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Australien
Australien (amtlicher deutscher Name; englisch Commonwealth of Australia, deutsch veraltet Australischer Bund) ist ein Staat auf der Südhalbkugel der Erde, …
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Überblick und Geografie
Australien (englisch: Commonwealth of Australia) ist ein Staat auf der Südhalbkugel, der das Festland des australischen Kontinents, die Insel Tasmanien, die Macquarieinsel sowie sieben Außengebiete (u. a. Norfolkinsel, Kokosinseln, Weihnachtsinsel, Heard und McDonaldinseln) umfasst. Seit 1933 erhebt es Ansprüche auf das Australische Antarktis-Territorium, deren Geltendmachung durch den Antarktis-Vertrag aufgeschoben ist. Nachbarstaaten sind Neuseeland, Indonesien, Osttimor und Papua-Neuguinea. Mit rund 7,7 Millionen km² ist Australien der sechstgrößte Staat der Erde; es leben dort etwa 27 bis 27,8 Millionen Menschen bei einer sehr geringen Bevölkerungsdichte von 3,6 Einwohnern pro km². Hauptstadt ist Canberra, größte Stadt Sydney. Höchster Berg der Hauptlandmasse ist der Mount Kosciuszko (2228 m), tiefster Punkt der Salzsee Lake Eyre (17 m unter dem Meeresspiegel). Das Land gliedert sich in drei Großlandschaften: das westliche Tafelland mit den großen Wüsten (u. a. Große Sandwüste, Gibsonwüste, Nullarbor-Wüste), das zentrale Tiefland mit der Simpsonwüste und dem Murray-Darling-Becken sowie die östliche Großlandschaft mit der über 3200 km langen Great Dividing Range, dem Great Barrier Reef und dem Großteil der Bevölkerung. Die unbesiedelten Wüsten- und Halbwüstengebiete heißen Outback (über 70 % der Fläche). Wichtigste Städte sind Melbourne (5,1 Mio.), Sydney (5,0 Mio.), Brisbane (2,6 Mio.), Perth (2,3 Mio.) und Adelaide (1,4 Mio.). Canberra wurde als Planhauptstadt Kompromiss zwischen Sydney und Melbourne. Anfang Juni 2022 gab es über 11.000 geschützte Gebiete mit mehr als 1,8 Millionen km², darunter 755 Nationalparks und zwölf Weltnaturerbe-Gebiete. Durch die globale Erwärmung verlängert sich die Waldbrandsaison; 2019 brannten rund vier Millionen Hektar (etwa die Fläche der Schweiz). Es gibt mehr Rekordhitze, Dürren und zugleich katastrophale Überschwemmungen; kritische Flusssysteme wie das Murray-Darling-Becken brechen teils zusammen.
Bevölkerung, indigene Völker und Religion
2025 lebten in Australien etwa 26,77 Millionen Menschen. Rund 92 % der Bevölkerung sind europäischer, 7 % asiatischer Abstammung; 2,4 % bezeichnen sich als zumindest teilweise indigen. Rund 85 % der Europäischstämmigen haben britische oder irische Vorfahren; über 1,3 Millionen Australier haben mindestens einen deutschen Vorfahren. 79 % sprechen Englisch. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung ist im Ausland geboren. 2023 lebten 87 % der Einwohner in Städten. Die Lebenserwartung lag 2025 bei Frauen bei 86, bei Männern bei 81 Jahren; bei Aborigines lag sie laut WHO (1999) um rund 20 Jahre niedriger. Die indigene Bevölkerung besteht aus den Aborigines und den Torres-Strait-Insulanern. Vor der europäischen Ankunft lebten schätzungsweise 300.000 bis 750.000 Menschen in vielen kleinen Gruppen mit 500 bis 600 Sprachen. Die Briten erklärten das Land zur „Terra Nullius“ (Niemandsland) und verdrängten die Ureinwohner. Aborigines erhielten das nationale Wahlrecht erst 1962/1965; erst das Mabo-Urteil von 1992 revidierte die Terra-Nullius-Doktrin und ermöglichte Landansprüche. Zwischen 1900 und 1972 wurden etwa 35.000 Aborigine-Kinder zwangsweise aus ihren Familien entfernt („Gestohlene Generationen“); der Bericht „Bringing Them Home“ (1997) führte zum National Sorry Day am 26. Mai. 2016 bezeichneten sich 649.171 Australier (rund 2,8 %) als indigen. Laut Volkszählung 2016 sind 22,6 % römisch-katholisch, 13,3 % Anglikaner, 16,3 % andere christliche Kirchen, 30,1 % konfessionslos; Buddhismus 2,4 %, Islam 2,6 %, Hinduismus 1,9 %.
