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Annette von Droste Hülshoff - Die Judenbuche

Literature to listen - Literatur zum Hören2:04:29 944 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 708 Zeilen
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  1. die Judenbuche ein Sittengemälde aus dem gebirgichten
  2. Westfalen wo ist die Hand so zart dass ohne irren sie sondern mag beschränkten Hirnes wirren so fest dass ohne Zittern sie den
  3. Stein mag schleudern auf ein Arm verkümmert sein wer wagt es eitlen Blutes Drang zu messen zu wägen jedes Wort das unvergessen in junge Brust die
  4. Zehen Wurzeln trieb des Vorurteils geheimen seelendieb du glücklicher geboren und gehegt im lichten Raum von frommer Hand
  5. gepflegt leg hin die wagschall nimmer dir erlaubt lass ruhen den Stein er trifft dein eigenes Haupt
  6. Friedrich Mergel geboren 1738 war der einzige Sohn eines sogenannten halbmeiers oder Grundeigentümers geringerer Klasse im
  7. Dorfe B das so schlecht gebaut und rauchig es sein mag doch das Auge jedes Reisenden fesselt durch die überaus malerische Schönheit seiner Lage in der
  8. grünen Waldschlucht eines bedeutenden und geschichtlich mer würdigen Gebirges das Ländchen dem es angehörte war damals einer jener abgeschlossenen
  9. erdwinkel ohne Fabriken und Handel ohne hererstraßen wo noch ein fremdes Gesicht Aufsehen erregte und eine Reise von 30 Meilen selbst den vornehmeren zum lysses
  10. seiner Gegend machte kurz ein Fleck wie es deren sonst so viele in Deutschland gab mit all den Mängeln und Tugenden
  11. all der Originalität und Beschränktheit wie sie nur in solchen Zuständen gedeihen unter höchst einfachen und häufig unzulänglichen Gesetzen waren die
  12. Begriffe der Einwohner von Recht und Unrecht einigermaßen in Verwirrung geraten oder vielmehr es hatte sich neben dem gesetzlichen ein zweites recht
  13. gebildet ein Recht der öffentlichen Meinung der Gewohnheit und der durch vernachlä entstandenen Verjährung die Gutsbesitzer denen die
  14. niedere Gerichtsbarkeit Zustand straften und belohnten nach ihrer in den meisten Fällen redlichen Einsicht der Untergebene tat was ihm ausführbar und
  15. mit einem etwas weiten gewissen verträglich schien und nur dem verlierenden fiel es zuweilen ein in alten staubigten Urkunden
  16. nachzuschlagen es ist schwer jene Zeit unparteiisch ins Auge zu fassen sie ist seit ihrem Verschwinden entweder hochmütig getadelt oder albern gelobt
  17. worden da den der sie erlebte zu viel teure Erinnerungen blenden und der später geborene sie nicht begreift so viel darf man indessen
  18. behaupten dass die Form schwächer der Kern fester Vergehen häufiger Gewissenlosigkeit seltener waren denn wer nach seiner Überzeugung
  19. handelt und sei sie noch so mangelhaft kann nie ganz Z Grunde gehen wogegen nichts seelentötender wirkt als gegen das Innere Rechtsgefühl das Äußere Recht
  20. in Anspruch nehmen ein menschlag unruhiger und unternehmender als alle seine Nachbarn ließ in dem kleinen Staate von dem wir
  21. reden manches weit Grill hervortreten als anderswo unter gleichen Umständen Holz und jagdfrefel waren an der Tagesordnung und bei den häufig
  22. vorfallenden Schlägereien hatte sich jeder selbst seines zerschlagenen Kopfes zu trösten da jedoch große und ergiebige Waldung den hauptreichtum des Landes
  23. ausmachten W allerdings scharf über die Forsten gewacht aber weniger auf gesetzlichem Wege als in stets erneuten versuchen Gewalt und List mit gleichen
  24. Waffen zu überbieten das Dorf B galt für die hochmütigste schlauste und kühnste
  25. Gemeinde des ganzen Fürstentums seine Lage in Mitten tiefer und stolzer Waldeinsamkeit mochte schon früh den angeborenen Starrsinn der
  26. Gemüter nähren die Nähe eines Flusses der in die See mündete und bedeckte Fahrzeuge trug groß genug um schiffbauholz bequem und sicher außer
  27. Land zu führen trug sehr dazu bei die natürliche Kühnheit der holzfrefler zu ermutigen und der Umstand das alles umher von Förstern wimmelte konnte hier
  28. nur aufregend wirken dabei den häufig vorkommenden Scharmützeln der Vorteil meist auf Seiten der Bauern blieb 30 40 Wagen zogen zugleich aus in den
  29. schönen Mondnächten mit ungefähr doppelt so viel Mannschaft jedes Alters vom halbwüchsigen Knaben bis zum 70-jährigen ortsversteher der als erfahrener
  30. leidbock den Zug mit gleichstolzem Bewusstsein anführte als er sein Sitz in der Gerichtsstube Einnahme die zurückgebliebenen horchten
  31. sorglos dem allmähligen verhallen des knarrens und stoßens der Räder in den Hohlwegen und schliefen sacht weiter ein gelegentlicher Schuss ein schwacher
  32. Schrei ließen wohl einmal eine junge Frau oder Braut auffahren kein anderer achtete darauf beim ersten Morgengrau kehrte der
  33. Zug ebenso schweigend Heim die Gesichter glühend wie Erz hier und dort einer mit verbundenem Kopf was weiter nicht in Betracht kam und nach ein paar Stunden
  34. war die umgegen voll von dem Missgeschick eines oder mehrere Forstbeamten die aus dem Walde getragen wurden zerschlagen mit Schnupftabak
  35. geblendet und für einige Zeit unfähig ihrem Berufe nachzukommen in diesen Umgebungen ward Friedrich Mergel
  36. geboren in einem Hause das durch die stolze Zugabe eines rauchfangs und minder kleiner Glasscheiben die Ansprüche seines
  37. Erbauers sowie durch seine gegenwärtige Verkommenheit die kümmerlichen Umstände des jetzigen Besitzers bezeugte das frühere Geländer um Hof und
  38. Garten war einem vernachlässigten Zaune gewichen das Dach schadhaft fremdes Vieh weidete auf den tririften fremdes Korn wuchs auf dem Acker zunächst am Hofe und
  39. der Garten enthielt außer ein paar holzigten Rosenstöcken aus besserer Zeit mehr Unkraut als Kraut freilich hatten Unglücksfälle
  40. manches hier von herbeigeführt doch war auch viel Unordnung und Böse Wirtschaft im Spiel Friedrichs Vater der alte Hermann
  41. Mergel war in seinem junggesellenstande ein sogenannter ordentlicher seäufer das heißt einer der nur an sonnen und Festtagen in der Rinne lag und die Woche
  42. hindurch so Manier war wie ein anderer so war denn auch seine Bewerbung um ein recht hübsches und wohlhabendes Mädchen ihm nicht erschwert auf der
  43. Hochzeit ging es lustig zu Mergel war gar nicht zu arg betrunken und die Eltern der Braut gingen abends vergnügt Heim aber am nächsten Sonntage sah man
  44. die junge Frau schreiend und blutrünstig durchs Dorf zu den ihriigen Rennen alle ihre guten Kleider und neues Hausgerät im Stich lassend das war freilich ein
  45. großer Skandal und Ärger für mer der allerdings Trostes bedurfte so war denn auch am Nachmittage keine Scheibe an seinem Hause mehr ganz
  46. und man sah ihn noch bis spät in die Nacht vor der Türschwelle liegen einen abgebrochenen Flaschenhals von Zeit zu Zeit zum Munde führend und sich Gesicht
  47. und Hände jämmerlich zerschneidend die junge Frau blieb bei ihren Eltern wo sie bald verkümmerte und starb ob nun den Mergel Reue quälte oder
  48. Scham genug er schien der trostmittel immer bedürftiger und fing bald an den gänzlich verkommenen Subjekten zugezählt zu
  49. werden die Wirtschaft verfiel fremde mägte brachten Schimpf und Schaden so verging Jahr auf Jahr Mergel war und blieb ein verlegener und
  50. zuletzt ziemlich armseliger Witwer bis er mit einem Male wieder als Bräutigam auftrat war die Sache an und für sich
  51. unerwartet so trug die persön der Braut noch dazu bei die Verwunderung zu erhöhen Margaret Semler war eine brave anständige Person so in den vizern in
  52. ihrer Jugend eine Dorfschönheit und noch jetzt als sehr klug und wirklich geachtet dabei nicht unvermögend und so musste es jedem unbegreiflich sein was
  53. sie zu diesem Schritte getrieben wir glauben den Grund eben in dieser ihrer selbstbewussten Vollkommenheit zu finden am Abend vor
  54. der Hochzeit soll sie gesagt haben eine Frau die von ihrem Manne übel behandelt wird ist dumm oder taugt nicht wenn es mir schlecht geht so sagt es liege an
  55. mir der Erfolg zeigte leider dass sie ihre Kräfte überschätzt hatte anfangs imponierte sie ihrem Manne er kam nicht nach Hause oder kroch in die Scheune
  56. wenn er sich übernommen hatte aber das Joch war zu drückend um lange getragen zu werden und bald sah man ihn oft genug quer über die Gasse ins Haus taumeln
  57. hörte drinnen sein wü lärmen und sah Margret eilens Tür und Fenster schließen an einem solchen Tage keinem Sonntage mehr sah man sie abends aus dem
  58. Hause stürzen ohne habe und Halstuch das Haar wild um den Kopf hängend sich im Garten neben ein krautbeet niederwerfen und die Erde mit den Händen auffühlen
  59. dann ängstlich um sich schauen rasch ein Bündel Kräuter brechen und damit langsam wieder dem Hause zugehen aber nicht hinein sondern in die Scheune
  60. es hieß an diesem Tage habe Mergel zuerst Hand an sie gelegt obwohl das Bekenntnis nie über ihre Lippen
  61. kam das zweite Jahr dieser unglücklichen Ehe ward mit einem Sohne man kann nicht sagen erfreut denn Margret soll sehr geweint haben als man ihr das Kind
  62. reichte dennoch obwohl unter einem Herzen voll Gram getragen war Friedrich ein gesundes hübsches Kind das in der frischen Luft kräftig Gedi der Vater
  63. hatte ihn sehr lieb kam nie nach Hause ohne ihm ein Stückchen wecken oder dergleichen mitzubringen und man meinte sogar er sei seit der Geburt des Knaben
  64. ordentlicher geworden wenigstens W der lärmen im Hause geringer Friedrich stand in seinem neunten Jahre es war um das Fest der
  65. heiligen drei Könige eine harte stürmische Winternacht Herr war zu einer Hochzeit gegangen und hatte sich schon bei Zeiten auf den Weg gemacht da das
  66. brauthaus dreiviertel Meilen entfernt lag ob gleich er versprochen hatte abends wiederzukommen rechnete Frau Mergel doch umso weniger darauf da sich
  67. nach Sonnenuntergang dichtes schneegestübe eingestellt hatte gegen 10 Uhr schüte sie die Asche am Herde zusammen und machte sich zum Schlafen
  68. gehen bereit Friedrich stand neben ihr schon halb entkleidet und horchte auf das gehäul des Windes und das klappen der bodenfen
  69. ster Mutter kommt der Vater heute nicht fragte er nein Kind morgen aber warum nicht Mutter er hat's doch versprochen ach Gott wenn der alles hielte was er
  70. verspricht mach mach voran dass du fertig wirst sie hatten sich kaum niedergelegt so erhob sich eine Windsbraut als ob sie
  71. das Haus mitnehmen wollte die Bettstatt bebte und im Schornstein rasselte es wie ein Kobold Mutter es pocht draußen still Fritzchen
  72. das ist das lockere Brett im Giebel das der Wind jagt nein Mutter an der Tür sie schließt nicht die Klinke ist zerbrochen na Gott schlaft doch bring mich doch
  73. nicht um das armselige bisschen Nachtruhe aber wenn nun der Vater kommt die Mutter drehte sich heftig im Bett um den hält der Teufel fest genug wo ist
  74. der Teufel Mutter wart du Unrast er steht vor der Tür und will dich holen wenn du nicht ruhig bist Friedrich wart still er horchte
  75. noch ein Weilchen und schlief dann ein nach einigen Stunden erwachte er der Wind hatte sich gewendet und zischte jetzt wie eine Schlange durch die
  76. fensterritze an seinem Ohr seine Schulter war erstarrt er kroch tief unters Deckbett und lag aus Furcht ganz
  77. still nach einer Weile bemerkt te er dass die Mutter auch nicht schlief er hörte sie weinen und mitunter gegrüßt seist du Maria und bitte für uns arme
  78. Sünder die Kügelchen des Rosenkranzes glitten an seinem Gesicht hin ein unwillkürlicher Seufzer entfuh ihm Friedrich bist du wach ja Mutter Kind
  79. bete ein wenig du kannst ja schon das halbeevater unser dass Gott uns bewahre vor Wasser und Feuersnot
  80. Friedrich dachte an den Teufel wie der wohl aussehen möge das manchfache Geräusch und Getöse im Hause kam ihm wunderlich vor er meinte es müsse etwas
  81. Lebendiges drinnen sein und draußen auch hör Mutter gewiss da sind Leute die pochen ach nein Kind aber es ist kein altes Brett im Hause das nicht klappert
  82. hör hörst du nicht es ruft hör doch die Mutter richtete sich auf das Toben des Sturms ließ einen Augenblick nach
  83. man hörte deutlich anen Fensterläden pochen und mehrere Stimmen Margret Frau Margret hy da aufgemacht Margret stieß einen heftigen
  84. laut aus da bringen es mir das Schwein wieder der Rosenkranz flog klappernd auf den brettstuhl die Kleider wurden herbeigerissen sie fuhr zum Herde und
  85. bald darauf hörte Friedrich sie mit trotzigen Schritten über die tne gehen Margret kam gar nicht wieder aber in der Küche war viel Gemurmel und fremde
  86. Stimmen zweimal kam ein fremder Mann in die Kammer und schien ängstlich etwas zu suchen mit einem Male ward eine Lampe hereingebracht zwei Männer führten die
  87. Mutter sie war weiß wie Kreide und hatte die Augen geschlossen Friedrich meinte sie sei tot er erhob ein fürchterliches Geschrei
