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Deutschland in der Neuzeit
Frühe Neuzeit: Herrschaft Maximilians I. und Karls V. · Reformen im Reich · Kriege gegen Frankreich und die Osmanen · Luthers 95 Thesen und der Wormser Reichstag.
Inhalt6 Abschnitte
Rahmen und frühe Reichsreformen
Der Artikel behandelt die Geschichte Deutschlands in der Neuzeit von etwa 1500 bis 1918. Das Heilige Römische Reich war dabei kein einheitlicher Nationalstaat, sondern bestand aus vielen Territorien, Städten und Herrschaften.
Maximilian I. regierte nach dem Tod Friedrichs III. seit 1493 allein und versuchte, das Reich zu reformieren. Der Reichstag zu Worms beschloss 1495 den Gemeinen Pfennig als Reichssteuer, den Ewigen Landfrieden zur Beendigung des mittelalterlichen Fehderechts und das Reichskammergericht als oberste Gerichtsinstanz. Reichskreise sollten die Verwaltung verbessern. Ein ständiges Reichsregiment aus Kurfürsten scheiterte jedoch, und die Reformen blieben insgesamt ohne große Wirkung. Nach dem Sieg der Eidgenossen im Schwabenkrieg 1499 war die Schweiz de facto unabhängig.
1519 wurde Maximilians Enkel Karl V. zum König gewählt; dabei flossen Schmiergelder des Hauses Fugger an Kurfürsten. Karl V. war durch Kriege gegen Frankreich in Italien und gegen das Osmanische Reich stark gebunden. Die Italienkriege endeten erst 1559 im Frieden von Cateau-Cambrésis. Gegen die Osmanen kam es nach dem Untergang Ungarns in der Schlacht bei Mohács 1526 1529 zur ersten Belagerung Wiens, die abgewehrt wurde. Bis 1555 wurde Ungarn dreigeteilt; der Kaiser musste dem Osmanischen Reich eine hohe Summe zahlen. Diese Kriege erschwerten es Karl V., sich den Konflikten im Reich, besonders der Reformation und dem Bauernkrieg, zu widmen.
Reformation, Konfessionen und Bauernkrieg
Die Kritik an der katholischen Kirche richtete sich unter anderem gegen Machtkämpfe, weltliche Lebensführung von Kirchenvertretern und den Ablasshandel. Papst Leo X. intensivierte diesen, um Schulden und den Bau des Petersdoms zu finanzieren. Ablassbriefe sollten angeblich Sündenstrafen und die Zeit im Fegefeuer verkürzen; verbreitet wurde der Satz: „Wenn die Münze im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt.“
Martin Luther, Augustinermönch und Theologe in Wittenberg, vertrat die Lehre Sola fide: Für die Errettung sei allein der Glaube nötig, nicht ein Ablassbrief. Seine Kritik fasste er in den 95 Thesen zusammen. Kopien wurden ohne sein Wissen veröffentlicht und durch den Buchdruck schnell verbreitet. Nachdem Luther nicht widerrief, wurde er 1521 gebannt; der Reichstag zu Worms verhängte mit dem Wormser Edikt die Reichsacht. Friedrich der Weise gewährte ihm auf der Wartburg Schutz. Luthers Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche trug zur Entwicklung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache bei.
Von 1522 bis 1526 führten mehrere Länder und Städte die lutherische Lehre ein. Der Landesherr wurde dabei Landesbischof, übernahm Kirchenbesitz und baute eine eigene Kirchenverwaltung auf. Nach dem Scheitern des Marburger Religionsgesprächs 1529 spaltete sich die Reformationsbewegung in Lutheraner und Reformierte; als weitere Bewegung traten die Täufer auf. Das Täuferreich von Münster unter Johann Bockelson wurde 1536 blutig beendet. Die Protestation evangelischer Fürsten gegen die Aufhebung der Duldung auf dem Reichstag zu Speyer 1529 gab den Protestanten ihren Namen.
