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Karl V. (HRR)

Nach dem frühen Tod seines Vaters Philipp I. von Kastilien wurde Karl im Jahr 1506 Landesherr der Burgundischen Niederlande, bestehend aus elf Herzogtümern und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Herrscher eines weltweiten habsburgischen Reiches
  2. 2. Aufstieg und Sicherung der Herrschaft
  3. 3. Europäische Kriege und überseeische Besitzungen
  4. 4. Reformation und Religionskonflikt
  5. 5. Sieg, Fürstenaufstand und Religionsfriede
  6. 6. Abdankung, letzte Jahre und Bedeutung

Herrscher eines weltweiten habsburgischen Reiches

Karl V. (* 24. Februar 1500 in Gent; † 21. September 1558 in Cuacos de Yuste) war Habsburger, ab 1516 als Carlos I. erster König von Spanien, ab 1519 römisch-deutscher König und von 1530 bis 1556 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Durch Erbschaften vereinigte er politisch selbstständige Gebiete: von Maximilian I. die österreichischen Erblande, von Maria von Burgund die burgundischen Länder und Niederlande, von Ferdinand II. Aragón samt Neapel, Sizilien und Sardinien sowie von Isabella I. Kastilien mit den amerikanischen Besitzungen. Diese Länder bildeten keinen einheitlichen Staat, sondern waren durch Karls Person in einer Personalunion verbunden.

Karl vertrat die Idee einer Universalmonarchie: Der Kaiser sollte als übergeordnete Ordnungsmacht den Frieden der Christenheit sichern, die katholische Kirche schützen und reformieren sowie Europa gegen das Osmanische Reich verteidigen. Dauerhaft verwirklichen konnte er diesen Anspruch nicht. Seine Herrschaft war von Kriegen gegen Frankreich und die Osmanen sowie vom Konflikt um die Reformation geprägt. Wegen seiner häufigen Abwesenheit vom Reich übernahm sein Bruder Ferdinand wichtige Aufgaben.

Karl regierte durch Koordination statt durch eine zentrale Verwaltung. Familienangehörige wirkten als Regenten, Berater führten getrennte Staatssekretariate, und der multinationale Hof mit etwa 1000 bis 2000 Personen zog zwischen den Herrschaftsgebieten umher. Die großen Entfernungen erschwerten Entscheidungen trotz intensiver schriftlicher Kommunikation. 1521 und 1522 übertrug Karl Ferdinand die österreichischen Erblande und die Vertretung im Reich.

Aufstieg und Sicherung der Herrschaft

Karl wuchs weitgehend ohne seine Eltern in den burgundischen Niederlanden auf. Seine Tante Margarete von Österreich ließ ihn auf seine Herrscheraufgaben vorbereiten; Adrian von Utrecht, der spätere Papst Hadrian VI., prägte seine katholische Frömmigkeit. Karl sprach Französisch, Latein und Niederländisch, zunächst aber kaum Deutsch und musste ab 1517 Spanisch lernen. 1515 wurde er für volljährig erklärt und übernahm die burgundische Regierung.

Nach dem Tod Ferdinands II. ließ er sich 1516 zusammen mit seiner für regierungsunfähig erklärten Mutter Johanna zum König von Kastilien und Aragón ausrufen. Die spanischen Stände erkannten ihn 1518 an, verlangten aber Zugeständnisse gegen eine Fremdherrschaft. Während Karls Abwesenheit erhoben sich ab 1519 die Comuneros in Kastilien mit dem Ziel, die königliche Macht zugunsten der Cortes zu begrenzen. Nach ihrer Niederlage bei Villalar 1521 festigte Karl die Krone und begrenzte den politischen Einfluss des Hochadels. Spanien wurde seine wichtigste Machtbasis.

Nach Maximilians Tod 1519 bewarben sich vor allem Karl und Franz I. von Frankreich um die römisch-deutsche Königswürde. Jakob Fugger und weitere Geldgeber stellten insgesamt 851.918 Gulden für Zahlungen an die sieben Kurfürsten bereit. Karl wurde am 28. Juni 1519 einstimmig gewählt. In einer Wahlkapitulation bestätigte er Rechte der Reichsstände und versprach unter anderem ein Reichsregiment sowie die Besetzung wichtiger Reichsämter mit Deutschen. Am 23. Oktober 1520 wurde er in Aachen gekrönt. Papst Clemens VII. krönte ihn am 24. Februar 1530 in Bologna zum Kaiser; Karl war der letzte römisch-deutsche Kaiser, dessen Herrschaft durch eine päpstliche Krönung bestätigt wurde.

1526 heiratete Karl Isabella von Portugal. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, darunter Philipp II. Die Ehe galt trotz ihrer politischen Entstehung als glücklich. Karl hatte außerdem zwei anerkannte außereheliche Kinder: Margarethe von Parma und Don Juan de Austria.

