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Hansestadt
Eine Hansestadt hatte sich dem mittelalterlichen Kaufmanns- und Städtebund der Hanse angeschlossen. Darunter waren vor allem Hafenstädte in den …
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Kernidee und historische Einordnung
Eine Hansestadt war eine Stadt, die dem mittelalterlichen Kaufmanns- und Städtebund der Hanse angeschlossen war. Zur Hanse gehörten vor allem Hafenstädte an Nord- und Ostsee, aber auch Binnenstädte, besonders an wichtigen Flüssen. Durch Freihandel, Fernhandel und ein wirtschaftlich starkes Bürgertum erreichten viele dieser Städte großen Wohlstand. Davon zeugen bis heute Kultur- und Baudenkmäler.
Insgesamt gab es rund 200 Orte, die zu irgendeinem Zeitpunkt direkt oder indirekt der Hanse angehörten. Der Ausgangspunkt der Hanse lag Mitte des 12. Jahrhunderts in Lübeck, das als „Königin“ und „Mutter der Hanse“ bezeichnet wird. Die Zugehörigkeit war jedoch schwer genau festzulegen, weil der Bund sehr locker organisiert war und nie durch einen allgemeinen Vertrag schriftlich gegründet wurde. Auch eine verbindliche Gesamtliste der Hansestädte gab es vermutlich nicht. Deshalb hängt die Antwort auf die Frage, welche Stadt zur Hanse gehörte, stark vom betrachteten Zeitpunkt ab. Eintritte, Austritte, Bündnisse und Konflikte wechselten häufig. Viele kleinere Städte waren außerdem einer größeren Nachbarstadt zugeordnet, die sie in der Hanse vertrat.
Beim letzten Hansetag 1669 in Lübeck waren nur noch neun Städte vertreten: Lübeck, Hamburg, Bremen, Braunschweig, Danzig, Hildesheim, Köln, Osnabrück und Rostock. Lübeck, Hamburg und Bremen wurden 1669 zu Sachwaltern des hansischen Erbes, einschließlich der Hansekontore. Diese drei reichsunmittelbaren Städte blieben weiterhin durch vertragliche Beziehungen verbunden, betrieben gemeinsame konsularische Vertretungen und beschlossen gemeinsam den Verkauf des Stalhofs in London im Jahr 1853.
Organisation und Städtegruppen
Die Hanse war kein festes Staatsgebilde, sondern ein lockerer Zusammenschluss von Städten und Kaufleuten. Deshalb änderten sich auch die inneren Städtegruppen immer wieder. Häufig wurden Städte nach Regionen geordnet, etwa nach den Dritteln oder Quartieren des Kontors in Brügge. Ein Hansekontor war eine wichtige auswärtige Handelsniederlassung der Hanse.
Für die Zeit von 1347 bis 1494 nennt der Artikel drei große Gruppen: lübisch-sächsische Städte unter Führung Lübecks, westfälisch-rheinische Städte unter Führung Dortmunds, später Kölns, sowie schwedisch-livländische Städte unter Führung Visbys, später auch Rigas. Ab 1494 werden andere Gruppen genannt: wendische Städte unter Führung Lübecks, sächsische Städte unter Führung von Braunschweig und Magdeburg, preußisch-livländische Städte unter Führung Danzigs und westfälische Städte unter Führung Kölns.
Lübeck hatte unter den Hansestädten eine besondere Vormachtstellung. Innerhalb der Städtegruppen nahmen häufig die wendischen Städte eine führende Rolle ein. Möglich sind auch andere Einteilungen, zum Beispiel in See- und Binnenlandstädte, nach wichtigen Handelswaren oder nach Einwohnerzahl. Der Artikel betont aber, dass solche Einteilungen wegen der dünnen Datenlage unsicher sind. Auch aus der geografischen Lage einer Stadt lässt sich nicht automatisch ableiten, zu welcher Gruppe sie gehörte.
Offizieller Beiname und Kennzeichen
Bis 1990 führten offiziell nur Lübeck, Bremen und Hamburg den Beinamen „Hansestadt“. Der Titel wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Teil des Staatstitels dieser ursprünglich reichsunmittelbaren freien Reichsstädte verwendet und neben den Titel „Freie Stadt“ gestellt. In diesem Zusammenhang bezeichnete „Hanseat“ historisch ein Mitglied der Oberschicht der drei Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck.
