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Annette von Droste-Hülshoff
KURZBESCHREIBUNG, deutsche Schriftstellerin und Komponistin ; GEBURTSDATUM, 10. Januar 1797 oder 12. Januar 1797 ; GEBURTSORT, Burg Hülshoff bei Münster ( …
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Bedeutung und Lebensweg
Annette von Droste-Hülshoff (voller Name Anna Elisabeth Francisca Adolphina Wilhelmina Ludovica Freiin von Droste zu Hülshoff; * 12. Januar 1797, nach anderen Quellen 10. Januar, auf Burg Hülshoff bei Münster; † 24. Mai 1848 auf Burg Meersburg) war eine deutsche Schriftstellerin und Komponistin. Sie zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Dichterinnen und Dichtern des 19. Jahrhunderts.
Sie stammte aus einer westfälischen katholischen Adelsfamilie. Ihre ungewöhnlich umfassende Bildung umfasste Literatur in lateinischer, griechischer, französischer und englischer Sprache sowie Geschichte, Geografie und Naturkunde. Seit Kindheit war sie gesundheitlich belastet, unter anderem extrem kurzsichtig und häufig von Kopfschmerzen betroffen. Ihre genaue Naturbeobachtung prägte jedoch später ihre literarischen Beschreibungen.
Nach dem Tod ihres Vaters 1826 lebte sie mit ihrer Mutter im Haus Rüschhaus bei Münster. Ab 1841 hielt sie sich überwiegend bei ihrer Schwester Jenny und deren Mann Joseph von Laßberg auf Schloss Meersburg am Bodensee auf. Dort starb sie vermutlich an einer schweren Lungenentzündung und wurde auf dem Friedhof Meersburg bestattet.
Schriftstellerisches Werk
Droste-Hülshoff schrieb Lyrik, Balladen, Epen, eine Novelle, Fragmente und Briefe. Ihr Werk steht zunächst der Romantik nahe, weist etwa mit der Novelle Die Judenbuche aber bereits zum Realismus. Realismus bezeichnet hier eine Literatur, die Menschen, soziale Verhältnisse und Wirklichkeit genauer und weniger idealisierend darstellt.
Wichtige Themen sind Natur, Glaube, Schuld, Gewalt und menschliche innere Konflikte. Landschaften des Münsterlandes sowie der Bodensee und die Alpen wurden für sie zu wichtigen Anregungen. Ihre Naturdarstellungen gelten als besonders eindringlich. Der Gedichtzyklus Das geistliche Jahr enthält für fast jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres ein Gedicht und gestaltet den Konflikt zwischen aufgeklärtem Bewusstsein und religiösem Glauben.
Der erste Gedichtband erschien 1838 in Münster, halb anonym und zunächst mit geringem Erfolg. Der zweite Gedichtband erschien 1844 bei Cotta unter ihrem vollen Namen und fand deutlich mehr Resonanz. Bedeutende Werke sind die Novelle Die Judenbuche (1842), die Balladen Der Knabe im Moor und Die Vergeltung sowie Gedichte wie Am Thurme und Im Moose. Die Judenbuche verarbeitet eine im Umfeld von Bökendorf erzählte Geschichte, die auf realen Kriminalfällen beruhte.
Arbeitsorte und literarische Beziehungen
In Rüschhaus entstanden zahlreiche Gedichte und Balladen, drei große Versdichtungen sowie der Entwurf zu Die Judenbuche. Droste-Hülshoff nahm außerdem am Literatursalon ihrer Freundin Elise Rüdiger in Münster teil.
Eine wichtige Freundschaft verband sie seit 1837 mit dem 17 Jahre jüngeren Literaten Levin Schücking. Sie förderte ihn, vermittelte ihm 1841 eine Stelle als Bibliothekar auf Schloss Meersburg und überließ ihm anonym Texte für Das malerische und romantische Westphalen. Die gemeinsame sogenannte „Dichterwette“ regte sie in Meersburg zu vielen weltlichen Gedichten an. Nach Schückings Abreise 1842 und seinem Roman Die Ritterbürtigen, der Indiskretionen über den Adel enthielt, brach die Beziehung ab.
In Meersburg erhielt sie erstmals größere Honorare, unter anderem für Die Judenbuche. Mit dem Erlös kaufte sie am 17. November 1843 das Fürstenhäusle oberhalb von Meersburg mit kleinem Weinberg. Wegen ihrer abnehmenden Gesundheit konnte sie es kaum nutzen.
Musik und Komposition
Neben dem Dichten war Musik lange ein zentraler Teil ihres Schaffens. Ab 1809 erhielt sie Klavier- und Orgelunterricht; 1820 trat sie in Höxter erstmals öffentlich auf. Später erhielt sie auch Gesangsunterricht und unterrichtete andere Familienmitglieder in Gesang und Klavier.
Ihr Onkel Maximilian-Friedrich von Droste zu Hülshoff förderte sie musikalisch und gab ihr eine Generalbasslehre. Generalbass ist eine damalige Form der musikalischen Satzlehre und Begleitung. Sie schrieb Libretti und Musik für vier Opernprojekte. Erhalten sind rund 74 Lieder, darunter Bearbeitungen aus dem Lochamer Liederbuch für Singstimme und Klavier von 1836. Ihre Lieder folgen den Regeln der damaligen Liederschulen und sind leicht singbar.
Sie spielte eigene Werke nie öffentlich. Erst 1877 wurden einige Kompositionen aus ihrem Nachlass veröffentlicht. Obwohl Musik und Dichtung bei ihr zunächst eng verbunden waren, entschied sie sich letztlich für die Poesie; ihr musikalischer Nachlass liegt heute als Dauerleihgabe in der Universitäts- und Landesbibliothek Münster.
Erinnerung und Überlieferung
Droste-Hülshoffs Werk wird durch eine historisch-kritische Werkausgabe, die Droste-Jahrbücher, Archive und Museen erschlossen. Arbeitsmanuskripte und Reinschriften aus dem „Meersburger Nachlass“ werden im Westfälischen Literaturarchiv des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe aufbewahrt und digitalisiert.
Museen befinden sich unter anderem auf Burg Hülshoff, im Haus Rüschhaus, im Fürstenhäusle und auf Burg Meersburg. Nach ihr benannt sind unter anderem der Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis, der Asteroid (12240) Droste-Hülshoff und der Droste-Preis der Stadt Meersburg. Ihr Bild war auf der 20-DM-Banknote, auf Briefmarken ab 1961 und ab 2002 sowie zum 225. Geburtstag 2022 auf einer Sonderbriefmarke und einer 20-Euro-Silbermünze zu sehen.
Seit Frühjahr 2021 verbindet ein Lyrik-Wanderweg westfälische Erinnerungsorte der Dichterin mit Stationen zu ihrem Werk.