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Eine Welt ohne Wirtschaftswachstum – geht das?

Was kostet die Welt?21:18 237.325 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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Transkriptautomatisch erstellt · 170 Zeilen
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  1. Diese beiden Kurven bestimmen darüber, wie wir in Zukunft leben werden. Ob wir den Klimawandel stoppen können, ob wir das mit unserem Wirtschaftssystem
  2. hinbekommen oder ob der Kapitalismus am Ende ist. Es geht dabei um die eine große Frage. Müssen wir unsere Wirtschaft für das Klima schrumpfen oder
  3. brauchen wir gerade jetzt Wachstum mehr denn je? Das ist eine ziemlich komplexe Frage und es gibt dazu unzählige Studien, Artikel
  4. und Talkshowrunden. Wir haben deshalb versucht, das für euch mal aufzudröseln. Wir haben uns beide Seiten angeschaut, mit Leuten aus beiden Lagern gesprochen.
  5. Das Ergebnis: In diesem Video stellen wir euch jeweils die drei wichtigsten Argumente auf beiden Seiten vor. Los geht's.
  6. [Musik] Okay, zunächst müssen wir mal klären, über was genau da eigentlich gestritten
  7. wird. Diese blaue Kurve zeigt, wie sich die Weltwirtschaft seit 1960 entwickelt hat. Und das ist erstmal eine ziemlich krasse Erfolgsgeschichte. Gemessen wird
  8. das am Brutto Inlandsprodukt kurz BIP, also dem Wert aller Waren und Dienstleistung, die in einem Jahr produziert werden. Heute liegt das BIP
  9. fast acht mal so hoch wie 1960. Das hat die Menschheit insgesamt viel reicher gemacht und über eine Milliarde Menschen aus der Armut befreit. Wachstum führt zu
  10. Wohlstand. Das ist eine zentrale Idee unseres Wirtschaftssystems. Aber dieser Wohlstand hat seinen Preis und das sieht man an dieser Kurve hier. Sie zeigt uns
  11. die jährliche Menge an CO2, die die Menschheit weltweit in die Luft geblasen hat und diese Menge geht Jahr für Jahr immer weiter hoch. Und ihr seht, die
  12. beiden Kurven hängen sehr eng zusammen. Mehr BIP bedeutet mehr Produktion, mehr Produktion erfordert mehr Fabriken, mehr Fabriken brauchen mehr Energie und die
  13. klimaschädlichen CO2 Emissionen steigen. Bis Ende der 70er sind diese Kurven ziemlich im gleichen Tempo gewachsen. Seitdem tut sich etwas. Die Emissionen
  14. wachsen deutlich weniger als das BIP. Diese Entwicklung hat einen Namen, relative Entkopplung. Das ist zunächst mal eine gute Nachricht. Mehr Wachstum
  15. bedeutet nicht in gleichem Maße mehr Emissionen. Das Problem ist, es reicht nicht. Die Emissionen müssen nicht nur langsamer steigen, sie müssen fallen.
  16. Nur dann können wir die Erderwärmung stoppen. Da sind sich außer ein paar Klimawandelleugnern eigentlich alle einig. Aber wie soll das gehen? Im
  17. Grunde gibt es nur zwei Möglichkeiten. Die erste ist, wir senken das BIP, dann fallen auch die Emissionen. Das hieße also, wir schrumpfen absichtlich unsere
  18. Wirtschaft. Genau das fordern Anhänger der sogenannten Dgrowth Bewegung. z.B. einer von Deutschlands prominentesten Wachstumskritikern.
  19. Wir werden in den Industrie- und Konsumländern, weil eine Entkopplung nicht denkbar ist, tatsächlich den Wohlstand reduzieren müssen.