  88. worauf ihm jemand eine Ohrfeige gab was ihn zuur Ruhe brachte und nun begriff er nach und nach aus den Reden der Umstehenden dass der Vater vom om Franz
  89. Semmler und dem Hülsmeier tot im Holze gefunden sei und jetzt in der Küche liege sobald Margret wieder zur Besinnung kam suchte sie die fremden
  90. Leute loszu werden der Bruder blieb bei ihr und Friedrich dem bei strenger Strafe im Bett zu bleiben geboten war hörte die ganze Nacht hindurch das Feuer
  91. in der Küche knistern und ein Geräusch wie von hin und her rutschen und Bürsten gesprochen wart wenig und leise aber zuweilen Drang Seufzer herüber die dem
  92. Knaben so jung er war durch Mark und Bein gingen einmal verstand er dass der Oheim sagte Margret zieh dir das nicht zu Gemüt wir
  93. wollen jeder drei Messen lesen lassen und um Ost dann gehen wir zusammen eine bittfahrt zur Mutter Gottes von
  94. Werl als nach zwei Tagen die Leiche fortgetragen wurde saß Margret am Herde das Gesicht mit der Schürze verhüllend nach einigen Minuten als
  95. alles still geworden war sagte sie in sich hinein zehn Jahre zehn Kreuze wir haben sie doch
  96. zusammengetragen und jetzt bin ich allein dann lauter Fritzchen komm her Friedrich kam Scheu heran die Mutter
  97. war ihm ganz unheimlich geworden mit den schwarzen Bändern und den verstörten Zügen Fritzchen sagte sie willst du jetzt auch
  98. FRM sein dass ich Freude an dir habe oder willst du unartig sein und Lügen oder saufen und stehlen Mutter Hülsmeier stielt
  99. Hülsmeier Gott bewahre soll ich dir auf den Rücken kommen wer sagt Dir so schlechtes Zeug er hat neulich den Aaron geprügelt und ihm sechs Groschen
  100. genommen hat er dem Aaron Geld genommen so hat ihn der verfluchte Jude gewiss zuvor darum betrogen Hülsmeier ist ein ordentlicher angesessener Mann und die
  101. Juden sind alle Schelme aber Mutter Brandes sagt auch dass er Holz und Rehe stielt Kind Brandes ist ein Förster Mutter Lügen die
  102. Förster Margret schwieg eine Weile dann sagte sie höre Fritz das Holz lässt unser Herrgott frei wachsen und das Wild wechselt aus eines herrenlande in das
  103. andere die können niemand angehören doch das verstehst du noch nicht jetzt gehen den Schoppen und hole mir
  104. Reisig friedrich hatte seinen Vater auf dem Stroh gesehen wo er wie man sagt blau und fürchterlich ausgesehen haben soll aber davon erzählte er nie und
  105. schien ungern daran zu denken überhaupt hatte die Erinnerung an seinen Vater eine mit Grausen gemischte Zärtlichkeit in ihm zurückgelassen wie
  106. den nicht so fesselt wie die Liebe und Sorgfalt eines Wesens das gegen alles übrige verhärtet scheint und bei Friedrich Wuchs dieses Gefühl mit den
  107. Jahren durch das Gefühl mancher Zurücksetzung von Seiten anderer es war ihm äußerst empfindlich wenn solange er Kind war jemand des
  108. Verstorbenen nicht allzu löblich dachte ein Kummer den ihm das Zartgefühl der Nachbarn nicht ersparte es ist gewöhnlich in jenen
  109. Gegenden den Verunglückten die Ruhe im Grabe abzusprechen der alte Mergel war das Gespenst des brederholzes geworden einen betrunkenen führte er als
  110. Irrlicht bei einem Haar in den zellerkolk den Teich die Hirtenknaben wenn sie nachts bei ihren feuern kauerten und die Eulen in den Gründen
  111. schrien hörten zuweilen in abgebrochenen Tönen ganz deut dazwischen sein hör mal an feinsliise kenen und ein unprivilegierter Holzhauer der unter der
  112. breiten Eiche eingeschlafen und dem es darüber Nacht geworden war hatte beim Erwachen sein geschwollenes blaues Gesicht durch die Zweige lauschen
  113. sehen Friedrich musste von anderen Knaben vieles darüber hören dann heulte er schlug um sich stach auch einmal mit seinem messserchen und wurde bei dieser
  114. Gelegenheit jämmerlich geprügelt seitdem trieb seiner Mutter Kühe allein an das andere Ende des Tales wo man ihn oft stundenlang in derselben
  115. Stellung im Grase liegen und den Thymian aus dem Boden rupfen sah er war 12 Jahre alt als seine Mutter einen Besuch von
  116. ihrem jüngeren Bruder erhielt der in Brede wohnte und seit der törichten Heirat seiner Schwester ihre Schwelle nicht betreten
  117. hatte Simon Semmler war ein kleiner unruhiger magrer Mann mit vor dem Kopf liegenden Fischaugen und überhaupt einem Gesicht wie ein Hecht ein unheimlicher
  118. Geselle bei dem dicktende Verschlossenheit oft mit ebenso gesuchter Treuherzigkeit wechselte der gern einen aufgeklärten Kopf vorgestellt
  119. hätte und stattdessen für einen fatalen händelsuchenden Kerl galt dem jeder umso lieber aus dem Wege ging je mehr er in das Alter trat wo ohnehin beschränkte
  120. Menschen leicht an Ansprüchen gewinnen was sie an Brauchbarkeit verlieren dennoch freute sich der die Arme Margret die sonst keinen der
  121. ihrigen mehr am Leben hatte Simon bist du da sagte sie und zitterte dass sie sich am Stuhle halten musste willst du sehen wie es mir geht
  122. und meinem schmutzigen jungen Simon betrachtete sie ernst und reichte ihr die Hand du bist alt geworden
  123. Margret Margret seufzte es ist mir derweil oft bitterlich gegangen mit allerlei Schicksalen ja Mädchen zu spät gefreit
  124. hat immer gerut jetzt bist du alt und das Kind ist klein jedes Ding hat seine Zeit aber wenn ein altes Haus brennt dann hilft kein
  125. löschen über Margrets vergrämtes Gesicht Flug eine Flamme so rot wie Blut aber ich höre dein Junge ist schlau und gewichst fuhr Simon fort ein nun so
  126. ziemlich und dabei fromm hm es hat mal einer eine Kuh gestohlen der hieß auch fromm aber er ist still und nachdenklich nicht wahr er läuft nicht
  127. mit den anderen Buben er ist ein eigenes Kind sagte Margret wie für sich es ist nicht gut Simon lachte hell auf dein Junge ist scheu weil ihn die anderen ein
  128. paar Malal gut durchgedroschen haben das wird ihn in der brsche schon wieder bezahlen Hülsmeier war neulich bei mir der sagte es ist ein junge wie ein
  129. Reh welcher Mutter geht das Herz nicht auf wenn Sie Ihr Kind loben hört der Armen Margret W selten so wohl jeder Mann nannte ihren Jungen tückisch und
  130. verschlossen die tränen traten ihr in die Augen ja Gott lob er hat gerade Glieder wie sieht er aus fuhr Simon fort er hat viel von dir Simon
  131. viel Simon lachte es muss ein rarer Kerl sein ich werde alle Tage schöner an der Schule soll er sich wohl nicht verbrennen du
  132. lässt in die Kühe hüten ebenso gut es ist doch nicht halb warahr was der Magister sagt aber wo hütet er im telgengrund im roderholz im Teuteburger
  133. Wald auch des Nachts und früh die ganzen Nächte durch aber wie meinst du das Simon schien dies zu überhören er
  134. reckte den Hals zu Türe hinaus a da kommt der Gesell Vaters Sohn er schlenkert gerade so mit den Armen wie dein seliger Mann und schau mal an
  135. wahrhaftig der Junge hat meine blonden Haare in der Mutter Züge kam ein heimliches stolzes Lächeln ihres Friedrichs blonde Locken und Simons
  136. rötliche Bürsten ohne zu antworten brach sie einen Zweig von der nächsten Hecke und ging ihrem soh entgegen scheinbar eine
  137. träge Kuh anzutreiben im Grunde aber ihm einige rasche halbdrohende Worte zuzuraunen denn sie kannte seine störrische Natur und Simons Weise war
  138. ihr heute einschüchternd vorgekommen als je doch ging alles übererwarten gut Friedrich zeigte sich weder verstockt noch frech viel meehr etwas blöde und
  139. sehr bemüht dem oh zu gefallen so kam es denn dahin dass nach einer stüigen Unterredung Simon eine Art Adoption des Knaben in Vorschlag brachte
  140. vermöge deren er denselben zwar nicht gänzlich seiner Mutter entziehen aber doch über den größten Teil seiner Zeit verfügen WTE wofür ih dann am Ende des
  141. alten Junggesellen Erbe zufallen SLE das ihm freilich ohne dies nicht entgehen konnte Margret ließ sich geduldig auseinandersetzen wie groß der Vorteil
  142. wie gering die Entbehrung ihrerseits bei dem Handel sei sie wusste am besten was eine kränkliche Witwe an der Hülfe eines zwölfjährigen Knaben entbeht den sie
  143. bereits gewöhnt hat die Stelle einer Tochter zu ersetzen doch sie schwieg und gab sich in alles nur bat sie den Bruder streng
  144. doch nicht hart gegen den Knaben zu sein er ist gut sagte sie aber ich bin eine einsame Frau mein Kind ist nicht wie einer über den vaterhand regiert hat
  145. Simon nickte schlau mit dem Kopf lass mich nur gewähren wir wollen uns schon vertragen und weißt du was gib mir den jungen gleich mit ich habe zwei Säcke
  146. aus der Mühle zu holen der kleinste ist im gerad Recht und so lernt er mir zur Hand gehen komm Fritzchen zieh deine Holzschuh
  147. an und bald sah Margret den beiden nach wie sie Fortschritten Simon voran mit seinem Gesicht die Luft durchschneidend während ihm die Schöße des roten Rocks
  148. wie Feuerflammen nachzogen so hatte er ziemlich das Ansehen eines feurigen Mannes der unter dem gestohlenen sacke büß Friedrich ihm nach
  149. fein und schlank für sein Alter mit zarten fast edlen Zügen und langen blonden Locken die besser gepflegt waren als ein übriges äußere erwarten ließ
  150. übrigens zerlumpt Sonne verbrannt und mit dem Ausdruck der Vernachlässigung und einer gewissen rohen Melancholie in den
  151. Zügen dennoch war eine große famenähnlichkeit beider nicht zu verkennen und wie Friedrich so langsam seinem Führer nachtrat die Blicke fest
  152. auf denselben geheftet der ihn gerade durch das seltsame seiner Erscheinung anzog erinnerte er unwillkürlich an jemand der in einem Zauberspiegel das
  153. Bild seiner Zukunft mit verstörter Aufmerksamkeit betrachtet jetzt nahten die beiden sich der Stelle des Teuteburger Waldes wo das
  154. brederholz den Abhang des Gebirges niedersteigt und einen sehr dunkelen Grund ausfüllt bis jetzt war wenig gesprochen
  155. worden Simon schien nachdenkend der Knabe zerstreut und beide keuchten unter ihren Säcken plötzlich fragte Simon trinkst du
  156. gern Brandwein der Knabe antwortete nicht ich frage trinkst du gern Brandwein gib dir die Mutter zu weilen welchen die Mutter
  157. hat selbst keinen sagte Friedrich so so desto besser du das Holz da vor uns das ist das brederholz weißt du auch was darin
  158. vorgefallen ist Friedrich schwieg indessen kamen sie der düsteren Schlucht immer näher betet die Mutter noch so viel R
  159. Simon wieder an ja jeden Abend zwei rosenkrenze so und du betest mit der Knabe lachte halb verlegen mit einem durchtriebenen
  160. Seitenblick die Mutter bet in der Dämmerung vor dem Essen den einen Rosenkranz dann bin ich meist noch nicht wieder da mit den Kühen und den anderen
  161. im Bette dann schlafe ich gewöhnlich ein so so Geselle diese letzten Worte wurden unter dem Schirme einer weiten Buche
  162. gesprochen die den Eingang der Schlucht überwölbte es war jetzt ganz finster das erste Mondviertel stand am Himmel aber seine schwachen Schimmer dienten nur
  163. dazu den Gegenständen die Sie zu weilen durch eine Lücke der Zweige berührten ein fremdartiges Ansehen zu geben Friedrich hielt sich dicht hinter seinem
  164. om sein Odem ging schnell und wer seine Züge hätte unterscheiden können würde den Ausdruck einer ungeheuren doch mehr fantastischen als furchtsamen Spannung
  165. darin wahrgenommen haben so Schritten beide rüstig voran Simon mit dem festen Schritt des abgeherteten wandrers Friedrich schwankend und wie im
  166. Traum es kam ihm vor als ob alles sich bewegte und die Bäume in den einzelnen mondstrahlen bald zusammen bald voneinander schwankten Baumwurzeln und
  167. schlüpfrige Stellen wo sich das wegwasser gesammelt machten seinen Schritt unsicher er war einige Male nahe daran zu
  168. fallen jetzt schien sich in einiger Entfernung das Dunkel zu brechen und bald traten beide in eine ziemlich große Lichtung der Mond schien klar hinein und
  169. zeigte dass hier noch vor kurzem die Axt unbarmherzig gewütet hatte überall ragten Baumstümpfe hervor manche mehrere Fuß über der Erde wie sie gerade in der
  170. Eile am bequemsten zu durchschneiden gewesen waren die verpöhnte Arbeit musste unversehens unterbrochen worden sein denn eine Buche lag quer über den
  171. Pfad in vollem Laube ihre Zweige hoch über sich streckend und im nachtwinde mit den noch frischen Blättern zitternd Simon blieb einen Augenblick
  172. stehen und betrachtete den gefällten Stamm mit Aufmerksamkeit in der Mitte der Lichtung stand eine alte Eiche mehr breit als
  173. hoch ein blasser Strahl der durch die Zweige auf ihren Stamm fiel zeigte dass er hohl sei was ihn wahrscheinlich vor der allgemeinen Zerstörung geschützt
  174. hatte hier ergriff Simon plötzlich des knabenarm Friedrich kennst du den Baum das ist die breite Eiche Friedrich fuhr zusammen und
  175. klammerte sich mit kalten Händen an seinen oben sie fuhr Simon fort hier haben oben unter Hülsmeier deinen Vater gefunden als er in der Betrunkenheit
