dass Kinder nicht nur belehrt werden, sondern selbst handeln, planen und Verantwortung übernehmen. Die Sprache ist kindgerecht und enthält viele umgangssprachliche Wendungen, besonders in den Dialogen.

Handlung

Emil Tischbein reist nach Berlin, um Verwandte zu besuchen. Seine Mutter gibt ihm 140 Mark mit, die für die finanzielle Unterstützung seiner Großmutter bestimmt sind. Im Eisenbahnabteil wird ihm das Geld von einem Mitreisenden gestohlen, der sich Grundeis nennt. Emil traut sich nicht, zur Polizei zu gehen, weil er zu Hause selbst etwas angestellt hat. Deshalb verfolgt er den Dieb vom Bahnhof Zoo an auf eigene Faust.

In Berlin trifft Emil den gleichaltrigen Gustav mit der Hupe. Gustav erkennt, dass Emil fremd in der Stadt ist, und hilft ihm. Er ruft Freunde zusammen. Die Jungen bilden eine Gruppe von Kinderdetektiven, legen eine „Kriegskasse“ an, organisieren einen Nachrichtendienst und wählen „Parole Emil!“ als Erkennungszeichen. Sie beschatten den Dieb quer durch Berlin und sammeln Hinweise. Dabei gibt es auch Streit, weil nicht alle Jungen ihre Aufgaben erfüllen wollen. Später kommt Emils Cousine Pony Hütchen dazu, nachdem Emil seine Verwandten durch einen Boten informiert hat.

Der Dieb wird nervös und versucht, die gestohlenen Geldscheine in einer Bankfiliale umzutauschen. Dort stellen ihn die Kinder zusammen mit einer großen Menge weiterer Kinder und übergeben ihn der Polizei. Bei der Untersuchung benutzt der Mann mehrere falsche Namen: Grundeis, Müller und Kießling. Die Geldscheine können Emil zugeordnet werden, weil sie feine Löcher haben: Emil hatte das Geld in seiner Jackentasche mit einer Nadel festgesteckt. Weitere Ermittlungen ergeben, dass Grundeis ein gesuchter Bankräuber ist. Emil erhält tausend Mark Belohnung.

Literarische Bedeutung

„Emil und die Detektive“ gilt als wegweisend für die Kinderliteratur. Vorher waren Kinderbücher oft märchenhaft, stark moralisierend oder beides. Kästners Roman unterscheidet sich davon durch eine realistische Großstadtwelt, eine lebendige Handlung und Kinderfiguren, die ernst genommen werden. Der Artikel bezeichnet dies als Zuerkennung von „Subjektstatus“: Die Kinder sind nicht nur Objekte der Erziehung, sondern selbst handelnde Personen.

Wichtig ist auch die Milieuschilderung, also die Darstellung eines sozialen Umfelds. Berlin wird als moderne Großstadt beschrieben, nicht als Fantasiewelt. Die Kinder bewegen sich in Straßen, Bahnhöfen, Banken und Zeitungsredaktionen. Dadurch entsteht ein realistischer Rahmen für das Abenteuer. Die Sprache trägt dazu bei: Kästner verwendet keine erzieherische Hochsprache, sondern eine kindgerechte, lebendige Sprache mit vielen Wendungen aus dem Alltag.

Der Prolog spielt nach der Deutung von Stefan Neuhaus mit Fiktionalität und Realität. Das bedeutet: Der Text zeigt einerseits eine scheinbar echte, realitätsnahe Geschichte, macht andererseits aber auch sichtbar, dass sie geschrieben und erzählt ist. Neuhaus beschreibt den Prolog als metafiktionalen Kommentar, also als Textstelle, die über das Erzählen selbst nachdenkt. Hartmut Vollmer meint, Kästners Prolog ermutige junge Leser zur kreativen Arbeit.

Entstehung und Zeitgeschichte

Erich Kästner erzählte später, Edith Jacobsohn, die Verlegerin der „Weltbühne“, habe ihn angeregt, für ihren Kinderbuchverlag Williams & Co. ein Buch zu schreiben. Sven Hanuschek hält diese Darstellung für eine unglaubwürdige Anekdote. Kästner hatte schon vorher für Kinder geschrieben, unter anderem für die Kinderseite „Beyers ‚Für alle‘“, und an einem Weihnachtsstück mit dem Titel „Klaus im Schrank oder Das verkehrte Weihnachtsfest“ gearbeitet.