  20. Und diese Idee gewinnt tatsächlich immer mehr Fans, vor allem in der Klimabewegung.
  21. Das Wohlstandsrisiko ist genau dieser Profitdrang, dieser Zwang zu Profitmaximierung zu einer angeblichen Wirtschaftswachstum. Die zweite
  22. Möglichkeit ist, wir schaffen eine absolute Entkopplung. Das heißt, die Wirtschaft kann weiterwachsen, während die Emissionen sinken. Das ist das, was
  23. viele Politiker und Ökonomen als grünes Wachstum bezeichnen. Wir werden reicher und dem Klima geht's besser. Aber ist das überhaupt möglich? Ja, das sagen
  24. zumindest renommierte Klimaökonomen. Meiner Auffassung ist es nicht notwendig, dass man das Wirtschaftswachstum reduziert. Man kann
  25. also Wirtschaftswachstum und Emissionsreduktion miteinander vereinbaren. Das wäre genau das, was wir brauchen.
  26. Die Wirtschaft wächst, die Emissionen fallen. Absolute Entkopplung. Das sind also die zwei Auswege, die wir haben. Nachhaltiges Wachstum oder Verzicht.
  27. Green Growth oder Degrowth. auf Anreize und Innovationen setzen oder den Kapitalismus, wie wir ihn kennen, abschaffen. Aber welcher dieser Wege
  28. bringt uns tatsächlich ans Ziel? Schauen wir uns die Argumente einmal an. Zuerst die der Wachstumskritiker.
  29. Argument 1: Der Planet stößt an seine Grenzen. Grünes Wachstum ist ja eine schöne Idee, sagen die Degrowth Anhänger. Dagegen spricht für sie aber
  30. ein einfacher logischer Zusammenhang. Die Erde ist ein Ökosystem mit endlichen Ressourcen und mit endlichen Ressourcen lassen sich auch nicht unendlich viele
  31. Dinge herstellen. Und selbst bei grünen Technologien benötigen wir unglaublich viele natürliche Ressourcen. Für E-Autos brauchen wir Materialien wie Litium und
  32. Windräder und Solarparks nehmen viel Fläche ein. Wenn die Technologie, die zum Einsatz gelangte, um dies zu ermöglichen, so
  33. viel Flächen zerstört, so viel Natur zerstört, so viel Biodiversität zerstört, dass ich dann letztenendes einen umweltpolitischen Kannibalismus
  34. vor mir sehe. Ich löse ein Problem, aber erzeuge neue Probleme. Pech sagt also, den Preis des Wachstums zahlt am Ende doch wieder die Umwelt,
  35. selbst bei grünen Technologien. Ein australischer Kollege von ihm kommt sogar zu dem Ergebnis, dass dieses Problem grundsätzlich nicht in den Griff
  36. zu bekommen ist. Dort heißt es, unser Modell zeigt, dass das Wachstum des BIP letztlich nicht plausibel vom Wachstum des Material und Energieverbrauchs
  37. abgekoppelt werden kann. Viele Wachstumskritiker glauben also, dass die Idee von absoluter Entkopplung völlig utopisch ist. Okay, zumindest was
  38. unseren Ressourcenverbrauch angeht, sind das erstmal ziemlich schlechte Nachrichten. Für den Klimawandel ist vor allem der CO2 Ausstoß relevant. In
  39. diesem Video konzentrieren wir uns deshalb darauf. Schauen wir uns den noch mal an. Wir haben in Deutschland unsere Emissionen zwar in den letzten Jahren
  40. ziemlich stark gesenkt, aber wie ihr seht, blasen wir immer noch fast doppelt so viel CO2 in die Luft wie der weltweite Durchschnitt. Deutlich zu
  41. viel. Im Klimaabkommen von Paris 2015 haben die Regierungen sich darauf geeinigt, die Erdwärmung auf 1,5° zu begrenzen. Um dieses Ziel irgendwie noch
  42. zu erreichen, müssten die weltweiten CO2 Emissionen um 6,8% im Jahr gesenkt werden und das ist zumindest nach aktuellem Forschungsstand unerreichbar.