  176. ohne Buße und Ölung zum Teufel gefahren war oh oh keuchte Friedrich was fällt dir ein
  177. du wirst dich doch nicht fürchten Satan von einem Jungen du kneipst mir den Arm lass los los er suchte den Knaben abzuschütteln dein Vater war übrigens
  178. eine gute Seele Gott wird's nicht so genau mit ihm nehmen ich hat ih soeb wie meinen eigenen Bruder Friedrich ließ den Arm seines OMs
  179. los beide legten schweigend den übrigen Teil des Waldes zurück und das Dorf Brede lag vor ihnen mit seinen Lehmhütten und den einzelnen besseren
  180. Wohnungen von Ziegelsteinen zu denen auch Simons Haus gehörte am nächsten Abend saß Margret schon seit einer Stunde mit ihrem rocken
  181. vor der Tür und wartete auf ihren Knaben es war die erste Nacht die sie zugebracht hatte ohne den Atem ihres Kindes neben sich zu hören und Friedrich
  182. kam noch immer nicht sie war ärgerlich und ängstlich und wusste dass sie beides ohne Grund war die Uhr im Turm schlug sieben das Vieh kehrte heim er war noch
  183. immer nicht da und sie musste aufstehen um nach den Kühen zu schauen als sie wieder in die dunkle Küche trat stand Friedrich am Herde
  184. er hatte sich vornüber gebeugt und wnte die Hände an den Kohlen der Schein spielte auf seinen Zügen und gab ihnen ein widriges Ansehen von Magerkeit und
  185. ängstlichem zucken Margret blieb in der tennentür stehen so seltsam verändert kam ihr das Kind vor Friedrich wie geht's dem
  186. oh der Knabe murmelte einige unverständliche Worte und drängte sich dicht an die Feuermauer Friedrich hast du das Reden verlernt junge tu das Maul
  187. auf du weißt dir doch dass ich auf dem rechten Ohr nicht gut höre das Kind erhob seine Stimme und geriet dermaßen in stammeln dass Margret
  188. es um nichts mehr begriff was sagst du einen Gruß von Meister Semmler wieder fort wohin die Kühe sind schon zu Hause verfluchter junge ich kann dich nicht
  189. verstehen wart ich muss einmal sehen ob du keine Zunge im Munde hast sie trat heftig einige Schritte vor das Kind sah zu ihr auf mit dem jammerblick eines
  190. armen halbwüchsigen Hundes der Schildwacht stehen lernt und begann in der Angst mit den Füßen zu stampfen und den Rücken an der Feuermauer zu reiben
  191. Margret stand still ihre Blicke wurden engstlich der Knabe erschien ihr wie zusammengeschrumpft auch seine Kleider waren nicht
  192. dieselben nein das war ihr Kind nicht und dennoch Friedrich Friedrich rief
  193. sie in der Schlafkammer klappte eine Schranktür und der gerufene trat hervor in der einen Hand eine sogenannte holzchenvioline das heißt einen alten
  194. Holzschuh mit drei bis vier zerschabten geigenseiten überspannt in der anderen einen Bogen ganz des Instruments würdig so ging er gerade auf sein
  195. verkümmertes Spiegelbild zu seinerseits mit einer Haltung bewusster würde und Sel igkeit die in diesem Augenblicke den Unterschied zwischen beiden sonst
  196. merkwürdig ähnlichen Knaben stark hervortreten ließ da Johannes sagte er und reichte ihm mit einer gönnermiene das Kunstwerk
  197. da ist die Violine die ich dir versprochen habe mein spielen ist vorbei ich muss jetzt Geld verdienen Johannes warf noch einmal
  198. einen scheuen Blick auf Margret streckte dann langsam seine Hand aus bis er das gebotene fest ergriffen hatte und brachte es wie verstohlen unter die
  199. Flügel seines armseligen jäckchens Margret stand ganz still und ließ die Kinder gewähren ihre Gedanken hatten eine
  200. andere sehr ernste Richtung genommen und sie blickte mit unruhigem Auge von einem auf den anderen der Fremde Knabe hatte sich
  201. wieder über die Kohlen gebeugt mit einem Ausdruck augenblicklichen Wohlbehagens der an Albernheit grenzte während in Friedrichs Zügen der Wechsel eines
  202. offenbar mehr selbstischen als gutmütigen Mitgefühls spielte und sein Auge in fast glasartiger Klarheit zum ersten Male bestimmt den Ausdruck jenes
  203. ungebändigten Ehrgeizes und Hanges zum großtun zeigte der nachher als so starkes Motiv seiner meisten Handlungen hervortrat der Ruf seiner Mutter störte
  204. ihn aus Gedanken die ihm ebenso neu als angenehm waren sie saß wieder am spinnrade friedrich sagte sie zögernd sag
  205. einmal und schwieg dann Friedrich sah auf und wandte sich da er nichts weiter vernahm wieder zu seinem Schützling nein höre und dann leiser was ist das für ein
  206. Junge wie heißt er Friedrich antwortete ebenso leise das ist des OMs Simon Schweinehirt der eine Botschaft an den hülzmeier hat der hat mir Einar Schuhe
  207. und eine Weste von Drill gegeben die hat mir der Junge unterwegs getragen dafür habe ihm me Violine versprochen er ist ja doch ein armes johnesß
  208. erun sgret wasst du Mutter wie Heß eriter jaiter nicht oder warte doch
  209. niemandannes niemand Heß er er keinen Vater fügte er leiser hinzu Margret stand auf und ging in die
  210. Kammer nach einer Weile kam sie heraus mit einem harten Finstern Ausdruck in den Minen so friedrich sagte sie lass den jungen gehen dass er seine
  211. Bestellung machen kann junge was liegst du da in der Asche hast du zu Hause nichts zu tun der Knabe raffte sich mit der mene
  212. eines verfolgten so eilfertig auf dass ihm alle Glieder im Wege standen und die Violine bei einem Haar ins Feuer gefallen
  213. wäre warte Johannes sagte Friedrich stolz ich will dir mein halbes Butterbrot geben es ist mir doch zu groß die Mutter schneidet allemal übers ganze
  214. Brot lasass doch sagte Margret er geht ja nach Hause ja aber er bekommt nichts mehr om simon ist um 7 Uhr Margret wandte sich zu dem Knaben
  215. hebt man dir nichts auf sprich wer sorgt für dich niemand stotterte das Kind niemand wiederholte sie da nimm
  216. nimm fügte sie heftig hinzu du heißt niemand und niemand sorgt für dich das sei Gott geklagt und nun mach dich fort Friedrich geh nicht mit ihm hörst du
  217. geht nicht zusammen durchs Dorf ich will ja nur Holz holen aus dem Schuppen antwortete Friedrich
  218. als beide Knaben fort waren warf sich Margret auf einen Stuhl und schlug die Hände mit dem Ausdruck des tiefsten Jammers zusammen ihr Gesicht war bleich
  219. wie ein Tuch ein falscher Eid ein falscher Eid stöhnte Sie Simon Simon wie willst du vor Gott
  220. bestehen so saß sie eine Weile starr mit geklemmten Lippen wie in völliger Geistesabwesenheit Friedrich stand vor ihr und hatte sie schon zweimal
  221. angeredet was ist was willst du rief sie auffahrend ich bringe euch Geld sagte er mehr erstaunt als erschreckt Geld wo sie regte sich und die kleine Münze fiel
  222. klingend auf den Boden Friedrich hob sie auf Geld vom ob Simon weil ich ihm habe Arbeiten helfen ich kann mir nun selber was verdienen Geld vom man wirf's fort
  223. fort nein gib's in armen doch nein behalt flüsterte sie kaum hörbar wir sind selber arm wer weiß ob wir bei den betteln
  224. vorbeikommen ich soll Montag wieder zum om und ihm bei der einsat helfen du wieder zu ihm nein nein nimmer mehr sie umfasste ihr Kind mit Heftigkeit doch
  225. fügte sie hinzu und ein tränensturm stürztte ihr plötzlich über die eingefallenen Wangen geh er ist mein einziger Bruder und die verlumdung ist
  226. groß aber halt Gott vor Augen und vergiss das tägliche Gebet nicht Margret legte das Gesicht an die Mauer und weinte
  227. laut sie hatte manche harte Last getragen ihres Mannes üble Behandlung noch schwerer seinen Tod und es war eine bittere Stunde als die Witwe das letzte
  228. Stück Ackerland einem Gläubiger zu niung überlassen musste und der Pflug vor ihrem Hause Stille stand aber so war ihr nie Z Mute
  229. gewesen denn nooch nachdem sie einen Abend durchgeweint eine Nacht durchwacht hatte war sie dahin gekommen zu denken ihr
  230. Bruder Simon könne so gottlos nicht sein der Knabe gehöre gewiss nicht ihm Ähnlichkeiten wollen nichts beweisen hatte sie doch selbst vor 40
  231. Jahren ein Schwesterchen verloren das genau dem Fremden hächelcrämer glich was glaubt man nicht gern wenn man so wenig hat und durch Unglauben dies wenige
  232. verlieren soll von dieser Zeit an war Friedrich selten mehr zu Hause Simon schien alle wärmeren Gefühle
  233. deren er fähig war dem Schwestersohn zugewendet zu haben wenigstens vermisste er ihn sehr und ließ nicht nach mit Botschaften wenn ein Geschäft ihn auf
  234. einige Zeit bei der Mutter hielt der Knabe war seitdem wie verwandelt das träumerische Wesen gänzlich von ihm gewichen er trat fest
  235. auf fing an sein Äußeres zu beachten und bald in den Ruf eines hübschen gewandten Burschen zu kommen sein oh der nicht wohl ohne Projekte leben konnte
  236. undternahm mit unter ziemlich bedeutende öffentliche Arbeiten z.B beim Wegbau wobei Friedrich für einen seiner best Arbeiter und überall als seine rechte
  237. Hand galt denn obgleich dessen Körperkräfte noch nicht ihr volles Maß erreicht hatten kam ihm doch nicht leicht jemand an Ausdauer gleich Margret
  238. hatte bisher ihren Sohn nur geliebt jetzt fing sie an stolz auf ihn zu werden und sogar eine Art Hochachtung vor ihm zu fühlen da sie den jungen
  239. Menschen so ganz ohne ihr Zutun sich entwickeln sah sogar ohne ihren Rat den sie wie die meisten Menschen für unschätz behielt und deshalb die
  240. Fähigkeiten nicht hoch genug anzuschlagen wusste die eines so kostbaren förderungsmittels entbehen
  241. konnten in seinem 18 Jahr hatte Friedrich sich bereits einen bedeutenden Ruf in der jungen dorfeld gesichert durch den Ausgang einer Wette infolge
  242. deren er einen erlegten Eber über zwei Meilen weit auf seinem Rücken trug ohne abzusetzen indessen war der mitgenuss des Ruhms auch so ziemlich der einzige
  243. Vorteil den Margret aus diesen günstigen Umständen zog der Friedrich immer mehr auf sein Äußeres Verwandte und allmählich anfing es schwer zu verdauen
  244. wenn Geldmangel ihn zwang irgendjemand im Dorf darin nachzustehen zudem waren alle seine Kräfte auf den auswärtigen Erwerb
  245. gerichtet zu Hause schien ihm ganz im Widerspiel mit seinem sonstigen rufe jede anhaltende Beschäftigung lästig und er unterzog sich lieber harten aber
  246. kurzen Anstrengung die ih bald erlaubte seinem früheren hirtenamte wieder nachzugehen was bereits begann seinem Alter unpassend zu werden und ihm
  247. gelegentlichen Spott zuzog vor dem er sich aber durch ein paar derbe Zurechtweisung mit der Faust Ruhe verschaffte so gewöhnte man sich daran
  248. ihn bald geputzt und fröhlich als anerkannten dorfelegant an der Spitze des jungen Volks zu sehen bald wieder als zerlummten Hirtenbuben einsam und
  249. träumerisch hinter den Kühen hererschleichend oder in einer Waldlichtung liegend scheinbar gedankenlos und das Moos von den Bäumen
  250. rupfend um diese Zeit wurden die schlummernden Gesetze doch einigermaßen aufgerüttelt durch eine Bande von holzfreflern die unter den Namen der
  251. Blaukittel alle ihre Vorgänger so weit an List und frecht übertraf dass es dem langmütigsten zu viel werden musste ganz gegen den Stand der Dinge wo
  252. man die stärksten Böcke der Herde mit dem Finger bezeichnen konnte war es hier trotz aller Wachsamkeit bisher nicht möglich gewesen auch nur ein Individuum
  253. namhaft zu machen ihre Benennung erhielten sie von der ganz gleichförmigen Tracht durch die sie das Erkennen Schwerten wenn etwa ein Förster
  254. noch einzelne Nachzügler im Dickicht verschwinden sah sie verherten alles wie die wanderraupe ganze Waldstrecken wurden in
  255. einer Nacht gefällt und auf der Stelle fortgesch sodass man am anderen Morgen nichts fand als Späne und wüstehaufen von topholz
  256. undter Umstand dass nie Wagenspuren einem Dorfe zuführten sondern immer vom Flusse her und dorthin zurück bewies dass man unter dem Schutz und vielleicht
  257. mit dem Beistande der schiffeigentümer handelte in der Bande mussten sehr gewandte Spione sein denn die Förster konnten wochenlang umsonst Wachen in der
  258. ersten Nacht gleich viel ob stürmisch oder mondhell wo sie vor Übermüdung nachließen brach die Zerstörung ein seltsam war es dass das Landvolk
  259. umher ebenso unwissend und gespannt schien als die Förster selber von einigen Dörfern ward mit Bestimmtheit gesagt dass sie nicht zu den blaukitteln
  260. gehörten aber keines konnte als dringend verdächtig bezeichnet werden seit man das verdächtigste von allen das Dorf B freisprechen
  261. musste ein Zufall hatte dies bewirkt eine Hochzeit auf der fast alle Bewohner dieses Dorfes notorisch die Nacht zugebracht hatten während zu eben dieser
  262. Zeit die Blaukittel eine ihrer stärksten Expeditionen ausführten der Schaden in den Forsten war ind des altz groß deshalb wurden die
  263. Maßregeln dagegen auf eine bisher unerhörte Weise gesteigert Tag und Nacht wurde patrouliert ackerknechte hausbediente mit Gewehren versehen und
  264. den forstbar zugesellt dennoch war der Erfolg nur gering und die Wächter hatten oft kaum das eine Ende des Forstes verlassen wenn