Im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 besiegte Karl V. die Protestanten, konnte das Augsburger Interim aber nicht dauerhaft durchsetzen. Der Augsburger Reichs- und Religionsfrieden von 1555 stellte beide Konfessionen gleich und bestimmte: „cuius regio, eius religio“ – der Landesherr bestimmte die Religion seiner Untertanen.
Der Bauernkrieg von 1524 bis 1526 erfasste vor allem Südwestdeutschland, Thüringen und Franken. Ursachen waren steigende Dienste und Abgaben, eingeschränkte Rechte und weniger Gemeinbesitz. Die Zwölf Artikel formulierten 1525 Forderungen oberschwäbischer Bauern. Der Schwäbische Bund schlug den Aufstand mit Hilfe der Fugger und Georg Truchsess von Waldburg-Zeil nieder; Thomas Müntzers Bauernheer wurde 1525 bei Frankenhausen vernichtet. Bis zu 100.000 Bauern starben. Luther lehnte ein Widerstandsrecht gegen die weltliche Obrigkeit ab und verurteilte den Aufstand.
Die katholische Kirche reagierte mit innerer Reform und Gegenreformation. Das Konzil von Trient tagte von 1545 bis 1563 und beschloss unter anderem Priesterseminare. Inquisition und neue Orden, besonders die Jesuiten, dienten der Rekatholisierung. 1608 schlossen sich protestantische Fürsten zur Union, 1609 katholische Fürsten zur Liga zusammen.
Dreißigjähriger Krieg und absolutistische Staaten
Der Dreißigjährige Krieg begann 1618 mit dem Prager Fenstersturz, nachdem Kaiser Matthias Rechte der böhmischen Stände eingeschränkt hatte. 1619 wählten böhmische Protestanten Friedrich von der Pfalz zum König von Böhmen. Kaiser Ferdinand II. und die katholische Liga besiegten ihn 1620 am Weißen Berge. Der böhmische Adel wurde weitgehend enteignet, Böhmen rekatholisiert und die Pfalz besetzt.
Es folgten mehrere Kriegsphasen. Der dänische König Christian IV. wurde ab 1625 von Tilly und Wallenstein besiegt. Das Restitutionsedikt von 1629 sollte protestantisch gewordene Gebiete rekatholisieren. 1630 griff Gustav II. Adolf von Schweden ein; Tilly fiel 1632 bei Rain am Lech, Gustav II. Adolf 1632 bei Lützen. Frankreich verbündete sich 1635 mit Schweden, weil es ein zu mächtiges Reich fürchtete. Große Teile des Reiches wurden verwüstet.
Der Westfälische Frieden vom 24. Oktober 1648 beendete den Krieg. Frankreich erhielt Teile Lothringens und des Elsass, jedoch nicht Straßburg. Die Niederlande und die Schweiz schieden offiziell als souveräne Staaten aus dem Reich aus. Reichsstände und Territorien wurden gegenüber dem Kaiser gestärkt; der Religionsfriede von 1555 wurde bestätigt, doch bei einem Konfessionswechsel des Landesherrn musste die Bevölkerung nicht mehr folgen. Schätzungsweise 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung starben; der Vorkriegsstand wurde erst um 1750 wieder erreicht.
Nach dem Krieg förderten staatliche Wirtschafts- und Sozialpolitik sowie Merkantilismus den Absolutismus. Brandenburg-Preußen stieg seit 1640 unter Friedrich Wilhelm auf; Friedrich III. wurde 1701 als Friedrich I. König in Preußen. Friedrich Wilhelm I. militarisierte Staat und Gesellschaft. So entstand der Dualismus Österreich–Preußen, der Deutschland bis 1871 prägte. Österreich gewann nach dem Sieg über die Osmanen vor Wien 1683 und weiteren Türkenkriegen Gebiete hinzu. Im Österreichischen Erbfolgekrieg und den Schlesischen Kriegen verlor Maria Theresia 1763 im Frieden von Hubertusburg Schlesien an Preußen. Aufklärung und Reformen unter Friedrich II. und Joseph II. veränderten die feudalen Machtverhältnisse jedoch nicht grundlegend.