  43. Noch mal, wenn wir weiter so wirtschaften wie bisher, Gerät der Klimawandel außer Kontrolle. Was wir also brauchen ist ein Ausweg und viele
  44. Leute setzen ihre Hoffnungen da auf ein ganz bestimmtes Pferd und wir wollen es vor allem mit Technologie lösen.
  45. Die Hoffnung von Leuten wie Friedrich Merz ist, der technische Fortschritt soll uns helfen, klimaneutral zu werden und das ohne, dass unser Wohlstand
  46. abnimmt. Da gibt es nur leider ein ziemlich großes Problem. Argument 2: Technischer Fortschritt allein reicht nicht. Nur weil
  47. technischer Fortschritt die Wirtschaft effizienter macht, heißt es noch lange nicht, dass die Emissionen fallen. Um das zu verstehen, müssen wir einen
  48. kleinen Exkurs in die Geschichte machen und zwar mitten in die industrielle Revolution ins Jahr 1865. Gerade hat James Watt seine neue
  49. besonders effiziente Dampfmaschine vorgestellt. Die Maschine wird ein Hit und verbreitet sich schnell im ganzen Vereinigten Königreich. Da macht der
  50. Ökonom William Stanley Javins eine eigenartige Entdeckung. Die neue Maschine ist viel effizienter als ihre Vorgänger und trotzdem verbraucht das
  51. Land jetzt sehr viel mehr Kohle. Javins hat eine Erklärung dafür. Durch die effizientere Maschine sparen die Fabrikeigentümer Geld. Dieses Geld
  52. investieren Sie in neue Maschinen. Mit den neuen Maschinen wird jetzt einfach viel mehr produziert. Heute wissen wir, das was Jevinstar entdeckt hat, ist der
  53. Rebound Effekt. Unternehmen entwickeln neue Technologien, um effizienter zu werden. Sie wollen entweder Zeit, Energie oder einfach nur Geld sparen.
  54. Diese freigewordenen Ressourcen investieren Sie in neue Mitarbeiter, in Forschung oder in eine neue Kantine. Für die Wirtschaft insgesamt bedeutet das,
  55. Effizienzsteigerungen führen zu mehr Wirtschaftswachstum. Schön für die Kapitalisten. Für den Kampf gegen den Klimawandel ist das aber ein Problem.
  56. Das Umweltbundesamt gibt beispielsweise an, dass die direkten Reboundekte für Raumwärmenutzung zwischen 10 und 30% liegen. Das heißt, Familie Meer dämmt
  57. ihr Haus, spart dadurch Gas und dreht dafür die Heizung im Winter höher als zuvor. Oder sie behalten ihre gewohnte Temperatur bei, sparen Gas und
  58. investieren das gesparte Geld in einen Langstreckenflug. Das Problem ist, dass diese indirekten Effekte nahezu unmöglich messbar sind.
  59. Deshalb gibt es nur sehr wenige belastbare Zahlen. Aus Einzeluntersuchungen zeichnet sich aber ein düsteres Bild ab. Studien zeigen,
  60. dass Rebounde Effekte sogar mehr als 50% der Einsparung zur Nichte machen können. Die Energieeinsparungen werden dann nur halb so wirksam wie ursprünglich
  61. gedacht. Kommen wir noch mal zurück zu unserer Grafik. Wenn der Reboundeffekt voll einschlägt, dann fällt dieser Graf hier längst nicht so schnell, wie er
  62. theoretisch könnte. Innovationen helfen dann zwar bei der relativen Entkopplung, weil die Energie effizienter genutzt wird, aber sie treiben gleichzeitig
  63. diese Kurve in die Höhe. Und ohne absolute Entkopplung heißt das mehr Emissionen. Im Klartext heißt das die Effizienzgewinde durch den
  64. technologischen Fortschritt nutzen dem Klima wenig. Sie verpuffen den mehr Konsum. Noch härter attackieren Wachstumskritiker allerdings diesen
  65. Grafen. Sie sagen, dass wir überhaupt so auf das BIP gucken, ist an sich schon ein Problem. Und das bringt uns zu Argument 3: Das BIP misst nicht das
  66. Wohlergehen. Das BIP ist sowas wie der Erzfeind der Wachstumskritiker. Sie sagen, das BIP ist als Wohlstandsmaß für ein Land völlig ungeeignet.