  265. die Blaukittel schon zum anderen einzogen das wähte länger als ein volles Jahr Wächter und Blaukittel Blaukittel und Wächter wie Sonne und Mond immer
  266. abwechselnd im Besitz des Terrains und nie zusammentreffend es war im Juli 1756 früh um
  267. 3 der Mond stand klar im Himmel aber sein Glanz fing an zu ermatten und im Osten zeigte sich bereits ein schmaler gelber Streif der den Horizont besäumte
  268. und den Eingang einer engen Talschlucht wie mit einem goldbande Schloss Friedrich lag im Grase nach seiner gewohnten Weise und schnitzelte
  269. an einem weidenstabe dessen knotigem Ende er die Gestalt eines ungeschlachten Tieres zu geben versuchte er sah übermüdet aus gähnte
  270. ließ mitunter seinen Kopf an einem verwitterten stammknorren ruhen und blicke dämmeriger als der Horizont über den mit Gestrüpp und Aufschlag fast
  271. verwachsenen Eingang des Grundes Streifen ein paaral belebten sich seine Augen und nahmen den ihnen eigentümlichen glasartigen Glanz an aber
  272. gleich nachher schloss er sie wieder halb und gehte und den sich wie es nur faulen Hirten erlaubt ist sein Hund lag in einiger Entfernung
  273. nah bei den Kühen die unbekümmert um die forstgesetze ebenso auf den jungen Baumspitzen als dem Grase zusprachen und in die frische Morgenluft
  274. schnaubten aus dem Walde drang von Zeit zu Zeit ein dumpfer krachender Schall der Ton hielt nur einige Sekunden an begleitet von einem langen Echo an den
  275. Bergwänden und wiederholte sich etwa alle fünf bis Minuten Friedrich achtete nicht darauf nur zu weilen wenn das Getöse
  276. ungewöhnlich stark oder anhaltend war hob er den Kopf und ließ seine Blicke langsam über die verschiedenen Pfade gleiten die ihren Ausgang in den
  277. talgrunde fanden es fing bereits stark zu dämmern an die Vögel begannen leise zu zwitschern und der taautieg fühlbar aus
  278. dem Grunde Friedrich war in dem D hinabgeglitten und starrte die Arme über den Kopf verschlungen in das leise
  279. einschleichende morgenrut plötzlich fuhr er auf über sein Gesicht fuhr ein Blitz er horchte einige Sekunden mit vorgebeugtem
  280. Oberleib wie ein Jagdhund den die luftwitterung zuträgt dann schob er schnell zwei Finger in den Mund und pfiff gellend und
  281. anhaltend fedel du verfluchtes Tier ein steinwur traf die Seite des unbesorgten Hundes der vom schlafe aufgeschreckt zuerst um sich Biss und
  282. dann heulend auf drei Beinen dort Trost suchte von wo das Übel ausgegangen war in demselben Augenblicke wurden die Zweige eines nahen Gebüsches fast ohne
  283. Geräusch zurückgeschoben und ein man trat daraus im Grünen jagdrock den silbernen Wappenschild am Arm die gespannte Büchse in der Hand er ließ
  284. schnell seine Blicke über die Schlucht fahren und sie dann mit besonderere Schärfe auf dem Knaben verweilen trat dann vor winkte nach dem Gebüsch und
  285. allmählich wurden sieben bis acht Männer sichtbar alle in ähnlicher Kleidung weitmesser im Gürtel und die gespannten Gewehre in der
  286. Hand Friedrich was war das fragte der zuerst erschienene ich wollte dass der Rake auf der Stelle kripierte seinetwegen können
  287. die Kühe mir die Ohren vom Kopf fressen die kanalia hat uns gesehen sagte ein anderer morgen sollst du auf die Reise mit einem Stein am Halse fuhr Friedrich
  288. fort und stieß nach dem Hunde Friedrich stell dich nicht an wie ein Narr du kennst mich und du verstehst mich
  289. auch ein Blick begleitete diese Worte der schnell wirkte Herr Brandis denkt an meine Mutter das tu ich hast du nichts im Walde gehört
  290. im Walde der Knabe warf einen raschen Blick auf des Försters Gesicht eure Holzfäller sonst
  291. nichts meine Holzfäller die ohnehin dunkle Gesichtsfarbe des förstes ging in tiefes braunrot über wie viele sind ihre und wo
  292. treiben sie ihr Wesen wohin ihr sie geschickt habt ich weiß es nicht Brandes wandte sich zu seinen Gefährten geht voran ich komm e gleich
  293. nach als einer nach dem anderen im Dickicht verschwunden war trat Brandis dicht vor den Knaben friedrich sagte er mit dem Ton
  294. unterdrückter Wut meine Geduld ist zu Ende ich möchte dich prügeln wie ein Hund und meh seid ihr auch nicht wert ihr Lumpenpack dem kein Ziegel auf dem
  295. Dach gehört bis zum Betteln habt ihr es Gott lob bald gebracht und an meiner Tür soll deine Mutter die alte Hexe keine verschimmelte brotrine bekommen aber
  296. vorher sollt ihr mir noch beide ins hundel Friedrich Griff krampfhaft nach einem Aste er war totenbleich und seine Augen
  297. schienen wie Kristallkugeln aus dem Kopfe schießen zu wollen doch nur einen Augenblick dann kehrte die größte an Erschlaffung grenzende Ruhe zurück
  298. Herr sagte er fest mit fast sanfter Stimme ihr habt gesagt was ihr nicht verantworten könnt und ich vielleicht auch wir wollen es gegeneinander
  299. aufgehen lassen und nun will ich euch sagen was ihr verlangt wenn ihr die Holzfäller nicht selbst bestellt habt so müssen es die
  300. Blaukittel sein denn aus dem Dorfe ist kein Wagen gekommen ich habe ja den Weg vor mir und vier Wagen sind es ich habe sie nicht gesehen aber den hohweg
  301. hinauffahren hören er stockte einen Augenblick könnt ihr sagen dass ich je einen Baum in eurem Revier gefällt habe überhaupt dass ich je anderwärts gehauen
  302. habe als auf Bestellung denkt nach ob ihr das sagen könnt ein verlegenes Murmeln war die ganze Antwort des fürsters der nach Art
  303. der meisten rauen Menschen leicht bereute er wandte sich unwirsch und Schritt im Gebüsche zu nein Herr rief Friedrich wenn ihr zu den anderen
  304. Förstern wollt die sind dort an der Bure hinaufgegangen an der Buche sagte Brandis zweifelhaft nein dort hinüber nach dem mastergrund
  305. ich sage euch an der Buche des langen Heinrich flintenriemen blieb noch am krummen Ast dort hängen ich habe es ja gesehen der Förster schlug den
  306. bezeichneten Weg ein friedrich hatte die ganze Zeit hindurch seine Stellung nicht verlassen halbliegend den Arm um einen dürren Ast
  307. geschlungen sah er dem fortgehenden unverrückt nach wie er durch den halbverwachsenen Steig glitt mit den vorsichtigen weiten Schritt seines
  308. mitiers so geräuschlos wie ein Fuchs die hühnerstiege erklimmt hier sank ein Zweig hinter ihm dort einer die Umrisse seiner Gestalt schwanden immer mehr da
  309. blitzte es noch einmal durchs Laub es war ein stahlknopf seines jagdrocks nun war er fort Friedrichs Gesicht hatte während
  310. dieses allmähligen Verschwindens den Ausdruck seiner Kälte verloren und seine Züge Schienen zuletzt unruhig bewegt gräute es ihn vielleicht den Förster
  311. nicht um Verschweigung seiner Angaben gebeten zu haben er ging einige Schritte voran blieb dann stehen es ist zu spät sagte er vor sich
  312. hin und griff nach seinem Hute ein leises picken im Gebüsche nicht 20 Schritte von ihm es war der fürster der den flintenstein schärfte Friedrich
  313. horchte nein sagte er dann mit entschlossenem tone raffte seine sieben Sachen zusammen und trieb das Vieh eilfertig die
  314. Schlucht entlang um Mittag saß Frau Margret am Herd und kochte
  315. Tee Friedrich war krank heimgekommen er klagte über heftige Kopfschmerzen und hatte auf ihre besorgte Nachfrage erzählt wie er sich schwer geärgert über
  316. den Förster kurz den ganzen eben beschriebenen Vorgang mit Ausnahme einiger Kleinigkeiten die er besser fand für sich zu behalten Margret sah
  317. schweigend und trübe in das siedende Wasser sie war es wohl gewohnt ihren Sohn mit unterklagen zu hören aber heute kam er ihr so angegriffen vor wie sonst
  318. nie sollte wohl eine Krankheit im Anzuge sein sie seufzte tief und ließ einen eben ergriffenen Holzblock fallen Mutter rief Friedrich aus der Kammer was willst
  319. du war das ein ein Schuss ach nein ich weiß nicht was du meinst es pocht mir wohl nur so im Kopfe versetzte
  320. er die Nachbarin trat herein und erzählte mit leisem Flüstern irgendeine unbedeutende klatscherei die Margret ohne Teilnahme anhörte dann ging
  321. sie Mutter rief Friedrich Margret ging zu ihm hinein was erzählte die Hülsmeier ach NS Lügen Wind Friedrich richtete sich auf von der
  322. Gretchen sieers du weißt ja wohl die alte Geschichte und ist doch nichts Wahres dran Friedrich legte sich wieder hin ich will sehen ob ich schlafen kann
  323. sagte er Margret saß am Herde sie Spann und dachte wenig Erfreuliches im Dorfe schlug es
  324. 11:30 die Türe klinkte und der Gerichts Kapp trat herein guten Tag Frau Mergel sagte er könnt ihr mir einen Trunk Milch geben ich komme von
  325. M als Frau Merkel das verlangte brachte fragte er wo ist Friedrich sie war gerade beschäftigt einen Teller hervorzulangen und
  326. überhörte die Frage er trank zögernd und in kurzen Absätzen wisst ihr wohl sagte er dann dass die Blaukittel in dieser Nacht
  327. wieder masterholz eine ganze Strecke so so K gefegt haben wie meine Hand du frommer Gott versetzte sie gleichgültig die schandbuben fuhr der
  328. Schreiber fort runieren alles wenn sie noch Rücksicht nehmen auf das junge Holz aber eichenstämmchen wie mein armdick wo nicht einmal eine Ruderstange drin
  329. steckt es ist als ob ihnen andere Leute Schaden ebenso lieb wäre wie ihr Profit es ist schade sagte Margret der Amtsschreiber hatte
  330. getrunken und ging noch immer nicht er schien etwas auf dem Herzen zu haben habt ihr nichts von Brandes gehört fragte er plötzlich nichts er kommt
  331. niemals hier ins Haus so wisst er nicht was ihm begegnet ist was denn fragte Margret gespannt er ist tot tot rief sie was tot um Gottes will
  332. er ging ja noch heute morgen ganz gesund hier vorüber mit der Flinte auf dem Rücken er ist tot wiederholte der Schreiber sie scharf fixierend von den
  333. blaukitteln erschlagen vor einer Viertelstunde wurde die Leiche ins Dorf gebracht Margaret schlug die Hände zusammen Gott im Himmel geh nicht mit
  334. ihm ins Gericht er wuste nicht was er T mit ihm rief der amsschreiber mit dem verfluchten Mörder meint ihr aus der Kammer drang ein schweres
  335. Stöhnen Margret eilte hin und der Schreiber folgte ihr Friedrich saß aufrecht im Bette das Gesicht in die Hände gedrückt und ächzte wie ein
  336. Sterbender Friedrich wie ist dir sagte die Mutter wie ist dir wiederholte der Amtsschreiber oh mein Leib mein Kopf jammerte er was fehlt ihm ach gott weiß
  337. es versetzte sie er ist schon um 4R mit den Kühen heim kommen weil ihm so übel war Friedrich Friedrich antwortte doch soll ich zum Doktor nein nein echzte er
  338. es ist nur Kolig es wird schon besser er legte sich zurück sein Gesicht zuckte krampfhaft vor Schmerz dann kehrte die Farbe wieder
  339. geht sagte er mat ich muss schlafen dann geht's vorüber Frau Mergel sagte der Amtsschreiber ernst ist es gewiss dass
  340. Friedrich um 4 Uhr zu Hause kam und nicht wieder fortging sie sah ihn starr an fragt jedes Kind auf der Straße und fortgehen wollte Gott erkönnt es hat er
  341. euch nichts von Brandes erzählt in Gottes Namen ja dass er ihn im Walde geschimpft und unsere Armut vorgeworfen hat der Lump doch Gott verzeih mir er
  342. ist tot geht fuhr sie heftig fort seid ihr gekommen um ehrliche Leute zu beschimpfen geht sie wandte sich wieder zu ihrem
  343. Sohne der Schreiber ging Friedrich wie ist dir sagte die Mutter hast du wohl gehört schrecklich schrecklich ohne Beichte und
  344. Absolution Mutter Mutter um Gottes Willen lass mich schlafen ich kann nicht mehr in diesem Augenblick trat Johannes in die Kammer dünn und lang wie eine
  345. hopfenstange aber zur lumt und scheu wie wir ihn vor 5 Jahren gesehen sein Gesicht war noch bleicher als gewöhnlich Friedrich stotterte er du
  346. sollst gleich zum om kommen er hat Arbeit für dich aber so gleich Friedrich drehte sich gegen die Wand ich komme nicht sagte er Barsch ich bin krank du
  347. musst aber kommen keuchte Johannes er hat gesagt ich müsste dich mitbringen Friedrich lachte höhnisch auf das will ich doch
  348. sehen lass ihn in Ruhe er kann nicht seufzte Margret du siehst ja wie es steht sie ging auf einige Minuten hinaus als sie zurückkam war Friedrich bereits
  349. angekleidet was fällt dir ein rief sie du kannst du sollst nicht gehen was sein muss schickt sich wohl versetzte er und war schon zur Türe
  350. hinaus mit Johannes ach Gott seufzte die Mutter wenn die Kinder klein sind treten Sie uns in den Schoß und wenn sie groß sind ins
  351. Herz die gerichtliche Untersuchung hatte ihren Anfang genommen die Tat lag klar am Tage über den Täter aber waren die Anzeigen so schwach dass ob schon alle
  352. Umstände die Blaukittel dringend verdächtigten man doch nicht mehr als Mutmaßungen Wagen konnte eine Spur schien Licht geben zu wollen doch
  353. rechnete man aus Gründen wenig darauf die Abwesenheit des Gutsherrn hatte den Gerichtsschreiber genötigt auf eigene Hand die Sache einzuleiten er saß am
