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Dominante

spanisch dominante) bezeichnet in der Harmonielehre sowohl die fünfte Stufe einer Dur- oder Moll-Tonleiter als auch die Funktion aller darauf basierenden …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Funktion
  2. 2. Dominantspannung in Dur und Moll
  3. 3. Verstärkung durch Septime und None
  4. 4. Weitere dominantische Akkorde
  5. 5. Theorie und Jazz
  6. 6. Geschichtliche Entwicklung

Grundbegriff und Funktion

Die Dominante bezeichnet in der Harmonielehre zwei eng verbundene Dinge: erstens die fünfte Stufe einer Dur- oder Moll-Tonleiter, zweitens die Funktion aller Akkorde, die auf dieser Stufe beruhen oder dominantisch wirken. Sie heißt auch Oberdominante, weil sie eine Quinte über der Tonika liegt. Die Tonika ist der Grund- und Ruheklang einer Tonart; die Subdominante oder Unterdominante liegt als weitere Hauptfunktion neben Tonika und Dominante im Zentrum der tonalen Harmonik.

In Kadenzen hat die Dominante eine vorbereitende Aufgabe. In der authentischen Kadenz I–V–I oder in der vollständigen Kadenz I–IV–V–I steht sie kurz vor der Rückkehr zur Tonika. Sie erzeugt Spannung und führt durch Leittonspannung zur Tonika hin. Dadurch entsteht eine typische Schlusswirkung, der authentische Ganzschluss.

Sowohl in Dur als auch in Moll wird als Dominante in der Regel ein Dur-Akkord verwendet. In Moll führt das dazu, dass meist ein künstlicher Leitton geschaffen wird. Diese Erweiterung über die reine Diatonik hinaus wird als erweiterte Diatonik bezeichnet.

Dominantspannung in Dur und Moll

Dominantspannung ist die Erwartung, dass sich ein dominantischer Klang zur Tonika auflöst. In Dur entsteht sie besonders deutlich bei der Fortschreitung von der Tonika zur Dominante, also I–V. Diese Bewegung erzeugt das Bedürfnis nach Rückkehr in die tonikale Ruhelage. Die Auflösung V–I wird als Erfüllung der erwarteten Kadenz empfunden.

Ein Beispiel ist C-Dur: Der Dominantakkord g-h-d strebt zur Tonika c-e-g. Wichtig ist dabei der Leitton h, der zur Tonika c aufwärtsstrebt. Zusätzlich unterstützt der typische Quintfall im Bass, also g-c, die Auflösung.

In Moll ist die Dominantwirkung ohne Veränderung schwächer, weil der natürlichen Molltonleiter der Leitton zur achten Stufe fehlt. Deshalb wird im Rahmen der Dur-Moll-Tonalität die siebte Tonleiterstufe des natürlichen Moll hochalteriert. Dadurch entsteht die große Terz im Dominantakkord, die für die starke Strebewirkung zur Tonika wichtig ist. Ob man diese Veränderung mit der Leittonwirkung, mit der Durterz der Dominante auf der fünften Stufe oder mit dem harmonischen Moll erklärt, ist für die Wirkung unerheblich.

Eine Moll-Dominante auf der fünften Stufe besitzt nicht die typische Strebewirkung zur Tonika. Sie kommt daher eher als stilistisches Mittel vor, besonders in Musik mit folkloristischen oder neo-modalen Anklängen.

Verstärkung durch Septime und None

Die Dominantspannung kann durch Erweiterung des Dominant-Dreiklangs verstärkt werden. Die wichtigste Erweiterung ist der Dominantseptakkord. Er entsteht, wenn zur Dominante die leitereigene Septime hinzukommt. In C-Dur lautet er g-h-d-f, in a-Moll e-gis-h-d.

Der Dominantseptakkord enthält neben dem Leitton noch einen weiteren spannungsreichen Ton: den vierten Ton der Tonleiter. In C-Dur ist das f, in a-Moll d. Dieser Ton strebt abwärts und wird Gleitton genannt; er löst sich in die darunterliegende Terz der Tonika auf, also f nach e beziehungsweise d nach c. Da Leitton und Gleitton jeweils in festgelegter Richtung zur Tonika streben, legt der Dominantseptakkord die Tonart eindeutig fest. Die Verbindung wird als V7–I beschrieben.

Besonders charakteristisch ist im Dominantseptakkord der Tritonus zwischen Terz und Septime, in C-Dur also h und f. Dieser Tritonus ist eine typische Dissonanz des Dominantseptakkords und lässt den Akkord automatisch dominantisch wirken.