  67. [Musik] Der Grund wird klar, werden wir uns angucken, wie sich dieser Wert zusammensetzt. Das BIP ist die Summe
  68. aller Waren und Dienstleistungen, die in einer Volkswirtschaft in einem Jahr produziert werden. Egal, ob ihr zum Friseur geht, ein neues Auto kauft oder
  69. einfach Urlaub macht. Am Ende des Jahres rechnen Deutschlands Statistiker all unsere Käufe und Verkäufe zu einer einzigen Zahl auf. Wenn man das BIP
  70. durch die Anzahl der Bewohner des Landes dividiert, kann man es ganz gut mit anderen Ländern vergleichen. In Deutschland waren das zuletzt etwa 46
  71. 000 €. Das BIPR Kopf ist so ziemlich die wichtigste Wirtschaftszahl eines Landes. Sie wird oft dafür verwendet, auszudrücken, wie es um den Wohlstand
  72. eines Landes steht. Aber dafür ist das BIP eigentlich nicht gedacht und das hat einige absurde Folgen. Geschieht z.B. eine Umweltkatastrophe, ist das erstmal
  73. gut fürs BIP. Die Wiederaufbaukosten fließen ja schließlich auch in die Kennzahl ein. Das ist natürlich ein Widerspruch, das
  74. ist eine Pathologie. die zeigt, dass das Bruttoinlandsprodukt überhaupt nicht geeignet ist, um die Lebensqualität der Menschen zu messen.
  75. Was Nico Pech hier sagt, ist das BIP misst immer nur den Output einer Wirtschaft. Deshalb geht es manchmal auch dann hoch, wenn die Menschen gar
  76. nicht besser dran sind. Wachstumskritiker bemängeln auch, dass das BIP keine Faktoren wie Bildung, Gesundheit, Lebensqualität oder soziale
  77. Sicherheit berücksichtigt. Diese Aspekte sind aber entscheidend für das Wohlergehen der Bevölkerung. Das zeigt z.B. ein Vergleich der USA mit Spanien.
  78. Das BIP pro Kopf ist in Amerika fast doppelt so hoch wie das der Spanier. Trotzdem werden Spanier z.B. im Schnitt fast 6 Jahre älter als Amerikaner. Grund
  79. dafür ist vor allem die deutlich größere Ungleichheit in den USA, die das BIP nicht abbildet. Das BIP ignoriert außerdem auch wichtige Tätigkeiten, bei
  80. denen kein Geld fließt. Ehrenamt, unbezahlte Hausarbeit. All das spielt bei der Bewertung des Wohlstands keine Rolle. Und genau daran knüpfen auch die
  81. Forderungen der Wachstumskritiker an. Das BIP misst auch in reichen Ländern ohnehin nicht, wie gut es den Leuten geht. Dann brauchen wir unsere
  82. Gesellschaft auch nicht auf immer mehr Wirtschaftswachstum ausrichten, oder? Also fassen wir die drei wichtigsten Argumente der Wachstumskritiker noch mal
  83. zusammen. Wachstum in einer ähnlichen Welt muss irgendwann an Grenzen stoßen. Technologischer Fortschritt führt nur zu noch mehr Konsum und Wirtschaftswachstum
  84. macht die Menschen in reichen Ländern nicht glücklicher. Das klingt erstmal ziemlich überzeugend, aber längst nicht alle sehen das so. Zeit sich die
  85. stärksten Argumente der Gegenseite anzuschauen. Argument 1: Klimaschutz und Wachstum sind vereinbar. Die meisten Ökonomen
  86. sagen, eine effektive globale Klimapolitik kann absolut verträglich mit Wachstum sein. Ein Ende des Wachstums ist also überhaupt nicht
  87. nötig. Warum das so ist, wie klar werden wir uns noch mal den Grafen von eben angucken. Dieses Mal aber für bestimmte Länder. Hier ist z.B. Deutschland und
  88. hier ist das Vereinigte Königreich und hier die USA. Dort ist überall genau das passiert, was wir brauchen. Nicht nur relative, sondern absolute Entkopplung