  354. Tische die Stube war gedrängt voll von Bauern teils neugierigen teils solchen von denen man in Ermanglung eigentlicher Zeugen einigen Aufschluss zu erhalten
  355. hoffte Hirten die in derselben Nacht gehütet Knechte die den Acker in der Nähe bestellt alle standen stramm und fest die Hände in den Taschen gleichsam
  356. als stillschweigende Erklärung dass sie nicht einzuschreiten gesonnen seien acht Forstbeamte wurden vernommen ihre Aussagen waren völlig gleichlautend
  357. Brandis habe sie am 10 abends zuur Runde bestellt da ihm von einem Vorhaben der Blaukittel müsse Kunde zugekommen sein doch habe er sich nur unbestimmt darüber
  358. geäußert um 2 Uhr in der Nacht seien sie ausgezogen und auf manche Spuren der Zerstörung gestoßen die den oberfürster sehr übel gestimmt sonst sei alles still
  359. gewesen gegen 4 Uhr habe Brandes gesagt wir sind angeführt lasst uns heimgehen als sie nun um den bremerberg gewendet und zugleich der Wind
  360. umgeschlagen habe man deutlich im masterholz Fällen gehört und aus der schnellen Folge der Schläge geschlossen dass die Blaukittel am Werk seien man
  361. habe nun eine Weile beratschlagt ob es sei mit so geringer macht die kühne Bande anzugreifen und sich dann ohne bestimmten Entschluss dem Schalle
  362. langsam genähert nun folgte der Auftritt mit Friedrich ferner nachdem Brandis sie ohne Weisung fortgeschickt seien sie
  363. eine Weile vorangeschritten und dann als sie bemerkt dass das Getöse im noch ziemlich weit entfernten Walde gänzlich aufgehört Stille gestanden um den
  364. Oberförster zu erwarten die Zögerung habe sie verdrossen und nach etwa 10 Minuten seien sie weitergegangen und so bis an
  365. den Ort der Verwüstung alles sei vorüber gewesen kein Laut mehr im Walde von 20 gefällten Stämmen noch acht vorhanden die übrigen bereits
  366. fortgeschafft es sei ihnen unbegreiflich wie man dieses ins Werk gestellt da keine Wagenspuren zu finden gewesen auch habe die Dürre der Jahreszeit und der
  367. mit Fichtennadeln bestreute Boden keine Fußstapfen unterscheiden lassen obgleich der Grund ringsumher wie festgestampft war
  368. da man nun überlegt dass es zu nichts nützen könne den Oberförster zu erwarten sei man rasch der anderen Seite des Waldes zugeschritten in der Hoffnung
  369. vielleicht noch einen Blick von den freflern zu erhaschen hier habe sich einem von ihnen beim Ausgange des Waldes die
  370. flaschenschnur in bromberanken verstrickt und als er umgeschaut habe er etwas im Gestrüpp blitzen sehen es war die Gurtschnalle des Oberförsters den
  371. man nun hinter den Ranken liegend fand gerade ausgestreckt die rechte Hand um den Flintenlauf geklemmt die andere geballt und die Stirn von einer Axt
  372. gespalten dies waren die Aussagen der Förster nun kam die Bauern an die Reihe aus denen jedoch nichts zu bringen war manche behaupteten um 4 Uhr noch zu
  373. Hause oder anderswo beschäftigt gewesen zu sein und keiner wollte etwas bemerkt haben was war zu machen sie waren sämtlich gesessene unverdächtige Leute
  374. man musste sich mit ihren negativen Zeugnissen begnügen Friedrich W h reingerufen er trat ein mit einem Wesen
  375. das sich durchaus nicht von seinem gewöhnlichen Unterschied weder gespannt noch keck das Verhör währte ziemlich lange
  376. und die Fragen waren mitunter ziemlich schlau gestellt er beantwortete sie jedoch alle offen und bestimmt und erzählte den den
  377. Vorgang zwischen ihm und dem oberfürster ziemlich der wahrheitgemäß bis auf das Ende das er geratene fand für sich zu behalten sein Alibi zur Zeit des Mordes
  378. war leicht erwiesen der Förster lag am Ausgange des masterholzes über dreiviertelstunden Weges von der Schlucht in der Friedrich um 4 Uhr
  379. angeredet und aus der dieser seine Herde schon 10 Minuten später ins Dorf getrieben jeder Mann hatte dies gesehen alle Anwesenden Bauern beeifert sich es
  380. zu bezeugen und diesem hat er geredet jenem zugenickt der Gerichtsschreiber saß unmutig und verlegen
  381. da plötzlich fuhr er mit der Hand hinter sich und brachte etwas blinkendes vor Friedrichs Auge wem gehört dies Friedrich sprang drei Schritt zurück
  382. Herr Jesus ich dachte ihr wolltet mir den schägel einschlagen seine Augen waren rasch über das tödliche Werkzeug Gefahr und
  383. schienen momentan auf einem ausgebrochenen Splitter am Stiele zu haften ich weiß es nicht sagte er fest es war die Axt die man in dem
  384. Schädel des Oberförsters eingeklammert gefunden hatte sieh sie genau an fuhr der Gerichtsschreiber fort Friedrich fasste sie mit der Hand besah sie oben
  385. unten wandte sie um es ist eine Axt wie andere sagte er dann und legte sie gleichgültig auf den Tisch ein Blutfleck ward sichtbar er
  386. schien zu Schaudern aber er wiederholte noch einmal sehr bestimmt ich kenne sie nicht der Gerichtsschreiber seufzte vor Unmut er selbst wusste um nichts mehr
  387. und hatte nur einen Versuch zur möglicher Entdeckung durch Überraschung machen wollen es blieb nichts übrig als das Verhör zu
  388. schließen denjenigen die vielleicht auf den Ausgang die er Begebenheit gespannt sind muss ich sagen dass diese Geschichte nie aufgeklärt wurde obwohl
  389. noch viel dafür geschah und diesem Verhöre mehrere folgten den blaukitteln schien durch das Aufsehen das der Vorgang gemacht und die daraufolgenden
  390. geschärften Maßregeln der Mut genommen sie waren von nun an wie verschwunden und ob gleich späterhin noch mancher holzfrefler erwischt wurde fand man doch
  391. nie Anlass ihn der berüchtigten Bande zuzuschreiben die Axt lag Jahre nachher als unnützes kpusdikti im gerichtsarchiv wo sie wohl noch jetzt
  392. ruhen mag mit ihren Rostflecken es würde in einer erdichteten Geschichte Unrecht sein die Neugier des Lesers täus aber dieses hat
  393. sich wirklich zugetragen ich kann nichts Don oder dazuun am nächstenntage Stand Friedrich sehr früh auf um zurteen
  394. es Himmelfahrt und die pfrgelichen schon voragesanbruch imstuhle nachdem er sich im Finstern angekleid verließ eräuschlos wie möglich
  395. den engen Verschlag der IH in Sim hauseingeräumt der Küste sein Gebetbuch dem Sims liegen und er hoffte es hfe des schwachen
  396. mondicht war nicht da war die Aug undrus der kammerimon fast
  397. unbekleidet seine Dürre Gestalt sein ungekämmtes wirres Haar und die vom Mondschein verursachte Blässe des Gesichts gaben ihm ein schauerlich
  398. verändertes ansehen sollte er nachtwandeln dachte Friedrich und verhielt sich ganz still Friedrich
  399. wohin flüsterte der alte oh seid ihr es ich will beichten gehen das dachte ich mir geh in Gottes Namen aber Beichte wie ein guter Christ
  400. das will ich sagte Friedrich denk an die zehn Gebote du sollst kein Zeugnis ablegen gegen deine nächsten kein falsches nein gar keines
  401. du bist schlecht unterrichtet wer einen anderen in der Beichte anklagt der empfängt das Sakrament unwürdig beide schwiegen
  402. oh wie wie kommt ihr darauf sagte Friedrich dann euer gewissen ist nicht rein ihr habt mich belogen
  403. ich so wo ist eure Axt meine Axt auf der Tenne habt ihr einen neuen Stil hineinemacht wo ist der alte
  404. den kannst Du heute bei Tag im Holzschuppen finden geh fuhr verächtlich fort ich dachte du sei Mann aber du bist ein altes Weib das gleich meint das Haus
  405. brennt wenn ihr Feuertopf raucht sie Forer fort wenn ich mehr von der Geschichte weiß als der Türpfosten da so will ich ewig nicht selig werden längst
  406. war ich zu Haus fügte er hinzu Friedrich stand beklemmt und zweifelnd er hätte viel darum gegeben seines OMs Gesicht sehen zu können aber
  407. während sie flüsterten hatte der Himmel sich wökt ich habe schwere Schuld seufzte Friedrich dass ich ihn den unrechten Weg
  408. geschickt obgleich doch dies habe ich nicht gedacht nein gewiss nicht oh ich habe euch ein schweres Gewissen
  409. zu danken so geh Beicht flüsterte Simon mit bebender Stimme vor Unehre das Sakrament durch Angeberei und setze armen Leuten einen
  410. Spion auf den Hals der schon Wege finden wird Ihnen das Stückchen Brot aus den Zähnen zu reißen wenn er gleich nicht reden darf
  411. geh Friedrich stand unschlüssig er hörte ein leises Geräusch die Wolken verzogen sich das Mondlicht fel wieder auf die Kammertür sie war
  412. geschlossen Friedrich ging an diesem Morgen nicht zur Beichte der Eindruck den dieser Vorfall auf Friedrich gemacht leider nur zu bald
  413. wer zweifelt daran dass Simon alles tat seinen Adoptivsohn dieselben Wege zu leiten die er selber ging und in Friedrich lagen Eigenschaften die dies
  414. nur zu sehr erleichterten Leichtsinn Erregbarkeit und vor allem ein grenzenloser Hochmut der nicht immer den Schein verschmähte und dann alles daran
  415. setzte durch wahrmachung des usorpierten möglicher Beschämung zu entgehen seine Natur war nicht un aber er gewöhnte sich die innere Schande der
  416. äußern vorzuziehen man darf nur sagen er gewöhnte sich zu prunken während seine Mutter
  417. darbte diese unglückliche Wendung seines Charakters war indessen das Werk mehrere Jahre in denen man bemerkte dass Margret immer stiller über ihren Sohn ward und
  418. allmählich in einen Zustand der Verkommenheit versank die man früher bei ihr für unmöglich gehalten hätte sie wurde Scheu
  419. saumselig sogar unordentlich und manche meinten ihr Kopf habe gelitten Friedrich war desto lauter er versäumte keine kirchweah oder Hochzeit
  420. und da ein sehr empfindliches Ehrgefühl Inn die geheime Missbilligung mancher nicht übersehen ließ war er gleichsam immer unter Waffen der öffentlichen
  421. Meinung nicht sowohl trotz zu bieten als sie den Weg zu leiten der ihm gefiel er war äußerlich ordentlich nüchtern anscheinend treuherzig
  422. aber listig pralerisch und oft roh ein Mensch an dem niemand Freude haben konnte am wenigsten seine Mutter und der dennoch durch seine gefürchtete Kühnheit
  423. und noch mehr gefürchtete Tücke ein gewisses Übergewicht im Dorf erlangt hatte dass umso mehr anerkannt wurde je mehr man sich bewusst war ihn nicht zu
  424. kennen und nicht berechnen zu können wessen er am Ende fähig sei nur ein Bursch im Dorfe Wilm Hülsmeier
  425. wagte im Bewusstsein seiner Kraft und guter Verhältnisse ihm die Spitze zu bieten und da er gewandter in Worten war als Friedrich und immer wenn der Stachel
  426. saß einen Scherz daraus zu machen wusste so war dies der einzige mit dem Friedrich ungern
  427. zusammentraf vier Jahre waren verflossen es war im Oktober der mileherbst von 1760 der alle Scheunen mit Korn und alle Keller mit Wein füllte hatte seinen re
  428. Reichtum auch über diesen erdwinkel strömen lassen und man sah mehr betrunkene hörte von mehr Schlägereien und dummen Streichen als je
  429. überall gab es Lustbarkeiten der blau Montag kam in Aufnahme und wer ein paar Taler übrigt hatte wollte gleich eine Frau dazu die ihm heute essen und morgen
  430. hungern helfen könne da gab es im Dorfe eine tüchtige solide Hochzeit und die Gäste durften mehr erwarten als eine verstimmte Geige ein Glas Brandwein und
  431. was sie an guter Laune selber mitbrachten seit früh war alles auf den Beinen vor jeder Tür wurden Kleider gelüftet und B glich den ganzen Tag
  432. einer trödelbude da viele auswärtige erwartet wurden wollte jeder gern die Ehre des Dorfes oben
  433. halten es war 7 Uhr abends und alles in vollem Gange Jubel und Gelächter an allen Enden die niedernstuben zum Ersticken angefüllt mit blauen roten und
  434. gelben ten gleich pfandstellen in denen eine zu große Herde eingepfercht ist auf der tänne ward getanzt das heißt wer zweifuß Raum erobert hatte drehte sich
  435. darauf immer rund um und suchte durch jauchzen zu ersetzen was an Bewegung fehlte das Orchester war glänzend die erste Geige als anerkannte Künstlerin
  436. prädominierend die zweite und eine große bassviole mit drei Seiten von Dilettanten atlibitum gestrichen Brandwein und Kaffee im Überfluss alle
  437. Gäste von Schweiß triefend kurz es war ein köstliches fest Friedrich stolzierte umher wie ein Hahn im neuen himmelblauen Rock und machte sein Recht als erster
  438. elegant geltend als auch die Gutsherrschaft anlangte saß er gerade hinter der Bassgeige und strich die tiefste Seite
  439. mit großer Kraft und vielem Anstand Johannes rief er gebieterisch und trat sein Schützling von dem tanzplatze wo er auch seine ungelenken
  440. Beine zu schlenkern und eins zu jauchzen versucht hatte Friedrich reichte ihm den Bogen gab durch eine stolze Kopfbewegung seinen Willen zu erkennen und trat zu
  441. den tanzenden nun lustig Musikanten den Papen van Istrup der biebte tanzwart gespielt und
  442. Friedrich machte Sätze vor den Augen seiner Herrschaft dass die Kühe an der Tenne die Hörner zurückzogen und kettengeklirr und Gebrumm an ihren
