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Eine Welt

Eine Welt ist ein Begriff der Entwicklungspolitik und aus dem Bereich der Entwicklungshilfearbeit, der im Gegensatz zum Begriff der „Dritten Welt“ für ein …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kernidee und Bedeutung
  2. 2. Entstehung des Gedankens und Ablösung der Blockteilung
  3. 3. Wirtschaftliche Verflechtung am Beispiel Fleischkonsum
  4. 4. Ziele und praktische Umsetzung
  5. 5. Zeitgenössische Einordnung

Kernidee und Bedeutung

„Eine Welt“ ist ein Begriff der Entwicklungspolitik und der Entwicklungshilfearbeit. Er steht für ein neues Verständnis der Entwicklungszusammenarbeit und bildet einen Gegensatz zur früheren Vorstellung von der „Dritten Welt“.

Der Begriff betont, dass alle Menschen und Staaten trotz ihrer Unterschiede in einer gemeinsamen Welt leben und füreinander Verantwortung tragen. Er soll Gleichberechtigung und partnerschaftlichen Umgang fördern. Dazu passen die Leitgedanken „Hilfe durch Selbsthilfe“ sowie „Global denken, lokal handeln“.

Zugleich erinnert „Eine Welt“ daran, dass es nur eine Erde gibt, die bewahrt werden muss. Seit den 1990er Jahren gilt „Dritte Welt“ spätestens mit der Auflösung der UdSSR als politisch überholt und veraltet, weil die „Zweite Welt“ als politischer Block nicht mehr besteht. Deshalb wird zunehmend von „Entwicklungszusammenarbeit“ statt von „Entwicklungshilfe“ gesprochen. Der Ausdruck findet sich auch in anderen Sprachen, etwa als „One World“ im Englischen und „unu mondo“ im Esperanto.

Entstehung des Gedankens und Ablösung der Blockteilung

Der christliche Eine-Welt-Gedanke wurde bereits in Reden von Martin Niemöller deutlich, die 1964 unter dem Titel „Eine Welt oder keine Welt“ veröffentlicht wurden. Niemöller forderte, die Menschheit müsse künftig „miteinander“, „in gemeinsamer und wechselseitiger Verantwortung“ und in „wirklicher und bedingungsloser Solidarität“ leben. Dabei verwies er auf Psalm 133 und die Vorstellung eines „Völkerfriedens“, in dem alle Kräfte dem Ganzen der Menschheit dienen.

Niemöller erwartete, dass die bisherige Aufspaltung der „weißen Welt“ in eine „freie“ und eine „kommunistische“ Welt nicht das wichtigste Problem bleiben würde. Durch Bevölkerungsexplosion sowie wirtschaftliche und technische Entwicklung werde die „farbige Welt“ zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Welt häufig in drei politische Blöcke eingeteilt:

  • Zur „Ersten Welt“ gehörten die entwickelten Länder Westeuropas, Nordamerikas und Australiens, die auch als „Industrienationen“ bezeichnet wurden.
  • Die „Zweite Welt“ umfasste kommunistische Länder wie die damalige UdSSR, die Volksrepublik China, die DDR, Nordkorea, Nordvietnam und Kuba.
  • Die „Dritte Welt“ bezeichnete die blockfreien Länder.

In den 1960er Jahren entstand die Bewegung der blockfreien Staaten. Sie lehnte vor allem diese Blockaufteilung ab und verfolgte eigene Ziele. Zu ihren Mitgliedern gehörten unter anderem das damalige Jugoslawien, Ägypten und Indien.

Anfang der 1970er Jahre wurde die Einteilung unter Erhard Eppler, der als SPD-Politiker Entwicklungshilfeminister in der Regierung Willy Brandts war, und von verschiedenen Entwicklungshilfeorganisationen zunehmend kritisiert und abgelehnt. Weltweite atomare Bedrohung, Globalisierung, Umweltzerstörung und die koloniale Vergangenheit machten deutlich, dass die Welt nicht aus voneinander getrennten Welten besteht. Die Blockeinteilung werde der Wirklichkeit und der gemeinsamen Verantwortung für die Welt nicht gerecht.

Wirtschaftliche Verflechtung am Beispiel Fleischkonsum

Ein Beispiel für weltweite wirtschaftliche Verflechtungen und gemeinsame Verantwortung ist nach der Darstellung entwicklungspolitischer Gruppen der hohe Fleischkonsum in den sogenannten entwickelten Ländern. Um diesen Konsum zu decken, müssten zusätzliche Fleischimporte aus Südamerika eingeführt werden.

Für die Erzeugung von einem Kilogramm Rindfleisch in Südamerika werde ein Vielfaches dieses Gewichts an Getreide als Viehfutter eingesetzt beziehungsweise verschwendet. Bei einem größeren Verzicht auf Fleisch könnte dieses Getreide den Menschen in den sogenannten unterentwickelten Ländern zur Verfügung stehen. Das Beispiel soll zeigen, dass Konsum in einem Teil der Welt Auswirkungen auf die Lebensbedingungen in anderen Teilen der Welt hat.

Ziele und praktische Umsetzung

Zum Verständnis der Einen Welt gehören insbesondere:

  • Entwicklungszusammenarbeit mit Partnerorganisationen in Ländern des Südens
  • Unterstützung von Emanzipations- und Menschenrechtsbewegungen
  • entwicklungspolitische und interkulturelle Bildungsarbeit
  • Förderung des Fairen Handels in sogenannten Weltläden
  • Unterstützung der Selbsthilfe von Migranten und Flüchtlingen aus Ländern des Südens

Der Wandel zeigte sich auch darin, dass sich viele „Dritte Welt“-Läden in „Eine-Welt“-Läden umbenannten. Im deutschsprachigen Internet wird „Eine Welt“ häufig mit entwicklungspolitischen Projekten verbunden. Dazu gehören beispielsweise der Schulwettbewerb des Bundespräsidenten „Eine Welt für alle“, die Eine Welt Internet Konferenz, die Veranstaltungsreihe „Eine Welt Eine Zukunft“, das Portal „Eine Welt Info“, „Mission Eine Welt“, der Blog „Eine Welt eine Zukunft“ und das „Eine Welt Netz NRW“. In anderen Sprachen besteht diese enge Verbindung des entsprechenden Ausdrucks, etwa „One World“, mit entwicklungspolitischen Themen nicht in gleicher Weise.

Zeitgenössische Einordnung

Bundesentwicklungsminister Spranger erklärte 1995 im Bundestag, die Welt habe sich dramatisch verändert: Staaten zerfielen und neue Grenzen entstünden. Gleichzeitig werde der Begriff „Eine Welt“ selbstverständlich verwendet, obwohl der damit verbundene Anspruch noch nicht erfüllt sei. Dafür müsse die Entwicklungspolitik national und international eine neue Priorität erhalten, weil sie sich mit zentralen Zukunftsfragen befasse.

Hannah Arendt formulierte zugespitzt: „Die Dritte Welt ist keine Wirklichkeit, sie ist Ideologie.“

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