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Fremdfertigung

Fremdfertigung (oder Fremdleistung) ist in der Wirtschaft die Beschaffung von Vorleistungsgütern durch ein Unternehmen von Lieferanten/Zulieferern zwecks …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung der Fremdfertigung
  2. 2. Abgrenzung wichtiger Begriffe
  3. 3. Fertigungstiefe und Make-or-buy-Entscheidung
  4. 4. Kriterien für Fremdfertigung
  5. 5. Strategische Bedeutung und Beispiel

Bedeutung der Fremdfertigung

Fremdfertigung, auch Fremdleistung, bedeutet, dass ein Unternehmen Vorleistungsgüter von Lieferanten oder Zulieferern beschafft und sie zu einem Endprodukt weiterverarbeitet. Der Gegensatz ist die Eigenfertigung, also die Herstellung im eigenen Unternehmen. Spezialisierte Anbieter werden beispielsweise Fertigungsbetriebe, Auftragshersteller oder Fertigungsdienstleister genannt.

Halbfabrikate sind für ihren Hersteller Ergebnisse der Eigenfertigung, für ein Unternehmen, das sie weiterverarbeitet, dagegen Fremdfertigung. Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe zählen betriebswirtschaftlich nicht zu den Halbfabrikaten. Streng genommen können jedoch zumindest Hilfs- und Betriebsstoffe als Halbfabrikate gelten, weil sie Vorleistungsgüter sind. Fremdfertigung ist eine Form der Externalisierung: Wirtschaftliche Tätigkeiten werden über den Markt mit anderen Unternehmen organisiert. Über ihren Anteil an der Produktion muss ein Unternehmen bereits vor seiner Gründung entscheiden.

Abgrenzung wichtiger Begriffe

Outsourcing und Fremdfertigung sind nicht dasselbe. Outsourcing ist ein Organisationsmittel, bei dem bisher selbst erbrachte Teile der Eigenfertigung an andere Unternehmen ausgegliedert werden. Die bereits bestehende Fremdfertigung wird dadurch nicht verändert.

Auch Fremdbezug und Fremdfertigung werden unterschieden: Fremdbezug ist der Kauf von Bauteilen. Fremdfertigung ist die Vergabe von Aufträgen nach eigenem Engineering, also nach der eigenen technischen Planung und Konstruktion. Ein virtuelles Unternehmen besitzt keine Eigenfertigung. Es braucht daher keine Fremdfertigung, sondern lässt im Lohnverfahren vollständig bei anderen Unternehmen herstellen; dies ist beispielsweise in der Textilindustrie üblich.

Fertigungstiefe und Make-or-buy-Entscheidung

Eigen- und Fremdfertigung bestimmen die Fertigungstiefe. Sie beschreibt den Anteil der Eigenfertigung am Endprodukt; im Artikel wird sie mit folgender Formel angegeben:

Fertigungstiefe in Prozent = (Fremdfertigung / gesamte Fertigung) · 100 %.

Die Fertigungstiefe beziehungsweise Eigenfertigungsquote sinkt durch Outsourcing, Offshoring oder Onshoring. Sie steigt durch Insourcing und Vorwärtsintegration. Die Entscheidung zwischen Eigenfertigung und Fremdbezug heißt auch „make or buy“ und gehört zur strategischen Planung.

Eine Verringerung der Eigenfertigung kann die Herstellkosten senken. Bauteile müssen dann aber als Halbfabrikate von Zulieferern gekauft werden. Dadurch steigen die Materialkosten um deren Gewinn, also der Einstandspreis. Besonders bei Just-in-time-Produktion entstehen zudem Abhängigkeiten von Lieferanten. Lagerkosten ändern sich durch die Lagerung von Halbfabrikaten nicht. Bei einem hohen geschätzten Absatzvolumen lohnt sich Eigenfertigung eher, weil Fixkosten auf mehr Stück verteilt werden können; dies heißt Fixkostendegression.

Kriterien für Fremdfertigung

Für Fremdfertigung sprechen bei der Produktqualität Spezialisierung in Forschung und Entwicklung, spezialisierte Produktionsfaktoren, umfassende Prüfmethoden auch bei kleinen Stückzahlen sowie die Nutzung fremder Schutzrechte.

Bei den Kapazitäten kann Fremdfertigung Engpässe abbauen und Unterbeschäftigung spezialisierter Produktionsfaktoren vermeiden. Kostenvorteile können durch geringe Stückkosten bei hoher Auslastung, die Verlagerung von Betriebsteilen mit geringem Deckungsbeitrag sowie geringe Forschungs-, Entwicklungs-, Fix- und Lagerkosten entstehen.

Bei Risiken ermöglicht Fremdfertigung eine Risikodiversifizierung durch mehrere Lieferanten (Redundanz). Außerdem bestehen ein geringes Risiko bei Produktionsrückgang sowie kein Risiko, ungeeignete Produktionsfaktoren zu erwerben oder Fehlproduktionen herzustellen.

Fremdbezug ist sinnvoll, wenn Beschaffungsobjekte gut verfügbar sind. Eigenfertigung ist zweckmäßig, wenn ein Objekt strategisch wichtig ist und Fremdbezug mit hoher Unsicherheit oder Lieferantenabhängigkeit verbunden wäre. Outsourcing soll insbesondere erfolgen, wenn der Vergleich der Transaktionskosten für Fremdbezug spricht.

Strategische Bedeutung und Beispiel

Die Wahl zwischen Eigen- und Fremdfertigung ist eine Produktionsstrategie. Entscheidend ist, ob eine umfangreiche Eigenfertigung auch künftig eine zu erhaltende Kernkompetenz ist. Lean Management und Lean Production wollen unter anderem den Anteil der Eigenfertigung zugunsten des Fremdbezugs senken. Damit verringern sie die Fertigungstiefe und beantworten zugleich die Frage nach der optimalen Fertigungstiefe.

Ein Kraftfahrzeughersteller bezieht gewöhnlich beispielsweise Autoreifen und Autoglas von Zulieferern, fertigt jedoch hauptsächlich Fahrgestelle, Karosserien oder Motoren selbst. Lässt er künftig auch Motoren durch andere Unternehmen herstellen und gliedert die bisherige Motorenfertigung aus, ist dies Outsourcing. Die zuvor bereits fremd beschafften Vorleistungsgüter bleiben davon unberührt.

Lernvideos zu Fremdfertigung

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