  443. Ständern herlief Fuß hoch über die anderen tauchte sein blonder Kopf auf und nieder wie ein Hecht der sich im Wasser
  444. überschlägt an allen Enden schrienen Mädchen auf denen er zum Zeichen der Huldigung mit einer raschen Kopfbewegung sein langes flagsha ins Gesicht
  445. schleuderte jetzt ist es gut sagte er endlich und trat schweißtriefend an den kredenztisch die gnädigen Herrschaften sollen Leben und alle die hochadligen
  446. Prinzen und Prinzessinnen und wer nicht mittrinkt den will ich an die Ohren schlagen dass er die Engel singen hört ein lautes wie wart beantwortete den
  447. galanten Toast Friedrich machte seinen Bückling nichts für ungut gnädige Herrschaften wir sind nur ungelehrte Bauersleute in diesem Augenblick erhob
  448. sich ein Getümmel am Ende der Tenne Geschrei schelten Gelächter alles durcheinander butterdieb butterdieb rief ein paar Kinder und heran drängte sich
  449. oder vielmehr wart geschoben Johannes niemand den Kopf zwischen die Schultern ziehend und mit aller Macht nach dem Ausgange strebend was ist's was habt ihr
  450. mit unserem Johannes rief Friedrich gebieterisch das sollt ihr früh genug gewahr werden keuchte ein altes Weib mit der Küchenschürze und einem wischhader
  451. in der Hand Schande Johannes der arme Teufel dem zu Hause das schlechteste gut genug sein
  452. musste hatte versucht sich ein halbes Pfündchen Butter für die kommende Dürre zu sichern und ohne daran zu denken dass er es sauber in sein Schnupftuch
  453. gewickelt in der Tasche geborgen war er ans küchenfeuer getreten und nun rann das Fett schmählich die Rockschöße entlang allgemeiner Aufruhr die Mädchen
  454. sprangen zurück aus Furcht sich zu beschmutzen oder stießen den Delinquenten vorwärts andere machten Platz sowohl aus a Mitleid als vorsicht
  455. aber Friedrich trat vor Lumpenhund rief er ein paar derbemaulschellen trafen den geduldigen Schützling dann stieß er ihn an die Tür und gab ihm einen tüchtigen
  456. Fußtritt mit auf den Weg er kehrte niedergeschlagen zurück seine Würde war verletzt das allgemeine Gelächter schnitt ihm durch die
  457. Seele ob er sich gleich durch einen tapfern J frei wieder in den Gang zu bringen suchte es wollte nicht mehr recht
  458. gehen er war im Begriff sich wieder hinter die bassviole zu flüchten doch zuvor noch ein Knalleffekt er zog seine silberne Taschenuhr hervor zu jener Zeit
  459. ein seltener und kostbarer Schmuck es ist bald 10eh sagte er jetzt den brautmenuet ich will Musik machen eine prächtige Uhr sagte der Schweinehirt und
  460. schob sein Gesicht in ehrfurchtsvoller Neugier vor was hat sie gekostet rief wiilm Hülsmeier Friedrichs Nebenbuhler willst du sie bezahlen fragte Friedrich
  461. hast du sie bezahlt antwortete Wilm Friedrich warf einen stolzen Blick auf ihn und griff in schweigender Majestät zum fiedelbogen nun nun sagte
  462. hilsmeier dergleichen hat man schon erlebt du weißt wohl der Franz Ebel hatte auch eine schöne Uhr bis der Jude Aaron sie wieder
  463. Abnahmen Friedrich antwortete nicht sondern winkte Stolz der ersten Violine und sie begannen aus Leibeskräften zu
  464. streichen die Gutsherrschaft war indessen in die Kammer getreten wo der Braut von den nachbarfrauen das Zeichen ihres neuen Standes die weiße Stirnbinde
  465. umgelegt wurde das junge Blut weinte sehr teils weil es die Sitte so wollte teils aus wahrer Beklemmung sie sollte einem verworrenen Haus vorstehen unter
  466. den Augen eines mürrischen alten Mannes den sie noch obendrein lieben sollte er stand neben ihr durchaus nicht wie der Bräutigam des hohen Liedes der in die
  467. Kammer tritt wie die Morgensonne du hast nun genug geweint sagte er verdrießlich bedenk du bist es nicht die mich glücklich macht ich mache
  468. dich glücklich sie sah demütig zu ihm auf und schien zu fühlen dass er Recht habe das Geschäft war beendigt die junge
  469. Frau hatte ihrre Manne zugetrunken junge Spaßvögel hatten durch den Dreifuß geschaut ob die Binde gerade sitze und man drängte sich wieder der Tenne zu von
  470. wo unauslöschliches Gelächter und Lärm herübers schallte Friedrich war nicht mehr dort eine große unerträgliche Schmach
  471. hatte ihn getroffen da der Jude Aaron ein schlechter und gelegentlicher althändler aus dem nächsten Städtchen plötzlich erschienen war und nach einem
  472. kurz unbefriedigenden Zwiegespräch ihn laut vor allen Leuten um den Betrag von zehn Talern für eine schon um Ostern gelieferte Uhr gemahnt
  473. hatte Friedrich war wie vernichtet fortgegangen und der Jude ihm gefolgt immer schreiend oh weh mir warum habe ich nicht gehört auf vernünftige Leute
  474. haben sie mir nicht hundertm gesagt ihr hättet all euer gut am Leibe und kein Brot im Schranke die Tenne tobte von Gelächter
  475. manche hatten sich auf den Hof nachgedrängt packt den Juden wiegt in gegen ein Schwein riefen einige andere waren ernst geworden der Friedrich sah
  476. so blass aus wie ein Tuch sagte eine alte Frau und die Menge teilte sich wieer Wagen des Gutsherrn in den Hof lenkte Herr von S war auf dem Heimwege
  477. verstimmt die jedes malige Folge wenn der Wunsch seine Popularität aufrechtzu erhalten ihn bewog solchen Festen beizuwohnen
  478. er sah schweigend aus dem Wagen was sind denn das für ein paar Figuren er deutete auf zwei dunkle Gestalten die vor dem Wagen ranten wie
  479. Strauße nun schlüpften sie ins Schloss auch ein paar selige Schweine aus unserem eigenen Stall seufzte Herr von S zu Hause angekommen fand er die
  480. Hausflur vom ganzen Dienstpersonal eingenommen das zwei kleinknechte Umstand welche sich blass und atemlos auf der stieg niedergelassen hatten sie
  481. behaupteten von des alten mergels Geist verfolgt worden zu sein als sie durchs brederholz heimkehrten zuerst hatte es über ihnen an der Höhe gerauscht und
  482. geknistert darauf hoch in der Luft ein Geklapper wie von aneinandergeschlagenen Stöcken plötzlich ein gellender Schrei und ganz deutlich die Worte oh weh meine
  483. arme Seele hoch von oben herab der eine wollte auch glühende Augen durch die Zweige funkeln gesehen haben und beide waren gelaufen was ihre Beine vermochten
  484. dummes Zeug sagte der Gutsherr verdrießlich und trat in die Kammer sich umzukleiden am anderen Morgen wollte die fontain im Garten nicht springen und es
  485. fand sich dass jemand eine Röhre verrückt hatte augenscheinlich um nach dem Kopfe eines vor vielen Jahren hier verscharten pferdegrippes zu suchen der
  486. für ein bewährtes Mittel wieder allen Hexen und geisterspuk gilt h sagte der Gutsherr WE die Schelme
  487. nicht stehlen das Verderben die Narren drei Tage später tobte ein furchtbarer
  488. Sturm es war Mitternacht aber alles im Schlosse außer dem Bett der Gutsherr stand am Fenster und sah besorgt ins Dunkle nach seinen Feldern hinüber an
  489. den Scheiben flogen Blätter und Zweige her mitunter fuh einiegel hinab und schmetterte auf das Pflaster des Hofes furchtbares Wetter sagte Herr von S
  490. seine Frau sah ängstlich aus ist das Feuer auch gewiss gut verwahrt sagte sie Gretchen si noch einmal nach gieß es lieber ganz aus kommt wir wollen das
  491. Evangelium Johannes beten alles kniete nieder und die Hausfrau begann im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war
  492. das Wort ein furchtbarer Donnerschlag alle fuhren zusammen dann furchtbares Geschrei und Getümmel die Treppe heran
  493. um Gottes Willen brennt es rief Frau von S und sank mit dem Gesichte auf den Stuhl die Türe ward aufgerissen und herein stürzte die Frau des Juden Aaron
  494. bleich wie der Tod das Haar wild um den Kopf von Regen triefend sie warf sich vor dem Gutsherrn auf die Knie Gerechtigkeit rief sie Gerechtigkeit
  495. mein Mann ist erschlagen und sank ohnmächtig zusammen es war nur zu wahr und die nachfolgende Untersuchung bewies dass der Jude Aaron
  496. durch einen Schlag an die Schläfe mit einem stumpfen Instrumente wahrscheinlich einem Stabe sein Leben verloren hatte durch einen einzigen
  497. Schlag an der linken Schläfe war der blaue Fleck sonst keine Verletzung zu finden die Aussagen der Jüden und ihres Knechtes Samuel lauteten so
  498. aaron war vor drei Tagen am Nachmittage ausgegangen um Vieh zu kaufen und hatte dabei gesagt er werde wohl über Nacht ausbleiben da noch einige böse Schuldner
  499. in B und S zu mahnen seien in diesem Falle werde er in B beim schlechter Salomon übernachten als er am folgenden Tage
  500. nicht heimkehrte war seine Frau sehr besorgt geworden und hatte sich endlich heute um 3 nachmittags in Begleitung ihres Knechtes und des großen
  501. schlechterhundes auf den Weg gemacht beim Salomon wusste man nichts von Aaron er war gar nicht da gewesen nun waren sie zu allen Bauern
  502. gegangen von denen sie wussten dass Aaron einen Handel mit ihnen im Auge hatte nur zwei hatten ihn gesehen und zwar an demselben Tage an welchem er
  503. ausgegangen es war darüber sehr spät geworden die große Angst trieb das Weib nach Hause wo sie ihren Mann wiederzufinden eine schwache Hoffnung
  504. nährte so waren sie im brederholz vom Gewitter überfallen worden und hatten unter einer großen berghange stehenden Buche Schutz gesucht der Hund hatte
  505. unterdessen auf eine auffallende Weise umhergestöbert und sich endlich trotz allem locken im Walde verlaufen mit einem Male sieht die Frau
  506. beim Leuchten des Blitzes etwas Weißes neben sich im Mose es ist der Stab ihres Mannes und fast im selben Augenblicke bricht der Hund durchs Gebüsch und trägt
  507. etwas im Maule es ist der Schuh ihres Mannes nicht lang so ist in einem mit dürm Laube gefüllten Graben der Leichnam des Juden
  508. gefunden dies war die Angabe des Knechtes von der Frau nur im allgemeinen unterstützt ihre übergroße Spannung hatte nachgelassen und sie schien jetzt
  509. halb verwirrt oder vielmehr stumpfsinnig Aug um Auge Zahn um Zahn dies waren die einzigen Worte die sie zuweilen hervorstieß
  510. in derselben Nacht noch wurden die Schützen aufgeboten um Friedrich zu verhaften der Anklage bedurfte es nicht DAH her von S selbstzeuge eines
  511. Auftritts gewesen war der den dringendsten Verdacht auf ihn werfen musste zudem die Gespenstergeschichte von jenem Abende das Aneinanderschlagen
  512. der Stäbe im brederholz der Schrei aus der Höhe da der Amtsschreiber gerade abwesend war so betrieb Herr von S selbst alles rascher als sonst geschehen
  513. wäre denn noch begann die Dämmerung bereits anzubrechen bevor die Schützen so geräuschlos wie möglich das Haus der Armen Margret umstellt hatten der
  514. Gutsherr selber pochte an es wärte kaum eine Minute bis geöffnet ward und Margret völlig gekleidet in der Türe erschien Herr von S fuhr zurück er hätte
  515. sie fast nicht erkannt so blass und steinern sah sie aus wo ist Friedrich fragte er mit unsicherer
  516. Stimme sucht ihn antwortete sie und setzte sich auf einen Stuhl der Gutsherr zögerte noch einen Augenblick herein herein sagte er dann Barsch worauf
  517. warten wir man trat in Friedrichs Kammer er war nicht da aber das Bett noch warm man stieg auf den Söller in den
  518. Keller stieß ins Stroh schaute hinter jedes Fass sogar in den Backofen er war nicht da einige gingen in den Garten sahen hinter den Zaun und in die
  519. Apfelbäume hinauf er war nicht zu finden entwischt sagte der Gutsherr mit sehr gemischten Gefühlen der Anblick der alten Frau wirkte gewaltig auf ihn gib
  520. den Schlüssel zu jenem Koffer Margret antwortete nicht gib den Schlüssel wiederhol der Gutsherr und merkte erst jetzt dass der Schlüssel
  521. steckte der Inhalt des Koffers kam zum Vorschein des entflohenen gute Sonntagskleider und seiner Mutter ärmlicher stat dann zwei leichenhemden
  522. mit schwarzen Bändern das eine für einen Mann das andere für eine Frau gemacht Herr von S war tief erschüttert ganz zu unterst auf dem
  523. Boden des Koffers lag die silberne Uhr und einige Schriften von sehr leserlicher Hand eine derselben von einem Manne unterzeichnet den man in
  524. starkem Verdacht der Verbindung mit den holzfreflern hatte Herr von ess nahm sie mit zur Durchsicht und man verließ das Haus ohne dass Margret ein anderes
  525. Lebenszeichen von sich gegeben hätte als dass sie unaufhörlich die Lippen nagte und mit den Augen
  526. zwinkerte im Schlosse angelangt fand der gutsher den Amtsschreiber der schon am vorigen Abend heimgekommen war und behauptete die ganze Geschichte
  527. verschlafen zu haben da der gnädige Herr nicht nach ihm geschickt sie kommen immer zu spät sagte Herr von es verdrießlich war den nicht
  528. irgendein altes Weib im Dorfe das ihrer magt die Sache erzählte und warum weckte man sie dann nicht gnädiger Herr versetzte Kapp
  529. allerdings hat meine anneemarie den Handel um eine Stunde früher erfahren als ich aber sie wusste dass ihre Gnaden die Sache selbst leiteten und dann fügt