  89. von Wachstum und Emissionen. Die Emissionen gehen seit Jahren runter, die Wirtschaft wächst weiter. So eine absolute Entkopplung kann man heute
  90. schon in insgesamt 32 Ländern sehen. Es spricht also erstmal nichts dagegen, dass das auch anderswo klappen kann. Die Enkopplung liegt übrigens nicht nur
  91. daran, dass wir die dreckigen Industrien in andere Länder ausgelagert haben. Auch wenn man diesen Effekt mit einrechnet, hat es eine Entkopplung gegeben.
  92. Entkopplung ist also grundsätzlich möglich. Die Frage ist dann nicht, ob sie gelingen kann, sondern wie schnell. Es spricht aber einiges dafür, dass das
  93. durchaus machbar ist. Das zeigen auch immer wieder Studien. Hier mal ein aktuelles Beispiel aus der Fachzeitschrift Nature Climate Change.
  94. Angenommen, wir hätten eine effektive weltweite Klimapolitik. Also alle Länder setzen die richtigen Anreize, um schnell genug klimaneutral zu werden. Dann
  95. müsste der Konsum im Mittel nur um 0,06% Punkte im Jahr niedriger ausfallen als sonst. Das ist so wenig, dass es im Prinzip kaum ins Gewicht fällt. Trotzdem
  96. in Kopplung ist kein Automatismus. Es muss noch viel passieren, um die Emissionen auf null zu senken. Aber technisch ist heute schon super viel
  97. möglich. Solar und Windenergie sind heute die günstigsten Energieformen, die es gibt. In China werden heute schon jedes Jahr mehr Solarzellen installiert,
  98. als viele Länder insgesamt haben. Selbst im konservativen Texas ist ein Solarboom ausgebrochen. Wärmepumpen und Elektroautos werden in den nächsten
  99. Jahren voraussichtlich besser und billiger werden. Und die Industrie, die heute noch so viel CO2 ausstößt, auch dafür gibt's längst Lösungen.
  100. Klimaforscher haben ausgerechnet, wir können voraussichtlich bald 99% der europäischen Industrie elektrifizieren. Es ist also schon echt viel möglich. Für
  101. so ziemlich jeden Sektor gibt es eine realistische emissionsfreie Alternative. Entscheidend wäre jetzt auch die Anreize zu schaffen, damit diese Alternativen
  102. noch eingesetzt werden. Wir haben die politischen Instrumente, wir haben die Technologien, um die Emissionen zu senken. Wir könnten die
  103. schädlichen Aktivitäten alle bepreisen und besteuern und die würden wir dann zurückfahren. Edenhofer sagt, wenn wir ökonomische
  104. Anreize ausnutzen und z.B. einen CO2 Preis einführen, gehen auch nur solche Aktivitäten zurück, die schädlich sind. und nicht die, die eigentlich sehr
  105. nützlich sind. Das ist dann viel gezielter und auch gerechter als eine allgemeine Schrumpfung der Wirtschaft. Klimaschutz wäre vielen Wissenschaftlern
  106. zufolge also auch ohne großen Verzicht auf Wachstum möglich. Okay, wir haben jetzt also gesehen, rein technisch ist es möglich, Wachstum von Emissionen zu
  107. trennen. Ob es wirklich klappt, ist offen. Sollten wir dann so wie die Wachstumskritiker fordern, bewusst auf Wachstum verzichten? Es gibt jedenfalls
  108. gute Argumente, warum das keine so gute Idee ist. Argument 2: Wachstum hilft Menschen zu einem besseren Leben. Wachstumskritiker sagen, das
  109. Bruttoinlandsprodukt ist ein schlechter Indikator für Glück. Dafür ist das BIP als Messwert aber eigentlich auch gar nicht gedacht. Und trotzdem, man kann
  110. sehr gut sehen, je höher das BIP in einem Land, desto höher die Zufriedenheit der Menschen. Das gilt nicht nur in Ländern mit großer Armut.