Geschichte
Die Aborigines leben seit mindestens 65.000 Jahren auf dem Kontinent, die Besiedlung lief vermutlich über Neuguinea. Europäische Sichtungen: Als erste gesicherte Entdeckung gilt die Landung des Niederländers Willem Jansz 1606 an der Kap-York-Halbinsel; weitere niederländische Entdecker waren Dirk Hartog (1616), Frederick de Houtman (1619) und Abel Tasman, der 1642 Tasmanien („Van-Diemens-Land“) entdeckte. William Dampier kartografierte 1699 Teile der Westküste (Shark Bay). 1770 erreichte James Cook die fruchtbare Ostküste und nahm sie im Juni 1770 als Kolonie New South Wales für Großbritannien in Besitz. Ab 1788 wurde Australien als Sträflingskolonie genutzt: Am 26. Januar 1788 traf die „First Fleet“ unter Arthur Phillip im Port Jackson (Sydney) ein; bis 1868 wurden 160.000 Gefangene deportiert. Spätere Kolonien: Tasmanien/Van-Diemen's Land (1803/1825), Queensland (1859), Victoria (1851), Western Australia (1829, Perth), South Australia (1836, Adelaide). 1851 wurde in Victoria Gold gefunden; der Goldrausch und der niedergeschlagene Eureka-Stockade-Aufstand (1854, demokratische Reformforderungen) ebneten den Weg zur Nation. Zwischen 1855 und 1890 erhielten die Kolonien Responsible Government. Am 1. Januar 1901 schlossen sich die Kolonien zum Commonwealth of Australia zusammen; 1907 erhielt der Bund den Dominionstatus, 1942 stimmte das Parlament dem Statut von Westminster zu, und 1986 gab Großbritannien mit dem Australia Act die letzten Kompetenzen ab. Die Schlacht von Gallipoli 1915 gilt vielen Australiern als „Geburt der Nation“. Nach 1945 wandte sich Australien den USA zu (ANZUS-Abkommen 1951) und betrieb aktive Einwanderungspolitik; Mitte der 1970er wurde die White Australia Policy beendet. 1999 stimmten 55 % der Bevölkerung in einem Referendum gegen eine Republik.
Politik und Staatsaufbau
Australien ist eine föderale parlamentarische Monarchie nach dem Westminster-System. Staatsoberhaupt ist der britische König Charles III., vertreten durch eine Generalgouverneurin (seit 1. Juli 2024: Sam Mostyn). Das Zweikammerparlament besteht aus dem Repräsentantenhaus (151 Abgeordnete, alle drei Jahre, Mehrheitswahlrecht) und dem Senat (je zwölf Senatoren pro Staat, je zwei pro Territorium, sechs Jahre Amtszeit). Für alle Wahlen besteht Wahlpflicht (seit 1924). Frauen durften auf nationaler Ebene seit 1902 wählen (zunächst nur weiße Frauen); Aborigines erhielten das Wahlrecht erst 1962. Die stärkste Partei stellt die Regierung, ihr Vorsitzender ist Premierminister (seit 2022: Anthony Albanese, Labor). Größte Parteien sind die Liberal Party, die Labor Party und die National Party; kleinere Parteien sind u. a. The Greens und One Nation. Australien besteht aus sechs Bundesstaaten (New South Wales/Sydney, Victoria/Melbourne, Queensland/Brisbane, Western Australia/Perth, South Australia/Adelaide, Tasmanien/Hobart), den Territorien (Australian Capital Territory/Canberra, Northern Territory/Darwin, Jervis Bay Territory) und sieben Außengebieten. Die Bundesstaaten regeln Bildung, Gesundheit, Verkehr, Polizei und Justiz selbst. Politische Indizes: Demokratieindex 2024: 8,85 von 10 (Rang 11, vollständige Demokratie); Korruptionswahrnehmungsindex 2025: 76 von 100 (Rang 12); Pressefreiheit 2026: Platz 33 von 180. Zur Außenpolitik: Australien gilt als Mittelmacht; Kernbeziehungen bestehen zu den USA (ANZUS), zum Vereinigten Königreich, zu China (wichtigster Handelspartner, aber Spannungen, u. a. Handelskrieg 2017–2021) und zu Asien. 2023 schloss Australien mit Tuvalu eine Vereinbarung, nach der jährlich 280 Tuvaluer einwandern dürfen. Militär: Die Australian Defence Force (etwa 51.000 Soldaten) besteht aus Marine, Armee und Luftwaffe; im Ersten Weltkrieg kämpfte die First Australian Imperial Force u. a. in Gallipoli (8141 Gefallene), im Zweiten Weltkrieg erlitt Australien 97 japanische Luftangriffe (u. a. auf Darwin, 19. Februar 1942).
