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Nordrhein-Westfalen

... Blauen Banane“. Den nördlichen Teil des Ballungsraums Rhein-Ruhr bildet das stark verstädterte Ruhrgebiet (vgl. Ruhrstadt) mit den Zentren Dortmund, Essen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick, Raum und Entstehung
  2. 2. Politik und Verwaltung
  3. 3. Bevölkerung, Migration und Identität
  4. 4. Bildung und Forschung
  5. 5. Wirtschaft und Verkehr
  6. 6. Kultur, Natur und Freizeit

Überblick, Raum und Entstehung

Nordrhein-Westfalen (NRW, Ländercode NW) ist ein teilsouveräner Gliedstaat der Bundesrepublik Deutschland. Es ist eine parlamentarische Republik innerhalb des Bundesstaates, wurde am 23. August 1946 gegründet und hat Düsseldorf als Landeshauptstadt. Mit 17.986.214 Einwohnern am 31. Dezember 2025 ist NRW das bevölkerungsreichste deutsche Land. Seine Fläche beträgt 34.110,26 km²; damit ist es das viertgrößte deutsche Land. Die größte Stadt ist Köln.

Das Land liegt im Westen Deutschlands und grenzt an Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Belgien und die Niederlande. Es ist stark von Großstädten und zugleich von ländlichen Räumen wie Niederrhein, Münsterland, Sauerland, Bergischem Land und Eifel geprägt. Von 79 deutschen Großstädten liegen 29 in NRW. Fünf Städte haben mehr als 500.000 Einwohner: Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen und Duisburg. Die Metropolregion Rhein-Ruhr hat rund zehn Millionen Einwohner und gehört zu den dichtesten Ballungsräumen Europas.

Im Norden liegen Teile der Norddeutschen Tiefebene, darunter die Westfälische Bucht und das Niederrheinische Tiefland. Der Rhein ist der größte Fluss des Landes und Deutschlands. Im Süden prägen Mittelgebirge das Land: Eifel, Bergisches Land und Sauerland gehören zum Rheinischen Schiefergebirge; im Osten liegt das Weserbergland. Der höchste Berg ist der Langenberg im Rothaargebirge mit 843,2 m ü. NHN, der tiefste Punkt liegt bei 9,2 m ü. NHN im Nordwesten. Das Klima ist ausgeglichen: Die mittlere Jahrestemperatur liegt je nach Höhenlage zwischen 5 °C und 10 °C, die Jahresniederschläge zwischen 600 Millimeter im Tiefland und 1400 Millimeter in den Mittelgebirgen.

Großbritannien gründete das Land nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Nordteil der preußischen Rheinprovinz und der preußischen Provinz Westfalen; 1947 kam das zuvor selbstständige Land Lippe hinzu. Dabei stand vor allem das Ziel im Vordergrund, das Ruhrgebiet mit seinen industriellen Ressourcen in einem Land zusammenzufassen. Seit 1949 gehört NRW zur Bundesrepublik Deutschland. Der Wiederaufbau, die Demokratisierung und später der Strukturwandel nach Kohle- und Stahlkrisen wurden zu wichtigen Aufgaben. Die kommunale Gebietsreform von 1966 bis 1976 verringerte die Zahl der Gemeinden, Kreise und kreisfreien Städte sowie die Zahl der Regierungsbezirke von sechs auf fünf. Bonn war von 1949 bis 1990 Hauptstadt und bis 1999 alleiniger Regierungssitz der Bundesrepublik; heute ist es zweiter Regierungssitz und Bundesstadt.

Politik und Verwaltung

NRW ist nach dem Grundgesetz und seiner Landesverfassung ein republikanischer, sozialer und demokratischer Rechtsstaat. Die Gesetzgebung liegt vor allem beim Landtag, den die Wahlberechtigten für fünf Jahre wählen. Direkte Demokratie spielt praktisch nur eine geringe Rolle. Die Landesregierung wird vom Ministerpräsidenten geleitet; dieses Amt hat seit dem 27. Oktober 2021 Hendrik Wüst (CDU) inne. Seit 2022 wird die Regierung von CDU und Bündnis 90/Die Grünen getragen. Bei der Landtagswahl vom 15. Mai 2022 entfielen von 195 Sitzen 76 auf die CDU, 39 auf die Grünen, 56 auf die SPD, 12 auf die FDP und 12 auf die AfD. Die nächste Wahl ist für den 25. April 2027 vorgesehen.