  111. In der reichen Schweiz sind die Menschen zufriedener als im wenigerreichen Frankreich und in Frankreich sind sie zufriedener als in Polen. So einen
  112. Zusammenhang sieht man bei vielen anderen Indikatoren für gutes Leben. Kindersterblichkeit, Einkommen der Ärmsten, Gesundheit. Auch wenn das BIP
  113. sie nicht direkt misst, sie alle hängen sehr eng mit dem Wirtschaftswachstum zusammen. Das BIP ist also sicherlich kein perfekter Indikator, aber
  114. Wirtschaftswachstum macht dann doch vieles möglich, das Menschen glücklicher macht. Ein Ende des Wachstums würde im Umkehrschluss bedeuten, viele Dinge, die
  115. ein Leben lebenswert machen, werden dann nicht mehr bezahlbar. Nun sagen viele Wachstumskritiker, die reichen Länder haben das doch alles schon. Vielleicht
  116. haben sie sogar zu viel von allem. Deshalb sollen nur sie schrumpfen. Die Armen dürfen bis zu einem gewissen Punkt weiterwachsen. Das Problem gerade die
  117. großen Schwellenländer wie China und Indien stoßen richtig viel klimaschädliches Treibhausgas aus. Ganz einfach, weil sie gerade sehr stark
  118. wachsen. Das müssen sie auch. In Indien allein leben immer noch über 100 Millionen Menschen in Armut. In den vergangenen Jahren haben es hunderte
  119. Millionen aus der Armut herausgeschafft, weil es so viel Wirtschaftswachstum gab. Das sieht man aber eben auch an den Emissionen. Schaut mal hier. China und
  120. Indien allein verursachen fast 50% aller weltweiten Emissionen. Wenn diese beiden es nicht schaffen, klimaneutral zu werden, sieht es schlecht für uns alle
  121. aus. Also nicht nur sagt das Wirtschaftswachstum eben doch was über die Lebensqualität aus. Noch dazu würde ein Verzicht darauf, vor allem in den
  122. Ländern etwas bringen, die es gerade am dringendsten brauchen. Wirtschaftswachstum spielt eine sehr wichtige Rolle dabei, das Leben sehr
  123. vieler Menschen besser zu machen. Die Wachstumskritiker glauben, dass man das mit der richtigen Politik auch anders erreichen kann. Z.B. indem der
  124. Wohlstand, den wir haben, anders verteilt wird. Aber und das bringt uns zum dritten Punkt. Sie bleiben dabei eine Antwort auf eine ganz wichtige
  125. Frage schuldig. Argument 3: Wir dürfen keine Zeit verlieren. Die Welt, die sich Wachstumskritiker vorstellen, klingt erstmal sehr idyllisch. In einer
  126. Postwachstumsökonomie würden Menschen im Durchschnitt 20 Stunden kommerziell arbeiten. Wenn wir dann sogar dazu übergehen, die freigewordene Zeit zu
  127. verwenden, um kooperativ in Netzwerken selber Güter zu produzieren, dann haben wir einen Fundus an reichhaltige Möglichkeiten sehr gut demokratisch,
  128. frei und würdig zu leben. Im Klartext, den Wachstumskritikern schwebt eine völlig andere Arbeitswelt vor, ein anderes Wirtschaftssystem, ganz schön
  129. revolutionär, aber irgendwie muss das Ganze auch in die Realität umgesetzt werden. Und die Frage, die offen bleibt, ist, wie wäre das auf demokratischen
  130. Wege möglich? Nur wenn es dafür eine realistische Perspektive gibt, bringt es uns auch etwas gegen den Klimawandel. Wir haben den Anthropologen und die
