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Eigenfertigung oder Fremdbezug
Eigenfertigung oder Fremdbezug. betriebswirtschaftliche Entscheidung ob etwas im eigenen Unternehmen herstellt oder von einem Lieferanten eingekauft wird.
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Grundidee und Bedeutung
Eigenfertigung oder Fremdbezug, auch Make-or-Buy genannt, bezeichnet die Entscheidung eines Unternehmens, Produkte oder Dienstleistungen selbst herzustellen oder von Lieferanten beziehungsweise Zulieferern zu beziehen. Der Fremdbezug kann Vorleistungsgüter betreffen, also Bauteile, Dienstleistungen, Halbfabrikate oder Zwischenprodukte, die in ein Endprodukt eingehen oder dafür weiterverarbeitet werden.
Die Entscheidung beeinflusst unmittelbar die Fertigungstiefe oder Eigenfertigungsquote. Sie gibt an, welchen Anteil der gesamten Fertigung das Unternehmen selbst übernimmt:
Fertigungstiefe in Prozent = (Eigenfertigung / gesamte Fertigung) · 100
Die Fertigungstiefe sinkt durch Fremdbezug und Outsourcing, zu dem Offshoring und Onshoring gehören. Sie steigt durch Insourcing und Vorwärtsintegration. Neben reiner Eigenfertigung und reinem Fremdbezug sind weitere Formen der Arbeitsteilung möglich, etwa die Beauftragung von Lohnunternehmen beziehungsweise die Lohnfertigung.
Theoretische Grundlage
Eine wichtige Grundlage der Make-or-Buy-Frage ist Ronald Coases 1937 erschienenes Buch „The Nature of the Firm“. Darin wird die vertikale Integration behandelt, also die Eingliederung verschiedener Produktions- und Beschaffungsstufen in ein Unternehmen.
Die darauf aufbauende Transaktionskosten-Ökonomie wurde maßgeblich von Oliver Williamson entwickelt. Sie untersucht, welche Kosten und Risiken durch die Organisation, Abstimmung und Kontrolle wirtschaftlicher Beziehungen entstehen. Außerdem betrachtet sie die Führungs- und Steuerungsstrukturen eines Unternehmens, die sich letztlich auch in der Entscheidung zwischen Eigenfertigung und Fremdbezug zeigen.
Entscheidungskriterien und Beschaffungsformen
Jede Form der Arbeitsteilung muss koordiniert werden und verursacht Transaktionskosten sowie Transaktionsrisiken. Eine systematische Make-or-Buy-Entscheidung berücksichtigt deshalb nicht nur die unmittelbaren Produktions- oder Einkaufskosten. Wichtige Kriterien sind außerdem die Zuverlässigkeit der Belieferung und die Gefahr einer unerwünschten Abhängigkeit von Lieferanten.
Beim Single Sourcing kauft ein Unternehmen eine Leistung bewusst nur bei einem Lieferanten. Es kann sich stattdessen für mehrere Lieferanten entscheiden, um Abhängigkeiten und andere Nachteile zu begrenzen.
Schlanke Produktion oder Lean Production bezeichnet die Konzentration auf das Kerngeschäft. Ein Unternehmen konzentriert sich dabei auf Bereiche, in denen es etwa durch Spezialisierung oder Größenvorteile einen komparativen Kostenvorteil besitzt. Größenvorteile, auch Economies of Scale, bedeuten Kostenvorteile durch eine größere Produktionsmenge. Manche Unternehmen senken dafür ihren Eigenfertigungsanteil und kaufen beispielsweise selten benötigte Dinge bei spezialisierten Lieferanten. Dies kann ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken.
Entscheidet sich ein Unternehmen gegen eine solche Konzentration, können dagegen Economies of Scope entstehen. Diese Verbundvorteile ergeben sich, wenn unterschiedliche Produkte oder Leistungen gemeinsam wirtschaftlicher erstellt werden können.
Folgen für die Unternehmensorganisation
Wenn ein Unternehmen seine Fertigungstiefe reduziert, können einzelne Werksteile oder ganze Werke geschlossen oder an Zulieferer verkauft werden. Als Beispiel nennt der Artikel die Gießerei eines Automobilunternehmens, wenn die benötigten Gussteile künftig eingekauft werden.
Eine Alternative besteht darin, bisher nur intern tätige Bereiche zu erhalten und ihre Leistungen zusätzlich extern zu vermarkten. Das Porsche-Entwicklungszentrum in Weissach arbeitet beispielsweise seit Langem auch für andere Automobilhersteller. Dies kann als Coopetition verstanden werden, also als gleichzeitiges Auftreten von Konkurrenz und Kooperation auf Märkten.
Eine intensivere Kostenrechnung im Controlling und die Einrichtung von Profit-Centern haben in vielen Unternehmen die Transparenz erhöht. Profit-Center sind organisatorische Einheiten, deren wirtschaftlicher Erfolg gesondert betrachtet wird. Dadurch werden Kosten, Nutzen, Mengen und Auslastungsgrade deutlicher und können bei der Make-or-Buy-Entscheidung besser berücksichtigt werden.
Anwendungsbereiche
Die Analyse von Eigenfertigung und Fremdbezug stammt ursprünglich aus der unternehmerischen Planung der vertikalen Integration von Lieferketten. Heute wird sie auch in weiteren Bereichen angewendet. Dazu gehören Agronomie und Agrarökonomie, Forschung und Entwicklung sowie Human Capital, also das Wissen und die Fähigkeiten von Menschen.
Untersucht werden außerdem hybride Steuerungsmodi, die weder vollständig der Eigenfertigung noch vollständig dem Fremdbezug entsprechen. Ein Beispiel dafür ist Franchising. Weitere Anwendungen betreffen die Effizienz von Agrarumweltmaßnahmen sowie von Natur- und Artenschutzprogrammen.
Beispiel Stromerzeugung
Im Stromhandel sichern Kraftwerke ihre voraussichtliche Stromerzeugung zunächst auf Terminmärkten ab. Dort wird Strom für einen späteren Zeitpunkt gehandelt. Ob ein Kraftwerk den Strom tatsächlich produziert, wird jedoch erst kurzfristig anhand des Spotmarkts entschieden, auf dem die kurzfristige Lieferung gehandelt wird. Damit trifft ein Kraftwerk täglich für den Folgetag eine Make-or-Buy-Entscheidung.
Hat ein Kraftwerk seinen Strom am Terminmarkt bereits zu einem ausreichenden Preis verkauft, liegt der Preis am Spotmarkt für den Folgetag aber unter den eigenen Erzeugungskosten, ist es wirtschaftlich sinnvoll, das Kraftwerk nicht zu betreiben und den benötigten Strom stattdessen am Spotmarkt zurückzukaufen.
Umgekehrt kann ein Kraftwerk auf Grundlage der Terminpreise ursprünglich entschieden haben, stillzustehen und keinen Strom zu verkaufen. Wenn die kurzfristigen Spotpreise eine profitable Erzeugung ermöglichen, kann es dennoch spontan in Betrieb gehen und mit der Stromproduktion Geld verdienen.