Der Dominantseptakkord kann auch verkürzt erscheinen, also ohne Grundton. In C-Dur ergibt sich h-d-f, in a-Moll gis-h-d; das entspricht einem verminderten Dreiklang auf der VII. Stufe. Durch Hinzufügen der leitereigenen None entsteht der Dominantseptnonakkord: in C-Dur g-h-d-f-a, in a-Moll e-gis-h-d-f. Anders als der geschlechtsneutrale Dominantseptakkord deutet der Dominantseptnonakkord schon an, ob die folgende Auflösung nach Dur oder Moll geht: große None weist auf Dur, kleine None auf Moll. Auch er kann verkürzt auftreten, in Dur als halbverminderter Septakkord und in Moll als verminderter Septakkord.

Weitere dominantische Akkorde

Auch andere dissonante Akkorderweiterungen können dominantisch wirken, weil sie Spannung erzeugen und nach Auflösung verlangen. Dazu gehören Dominantundezimakkorde und Dominanttredezimakkorde. Sie sind in der musikalischen Praxis jedoch weniger wichtig als Dominantseptakkorde und Dominantseptnonakkorde.

Dominantisch wirken außerdem alterierte Akkorde der V. Stufe. Alteration bedeutet, dass einzelne Töne chromatisch verändert werden. Beispiele in C-Dur sind g-h-dis-f oder g-h-des-f. Im erweiterten Sinn haben alle Akkorde Dominant-Funktion, wenn sie einen hohen Spannungsgehalt besitzen und sich in einen danach folgenden, spannungsärmeren Klang auflösen.

Theorie und Jazz

Der Begriff Dominante wird in der Stufentheorie und in der Funktionstheorie etwas unterschiedlich verwendet. In der Stufentheorie heißen nur solche Akkorde Dominantakkorde, deren Grundton wirklich die 5. Stufe einer Tonleiter ist und die diesen Grundton auch enthalten.

In der Funktionstheorie ist der Begriff weiter gefasst. Dort gelten alle Akkorde als Dominanten, die eine Auflösungstendenz zur Tonika haben, auch wenn der eigentliche Dominantgrundton fehlt. In C-Dur kann deshalb der Septakkord der VII. Stufe h-d-f-a als dominantisch verstanden werden. Die Funktionstheorie deutet ihn als verkürzten oder stellvertretenden Dominantseptnonakkord g-h-d-f-a ohne Grundton.

Im Jazz wird die Dominante häufig alteriert oder erweitert. In C-Dur kann sie zum Beispiel als G7 erscheinen, also g-h-d-f. Weitere Formen sind Septnonenakkorde mit kleiner None g-h-d-f-as als G7/b9 oder mit übermäßiger None g-h-d-f-ais als G7/#9. Auch ein Septakkord mit hochalterierter Quinte g-h-dis-f als G7/#5, ein Undezimakkord g-h-d-f-a-c als G7/9/11 oder Tredezimakkorde wie g-h-d-f-a-es als G7/9/b13 beziehungsweise g-h-d-f-a-eis als G7/9/#13 werden genannt.

Geschichtliche Entwicklung

Das Wort Dominante ist älter als die Dur-Moll-tonale Musik. Im Mittelalter wurde es oft ähnlich wie andere Bezeichnungen für den Rezitationston von Kirchentönen verwendet, etwa Repercussa, Tenor oder Tuba. Salomon de Caus verwendete den Begriff 1615 bei authentischen Kirchentönen für die 5. Stufe und bei plagalen Kirchentönen für die 4. Stufe. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gehörte die Dominante als 5. Ton der Leiter neben Finalis und Mediante nach Brossard zu den Sons essentielles, also den wesentlichen Tönen eines Modus.

Die heutige Bedeutung als eine der drei Grundfunktionen der tonalen Harmonik geht auf Jean-Philippe Rameau zurück. Er verstand unter Dominante allgemein jeden Ton, der Basis eines Septakkords ist, der sich in einen Akkord mit einem um eine Quinte tieferen Grundton auflöst. Der Spezialfall auf der Quinte über dem Grundton, der sich in den Tonikadreiklang auflöst, entspricht dem heutigen Dominantverständnis besonders nahe.

Später wurde der Begriff weiter gefestigt. Heinrich Christoph Koch und Gottfried Weber unterschieden zwischen Haupt- und Nebenharmonien einer Tonart; Weber betonte auch, dass der Dreiklang auf der Oberdominante immer ein Durdreiklang ist, auch in Moll. Moritz Hauptmann leitete den Dominant-Begriff von der Quinte ab. Die heute übliche Funktionsbezeichnung D für die Dominante wurde von Hugo Riemann eingeführt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Dominante im deutschsprachigen Raum auch Oberdominante genannt.

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