Die Landesverwaltung ist der Landesregierung untergeordnet. Eine mittlere Verwaltungsebene bilden die Bezirksregierungen in Düsseldorf, Köln, Münster, Detmold und Arnsberg. Für Verfassungsfragen ist der Verfassungsgerichtshof für das Land Nordrhein-Westfalen zuständig. Wegen seiner Teilsouveränität kann das Land in bestimmten Bereichen völkerrechtliche Verträge abschließen. Über sechs Stimmen im Bundesrat wirkt es an Bundesgesetzgebung und Angelegenheiten der Europäischen Union mit.

Kommunen dürfen ihre Angelegenheiten selbst verwalten und übernehmen außerdem Aufgaben für das Land. NRW besteht aus 30 Kreisen, einer Städteregion, 374 kreisangehörigen beziehungsweise regionsangehörigen Gemeinden und Städten sowie 22 kreisfreien Städten. Aachen ist zugleich kreisfreie Stadt und Teil der Städteregion Aachen. Insgesamt gibt es 396 Gemeinden. Landschaftsverbände für Westfalen-Lippe und das Rheinland sowie Verbände wie der Regionalverband Ruhr und der Landesverband Lippe erfüllen insbesondere kulturelle und soziale Aufgaben.

Bevölkerung, Migration und Identität

NRW ist mit 17.986.214 Einwohnern zum Stand 31. Dezember 2025 das bevölkerungsreichste Land Deutschlands. Die Bevölkerungsdichte beträgt 528 Einwohner je km² und ist unter den Flächenländern mit Abstand die höchste. Die Bevölkerung ist aber ungleich verteilt: Besonders dicht besiedelt ist Rhein-Ruhr, während Münsterland, Tecklenburger Land, südliche Bergregionen und Teile Ostwestfalen-Lippes dünner besiedelt sind. Die fünf größten Städte hatten Ende 2025 folgende Einwohnerzahlen: Köln 1.025.523, Düsseldorf 619.444, Dortmund 600.880, Essen 573.618 und Duisburg 500.810.

Die Einwohnerzahl stieg von 11.407.000 im Jahr 1930 auf 18.079.686 im Jahr 2003, sank danach zunächst und lag 2023 bei 18.190.422. Die Bevölkerung altert: 2006 waren 19,7 % über 65 Jahre alt, gegenüber 8,8 % im Jahr 1950; der Anteil der unter 15-Jährigen sank im selben Zeitraum von 22,6 % auf 14,7 %. Im Jahr 2006 gab es rund 8,5 Millionen Haushalte mit durchschnittlich 2,12 Personen. 37 % waren Einpersonenhaushalte. Die durchschnittliche Kinderzahl stieg bis 2017 auf 1,60 Kinder je Frau. Für 2015/17 wird eine durchschnittliche Lebenserwartung von 78,1 Jahren für Männer und 82,7 Jahren für Frauen angegeben.

Prognosen weichen deutlich voneinander ab: Die Statistikbehörde des Landes erwartete 16,16 Millionen Einwohner im Jahr 2050, Destatis in einer Prognose von 2011 15,219 Millionen. Die Modellrechnung von IT.NRW aus dem Jahr 2019 rechnet dagegen für 2040 mit 18,08 Millionen Einwohnern, also einem Wachstum um 0,9 %. Regional wird eine Zunahme im Rheinland und ein Rückgang in strukturschwächeren Regionen wie Sauerland, Siegerland und weiten Teilen des Ruhrgebiets erwartet.

2022 hatten 33,5 % der Einwohner einen Migrationshintergrund; 13,8 % waren Ausländer, also registrierte Einwohner ohne deutsche Staatsangehörigkeit. 2021 sprach bei 29,0 % der Kinder in Kindertageseinrichtungen im Alter von 3 bis 6 Jahren die Familie vorrangig nicht Deutsch. Die größte ausländische Staatsangehörigkeitsgruppe waren 2023 Menschen mit türkischer Staatsangehörigkeit mit 492.460 Personen, gefolgt von Syrien mit 286.035 und der Ukraine mit 251.195 Personen.