Napoleon, Reformen und Restauration
Nach der Französischen Revolution kämpften Preußen und Österreich ab 1791 gegen Frankreich. Napoleon Bonaparte übernahm 1799 die Macht. Im Frieden von Lunéville 1801 fielen linksrheinische Gebiete an Frankreich. Der Reichsdeputationshauptschluss von 1803 entschädigte deutsche Fürsten rechts des Rheins durch Säkularisation und Mediatisierung. Nach der Niederlage Österreichs bei Austerlitz 1805 und dem Zusammenschluss von 16 Fürsten zum Rheinbund 1806 legte Franz II. die Kaiserkrone nieder: Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation endete.
Preußen wurde am 16. Oktober 1806 bei Jena und Auerstedt geschlagen und verlor 1807 im Frieden von Tilsit die Hälfte seines Staatsgebiets. Zwischen 1807 und 1813 erneuerten vom Stein und Hardenberg Preußen: Erbuntertänigkeit und Zunftzwang wurden abgeschafft, Gewerbefreiheit eingeführt und 1812 Juden Rechtsgleichheit gewährt. Scharnhorst und Gneisenau reformierten das Heer; das Adelsprivileg für Offiziere fiel, allgemeine Wehrpflicht wurde eingeführt. Wilhelm von Humboldt reformierte das Bildungswesen.
Nach Napoleons Niederlage im Russlandfeldzug 1812 schloss Yorck von Wartenburg im Dezember 1812 die Konvention von Tauroggen mit Russland. In den Befreiungskriegen schlugen die Verbündeten Frankreich vom 16. bis 19. Oktober 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig. Nach Waterloo am 18. Juni 1815 verlor Napoleon endgültig. Die Kriege stärkten besonders unter Studenten den Wunsch nach einem deutschen Nationalstaat.
Der Wiener Kongress ordnete Europa neu und wollte Frieden, Gleichgewicht der Großmächte sowie die Restauration der monarchischen Ordnung sichern. Der Deutsche Bund umfasste 35 souveräne Fürsten; sein Bundestag tagte unter österreichischem Vorsitz in Frankfurt am Main. Nationale Einheitswünsche blieben unberücksichtigt. Die Heilige Allianz aus Österreich, Preußen und Russland bekämpfte revolutionäre und nationale Bewegungen. Karlsbader Beschlüsse von 1819 verboten Burschenschaften und politische Vereinigungen an Universitäten und führten Zensur ein. Dennoch erstarkte die Nationalbewegung im Vormärz, etwa beim Wartburgfest 1817 und beim Hambacher Fest vom 27. bis 30. Mai 1832 mit 30.000 Teilnehmern. Der Deutsche Zollverein von 1834 und die erste Eisenbahnlinie Nürnberg–Fürth von 1835 förderten wirtschaftliche Einigung und Industrialisierung.
Revolution und deutsche Einigung
Die Februarrevolution in Frankreich löste 1848 die Märzrevolution in den deutschen Staaten aus. In Wien trat Metternich am 13. März zurück. In Berlin kam es am 18. März zu Barrikadenkämpfen; Friedrich Wilhelm IV. versprach Verfassung sowie Versammlungs- und Pressefreiheit. Am 18. Mai trat die Deutsche Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche zusammen. Ihre vorläufige Zentralregierung unter Reichsverweser Erzherzog Johann blieb ohne eigene Armee, Polizei und Beamtenapparat weitgehend machtlos.
Die Nationalversammlung beriet über Grenzen, Staatsform und Wahlrecht. Sie entschied sich mehrheitlich für die kleindeutsche Lösung, also einen deutschen Staat ohne Österreich. Die Paulskirchenverfassung vom 28. März 1849 sah einen Bundesstaat mit erblichem Kaiser, zentraler Regierung, Reichstag und allgemeinem Wahlrecht vor. Friedrich Wilhelm IV. lehnte die Kaiserkrone am 2. April 1849 ab. Aufstände in Dresden, der Pfalz und Baden wurden niedergeschlagen; das Rumpfparlament in Stuttgart wurde am 18. Juni aufgelöst. Die letzten Revolutionäre ergaben sich am 23. Juli in Rastatt. Die Verfassung trat nie in Kraft, viele politisch Verfolgte wanderten vor allem nach Amerika aus.
