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Eigenfertigung

Eigenfertigung (oder Eigenproduktion) ist die Herstellung von Produkten mit eigenen Produktionsanlagen. Gegensatz ist die Fremdfertigung.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundprinzip
  2. 2. Fertigungstiefe und Make-or-buy-Entscheidung
  3. 3. Kriterien für die Entscheidung
  4. 4. Eigenfertigung als Produktionsstrategie

Begriff und Grundprinzip

Eigenfertigung, auch Eigenproduktion genannt, bezeichnet die Herstellung von Produkten mit eigenen Produktionsanlagen. Der Gegensatz dazu ist die Fremdfertigung. Bei der betrieblichen Funktion der Produktion ist grundsätzlich Eigenfertigung gemeint: Ein Unternehmen stellt Güter mit eigenen Produktionsfaktoren und eigenen Produktionsverfahren her.

Für die Herstellung können Halbfabrikate erforderlich sein. Diese Vorleistungsgüter müssen als Fremdfertigung über den Wareneingang von anderen Unternehmen bezogen werden. Dabei hängt die Einordnung vom jeweiligen Unternehmen ab: Für den Hersteller eines Halbfabrikats ist dessen Herstellung Eigenfertigung; für das Unternehmen, das dieses Halbfabrikat weiterverarbeitet, ist es Fremdfertigung.

Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe gehören betriebswirtschaftlich nicht zu den Halbfabrikaten. Streng genommen sind Hilfs- und Betriebsstoffe jedoch ebenfalls Halbfabrikate, weil sie Vorleistungsgüter darstellen. Eigenfertigung bedeutet außerdem Internalisierung. Damit ist gemeint, dass wirtschaftliche Aktivitäten innerhalb der Hierarchie des Unternehmens organisiert werden, anstatt sie von externen Lieferanten durchführen zu lassen.

Fertigungstiefe und Make-or-buy-Entscheidung

Eigen- und Fremdfertigung stehen besonders mit der Fertigungstiefe in Verbindung. Die Fertigungstiefe beziehungsweise Eigenfertigungsquote gibt an, welchen prozentualen Anteil die Eigenfertigung an der gesamten Fertigung eines Endprodukts hat.

Die Formel lautet:

Fertigungstiefe in Prozent = (Eigenfertigung / gesamte Fertigung) · 100 %

Die Fertigungstiefe sinkt durch Outsourcing. Dazu gehören Offshoring und Onshoring, also die Auslagerung von Produktionsaktivitäten an andere Unternehmen. Sie steigt durch Insourcing und Vorwärtsintegration.

Die Entscheidung zwischen Eigenfertigung und Fremdbezug wird auch als Make-or-buy-Entscheidung bezeichnet und gehört zur strategischen Planung. Wird die Eigenfertigung verringert, können zunächst die Herstellkosten sinken. Das Unternehmen muss die bisher selbst produzierten Bauteile dann jedoch als Halbfabrikate von Lieferanten oder Zulieferern kaufen. Dadurch steigen die Materialkosten zusätzlich um den Gewinn, der im Einstandspreis der Zulieferer enthalten ist.

Ein stärkerer Fremdbezug kann außerdem Abhängigkeiten von Lieferanten schaffen. Das gilt besonders bei der Just-in-time-Produktion. Die Lagerkosten verändern sich dagegen nicht unbedingt, wenn statt fertiger Produkte nun Halbfabrikate gelagert werden. Bei einem hohen geschätzten Absatzvolumen und großen Marktpotenzial kann Eigenfertigung eher wirtschaftlich sein, weil sich die Fixkostendegression nutzen lässt. Darunter ist die Senkung der Fixkosten je hergestellter Einheit bei steigender Produktionsmenge zu verstehen. Auch vorhandenes oder künftig wichtiges Know-how beeinflusst die Entscheidung. Dabei können aktuelle oder zukünftige Vorteile aus dem Erfahrungskurven-Gesetz berücksichtigt werden.

Kriterien für die Entscheidung

Bei der Entscheidung zwischen Eigen- und Fremdfertigung sind mehrere Kriterien zu berücksichtigen. Eigenfertigung kann insbesondere aus folgenden Gründen zweckmäßig sein:

  • Produktqualität: Bei Produktinnovationen ermöglicht sie eine enge Kooperation zwischen Konstruktion und Fertigung. Außerdem sind eine laufende Qualitätskontrolle, die Nutzung eigener Patente und eigenen Know-hows sowie die Aneignung spezifischen Produktions-Know-hows möglich.
  • Kapazitäten: Vorhandene Produktionskapazitäten bei Personal und Betriebsmitteln können besser ausgelastet werden.
  • Kosten: Es können Lieferantengewinne sowie außerbetriebliche Transport- und Verpackungskosten entfallen. Außerdem besteht eine größere Unabhängigkeit von ungerechtfertigten Preiserhöhungen, die Lieferanten aufgrund einer Monopolstellung durchsetzen könnten.
  • Risiken: Die Produktionsbedingungen können vor der Konkurrenz geheim gehalten werden. Gleiches gilt für Produktinnovationen. Zudem kann eine Vorwärtsintegration der Lieferanten verhindert werden.

Eigenfertigung ist besonders dann zweckmäßig, wenn das Beschaffungsobjekt eine hohe strategische Bedeutung besitzt und ein Fremdbezug mit hoher Unsicherheit sowie einer starken Abhängigkeit vom Lieferanten verbunden wäre. Fremdbezug ist dagegen sinnvoll, wenn die betreffenden Beschaffungsobjekte in hoher Verfügbarkeit vorhanden sind.

Eigenfertigung als Produktionsstrategie

Eigen- oder Fremdfertigung ist nicht nur eine einzelne Beschaffungsentscheidung, sondern auch eine Produktionsstrategie. Ein Unternehmen muss prüfen, ob die umfassende Eigenfertigung eine Kernkompetenz darstellt, die auch künftig erhalten werden soll.

Lean Management und insbesondere Lean Production verfolgen unter anderem das Ziel, den Anteil der Eigenfertigung zugunsten des Fremdbezugs zu verringern. Dadurch sinkt die Fertigungstiefe. Güter, die ursprünglich im eigenen Unternehmen hergestellt wurden, werden dann von Zulieferern bezogen. Im Rahmen dieser Konzepte wird die optimale Fertigungstiefe zugleich durch die Entscheidung über Eigenfertigung oder Fremdbezug bestimmt.

Ein Beispiel nennt der Artikel für die Gastronomie: Restaurants werden unter anderem dann zur Eigenfertigung von Vorleistungsgütern gezwungen, wenn sie mit mehreren Guide-Michelin-Sternen ausgezeichnet werden wollen. Dies kann durch eigene Landwirtschaft erreicht werden, etwa durch Fleischproduktion, die Haltung von Hühnern zur Eierproduktion und Milchproduktion.

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