  131. Growthanickel gefragt, wie er politisch eine Wirtschaft ohne Wachstum umsetzen würde. Als wichtigsten Hebel sieht er die sogenannte demokratische Planung. Im
  132. Moment schreibtickel: "Im Kapitalismus planen Unternehmen ihre Produktion zu steigern, nicht um bestimmte menschliche Bedürfnisse zu
  133. befriedigen, sondern um ihre Gewinne zu maximieren. Es gibt keinen Grund, warum dieser Planungsprozess nicht auch für das Gegenteil genutzt werden kann. Das
  134. klingt erstmal plausibel, aber überlegt euch mal, was das bedeutet. Es würde einen extremen Eingriff in die Art und Weise bedeuten, wie unser
  135. Wirtschaftssystem funktioniert. Wir müssten den Unternehmen genau vorschreiben, welche Ziele sie sich setzen müssen. Das wäre eine komplette
  136. Abkehr von der Marktwirtschaft, wie wir sie kennen und hätte mehr mit einer kommunistischen Planwirtschaft gemeint. Jetzt kann man absolut unterschiedlicher
  137. Meinung darüber sein, ob der Kapitalismus so wie er ist gut funktioniert und was wir daran ändern sollten, ganz unabhängig vom
  138. Klimawandel. Der Punkt ist aber ein ganz anderer. Die Wachstumskritiker sagen: "Ja, ein grünes Wachstum ohne Emissionen erreichen wir nicht schnell genug." Und
  139. erinnert euch, dass es so langsam geht, hat inzwischen nicht mehr in erster Linie mit fehlender Technologie zu tun. Es liegt vor allem daran, dass die
  140. politische Umsetzung zu Träge ist. Und dann soll die Alternative ein noch viel krasserer Umbau unserer Wirtschaftsordnung sein, der sich
  141. demokratisch noch viel viel schwerer umsetzen ließe. Das Problem sieht übrigens auch Nico Pech. Eine Postwachstumsökonomie lässt sich im
  142. Moment politisch nicht ohne weiteres umsetzen, weil die Wählermehrheiten in den ausgereiften Konsum und Industriegesellschaften
  143. unfähig sind, so zu leben, wie sie leben können müssten. Auch Pech sieht also derzeit keine Perspektive, wie man die Growth als
  144. politisches Programm durchsetzen kann. Vielleicht wird sich irgendwann einmal eine Mehrheit für eine Postwachstumsgesellschaft finden. Aber
  145. selbst um den Klimawandel nur auf 2° zu beschränken, bleiben uns nur noch 23 Jahre. Für das 1,5° Ziel sogar nur noch 6 Jahre. Nach dieser Zeit ist das
  146. weltweite CO2 Budget aufgebraucht. Bis dahin müssen also die weltweiten Emissionen auf null fallen. Gelingt das nicht, hieße das noch mehr gefährliche
  147. Hitzewellen, ein Anstieg des Meeresspiegels, das Aussterben vieler Tierarten, schlechtere Ernten. Für Milliarden von Menschen werden die
  148. Folgen katastrophal. Es kommt jetzt auf jedes Jahr an und je schneller man die Menschen vom Klimaschutz überzeugen kann, desto besser. Dass das mit die
  149. Growth gelingen kann, ist zumindest zweifelhaft. Es ist gar nicht so einfach, sich da vorzustellen, mit welchen politischen Instrumenten das
  150. überhaupt gehen soll. Krasse Eingriffe, prohibitiv hohe Einkommenssteuern, das sind alles Dinge, die einfach schwer durchsetzbar sind.