Das Land entstand aus Rheinland, Westfalen und Lippe, drei historisch unterschiedlichen Räumen. Deshalb ist die Landesidentität weniger ausgeprägt als viele regionale Identitäten. Unterschiede in Geschichte, Kultur, Sprache und Konfession prägen besonders das Verhältnis von Rheinland und Westfalen-Lippe. Dennoch entwickelte sich seit den 1980er Jahren ein stärkeres Landesbewusstsein. Umgangs- und Amtssprache ist Deutsch. Rheinische und westfälische Regiolekte sind verbreitet; Ruhrdeutsch ist ein durch Einwanderung beeinflusstes Beispiel. Laut Zensus 2022 waren 34,0 % römisch-katholisch, 21,8 % evangelisch und 44,1 % konfessionslos, einer anderen Glaubensgemeinschaft zugehörig oder ohne Angabe. Ende 2024 lagen die Anteile bei 32,0 % katholisch, 20,3 % evangelisch und 47,7 % sonstige beziehungsweise ohne Angabe.

Bildung und Forschung

Nach der vierjährigen Regelzeit in der Grundschule wechseln Schülerinnen und Schüler auf Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Gesamtschule oder Sekundarschule. Die Allgemeine Hochschulreife, also das Abitur, ist die höchste schulische Abschlussprüfung. Sie wird in der Regel nach drei Jahren gymnasialer Oberstufe als Zentralabitur abgelegt.

Insgesamt besuchten 2.498.162 Schülerinnen und Schüler die Schulen des Landes. Die größten Gruppen entfielen auf Grundschulen mit 708.140 Schülerinnen und Schülern (28,35 %), Gymnasien mit 505.982 (20,25 %), Berufskollegs mit 500.810 (20,05 %) und Gesamtschulen mit 354.211 (14,18 %). Öffentliche Schulen besuchten 2.291.698 Schülerinnen und Schüler beziehungsweise 91,74 %, private Schulen 206.464 beziehungsweise 8,26 %. Seit 2010 gab NRW – mit Ausnahme des Jahres 2015 – im Ländervergleich je Schüler an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen am wenigsten für Bildung aus.

Das Land hat 14 Universitäten, 16 Fachhochschulen, sieben staatliche Kunst- und Musikhochschulen, 26 anerkannte private und kirchliche Hochschulen sowie fünf Verwaltungshochschulen. Im Wintersemester 2020/2021 waren rund 770.000 Studierende eingeschrieben, darunter 98.000 im ersten Semester. Zu den größten Universitäten zählen die Universitäten in Bochum, Duisburg/Essen, Hagen, Köln und Münster sowie die RWTH Aachen. Wichtige Forschungseinrichtungen sind das Forschungszentrum Jülich sowie Einrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft.

Wirtschaft und Verkehr

Die Wirtschaft NRWs wurde lange durch die Montanindustrie geprägt, also durch Kohlebergbau, Erzbergbau und Stahlherstellung. Besonders das Ruhrgebiet war im 19. Jahrhundert und nach dem Zweiten Weltkrieg eine wichtige Industrieregion. Seit den 1960er Jahren führten Kohle- und Stahlkrisen zum Rückgang dieser einseitigen Wirtschaftsstruktur. Der Strukturwandel hin zu Dienstleistungs-, Technologie- und Wissenswirtschaft verläuft regional unterschiedlich; in Teilen des alten Ruhrreviers bleibt die Arbeitslosigkeit hoch.

NRW hatte 2024 ein nominales Bruttoinlandsprodukt von 789,7 Milliarden Euro und damit die höchste Wirtschaftsleistung unter den deutschen Ländern. Rund 22 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts entstehen im Land. Die Arbeitslosenquote betrug im Dezember 2025 7,6 %; sie lag damit über der bundes- und westdeutschen Quote und war die höchste aller westdeutschen Flächenländer. Die Armutsgefährdungsquote stieg von 14,4 % im Jahr 2005 auf 18,5 % im Jahr 2019. Bedeutende Wirtschaftsbereiche sind unter anderem Maschinenbau, Metall- und Eisenverarbeitung, Energieversorgung, Handel, Telekommunikation, Logistik, Pharma und Chemie.