In der Reaktionsära wurden Zugeständnisse zurückgenommen; der Deutsche Bund wurde 1850 wiederhergestellt. Zugleich entstanden Parteien und Gewerkschaften, darunter 1861 die Deutsche Fortschrittspartei und 1863 der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein unter Ferdinand Lassalle. Nach Zusammenschlüssen entstand 1890 die SPD.
Mit Otto von Bismarck als preußischem Ministerpräsidenten seit 1862 entschied sich die Einigung durch Kriege. Preußen und Österreich besiegten 1864 Dänemark und eroberten Schleswig und Holstein. Im Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866 siegte Preußen bei Königgrätz, annektierte mehrere Staaten und gründete den Norddeutschen Bund. Österreich schied aus Deutschland aus. Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 besiegten deutsche Heere Frankreich bei Sedan; der Frieden von Frankfurt am Main verpflichtete Frankreich zur Abtretung Elsass-Lothringens und zu einer Kriegsentschädigung. Am 18. Januar 1871 wurde im Spiegelsaal von Versailles das Deutsche Reich gegründet; der preußische König wurde Deutscher Kaiser.
Deutsches Kaiserreich bis 1918
Die Reichsverfassung von 1871 betonte die Monarchie: Der Kaiser, zugleich König von Preußen, ernannte und entließ die Reichsregierung. Preußen besaß über zwei Drittel von Landfläche und Bevölkerung sowie ein faktisches Vetorecht bei Verfassungsänderungen im Bundesrat. Elsässer und Polen im Reich fühlten sich dem Reich nicht zugehörig und bildeten eigene Reichstagsfraktionen.
Bismarck führte den Kulturkampf von 1871 bis 1886 gegen den Einfluss der katholischen Kirche. Nach dessen Ende blieben Zivilehe und staatliche Schulaufsicht bestehen. Gegen Sozialisten setzte er 1878 die Sozialistengesetze durch, die bis 1890 sozialistische Vereinigungen verboten. Zugleich führte die Sozialgesetzgebung 1883 die allgemeine Krankenversicherung, 1884 die Unfallversicherung und 1889 die gesetzliche Rentenversicherung ein. Das Wirtschaftswachstum nach der Reichsgründung endete 1873 im Gründerkrach.
Außenpolitisch versuchte Bismarck, Frankreich zu isolieren und das Gleichgewicht der Großmächte zu sichern. 1884/85 stellte das Reich deutsche Erwerbungen in Togo, Kamerun, Südwest- und Ostafrika sowie im Pazifik unter Schutz; ihre wirtschaftliche Bedeutung blieb gering. Wilhelm II. entließ Bismarck 1890. Sein persönliches Regiment führte zu zunehmender außenpolitischer Isolierung; später blieben Österreich, Italien und das Osmanische Reich als Bündnispartner.
Die Ermordung Franz Ferdinands am 28. Juni 1914 in Sarajevo löste den Ersten Weltkrieg aus. Versorgung und Stimmung verschlechterten sich im Krieg. Als die Flotte im Oktober 1918 erneut auslaufen sollte, meuterten Matrosen in Kiel; daraus entstand die Novemberrevolution mit Arbeiter- und Soldatenräten. Am 9. November erklärte Max von Baden die Abdankung Wilhelms II.; dieser ging in die Niederlande ins Exil. Friedrich Ebert erhielt die Regierungsgewalt, Philipp Scheidemann rief die Republik aus. Am 10. November entstand der Rat der Volksbeauftragten als provisorische Regierung, am 11. November stellte ein Waffenstillstand die Kampfhandlungen ein.
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