  530. er mit klagender mine hinzu dass ich so todmüde war schöne Polizei murmelte der Gutsherr jeder alte Schachtel im Dorf weiß
  531. Bescheid wenn es recht geheim zugehen soll dann fuhr er heftig fort es müsste wahrhaftig ein dummer Teufel von Delinquenten sein der sich packen
  532. ließe beide schwiegen eine Weile mein vuhrmann hatte sich in der Nacht verirrt hob der Amtsschreiber wieder an über eine Stunde lang hielten
  533. wir im Walde es war ein mordwetter ich dachte der Wind werde den Wagen umreißen endlich als der Regen nachließ fuhren wir in Gottes Namen darauf los immer in
  534. das Zellerfeld hinein ohne eine Hand vor den Augen zu sehen da sagte der Kutscher wenn wir nur nicht den Steinbrüchen zu nahe kommen me war selbstbange ich ließ
  535. halten und schlug Feuer um wenigstens etwas Unterhaltung an meiner Pfeife zu haben mit einem Male hörten wir ganz nah perpendikulär unter uns die Glocke
  536. schlagen euer gnadenmö glauben dass mir fatal Z Mut wurde ich sprang aus dem Wagen denn seinen eigenen beiden kann man trauen aber denen der Pferde nicht
  537. so stand ich in Kot und Regen ohne mich zu rühren bis es Gott lob sehr bald anfing zu dämmern und wo hielten wir dicht an der herser Tiefe und den Turm
  538. von Herse gerade unter uns wären wir noch 20 Schritt weitergefahren wir wären alle Kinder des Todes gewesen das war in der Tat kein
  539. Spaß setzte der Gutsherr halb versöhnt er hatte unterdessen die mitgenommenen Papiere
  540. durchgesehen es waren Mahnbrief um gelenene Gelder die meisten von wucheren ich hätte nicht gedacht murmelte er dass die mergels so tief
  541. drin steckten ja und dass es so an den Tag kommen muss versetzte Kapp das wird kein kleiner Ärger für Frau Margret sein ach
  542. Gott die denkt jetzt daran nicht mit diesen Worten stand der gutsher auf und verließ das Zimmer um mit Herrn Kapp die gerichtliche
  543. Leichenschau vorzunehmen die Untersuchung war kurz gewaltsamer Tod erwiesen der vermutliche Täter entflohen die Anzeigen gegen ihn
  544. zwar gravierend doch ohne persönliches Geständnis nicht beweisend seine Flucht allerdings sehr verdächtig so musste die gerichtliche
  545. Verhandlung ohne genügenden Erfolg geschlossen werden die Juden der Umgegend hatten großen Anteil gezeigt das Haus der Witwe ward
  546. nie leer von jammernden und ratenden seit Menschengedenken waren nicht so viel Juden beisammen in L gesehen
  547. worden durch den Mord ihres Glaubensgenossen aufs Äußerste erbittert hatten sie weder Mühe noch Geld gespart dem Täter auf die Spur zu kommen man
  548. weiß sogar dass einer derselben gemeinhin der Wucher Joel genannt einem seiner Kunden der im mehrere hunderte schuldete und den er für einen besonders
  549. listigen Kerl hielt erlast der ganzen Summe angeboten hatte falls er ihm zur Verhaftung des Mergel verhelfen wolle denn der Glaube war allgemein unter den
  550. Juden dass der Täter nur mit guter Beihülfe entwischt und wahrscheinlich noch in der Umgegend sei als dennoch alles nichts half und
  551. die gerichtliche Verhandlung für beendet erklärt worden war erschien am nächsten Morgen eine Anzahl der angesehensten Israeliten im Schlosse um dem gnädigen
  552. Herrn einen Handel anzutragen der Gegenstand war die Buche unter der Aarons Stab gefunden und wo der Mord wahrscheinlich verübt worden
  553. war wollt ihr sie Fällen so mitten im vollen Laube fragte der Gutsherr nein ihrnaden sie muss stehen bleiben im Winter und Sommer solange ein Span daran
  554. ist aber wenn ich nun den Wald hauen lasse so schadet es dem Jungen Aufschlag wollen wir sie doch nicht um gewöhnlichen
  555. Preis sie boten 200 Taler der Handel ward geschlossen und allen Förstern streng eingeschärft die Judenbuche auf keine Weise zu
  556. schädigen darauf sah man an einem Abende wohl gegen 60 Juden ihren Rabbiner an der Spitze in das brederholz Ziehen alle schweigend und mit gesenkten
  557. Augen sie blieben über eine Stunde im Walde und kehrten dann ebenso ernst und feierlich zurück durch das Dorf B bis in das Zellerfeld wo sie sich zerstreuten
  558. und jeder seines Weges ging am nächsten Morgen stand an der Buche mit dem Beil eingehauen imtaavot bom Hass
  559. jivgabach baaser ATA ch Li und wo war Friedrich ohne Zweifel fort weit genug
  560. um die kurzen Arme einer so schwachen Polizei nicht mehr fürchten zu dürfen er war bald verschollen vergessen om Simon redete selten von ihm und dann
  561. schlecht die judenfrau tröstete sich am Ende und nahm einen anderen Mann nur die Arme Margret blieb ungetröstet etwa ein halbes Jahr nachher
  562. lass der Gutsherr einige ebenerhaltene Brief in Gegenwart des amtsschreibers sonderbar
  563. sonderbar sagte er denken sie sich Kapp der Mergel ist vielleicht unschuldig an dem Morde soeben schreibt mir der Präsident des Gerichtes zu P levrene
  564. poujour vesemblable das erfahre ich oft in meinem Beruf und jetzt neuerdings wissen Sie wohl dass ihr lieber getreuer Friedrich Mergel den
  565. Juden mag ebenso wenig erschlagen haben als ich oder sie leider fehlen die Beweise aber die Wahrscheinlichkeit ist groß ein Mitglied der schlemmingschen
  566. Bande die wir jetzt nebenbei gesagt größtenteils unter Schloss und Riegel haben lumpenmäuses genannt hat im letzten verhörre ausgesagt dass ihn
  567. nicht so sehr gerue als der Mord eines Glaubensgenossen Aaron den er im Walde erschlagen und doch nur sechs Groschen bei ihm gefunden habe leider war das
  568. Verhör durch die Mittagsstunde unterbrochen und während wir tafelten hat sich der Hund von einem Juden an seinem Strumpfband erhängt was sagen sie
  569. dazu aaron ist zwar ein verbreiteter Name und so weiter und so weiter was sagen sie dazu wiederholte der Gutsherr und weshalb wäre der Esel
  570. von einem Burschen denn gelaufen der Amtsschreiber dachte nach nun vielleicht der holzfrefelwegen mit denen wir ja gerade in Untersuchung
  571. waren heißt es nicht der böse läuft vor sein e Schatten mergels gewissen war schmutzig genug auch ohne diesen
  572. fleen dabei beruhigte man sich Friedrich war hin verschunden und Johannes niemand der arme unbeachtete johannes am gleichen Tage
  573. ihm eine schöne langit war verflossen 28 JRE fast die Hälte eines Menschenlebens der Gutsherr war sehr alt und grau geworden sein gutmütiger Gehülfe Kapp
  574. längst begraben Menschen Tiere und Pflanzen waren entstanden gereift vergangen nur Schloss B sah immer gleich grau und
  575. vornehm auf die Hütten herab die wie alte hektische Leute immer fallen zu wollen Schienen und immer standen es war am Vorabende des
  576. Weihnachtsfestes den 24 Dezember 1788 tiefer Schnee lag in den Hohlwegen wohl an 12 Fuß hoch und eine durchdringende Frostluft machte die
  577. Fensterscheiben in der geheizten Stube gefrieren Mitternacht war nahe dennoch flimmerten überall Matte Lichtchen aus den schneehügeln und in jedem Hause
  578. lagen die Einwohner auf den Knien um den Eintritt des heiligen christfestes mit Gebet zu erwarten wie dies in katholischen Ländern Sitte ist oder
  579. wenigstens damals allgemein war da bewegte sich von der Breder Höhe herab eine Gestalt langsam gegen das
  580. Dorf der Wanderer schien sehr matt oder krank er stönte schwer und schlete sich äßerst mühsam durch den Schnee an der Mitte des Hanges stand er
  581. still lehnte sich auf seinen krückenstab und starrte unverwand auf die Lichtpunkte es war so still überall so tot und kalt man musste dann Irrlichter
  582. auf Kirchhöfen denken nun schlug es 12 im Turm der letzte Schlag verdröhnte langsam und im nächsten Hause erhob sich ein leiser
  583. Gesang der von Hause zu Hause schwellend sich über das ganze Dorf zog ein Kindelein so löbelig ist uns geboren heute von einer Jungfrau
  584. säuberlich des freuen sich alle Leute und wä das Kindelein nicht geboren so wären wir alle zusammen verloren das Heil ist unser
  585. aller oh du mein Liebster Jesu Christ der du als Mensch geboren bist Erlös uns von der
  586. Hölle der Mann am hange war in die Knie gesunken und versuchte mit zitternder Stimme einzufallen es ward nur ein lautes Schluchzen daraus und schwere
  587. heiße Tropfen fielen in den Schnee die zweite Strophe begann er betete leise mit dann die dritte und vierte das Lied war geendigt und die
  588. Lichter in den Häusern begannen sich zu bewegen da richtete der Mann sich mühselig auf und schlich langsam hinab in das Dorf an mehreren Häusern keuchte
  589. er vorüber dann stand er vor einem still und pochte leise an was ist denn das sagte drinnen eine Frauenstimme die Türe klappert und der
  590. Wind geht doch nicht er pochte stärker um Gottes Willen lasst einen halberforenen Menschen ein der aus der türkischen Sklaverei kommt Geflüster in
  591. der Küche geht ins Wirtshaus antwortete eine andere Stimme das fünfte Haus von hier um Gottes Barmherzigkeit Willen lasst mich ein ich habe kein
  592. Geld nach einigem Zögern W die Tür geöffnet und ein Mann leuchtet mit der Lampe hinaus kommt nur herein sagte er dann ihr werdet uns den Hals nicht
  593. abschneiden in der Küche befanden sich außerdem Manne eine Frau in den mittlern Jahren eine alte Mutter und fünf Kinder alle drängten sich um den Eintretenden
  594. her und musterten ihn mit scheuer Neugier eine armselige Figur mit schiefem Halse gekrümmtem Rücken die ganze Gestalt gebrochen und kraftlos
  595. langes schneeweißes Haar hing um sein Gesicht das den verzogenen Ausdruck langen Leidens trug die Frau ging schweigend an den
  596. Herd und legte frisches Reisig zu ein Bett können wir euch nicht geben sagte sie aber ich will hier eine gute Streu machen ihr müsst euch schon so behelfen
  597. Gotts Lohn versetzte der Fremde ich bin es wohl schlechter gewohnt der heimgekehrte wart als n niemand erkannt und er selbst bestätigte
  598. dass er derselbe sei der einst mit Friedrich Mergel entflohen das Dorf war am folgenden Tage voll von den Abenteuern des so lange
  599. verschollenen jeder wollte den Mann aus der Türkei sehen und man wunderte sich beinah dass er noch aussiehe wie andere Menschen das junge Volk hatte zwar keine
  600. Erinnerungen von ihm aber die alten fanden seine Züge noch ganz wohl heraus so erbärmlich entstellt er auch war Johannes Johannes was seid ihr grau
  601. geworden sagte eine alte Frau und woher habt ihr den schiefen Hals vom Holz und Wasser tragen in der Sklaverei versetzte er und was ist aus
  602. Merkel geworden ihr seid doch zusammen fortgelaufen freilich wohl aber ich weiß nicht wo er ist wir sind voneinander gekommen wenn ihr an ihn denkt betet für
  603. ihn füg er hinzu er wird es wohl nötig haben man fragte ihn warum Friedrich sich denn aus dem Staube gemacht da er den Juden doch nicht
  604. erschlagen nicht sagte Johannes und horchte gespannt auf als man ihm erzählte was der Gutsherr geflissentlich verbreitet
  605. hatte um den Fleck von mergels Namen zu löschen also ganz umsonst sagte er nachdenkend ganz umsonst so viel [Musik]
  606. ausgestanden er seufzte tief und fragte nun seinerseits nach manchem simon war lange tot aber zuvor noch ganz verarmt durch Prozesse und
  607. Böse Schuldner die er nicht gerichtlich Belangen durfte weil es wie man sagte zwischen ihnen keine reine Sache war er hatte zuletzt bettelbrot gegessen und
  608. war in einem Fremden Schuppen auf dem Stroh gestorben Margret hatte länger gelebt aber in völliger geistesdumpfheit die Leute im Dorf waren es bald müde
  609. geworden ihr beizustehen da sie alles verkommen ließ was man ihr gab wie es denn die Art der Menschen ist gerade die hülflosesten zu verlassen solche bei
  610. denen der Beistand nicht nachhaltig wirkt und die der hillfe immer gleich bedürftig bleiben dennoch hatte sie nicht eigentlich not gelitten die
  611. Gutsherrschaft sorgte sehr für sie schickte ihr täglich das Essen und ließ ihr auch ärztliche Behandlung zukommen als ihr kümmerlicher Zustand in völliger
  612. abziehrung übergegangen war in Ihrem Hause wohnte jetzt der Sohn des ehemaligen Schweinehirten der an jenem unglücklichen Abende Friedrichs Uhr so
  613. sehr bewundert hatte alles hin alles tot seufzte johannes am Abend als es dunkel geworden war und der Mond schien sah man ihn im
  614. Schnee auf dem Kirchhofe umherhumpeln er betete bei m Grabe ging auch an keines dicht hinan aber auf einige schien er aus der Ferne starre
  615. Blicke zu heften so fand ihn der Förster Brandes der Sohn des erschlagenen den die Gutsherrschaft abgeschickt hatte ihn ins
  616. Schloss zu holen beim Eintritt in das Wohnzimmer sah er scheu umher wie vom Licht
  617. geblendet und dann auf den Baron der sehr zusammengefallen in seinem Lehnstuhl saß aber noch immer mit den hellen Augen und dem roten Käppchen auf
  618. dem Kopfe wie vor 28 Jahren neben ihm die gnädige Frau auch alt sehr alt geworden nun Johannes sagte der Gutsherr erzähl mir einmal recht ordentlich von