Wirtschaft, Bodenschätze und Infrastruktur
Australien ist eine der wohlhabendsten Volkswirtschaften der Welt: 2024 betrug das BIP nominal 1,8 Billionen USD (Platz 14), das Pro-Kopf-BIP 65.529 USD. Der Dienstleistungssektor trägt 60–65 % zum BIP bei, der Bergbau etwa 10 %, die Landwirtschaft 2 %. Wichtigste Exportgüter sind Kohle, Eisenerz, Gold, Erdöl/-produkte und Erdgas; Australien ist seit den 1980er Jahren weltgrößter Kohleexporteur. Größter Handelspartner ist China (2023: 32,6 % der Exporte, 24,9 % der Importe), gefolgt von Japan, Südkorea und den USA. 2014 betrug der Export 243 Mrd. USD, der Import 219 Mrd. USD. Freihandelsabkommen bestehen u. a. mit Neuseeland (Closer Economic Relations, seit 1983), den USA und der ASEAN; die EU ist seit 25 Jahren wichtigster Wirtschaftspartner der EU-Beziehungen. Deutschland ist der zwölftgrößte Handelspartner. In der Landwirtschaft werden rund 130 Millionen Schafe und über 25 Millionen Rinder gehalten; Australien erzeugt 29 % der Weltproduktion an Wolle. Weizen (über 30 Mio. t jährlich) und Zuckerrohr (über 35 Mio. t) sind wichtige Anbauprodukte; der Weinexport liegt bei über 2,3 Mrd. AUD (u. a. Barossa Valley, Hunter Valley). Bei Bodenschätzen ist Australien weltgrößter Steinkohleexporteur, fördert 12 % des Weltmarkts an Gold, über 90 % der Weltproduktion an Opalen (v. a. Coober Pedy) und hat das reichhaltigste Vorkommen an Seltenen Erden (Mount Weld); es ist drittgrößter Uranexporteur, betreibt aber keine Atomkraftwerke. 2022 lag die Inflation bei 6,7 %, die Staatsverschuldung bei rund 50 % des BIP. Tourismus: 2016 besuchten rund 8,2 Mio. internationale Touristen das Land; bekannte Ziele sind das Great Barrier Reef, der Uluṟu (Ayers Rock) und der Kakadu-Nationalpark. Infrastruktur: In Australien herrscht Linksverkehr; das Straßennetz umfasst etwa 913.000 km. Typisch für das Outback sind Road Trains (Lastzüge bis 53,5 m und etwa 140 t). Das Schienennetz hat rund 34.000 km (staatlich); seit 1970 ist die Fahrt Sydney–Perth ohne Umsteigen möglich. Wichtigste Fluggesellschaft ist die 1920 gegründete Qantas Airways. Die Stromerzeugung basierte lange zu 80 % auf Kohle (2000); erneuerbare Energien wurden erst spät ausgebaut, u. a. das Hybridkraftwerk im Kennedy Energy Park mit 129-MWh-Batteriespeicher (2017).
Bildung, Kultur und Sport
Bildung: Vorschule mit 6 Jahren (preparatory year), dann sechs bis sieben Jahre Grundschule (primary school) und fünf bis sechs Jahre weiterführende Schule (secondary school). Bei PISA 2015 erreichte Australien Platz 23 in Mathematik, Platz 14 in Naturwissenschaften und Platz 15 beim Leseverständnis. Die erste Universität war 1850 die Universität Sydney; 2022 gab es 40 staatliche Universitäten mit 1,496 Mio. Studierenden. Inlandsstudenten zahlen Gebühren nicht im Voraus, sondern über staatliche Kredite (HECS-HELP). Der Bildungssektor ist Australiens Haupteinnahmequelle in Milliardenhöhe, noch vor dem Tourismus. Kultur: Die Nationalhymne ist seit 1977 „Advance Australia Fair“; die Nationalfarben Gold und Grün (seit 1984, abgeleitet von der Gold-Akazie) sowie die Flagge der Aborigines (Gelb, Schwarz, Rot) sind wichtige Symbole. Nationalfeiertag ist der Australia Day am 26. Januar (Ankunft der First Fleet 1788), dazu der ANZAC Day am 25. April. In der Kunst sind Felsmalereien der Aborigines (teils datiert auf 30.000 v. Chr.) die ältesten Zeugnisse; die Heidelberger Schule (Ende 19. Jh.) brachte der australischen Malerei erste internationale Anerkennung. In der Literatur erhielt Patrick White 1973 als einziger Australier den Nobelpreis. Bekannte Filme sind u. a. die Mad-Max-Reihe, Crocodile Dundee und Australia (2008); seit 1999 produzieren die Fox Studios in Sydney Hollywood-Filme. Musik: international bekannte Künstler sind u. a. AC/DC, Kylie Minogue, INXS, Bee Gees und Men at Work. Wichtige Kultureinrichtungen sind das Sydney Opera House (eröffnet 1973) und das älteste Museum, das Australian Museum in Sydney (1827). Medien: Australiens Medien sind stark monopolisiert (News Corporation, Nine Entertainment); 2022 nutzten 94,9 % der Einwohner das Internet, und im Dezember 2025 trat ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige in Kraft. Sport ist ein zentraler Teil der Kultur: Der Nationalsport ist Australian Football („Aussie Rules“), dazu Rugby League und Rugby Union (Weltmeister 1991 und 1999), Cricket (sechsmaliger Weltmeister der Männer, sieben Titel der Frauen), Tennis (Australian Open in Melbourne), Schwimmen, Radsport (Cadel Evans gewann 2011 die Tour de France) und Fußball (Asienmeister 2015). Australien war 1956 und 2000 Gastgeber der Olympischen Sommerspiele.