Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Internalisierung (Wirtschaft)

Internalisierung ist die Einbeziehung sozialer Zusatzkosten/-nutzen (Kostenrechnung), die durch externe Effekte (auch Externalitäten) verursacht werden, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Ziel der Internalisierung
  2. 2. Externe Effekte und ihre Formen
  3. 3. Private Wege der Internalisierung
  4. 4. Staatliche Instrumente
  5. 5. Kriterien zur Bewertung

Begriff und Ziel der Internalisierung

Internalisierung bedeutet, soziale Zusatzkosten oder sozialen Zusatznutzen, die durch externe Effekte (Externalitäten) entstehen, in das Wirtschaftlichkeitskalkül des Verursachers einzubeziehen. Externe Effekte liegen vor, wenn Handlungen eines Wirtschaftsakteurs Auswirkungen auf andere haben, ohne dass diese Auswirkungen vollständig über Marktpreise berücksichtigt werden.

Damit soll Marktversagen, genauer allokative Marktmängel, korrigiert werden. Ziel ist, die daraus entstehenden Ineffizienzen und Wohlfahrtsverluste zu minimieren und sich dem Wohlfahrtsoptimum beziehungsweise dem volkswirtschaftlichen Optimum anzunähern. Dazu müssen Wirtschaftssubjekte einen ökonomischen Anreiz erhalten, die sozialen Folgen ihrer Entscheidungen mitzuberücksichtigen.

Externe Effekte und ihre Formen

Das Wirtschaftssystem erzeugt positive und negative Effekte. Negative externe Effekte können globale Risiken verstärken, insbesondere für die Nachhaltigkeit des Finanzsystems, durch Umweltverschmutzung, Klimawandel und den Ausbruch neuer tödlicher Krankheiten. Nötig sind deshalb ein Mechanismus zur Bilanzierung externer Effekte sowie Anreize, negative Effekte zu verringern und positive zu vergrößern.

Marktmäßige oder pekuniäre Externalitäten entstehen durch übliche Marktprozesse. Steigt etwa die Zahl der BWL-Studenten, drängen später mehr entsprechende Absolventen auf den Arbeitsmarkt; dies kann sich auf Gehälter und Ähnliches auswirken. Solche Effekte gelten im Wesentlichen als unproblematisch.

Technologische Externalitäten beruhen dagegen auf Kostenarten, die nicht in Marktpreisen internalisiert sind. Sie können Fehlallokationen, also eine ineffiziente Verteilung von Ressourcen, verursachen und sind daher wirtschaftspolitisch bedeutsam.

Weiter wird unterschieden zwischen Pigou-Externalitäten, die quantitativ und numerisch messbar sind, und Coase-Externalitäten, die qualitativ sind und keine eindeutige quantitative Bewertung erlauben.

Private Wege der Internalisierung

Private Akteure können Externalitäten auf mehrere Arten berücksichtigen. Gesellschaftliche Normen verhindern besonders negative Effekte: Hausmüll wird beispielsweise nicht auf der Straße abgeladen, weil die Norm gilt, dass man dies nicht tut.

Hilfsbereitschaft fördert positive Externalitäten. Gemeinnützige Einrichtungen wie Stiftungen und Vereine erhalten in friedlichen, freiheitlichen Gesellschaften monetäre Unterstützung und Sach- oder persönliche Leistungen. Dadurch kann ihr Angebot über das gewöhnliche Marktergebnis hinaus wachsen.

Auch persönliches Verantwortungsempfinden kann wirken. Wer die CO2-Bilanz eines Fluges ausgleichen will, kann den entstandenen CO2-Ausstoß kompensieren. Die Deutsche Bahn AG bietet beim Ticket-Kauf die „Umwelt-Plus“-Option an und verspricht dafür eine „Reise mit 100% Ökostrom“. CO2-Emissionen können private Haushalte und Arbeitgeber kompensieren; die Deutsche Bundesregierung kompensiert alle Dienstreisen „ab Beginn der laufenden Legislaturperiode“, also ab 22. Oktober 2013.

Eigeninteresse kann Unternehmen veranlassen, meist positive Externalitäten einzubeziehen. Ein Möbelhersteller könnte etwa in Aufforstung und den Schutz von Waldbeständen investieren. Außerdem ermöglichen Verträge zwischen Privaten, etwa Ausgleichszahlungen oder Patentrechte, die Internalisierung. Dabei spielt das Coase-Theorem eine zentrale Rolle.

Staatliche Instrumente

Der Staat kann ineffiziente Marktergebnisse durch regulierende oder marktbasierte Maßnahmen korrigieren. Regulierung greift direkt in Produktion und Verschmutzung ein, etwa durch Emissionsgrenzwerte oder vorgeschriebene Umweltschutztechniken. Zwar wäre grundsätzlich eine gesamtwirtschaftlich effiziente Lösung möglich; wegen gesetzlicher Vorgaben, fehlender Informationen der Behörden und anderer Schwierigkeiten ist dies jedoch sehr unwahrscheinlich. Unternehmen haben meist keinen Anreiz, die gesetzlich verlangten Werte weiter zu unterschreiten. Solche Maßnahmen sollen deshalb eingesetzt werden, wenn marktnähere Lösungen ein Ziel nicht erreichen können.

Bei marktbasierter Politik setzt eine Pigou-Steuer oder Emissionsgebühr einen Preis für einen externen Effekt, beispielsweise 10 € pro Tonne Kohlendioxid-Ausstoß. Sie schafft damit einen Preis für das Recht, eine bestimmte Menge Umweltverschmutzung zu verursachen. Liegen die Grenzvermeidungskosten eines Unternehmens unter dem Steuersatz, hat es einen Anreiz, umweltfreundlicher zu produzieren und seine Steuerpflicht zu senken. Richtig berechnet, kann die Steuer das gesamtwirtschaftlich effiziente Niveau der Umweltverschmutzung erreichen. Anders als die meisten gewöhnlichen Steuern kann sie zugleich Staatseinnahmen und Effizienzsteigerungen erzeugen.

Beim Zertifikatehandel werden Verschmutzungszertifikate legal gehandelt; der Markt setzt dadurch ebenfalls einen Verschmutzungspreis. Die Erlöse fließen jedoch vor allem Unternehmen mit niedrigen Grenzvermeidungskosten und nicht primär dem Staatshaushalt zu. Unter bestimmten Bedingungen gewährleistet das Coase-Theorem eine effizienzoptimale Ressourcenverteilung. Positive externe Effekte können analog internalisiert werden, etwa durch Subventionen statt Steuern. Das Gegenstück ist die Externalisierung: Kosten werden in andere Regionen oder auf nachfolgende Generationen verlagert.

Kriterien zur Bewertung

Eine vollständige Beseitigung von Externalitäten ist in der Regel nicht volkswirtschaftlich optimal. Effiziente Wirtschaftspolitik soll vielmehr die „richtige Menge“ positiver und negativer externer Effekte herbeiführen.

Statische Effizienz beschreibt, ob ein vorgegebenes Ziel mit dem geringstmöglichen Aufwand beziehungsweise minimalen Kosten erreicht wird. Dynamische Effizienz fragt, ob ein Instrument Anreize schafft, über ein exogen vorgeschriebenes Maß hinaus negative Effekte zu vermeiden oder positive Effekte möglichst kostengünstig bereitzustellen. Treffsicherheit bezeichnet, inwieweit ein Instrument das für eine Externalität vorgegebene Ziel tatsächlich erreicht.

Lernvideos zu Internalisierung (Wirtschaft)

Weiterlesen