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Tonika

Tonika oder Tonica (französisch tonique ‚tonisch' zu griechisch τόνος tonos, deutsch ‚Spannung') heißt in der dur-moll-tonalen Musik der Grundton der Tonart, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundbedeutung
  2. 2. Tonales Zentrum
  3. 3. Klassische Harmonielehre
  4. 4. Moderne Harmonielehre
  5. 5. Erweiterungen in Jazz und Blues

Grundbedeutung

Die Tonika, auch Tonica, ist in der Dur-Moll-tonalen Musik der Grundton einer Tonart. Nach diesem Grundton wird die Tonart benannt, zum Beispiel C-Dur nach c und a-Moll nach a. In der funktionalen Harmonielehre bezeichnet Tonika außerdem den Dreiklang, der auf diesem Grundton aufgebaut ist. Dieser Dreiklang ist der Hauptklang der Tonart, zum Beispiel c-e-g in C-Dur oder a-c-e in a-Moll.

Die Tonika ist die erste Stufe einer Tonart. Sie wirkt als tonales Zentrum: Alle wichtigen harmonischen Spannungen beziehen sich auf sie, und sie bildet den Bezugspunkt für andere Akkorde der Tonart.

Tonales Zentrum

Der Begriff geht auf Jean-Philippe Rameau (1683-1764) und seine Bezeichnung „l’accord tonique“ zurück, also „der Akkord des Grundtones od. der Akkord mit der besonderen Betonung“. Damit sollte ausgedrückt werden, dass die Tonika wie ein Magnet im Zentrum der harmonischen Spannungsfelder steht.

Seit der Funktionstheorie ist die Tonika ein klar bestimmter Begriff. In einer Kadenz, also einer typischen harmonischen Schluss- oder Fortschreitungsformel, ist sie der Bezugspunkt zu den beiden Dominanten: der Dominante und der Subdominante. Auch andere leitereigene Akkorde, also Akkorde aus den Tönen der jeweiligen Tonleiter, beziehen sich auf die Tonika. Nach der klassischen Harmonielehre steht die Tonika gewöhnlich am Anfang und am Schluss eines Musikstückes. Fast alle Musikstücke der klassischen europäischen Musik haben eine Grundtonart.

Klassische Harmonielehre

In der klassischen Harmonielehre gelten nur Oktaven, Quinten, Terzen und Sexten als Konsonanzen, also als zusammenklingende Intervalle mit ruhiger, stabiler Wirkung. Deshalb werden als Tonikaklänge nur Dreiklänge zugelassen.

Für die Tonika ist der Grundton unverzichtbar. Wenn die Quinte, die Terz oder beide fehlen, wird der entstehende Klang nicht als selbstständiger anderer Akkord verstanden, sondern als Vertreter des eigentlichen Tonika-Dreiklangs.

Moderne Harmonielehre

In der modernen Harmonielehre kann der Tonikadreiklang zu einem Vierklang erweitert werden. In der Popmusik wird die Dominante häufig in eine Dur-Tonika aufgelöst, die um das Intervall einer großen Sexte erweitert ist. Trotzdem bleibt die Tonika ein konsonant klingendes tonales Zentrum.

Der Grund dafür sind veränderte Hörgewohnheiten. Die Sixte ajoutée wurde in der späten Barockmusik von Jean-Philippe Rameau theoretisch formuliert und galt damals noch als sehr dissonantes Intervall. Heute empfinden Musikhörer dieses Intervall dagegen als konsonant.

Erweiterungen in Jazz und Blues

Je nach Tongeschlecht oder Musikgenre kann die Tonika um weitere leitereigene Töne ergänzt werden. Im Jazz ist es zum Beispiel üblich, eine Dur-Tonika um eine große Septime zu erweitern. Obwohl dieses Intervall eigentlich sehr dissonant ist, beeinträchtigt es durch veränderte Hörgewohnheiten nicht die Funktion der Tonika als tonales Zentrum. Auch eine Erweiterung um eine None kommt gelegentlich vor.

Ein Sonderfall ist die Dur-Tonika im Blues. Dort wird sehr häufig eine kleine Septime ergänzt. Diese kleine Septime gehört nicht zur zugrunde liegenden Durtonleiter, sondern stammt aus der natürlichen Molltonleiter, die auf dem Grundton der Tonika aufgebaut ist. Dadurch werden in diesem Tonika-Akkord Dur und Moll praktisch vermischt. Die kleine Septime ist dabei nicht die Blue Note.

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