Während des Nationalsozialismus wurde der Zusatz „Freie“ abgeschafft, weil die Eigenstaatlichkeit der Städte entfiel. Nach Gründung der Bundesrepublik nahmen Bremen als „Freie Hansestadt“ und Hamburg als „Freie und Hansestadt“ beide Titel wieder in ihre Landesnamen auf. Lübeck blieb seit dem Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 nur noch kreisfreie Stadt in Schleswig-Holstein. Es konnte nach dem Krieg den Zusatz „Freie“ nicht zurückerlangen; das bestätigte das Lübeck-Urteil von 1956.
Nach der Wiedervereinigung 1990 nahmen mehrere Städte aus historischer Rückbesinnung den Namenszusatz „Hansestadt“ wieder offiziell an. Zuerst geschah dies in Mecklenburg-Vorpommern, unter anderem bei Rostock, Wismar, Stralsund, Greifswald und Anklam. Später folgten Städte in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Stand der genannten Liste führen mindestens 27 deutsche Städte offiziell die Bezeichnung „Hansestadt“ als Namenszusatz. Festgelegt wird dies in den jeweiligen Hauptsatzungen; der Titel gilt nicht automatisch für alle früheren Hansestädte.
Auch Kfz-Kennzeichen greifen den Beinamen auf. Bei einigen Hansestädten steht ein „H“ vor dem Stadtkürzel für „Hansestadt“. 1906 erhielten Bremen, Hamburg und Lübeck die Kürzel HB, HH und HL. Nach der Wiedervereinigung bekamen 1991 auch Greifswald, Rostock, Stralsund und Wismar entsprechende Kürzel: HGW, HRO, HST und HWI.
Historische Hansestädte in Europa
Die im Artikel genannte historische Liste folgt einer regionalen Gliederung nach Dollinger. Sie umfasst Städte, aus denen Kaufleute zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert hansische Privilegien in Anspruch nahmen, teilweise nur für kurze Zeit. Von den rund 200 nachgewiesenen Städten betrieben etwa 70 aktiv hansische Politik. Viele andere ließen sich bei Hansetagen oder in anderen Angelegenheiten von größeren Nachbarstädten vertreten.
Zu den wichtigen Regionen gehörten die Nordseeküste mit ihrem Hinterland, die Ostseeküste westlich der Oder, Hinterpommern, Preußen, Schlesien und Polen, Livland und Schweden, das Niederrheingebiet, das IJssel- und Zuiderzeegebiet, Westfalen, die Mark Brandenburg, mittleres Deutschland zwischen Oberweser und Saale sowie ostfälische Städte zwischen Weser und Elbe. Diese weite Verteilung zeigt, dass die Hanse nicht nur ein norddeutsches Phänomen war, sondern ein Handelsnetz über große Teile Nord-, Mittel- und Osteuropas bildete.
Besonders bekannte Städte waren Lübeck, Hamburg, Bremen, Köln, Danzig, Rostock, Braunschweig, Hildesheim und Osnabrück, weil sie 1669 zu den letzten neun vertretenen Städten gehörten. In der historischen Liste erscheinen außerdem Städte wie Stralsund, Wismar, Greifswald, Stettin, Riga, Reval, Visby, Stockholm, Dortmund, Münster, Soest, Magdeburg, Lüneburg, Göttingen, Berlin-Kölln und Frankfurt (Oder). Bei einzelnen Orten ist die Rolle besonders markiert, etwa bei Neuss, das 1475 von Kaiser Friedrich III. die Rechte einer eigenständigen Hansestadt erhielt.
Kontore, Handelshöfe und unklare Zugehörigkeit
Neben eigentlichen Hansestädten gab es Orte mit starkem hansischem Einfluss. Besonders wichtig waren die Hansekontore, also auswärtige Handelsniederlassungen. Der Artikel nennt Bryggen in Bergen, Brügge, zeitweise auch Antwerpen, den Stalhof in London und den Peterhof in Nowgorod. Solche Kontore waren zentrale Stützpunkte für den Handel der Hansekaufleute im Ausland.
Daneben bestanden hansische Niederlassungen und Handelshöfe in vielen weiteren Städten Europas, etwa in Bordeaux, Bristol, Kopenhagen, La Rochelle, Lissabon, Malmö, Nantes, Oslo, Porto, Ribe, Turku, Venedig, Vilnius und York. Diese Orte zeigen, wie weit die Handelsbeziehungen der Hanse reichten.
Der Artikel führt außerdem Städte auf, deren Mitgliedschaft unklar ist. Dazu gehören unter anderem Amsterdam, Bergen in Norwegen, Emden, Erfurt, Maastricht, Utrecht und Zierikzee. Diese Unsicherheit passt zum allgemeinen Charakter der Hanse: Weil es keine feste Mitgliederliste gab und die Beteiligung je nach Zeit, Handelsrechten und politischer Lage wechselte, lassen sich manche Städte nicht eindeutig einordnen.