Wegen seiner Lage, hohen Bevölkerungsdichte und vielen Wirtschaftsstandorte besitzt NRW ein besonders dichtes Verkehrsnetz. 2015 entfiel jede dritte Staumeldung in Deutschland auf das Land. Rhein-Ruhr verfügt über ein großes S-Bahn-, Stadtbahn- und Straßenbahnnetz. Der Rhein-Ruhr-Express soll unter anderem einen 15-Minuten-Takt zwischen Köln, Duisburg und Dortmund ermöglichen. Köln Eifeltor ist Deutschlands größter Containerumschlagbahnhof für den kombinierten Verkehr Schiene/Straße; Hagen-Vorhalle zählt zu den größten Rangierbahnhöfen Deutschlands.

Der Duisburger Hafen ist eine Verkehrsdrehscheibe der deutschen Binnenschifffahrt. Wichtige Wasserstraßen sind Rhein, Rhein-Herne-Kanal, Wesel-Datteln-Kanal, Datteln-Hamm-Kanal und Dortmund-Ems-Kanal. Die wichtigsten internationalen Flughäfen sind Düsseldorf, nach Passagierzahlen der viertgrößte deutsche Flughafen, und Köln/Bonn, nach Frachtaufkommen der drittgrößte. Weitere Flughäfen liegen in Dortmund, Niederrhein, Münster/Osnabrück und Paderborn/Lippstadt.

Kultur, Natur und Freizeit

Kunst und Kultur zu fördern, ist in der Landesverfassung als Staatsziel festgeschrieben. Die Kulturlandschaft ist vielfältig und polyzentrisch: Es gibt keine einzelne kulturell dominierende Metropole, sondern wichtige Einrichtungen über das ganze Land verteilt. Die regionale Grenze zwischen Rheinland und Westfalen-Lippe ist dabei besonders prägend. Die Arbeiterkultur und Industriekultur des Ruhrgebiets gehören zur kulturellen Identität; 2010 war das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt Europas. Wichtige Kulturorte sind unter anderem Düsseldorf und Köln als Zentren von Kunst und Kunsthandel, Museen in Dortmund, Essen, Münster und Bonn sowie große Theater, Opernhäuser und Konzerthallen.

Der Kölner Dom ist mit rund sechs Millionen Besuchern jährlich die größte Touristenattraktion des Landes und der Bundesrepublik. Zu den UNESCO-Welterbestätten gehören außerdem der Aachener Dom, die Schlösser Augustusburg und Falkenlust, die Zeche und Kokerei Zollverein seit 2001 sowie das Kloster Corvey seit 2014. Fachwerk prägt viele Orte in Westfalen-Lippe, Sauerland und Eifel; Zechenarchitektur steht beispielhaft für die Industriedenkmäler an Rhein und Ruhr.

Die Natur ist durch hohe Siedlungsdichte, Industrie, Bergbau, Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Verkehrserschließung stark belastet. Der Strukturwandel im Ruhrgebiet und Umweltschutz verbesserten die Luft- und Wasserqualität in Rhein-Ruhr. Etwa 25 % des Landes sind bewaldet. NRW hat Anteil an 14 Naturparks; der größte ist der Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge. Seit 2004 besteht der Nationalpark Eifel.

2012 zählten die Beherbergungsbetriebe etwa 20 Millionen Gäste und 45,4 Millionen Übernachtungen. Die meisten Übernachtungen gab es im Teutoburger Wald mit 6,5 Millionen, gefolgt vom Sauerland sowie Köln und Rhein-Erft-Kreis mit jeweils 6,2 Millionen. Von den Übernachtungen ausländischer Gäste entfielen 25,2 % auf Gäste aus den Niederlanden. Die Küche unterscheidet sich ebenfalls regional: Beispiele sind Westfälischer Schinken auf Pumpernickel und Rheinischer Sauerbraten. Typische Biere sind Pils, Altbier und Kölsch. Sportlich prägt besonders Fußball das Land; das Westfalenstadion in Dortmund hat über 80.000 Plätze und ist das größte Fußballstadion Deutschlands. Zusätzliche gesetzliche Feiertage neben den bundesweiten Feiertagen sind Fronleichnam und Allerheiligen.

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