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Droste zu Hülshoff
International bedeutend ist die Dichterin und Komponistin Annette von Droste-Hülshoff – ihr einziges vollendetes Prosawerk Die Judenbuche, das – wie auch …
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Überblick und Herkunft
Droste zu Hülshoff, auch Droste-Hülshoff, ist ein noch bestehendes Uradelsgeschlecht des Münsterlandes. Es wird erstmals im 11. Jahrhundert als Geschlecht der Edelherren von Deckenbrock erwähnt und ist besonders durch die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (1797–1848) bekannt. Die Familie gilt trotz ihrer edelfreien Abstammung als eines von drei heute noch blühenden münsterschen Erbmännergeschlechtern. Erbmänner waren Stadtpatrizier, die in Münster bestimmte politische Ämter ausüben konnten.
Der ursprüngliche Sitz war der nach 1040 genannte Oberhof Deckenbrock bei Everswinkel. Er war „freies Eigen“, also Besitz ohne Lehnsherrschaft. 1209 beginnt mit Bernhard I. von Deckenbrock die sichere Stammfolge. Die Herkunft des Geschlechts ist nicht endgültig geklärt; als wahrscheinlich gilt eine Abstammung von den Edelherren von Steinfurt, indirekt auch von den Edelherren von Münster-Meinhövel.
Der Name leitet sich vom mittelalterlichen Amt des Drosten ab. Dieses entsprach dem Hofamt des Truchsess, lateinisch dapifer, mittelhochdeutsch drotsete. Ein Drost verwaltete unter anderem Grundbesitz, etwa den umfangreichen Besitz des Domkapitels Münster. Das Amt wurde in der Familie erblich; spätestens Engelbert von Deckenbrock besaß es. Im 14. Jahrhundert nahm die Familie nach diesem Amt den Namen Droste an. Nach dem Erwerb der Burg Hülshoff 1417 führte sie als Droste zu Hülshoff ihren heutigen Namen. Die gewohnheitsrechtliche Führung des Freiherrentitels genehmigte Preußen 1843.
Die Familie ist nicht stammesverwandt mit anderen westfälischen Familien namens Droste, etwa Droste zu Vischering oder Droste zu Erwitte. Ihr Wappen zeigt in schwarzem Schild einen geflügelten silbernen Barsch; als Helmzier erscheint eine silberne Fischreuse. Der Wahlspruch lautet: „E carcere coelestia appeto!“ – „Aus dem Gefängnis strebe ich nach Himmlischem“.
Münster, Erbmännerstreit und Kirche
Im 13. Jahrhundert verließ die Familie ihren Stammsitz Deckenbrock und zog in die befestigte Stadt Münster, weil der Bischof als Landesherr dessen Befestigung nicht zuließ. Dort verband sie sich mit den Erbmännerfamilien und erwarb Erbmannshöfe. Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts durften nur Erbmänner in Münster Schöffen, Ratsmitglieder und Bürgermeister werden. Die Deckenbrock beziehungsweise Droste zu Hülshoff stellten vom 13. bis 17. Jahrhundert mindestens zwölf Amtsinhaber. Johann III. von Deckenbrock war in den Jahren 1312–1313, 1321–1322, 1327, 1333 sowie 1337–1339 Bürgermeister und Richter von Münster. Weitere Bürgermeister waren Johann IV., Johann VI. und Johann VII. Droste zu Hülshoff sowie Everwin II. von Droste zu Handorf. Die Familie vertrat Münster und weitere westfälische Hansestädte auf Hansetagen.
Im Münsterschen Erbmännerstreit kämpften die Erbmännerfamilien ab dem 16. Jahrhundert etwa 150 Jahre lang vor weltlichen und kirchlichen Instanzen um die Anerkennung als uradelige Familien. Für die ursprünglich edelfreien Droste zu Hülshoff war dies besonders widersprüchlich. Die Zerstörung von Stadt- und Familienarchiv während der Täuferzeit erschwerte ihnen den Nachweis ihrer Herkunft. Obwohl die Erbmänner den Prozess gewannen, verloren sie zunächst Steuerfreiheit und den Zugang zu einträglichen Pfründen stiftsfähiger Familien. Deshalb lehnten sie städtische Ämter seit dem 17. Jahrhundert ab und strebten vor allem Ämter des Stiftsadels an. Erst 1717 konnte Heinrich Johann I. Droste zu Hülshoff nach erfolgreicher Durchsetzung des Urteils als erstes Familienmitglied seit 150 Jahren aufgeschworen werden.
Die Familie war eng mit der katholischen Kirche verbunden. Everwinus Droste diente 1147 als Drost des Domkapitels Münster und als Villicus, also Verwalter, des Stifts St. Mauritz. Angehörige wirkten als Domherren, Stiftsherren, Kanoniker, Äbtissinnen und Ordensleute; laut Germania sacra gab es dreißig katholische Kanoniker aus der Familie. Während des Täuferreichs in Münster blieben wichtige Familienmitglieder katholisch und beteiligten sich 1534 als Lehnsleute des Bischofs Franz von Waldeck an der Befreiung der Stadt. Einzelne Seitenlinien wurden protestantisch, erloschen aber spätestens im 18. Jahrhundert.