  151. Die Menschen zu überzeugen wird schwer genug. Guckt euch allein mal das Drama um das neue Heizungsgesetz an oder die Reaktionen auf die Aktionen der letzten
  152. Generation. Auch wenn es manchmal weh tut, demokratische Prozesse sind zäh. Eine Politik, die auf Investitionen und gezielte Anreize setzt, wird es
  153. vermutlich leichter haben, als eine Mehrheit für eine allgemeine Schrumpfung der Wirtschaft zu finden und sich wahrscheinlich schneller umsetzen
  154. lassen. Und genau darauf kommt es jetzt an. Also noch mal kurz zusammengefasst, die meisten Klimaökonomen sind überzeugt, Wirtschaftswachstum und
  155. Klimaschutz sind absolut vereinbar, wenn wir nur die richtigen Schritte in die Wege leiten. Wirtschaftswachstum hilft uns oben drein, Menschen auf der ganzen
  156. Welt ein besseres Leben zu verschaffen. Und selbst wenn eine Schrumpfung der Wirtschaft erstrebenswert wäre, wir haben einfach nicht die Zeit, auf die
  157. Durchsetzung so eines revolutionären Konzeptes zu warten. Die Wachstumskritiker legen den Finger in die Wunde. Sie haben ja recht. An der
  158. Art, wie wir bisher gewirtschaftet haben. Mit immer weiter steigenden Emissionen, muss ich etwas ändern. Letztlich finde ich persönlich ihre
  159. Vorschläge aber nicht überzeugend. Sie bieten keinen klaren Fahr zu einer klimaneutralen Wirtschaft und der Preis, den ihre Vorschläge einfordern würden,
  160. wäre viel zu hoch. Sie würden sehr vielen Menschen den Wohlstand verwehren, nachdem sie sich sehnen. Ja, vermutlich werden wir in Zukunft unsere
  161. Gewohnheiten ändern müssen, weniger Fliegen oder Fleisch essen. Und grünes Wachstum wird auch nicht einfach so von allein passieren. Das verhindert die
  162. Trägheit der Menschen und oben drein noch der Rebound Effekt. Aber die gute Nachricht ist, wir haben schon sehr viele Werkzeuge, die für effektiven
  163. Klimaschutz nötig wären. Nicht nur die Technologien, sondern auch Ideen, wie man die richtigen ökonomischen Anreize schafft. ob das über einen CO2 Preis
  164. geschieht oder über Subventionen, wir müssen diese Werkzeuge nur einsetzen. Vielleicht ist die wichtigste Lehre aus dieser Debatte, wir müssen unbedingt die
  165. Entkopplung schneller vorantreiben, sonst wird uns das teuer zu stehen kommen. Entweder, weil wir tatsächlich unsere Wirtschaft schrumpfen müssen oder
  166. durch die gewaltigen Schäden, die der Klimawandel anrichtet, wenn wir nichts tun. Und jetzt will ich von euch wissen, glaubt ihr, dass Wirtschaftswachstum und
  167. Klimaschutz vereinbar sind? Schaffen wir die Entkopplung von Wachstum und Emissionen rechtzeitig? Habe ich ein wichtiges Argument vergessen? Schreibt
  168. uns in die Kommentare. Wenn euch das Video gefallen hat, würden wir uns über ein Abo freuen und wenn ihr noch nicht genug vom Thema Wirtschaftswachstum
  169. habt, schaut euch doch mal dieses Video von meiner Kollegin Jessie an, die erklärt euch, warum Deutschlands langfristiges Wirtschaftswachstum gerade
  170. in Gefahr ist. Und hier findet ihr ein weiteres Video von unserem Kollegen Mr. Wissen to Go. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.

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