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Nordvietnam
Die Spaltung wurde erst überwunden, nachdem die Armee Nordvietnams im Vietnamkrieg Südvietnam 1975 erobert hatte. Dem folgte am 2. Juli 1976 die …
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Staat und Bedeutung
Die Demokratische Republik Vietnam (vietnamesisch Việt Nam Dân Chủ Cộng Hòa, DRV) war von 1945 bis 1976 ein Staat in Südostasien am Südchinesischen Meer. Seit 1954 wurde sie meist Nordvietnam genannt. Sie entstand aus dem Kampf der Vietminh, der Liga für die Unabhängigkeit Vietnams, gegen die französische Kolonialherrschaft und spielte im Indochinakrieg sowie im Vietnamkrieg eine zentrale Rolle. 1976 ging sie durch die Vereinigung mit Südvietnam in der Sozialistischen Republik Vietnam auf.
Die DRV war eine sozialistische Republik mit Einparteiensystem. Hauptstadt war Hanoi, Amtssprache Vietnamesisch und Währung der Đồng. 1974 hatte der Staat 22.038.000 Einwohner auf einer Fläche von 158.750 km²; die Bevölkerungsdichte betrug 139 Einwohner pro km². Staatsoberhaupt war zuletzt Präsident Tôn Đức Thắng, Regierungschef zuletzt Premierminister Phạm Văn Đồng.
Unabhängigkeit 1945
Nach der erfolgreichen Augustrevolution und der landesweiten Machtübernahme durch die Vietminh proklamierte Hồ Chí Minh in Hanoi die Demokratische Republik Vietnam. Der Artikel nennt dafür sowohl den 1. September als auch den 2. September 1945; der 2. September gilt als Datum der Unabhängigkeitserklärung. Der vietnamesische Kaiser Bảo Đại hatte zuvor abgedankt. Hồ Chí Minh berief sich in der Erklärung auf die Unabhängigkeitserklärung der USA von 1776 und auf die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte der Französischen Revolution.
Zunächst wurde Vietnam von Frankreich als autonomer Staat innerhalb der Union française anerkannt. Nach den Vereinbarungen der Alliierten von der Potsdamer Konferenz im August 1945 sollten Truppen der chinesischen Kuomintang im Norden und des Vereinigten Königreichs im Süden die japanischen Streitkräfte entwaffnen. Im Süden baten die Briten jedoch die besiegten Japaner, die Ordnung wiederherzustellen. Französische Truppen, die den Briten folgten, erzwangen am 23. September 1945 die Wiedererrichtung der französischen Herrschaft in Südvietnam.
Indochinakrieg und Teilung
Der französische Versuch, Vietnam erneut unter französische Herrschaft zu bringen, führte 1946 zum Indochinakrieg. Nach anfänglichen militärischen Erfolgen 1947 zogen sich die Franzosen wegen Soldatenmangels in Befestigungen entlang wichtiger Straßen im Norden zurück. Die Việt Minh unterschätzten sie zunächst, konnten sich aber nach einer zweijährigen Patt-Situation durch Hilfslieferungen aus dem kommunistischen China stärken. Von 1950 bis 1953 verdrängten sie die französische Kolonialmacht fast vollständig aus Tonkin.
Im Januar 1950 erkannten die Volksrepublik China und die Sowjetunion die DRV formal als Regierung eines souveränen Staates an; die sowjetischen Satellitenstaaten folgten in den nächsten Wochen. Unter General Võ Nguyên Giáp besiegten die Việt Minh am 7. Mai 1954 die französischen Truppen in der Schlacht von Điện Biên Phủ. Damit endete die französische Kolonialherrschaft in Indochina. Frankreich erkannte die Unabhängigkeit Vietnams 1954 an.