  619. deinen Abenteuern aber er musterte ihn durch die Brille du bist ja erbärmlich mitgenommen in der Türkei Johannes begann wie Merkel ihn
  620. nachts von der Herde abgru und gesagt er müsse mit ihm fort aber warum lief der dumme Junge denn du weißt doch dass er unschuldig
  621. war Johannes sah vor sich nieder ich weiß nicht recht mich dünkt es war wegen holzgeschichten simon hatte so allerlei
  622. Geschäfte mir sagte man nichts davon aber ich glaube nicht dass alles war wie es sein sollte was hat denn Friedrich dir
  623. gesagt nichts als dass wir laufen sie wären hinter uns her so liefen wir bis Herse da war es noch dunkel und wir versteckten uns hinter das große Kreuz
  624. am Kirchhofe bis es etwas heller würde weil wir uns vor den Steinbrüchen am zellerfelde fürchteten und wie wir eine Weile gesessen hatten hörten wir mit
  625. einem Male über uns schnauben und stampfen und sahen lange Feuerstrahlen in der Luft gerade über dem herser Kirchturm wir sprangen auf und liefen
  626. was wir konnten in Gottes Namen geradeaus und wie es dämmerte waren wir wirklich auf dem rechten Wege nach
  627. P Johannes schien noch vor der Erinnerung zu Schaudern und der gutsher dachte an seinen seligen Kapp und dessen Abenteuer am her s hange
  628. sonderbar lachte er so nah W iinander aber fahr fort Johannes erzählte nun wie sie glücklich durch P und über die Grenze
  629. gekommen von da an hatten sie sich als wandernde Handwerksburschen durchgeb bis Freiburg in Breisgau ich hatte meinen brotsack bei
  630. mir sagte er und Friedrich ein Bündelchen so glaubte man uns in Freiburg hatten sie sich von den Österreichern anwerben lassen ihnen
  631. hatte man nicht gewollt aber Friedrich bestand darauf so kam er unter den train den Winter über blieben wir in Freiburg fuhr er fort und es ging uns ziemlich
  632. gut mir auch weil Friedrich mich oft erinnerte und mir half wenn ich etwas verkehrt machte im Frühling mussten wir marschieren nach Ungarn und im Herbst
  633. ging der Krieg mit den Türken los ich kann nicht viel davon nachsagen denn ich wurde gleich in der ersten Affäre gefangen und bin seitdem 26 Jahre in der
  634. türkischen Sklaverei gewesen Gott im Himmel das ist doch schrecklich sagte Frau von S schlimm genug die Türken halten uns
  635. Christen nicht besser als Hunde das Schlimmste war dass meine Kräfte unter der harten Arbeit vergingen ich ward auch älter und sollte noch immer tun wie
  636. vor Jahren er schwieg eine Weile ja sagte er dann es ging über menschenkräfte und
  637. menseduld ich hielt es auch nicht aus von da kam ich auf ein holländisches Schiff wie kamst du denn dahin fragte der
  638. Gutsherr sie fischten mich auf aus dem bossburus versetzte Johannes der Baron sah ihn befremdet an und hob den Finger warnend auf aber
  639. Johannes erzählte weiter auf dem Schiffe war es ihm nicht viel besser gegangen der Skorbut riss ein wer nicht ganz elend war musste Übermacht arbeiten und
  640. das Schiffstau regierte ebenso streng wie die türkische Peitsche endlich schloss er als wir nach Holland kamen nach Amsterdam ließ man mich frei weil
  641. ich unbrauchbar war und der Kaufmann dem das Schiff gehörte hatte auch Mitleiden mit mir und wollte mich zu seinem pfördner machen aber er schüttelte den
  642. Kopf ich bettelte mich lieber durch bis hierer und das war dumm genug sagte der Gutsherr Johannes seufzte tief oh Herr ich habe mein Leben zwischen Türken und
  643. Ketzern zubringen müssen soll ich nicht wenigstens auf einem katholischen Kirchhofe liegen der Gutsherr hatte seine Börse
  644. gezogen da Johannes nun geh und komm bald wieder du musst mir das alles noch ausführlich erzählen heute ging es etwas konfus durcheinander du bist wohl noch
  645. sehr müde sehr müde versetzte Johannes und er deutete auf seine Stirn meine Gedanken sind zuweilen so kurios ich kann nicht
  646. recht sagen wie es so ist ich weiß schon sagte der Baron von alter Zeit her jetzt geh hülsmeis behalten dich wohl noch die Nacht über morgen komm
  647. wieder Herr von S hatte das Innigste Mitleiden mit dem armen schellm bis zum folgenden Tage war überlegt worden wo man ihn einmieten könne essen sollte er
  648. täglich im Schloss und für Kleidung fand sich auch wohl Rat Herr sagte Johannes ich kann auch noch wohl etwas tun ich kann hölzerne Löffel machen und ihr
  649. könnt mich auch als Boten schicken Herr von S schüttelte mitleidig den Kopf das würde doch nicht sonderlich ausfallen oh doch Herr wenn ich erst im Gange bin es
  650. geht nicht schnell aber hin komme ich doch und es wird mir auch nicht so sauer wie man denken sollte nun sagte der un zweifelnd willst
  651. du es versuchen hier ist ein Brief nach P es hat keine sonderliche Eile am folgenden Tage bezog Johannes sein Kämmerchen bei einer Witwe im Dorfe
  652. er schnitzelte Löffel aß auf dem Schlosse und machte Botengänge für den gnädigen Herrn im ganzen ging es ihm leidlich die Herrschaft war sehr gütig
  653. und Herr von S unterhielt sich oft lange mit ihm über die Türkei den österreichischen Dienst und die See der Johannes könnte viel erzählen
  654. sagte er zu seiner Frau wenn er nicht so Grunde einfältig wäre mehr tiefsinnig als einfäl d versetzte sie ich fürchte immer er schnappt noch
  655. über bewahre antwortete der Baron er war sein Leben lang ein simpel simple Leute werden nie
  656. verrückt nach einiger Zeit blieb Johannes auf einem bodengange über Gebühr lang aus die gute Frau von S war sehr besorgt um
  657. ihn und wollte schon Leute aussenden als man ihn die Treppe heraufstelzen hörte du bist lange ausgeblieben Johannes sagte sie ich dachte schon du hättest
  658. dich im brederholz verirrt ich bin durch den fengrund gegangen das ist ja ein weiter Umweg warum gingst du nicht durchs brederholz
  659. er sah trübe zu ihr auf die Leute sagten mir der Wald sei gefällt und jetzt seien so viel Kreuz und querwege darin da fürchtete ich nicht wieder
  660. hinauszukommen ich werde alt und duselig fügte er langsam hinzu sahst du wohl sagte Frau von nachher zu ihrem Manne wie Wunderlich
  661. und quer er aus den Augen sah ich sage dir ernst das nimmt noch ein schlimmes Ende indessen nahte der September heran die Felder waren leer das Laub begann
  662. abzufallen und mancher hektische fühlte die Schere an seinem Lebensfaden auch Johannes schien unter dem Einflusse des nahen equinoktiums zu
  663. leiden die ihn in diesen Tagen sahen sagen er habe auffallend verstört ausgesehen und unaufhörlich leise mit sich selber geredet was er auch sonst
  664. mit unter tat aber selten endlich kam er eines Abends nicht nach Hause man dachte die Herrschaft habe ihn schickt am zweiten auch nicht am dritten
  665. Tage ward seine Hausfrau ängstlich sie ging ins Schloss und fragte nach na Gott bewahre sagte der Gutsherr ich weiß nichts von ihm aber geschwind den Jäger
  666. gerufen und FST das Wilhelm wenn der armselige setzte er bewegt hinzu auch nur in einen trockenen Graben gefallen ist so kann er nicht wieder
  667. heraus wer weiß ob er nicht gar eines von seinen schiefen Beinen gebrochen hat nehmt die Hunde mit rief er den abziehenden Jägern nach und sucht vor
  668. allem in den Gräben seht in die Steinbrüche rief er lauter die Jäger kehrten nach einigen Stunden Heim sie hatten keine Spur
  669. gefunden Herr von S war in großer Unruhe wenn ich mir denke dass einer so liegen muss wie ein Stein und kann sich nicht helfen aber er kann noch leben drei Tage
  670. hält ein Mensch wohl ohne Nahrung aus er machte sich selbst auf den Weg in allen Häusern wurde nachgefragt überall in die Hörner geblasen gerufen die Hunde
  671. zum Suchen angehetzt umsonst ein Kind hatte ihn gesehen wie er am Rande des brederholzes saß und an einem Löffel schnitzelte er schnitt ih
  672. aber ganz in zwei sagte das kleine Mädchen das war vor zwei Tagen gewesen nachmittags fand sich wieder eine Spur abermals ein Kind das ihn an der anderen
  673. Seite des Waldes bemerkt hatte wo er im gebüch gesessen das Gesicht auf den Knien als ob er schliefe das war noch am vorigen Tage es schien er hatte sich
  674. immer um das brederholz herumgetrieben wenn nur das verdammte Buschwerk nicht so dicht wäre da kann keine Seele hindurch sagte der Gutsherr
  675. man trieb die Hunde in den jungen Schlag man blies und hallote und kehrte endlich missvergnügt Heim als man sich überzeugt dass die Tiere den ganzen Wald abgesucht
  676. hatten lasst nicht nach lasst nicht nach Bart Frau von S besser ein paar Schritte umsonst als dass etwas versäumt wird der Baron war fast ebenso
  677. beängstigt wie sie seine Unruhe trieb ihn sogar nach Johannes Wohnung obwohl er sicher war ihn dort nicht zu finden er ließ sich die Kammer des verschollnen
  678. aufschließen da stand sein Bett noch ungemacht wie er es verlassen hatte dort hing sein guter Rock den ihm die gnädige Frau aus dem alten jagdkleide
  679. des Herrn hatte machen lassen auf dem Tische ein Napf sechs neue hölzerne Löffel und eine Schachtel der Gutsherr öffnete
  680. sie fünf Groschen lagen darin sauber in Papier gewickelt und vier silberne westenknöpfe der Gutsherr betrachtete sie
  681. aufmerksam ein Andenken von murmelte er und trat hinaus denn ihm ward ganz beengt in dem dumpfen engen
  682. Kämmerchen die Nachsuchungen wurden fortgesetzt bis man sich überzeugt hatte Johannes sei nicht mehr in der Gegend wenigstens nicht
  683. lebendig so war er denn zum zweiten Mal verschwunden ob man ihn wiederfinden würde vielleicht einmal nach Jahren seine Knochen in einem trockenen Graben
  684. ihn lebend wieder zu se dazu war wenig Hoffnung und jedenfalls nach 28 Jahren gewiss
  685. nicht 14 Tage später kehrte der junge Bran des Morgens von einer Besichtigung seines Reviers durch das brederholz Heim es war ein für die Jahreszeit
  686. ungewöhnlich heißer Tag die Luft zitterte kein Vogel sang nur die Raben krchzten langweilig aus den Ästen und hielten ihre offenen Schnebel der Luft
  687. entgegen war sehr ermüdet bald nahm er seine von der Sonne durchglühte Kappe ab bald setzte er sie
  688. wieder auf es war alles gleich unerträglich das Arbeiten durch den kniehohen Schlag sehr beschwerlich rings umher kein Baum außer der Judenbuche
  689. dahin strebte er denn auch aus allen Kräften und ließ sich todmatt auf das beschattete Moos darunter nieder die kühle zog so angenehm durch
  690. seine Glieder dass er die Augen schloss schändliche Pilze murmelte er halb im Schlaf es gibt nämlich in jener Gegend eine Art sehr saftiger Pilze die nur ein
  691. paar Tage stehen dann einfallen und einen unerträglichen Geruch verbreiten Brandes glaubte solche unangenehmen Nachbarn zu spüren er wandte sich ein
  692. paar mal hin und her mochte aber doch nicht aufstehen sein Hund sprang unterdessen umher kratzte am Stamm der Buche und
  693. bellte hinauf was hast du da Bello eine Katze murmelte Brandes er öffnete die Wimper halb und die judenschrift fiel ihm ins Auge sehr
  694. ausgewachsen aber doch noch ganz kentlich er schloss die Augen wieder der Hund fuhr fort zu bellen und legte endlich seinem Herrn die kalte Schnauze
  695. ans Gesicht lass mich in Ruhe was hast du denn hibei Brandes wie er so auf dem Rücken lag in die Höhe
  696. sprang dann mit einem Satze auf und wie besessen ins Gestrüpp hinein totenbleich kam er auf dem Schlosse an in der Judenbuche hänge ein Mensch er habe die
  697. Beine gerade über seinem Gesichte hängen sehen und du hast ihn nicht abgeschnitten Esel rief der Baron Herr keuchte Brandis wenn Euer Gnaden da
  698. gewesen wären so wüssten sie wohl dass der Mensch nicht mehr lebt ich glaubte anfangs es seien die Pilze dennoch Trieb der Gutsherr zur größten
  699. Eile und zog selbst mit hinaus sie waren unter der Buche angelangt ich sehe nichts sagte Herr von S hierher müssen sie treten hierher an
  700. diese Stelle wirklich dem war so der Gutsherr erkannte seine eigenen abgetragenen Schuhe Gott es ist
  701. Johannes setzt die Leiter an so nun herunter sacht sacht lasst ihn nicht fallen lieber Himmel die Würme sind schon daran mach dennoch die
  702. Schlinge auf und die Halsbinde eine breite Narbe ward sichtbar der Gutsherr fuhr zurück mein
  703. Gott sagte er er beugte sich wieder über die Leiche betrachtete die Narbe mit großer Aufmerksamkeit und schwieg eine Weile in
  704. tiefer Erschütterung dann wandte er sich zu den fürstern es ist nicht recht dass der unschuldige für den Schuldigen
  705. leide sagt es nur allen Leuten der da er deutete auf den Toten war Friedrich Mergel
  706. die Leiche ward auf dem Schindanger verscharrt dies hat sich nach allen hauptumständen wirklich so begeben im
  707. September des Jahres 1788 die hebräische Schrift an dem Baume heißt wenn du dich diesem Orte nahest so
  708. wird es dir ergehen wie du mir getan hast

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