Auch sozial und kirchlich stiftete die Familie in Roxel und Havixbeck: Die von Droste’sche Armenstiftung unterstützte Bürger von Roxel. Gestiftet wurden unter anderem ein Seitenaltar 1687, eine Monstranz 1671, die „Salvator“-Glocke von 1693, ein Schulhaus mit Lehrerwohnung 1698, Orgeln sowie kirchliche Kunstwerke. Das Marienstift Droste zu Hülshoff in Havixbeck geht auf ein 1882 von Clemens Friedrich Freiherrn Droste zu Hülshoff gestiftetes Krankenhaus zurück; 1979 wurde es zu einem Altenwohn- und -pflegeheim umgewandelt.
Besitz, Linien und Familiensitze
Burg Hülshoff bei Havixbeck war seit dem Erwerb von 1417 fast 600 Jahre Mittelpunkt der Stammlinie. Im 19. Jahrhundert umfasste das Gut mit Nebengütern mehr als 1250 ha. Obwohl kein Fideikommiss bestand, erbte über Jahrhunderte jeweils der älteste Sohn das Stammgut; dieses Prinzip heißt Majorat. Jüngere Geschwister mussten durch Nebengüter, kirchliche oder staatliche Dienste oder Heirat versorgt werden. Die Gutsbesitzer lebten überwiegend von Abgaben abhängiger Bauern und Kötter, nahmen aber auch richterliche, soziale und caritative Aufgaben wahr.
Neben Hülshoff bestanden Besitzungen und Seitenlinien unter anderem in Handorf, Uhlenbrock, Möllenbeck/Wolbeck, Dinker bei Soest, Sachsen, Danzig und Ostpreußen sowie zeitweise im Rheinland und in Bayern. Die protestantische Linie Droste zu Zützen in der Niederlausitz erlosch im 18. Jahrhundert. Ein aus Uhlenbrock abgeleiteter Zweig in Danzig und Königsberg erhielt 1704 von König Friedrich I. eine „Adelsrenovation“ und 1705 die Anerkennung des Freiherrenstandes; er führte ein abgewandeltes Wappen mit fliegendem Fisch in blauem Feld. Dieser Zweig erlosch 1825 im Mannesstamm.
Wichtige spätere Familiensitze waren Haus Rüschhaus in Nienberge, das Clemens-August II. 1826 erwarb, Haus Stapel und Haus Giesking, Gut Füchtel und Gut Welpe bei Vechta, Schloss Hamborn bei Borchen und das Fürstenhäusle in Meersburg. Im Rüschhaus schuf Annette von Droste-Hülshoff einen großen Teil ihres Werks. Es wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Museum geöffnet, 1979 an die Stadt Münster verkauft und wird heute über das Stadtmuseum Münster besichtigt.
Die Stammlinie auf Burg Hülshoff erlosch 1945 im Mannesstamm. Jutta Freifrau von Droste zu Hülshoff brachte Burg Hülshoff 2012, soweit sie nicht zuvor verkauft worden war, in die neu gegründete Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung ein. Die heute noch bestehende nachgeborene Linie geht auf Carl Caspar von Droste zu Hülshoff zurück; ihr Grundbesitz liegt seit Beginn des 20. Jahrhunderts in Baden. Sitze der Familien von Bernd und Wilderich von Droste zu Hülshoff sind Kaiserswerth und die Villa Küchlin in Horben, wo Land- und Forstwirtschaft sowie die Destillerie Baron Droste Hülshoff betrieben werden.
Literatur, Wissenschaft und Erinnerung
Die international bedeutendste Person der Familie ist Annette von Droste-Hülshoff, Dichterin und Komponistin. Ihr einziges vollendetes Prosawerk „Die Judenbuche“ beruht wie mehrere Balladen auf Familienüberlieferung, erschien in Auflagen im mehrstelligen Millionenbereich und wurde in zwölf Sprachen übersetzt. Auch ihre Lyrik ist für die Literaturgeschichte wichtig. Ihr Gedichtzyklus „Das geistliche Jahr“ galt ihr selbst als ihr nützlichstes Werk. Sie komponierte zahlreiche Lieder und trat als Sängerin und Klavierspielerin auf.
Weitere Familienmitglieder wirkten als Schriftsteller, wissenschaftliche Autoren, Juristen, Ornithologen und Musiker. Maximilian-Friedrich von Droste zu Hülshoff war Komponist, Freund Joseph Haydns und Verfasser einer Kompositionslehre. Clemens-August von Droste zu Hülshoff war Hochschullehrer und Rektor der Universität Bonn. Ferdinand und Friedrich von Droste zu Hülshoff arbeiteten als Ornithologen. Bernd von Droste zu Hülshoff begründete 1992 das UNESCO-Welterbezentrum in Paris und leitete es.
Die Familie beteiligte sich außerdem an der Bewahrung des Nachlasses Annettes und an Kulturstiftungen. Burg Hülshoff, Haus Rüschhaus, das Droste-Museum Fürstenhäusle und Burg Meersburg sind Familiensitze mit Droste-Museen oder Erinnerungsorten. Das Fürstenhäusle in Meersburg hatte Annette von ihrem Honorar gekauft. Es wurde 1923 als Droste-Museum eröffnet und 1960 an das Land Baden-Württemberg verkauft. Die zugehörigen Reben gehören heute zum Staatsweingut Meersburg, das seit ihrem 150. Todestag den Wein „Cuvée Annette“ herstellt.
Eine besondere Ehrung der Dichterin ist der Hauptgürtel-Asteroid (12240) Droste-Hülshoff. Er wurde am 13. August 1988 entdeckt und trägt seit dem 20. März 2000 ihren Namen.
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