Die Genfer Indochinakonferenz vom 21. Juli 1954 vereinbarte einen Waffenstillstand und eine vorübergehende Teilung Vietnams am 17. Breitengrad, nördlich von Huế. Bis zu gesamtvietnamesischen Wahlen im Juli 1956 sollte es eine nördliche Zone unter der DRV und eine südliche Zone geben. Im Süden bestand das 1949 gegründete Quốc gia Việt Nam mit Bảo Đại als zunächst weiter amtierendem Staatsoberhaupt. 1955 fanden dort entgegen dem Genfer Beschluss separate Wahlen statt, die Ngô Đình Diệm gewann. Er wurde Präsident; die geplanten gesamtvietnamesischen Wahlen fanden danach nicht statt. Die USA erkannten den Genfer Beschluss nicht an, erklärten aber, ihn nicht durch Drohungen oder militärische Gewalt verändern zu wollen. Nach 1962 entsandten sie dennoch mehrere Tausend Militärberater nach Südvietnam.
Sozialistischer Staats- und Wirtschaftsumbau
Nach dem Sieg im Indochinakrieg baute die kommunistische Partei Staat und Gesellschaft nach dem Muster der Sowjetunion um. Massenorganisationen ermöglichten der Partei die Kontrolle über das politische und persönliche Leben der Bevölkerung.
Handwerk, Industrie und Landwirtschaft sollten durch Verstaatlichung und Kollektivierung in eine sozialistische Planwirtschaft überführt werden. Dabei nahm der staatliche Anteil an der Wirtschaft stark zu: 1957 befanden sich noch 72 % der Wirtschaftsleistung in privater Hand; bis 1970 waren 91 % der Ökonomie in den Staatssektor überführt.
Vietnamkrieg und Wiedervereinigung
Der Zwischenfall im Golf von Tonkin am 2. und 4. August 1964 diente den USA als Anlass für eine massive militärische Aufrüstung. Er bestand zunächst aus einem von den USA provozierten Torpedoangriff nordvietnamesischer Schnellboote auf einen US-Zerstörer. Ein weiterer Angriff zwei Tage später wurde von den USA behauptet, stellte sich später jedoch als nicht tatsächlich erfolgt heraus. Die USA befürchteten nach der Dominotheorie, dass Südvietnam durch kommunistische Kräfte ebenfalls kommunistisch werden könnte.
Die Sowjetunion unterstützte Nordvietnam mit jährlich 400 Millionen Rubel und umfangreichen Waffenlieferungen, darunter Panzer, Flugabwehrraketen, MiG-21-Abfangjäger und Radargeräte. Außerdem lieferte sie monatlich 150.000 Tonnen Treibstoff und 150.000 Tonnen Getreide. Im April 1966 waren rund 500 sowjetische Militärspezialisten im Land. China lieferte 1966 etwa 250.000 Tonnen Reis.
Ab 1965 führten die Vereinigten Staaten einen systematischen Luftkrieg gegen Nordvietnam. Bis 1968 eskalierte der Krieg trotz der militärischen Überlegenheit der USA. Auf Seiten der Befreiungsbewegung FNL, von den US-Amerikanern Viet Cong genannt, kämpften rund 230.000 Partisanen und 50.000 Angehörige der offiziellen nordvietnamesischen Streitkräfte. Ihnen standen rund 550.000 US-Amerikaner, ungefähr ebenso viele Soldaten der südvietnamesischen ARVN, 50.000 Südkoreaner sowie kleinere Kontingente verbündeter Staaten gegenüber.
Ab 1968 vietnamisierten die USA den Krieg: Sie verringerten ihr direktes Engagement und bereiteten den Abzug ihrer Truppen vor, während die südvietnamesische Armee die Hauptlast der Kämpfe übernahm. US-Bombardierungen und Luftangriffe, besonders der Einsatz von Entlaubungsmitteln, dauerten jedoch bis 1973 an. Hồ Chí Minh starb am 2. September 1969. Am 28. Januar 1973 vereinbarten Henry Kissinger und Lê Đức Thọ einen Waffenstillstand. Damit endete die direkte US-Kriegsbeteiligung, während die Waffenlieferungen an Südvietnam weitergingen. Nordvietnam und seine Verbündeten setzten den Kampf fort.
Am 21. April 1975 stand Saigon vor dem Fall; Staatschef Nguyễn Văn Thiệu trat zurück und die letzten US-Vertreter wurden evakuiert. Am 30. April wurde Saigon eingenommen, Südvietnam kapitulierte bedingungslos. Am 2. Juli 1976 wurden Nord- und Südvietnam unter dem Namen Sozialistische Republik Vietnam wiedervereinigt.