Die Geschichte entstand innerhalb weniger Wochen. Kästner ließ sich bei Emil und seiner Mutter von seiner eigenen Biographie inspirieren; Kästner hieß mit erstem Vornamen selbst Emil. Außerdem tritt er in der Handlung in seinem realen Beruf als Zeitungsjournalist auf. Ein Erlebnis aus seiner Kindheit in Dresden floss ebenfalls ein: Kästner verfolgte und stellte dort eine Betrügerin, die seine Mutter, eine Friseurin, geschädigt hatte. Für den erwähnten Bankeinbruch könnte der Diskonto-Einbruch der Brüder Sass eine Rolle gespielt haben.

In der NS-Zeit hatte das Buch zunächst eine Sonderstellung. Als einziges Werk Kästners wurde „Emil und die Detektive“ 1933 zuerst nicht indiziert und nicht bei der Bücherverbrennung 1933 in Deutschland verbrannt. Kästner war bei der Verbrennung seiner eigenen Werke persönlich anwesend, wurde erkannt, aber nicht behelligt. 1936 wurde jedoch auch „Emil und die Detektive“ von den Nationalsozialisten verboten. Am 17. Februar 1936 beschlagnahmte die Gestapo im Verlag Williams & Co. die letzten zwei Bände des Buches.

Fortsetzung und Bearbeitungen

Die Fortsetzung „Emil und die drei Zwillinge“ erschien 1935 nur im Ausland. Bis Jahresende wurden über 7000 Exemplare verkauft. Die Handlung spielt überwiegend an der Ostsee, etwa zwei Jahre nach den Ereignissen des ersten Romans. Eine Besonderheit ist, dass der Erzähler, Emil und seine Freunde darin den Film „Emil und die Detektive“ anschauen. Diese Selbstreflexivität war damals für Kinderbücher neu. Kästner hoffte vergeblich, dass die Fortsetzung auch in Deutschland verkauft werden könne.

Der Stoff wurde häufig für andere Medien bearbeitet. Es gibt zahlreiche Verfilmungen, darunter deutsche Filme von 1931 unter der Regie von Gerhard Lamprecht, von 1954 unter Robert Adolf Stemmle, von 2001 unter Franziska Buch und eine für 2026 genannte deutsche Verfilmung unter David Dietl. Außerdem entstanden internationale Verfilmungen in Großbritannien, Argentinien, Japan, Brasilien und den USA.

Auch als Hörspiel, Theaterstück, Musical und Spiel wurde „Emil und die Detektive“ mehrfach umgesetzt. Kästner richtete den Roman 1930 selbst für die Bühne ein; im selben Jahr wurde das Stück im Berliner Theater am Schiffbauerdamm uraufgeführt. Das Musical von Marc Schubring mit Libretto von Wolfgang Adenberg wurde am 12. November 2001 im Berliner Theater am Potsdamer Platz uraufgeführt. Mehrere Gesellschaftsspiele für Kinder griffen das Buch ebenfalls auf, unter anderem 1931, 1969 und 2003.

Ausgaben und Nachleben

Die erste Auflage von „Emil und die Detektive“ betrug insgesamt 10.000 Exemplare. Sie wurde jedoch in Teilauflagen gedruckt, mit Impressumsangaben von der „1. Auflage“ bis zur „10. Auflage“. Deshalb wird angenommen, dass Mitte Oktober 1929 zunächst nur 1000 Exemplare im Halbleineneinband für 5,50 RM in die Buchläden kamen. Der Schutzumschlag wurde von Walter Trier gestaltet und zeigte durch eine Ausstanzung eine Szene in Gelb mit Litfaßsäule, Emil, Gustav und dem Dieb Grundeis. Auch die 11 ganzseitigen Illustrationen stammten von Trier.

1930 folgte das 11.–20. Tausend, später das 21.–30. Tausend. Am 1. Dezember 1931 wurde eine ungekürzte Volksausgabe für 3 RM angezeigt, also eine günstigere Ausgabe. Die letzte Ausgabe in Nazideutschland erschien 1934 als 88.–100. Tausend. In ihr waren Hinweise auf Kästners andere Kinderbücher entfernt, da diese seit 1933 unerwünscht waren. Danach verschwand auch „Emil und die Detektive“ vom nationalsozialistischen Büchermarkt.

Zum 100. Geburtstag Kästners gab die Deutsche Post 1999 ein Sonderpostwertzeichen mit einem Motiv von Walter Trier aus „Emil und die Detektive“ heraus. Der Frankaturwert betrug 300 Pfennig; abgedruckt war der Satz: „Es gibt nichts Gutes außer: Man tut es.“ Das Typoskript des Romans ist in der Dauerausstellung im Literaturmuseum der Moderne in Marbach ausgestellt.

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