Europäische Kriege und überseeische Besitzungen

Der Hauptgegner Karls in Westeuropa war Franz I. von Frankreich. Beide beanspruchten eine führende Stellung in Italien; Karl wollte außerdem Burgund zurückgewinnen. In der Schlacht bei Pavia am 24. Februar 1525 siegten Karls Truppen und nahmen Franz gefangen. Im Frieden von Madrid vom 14. Januar 1526 verzichtete Franz unter anderem auf Mailand und französische Lehnsrechte in Flandern und Artois, widerrief den Vertrag nach seiner Freilassung aber als erzwungen.

Frankreich, Papst Clemens VII., Venedig, Florenz und Mailand schlossen daraufhin die Heilige Liga von Cognac. 1527 plünderten führerlose kaiserliche Landsknechte beim Sacco di Roma die Stadt Rom. Karl war dafür nicht unmittelbar verantwortlich, doch das Ereignis galt als Zeichen kaiserlicher Bedrohung des Papsttums. Der Damenfriede von Cambrai vom 5. August 1529 bestätigte Frankreichs Verzicht auf Italien und seine Lehnsansprüche in Flandern und Artois; Karl gab seinen Anspruch auf Burgund auf. Weitere Kriege endeten 1544 im Frieden von Crépy, ohne Frankreich dauerhaft zu schwächen. In seinem letzten Krieg scheiterte Karl 1552 unter hohen Verlusten bei der Belagerung von Metz.

Gleichzeitig bedrohte das Osmanische Reich unter Süleyman I. die habsburgischen Länder. Nach der osmanischen Eroberung Belgrads 1521 und dem Tod König Ludwigs II. bei Mohács 1526 erbte Ferdinand Ansprüche auf Böhmen und Ungarn. Die Osmanen belagerten 1529 Wien. Karls Feldzug von 1532 brachte keine Entscheidung. 1535 eroberte er Tunis, doch die Macht der nordafrikanischen Barbaresken blieb bestehen; seine Expedition gegen Algier scheiterte 1541 in einem Sturm.

Die amerikanischen Vizekönigreiche finanzierten Karls europäische Politik wesentlich mit. 1535 entstand Neuspanien, 1542 Peru. Von 1541 bis 1560 gelangten 480 Tonnen Silber und 67 Tonnen Gold nach Spanien; ein Fünftel der amerikanischen Einnahmen, der quinto real, stand der Krone zu. Dennoch stieg die Verschuldung stark. Karl förderte die Expansion und beteiligte sich an der Finanzierung der Weltumsegelung Ferdinand Magellans und Juan Sebastián Elcanos.

Verordnungen und die Leyes Nuevas von 1542 sollten die Versklavung und Ausbeutung der Indigenen begrenzen, scheiterten aber vielfach an den Verhältnissen vor Ort und am Geldbedarf der Krone. 1549 ließ Karl weitere Eroberungen bis zu einer moralisch-rechtlichen Klärung stoppen. Der Disput von Valladolid 1550–1551 zwischen Bartolomé de las Casas und Juan Ginés de Sepúlveda endete ohne offizielles Urteil, behandelte aber grundsätzlich die Rechte der Indigenen. Zugleich erlaubte Karl seit 1518 durch Asientos de Negros den vertraglich organisierten Transport versklavter Menschen aus Afrika nach Amerika.

Reformation und Religionskonflikt

Auf dem Reichstag zu Worms 1521 verweigerte Martin Luther vor Karl den Widerruf seiner Schriften, solange er nicht auf Grundlage der Bibel widerlegt werde. Karl bekannte sich zur katholischen Tradition und erließ am 8. Mai das Wormser Edikt: Luther wurde mit der Reichsacht belegt und seine Schriften wurden verboten. Das Edikt konnte die Reformation jedoch nicht aufhalten.

Da Karl von 1521/22 an neun Jahre lang nicht im Reich war, gewann die Reformation weiter an Einfluss. Der Reichstag von Speyer 1526 überließ den einzelnen Reichsständen praktisch die Umsetzung des Wormser Edikts und erleichterte damit den Aufbau evangelischer Landeskirchen. 1529 protestierten evangelische Stände gegen eine Verschärfung; hiervon stammt ihre Bezeichnung als Protestanten. Auf dem Augsburger Reichstag von 1530 legten sie die von Philipp Melanchthon verfasste Confessio Augustana vor. Eine Einigung kam nicht zustande. 1531 gründeten evangelische Fürsten und Reichsstädte den Schmalkaldischen Bund.

Wegen der osmanischen Gefahr schloss Karl 1532 mit den evangelischen Ständen den Nürnberger Anstand, einen vorläufigen Religionsfrieden bis zu einem allgemeinen Konzil. Religionsgespräche in Hagenau, Worms und Regensburg brachten später einzelne theologische Annäherungen, scheiterten aber am Widerstand verschiedener katholischer und protestantischer Kräfte. Das von Karl geforderte Konzil von Trient begann 1545 und dauerte bis 1563. Die Protestanten beteiligten sich nicht; das Konzil wurde nach Karls Tod zu einem Ausgangspunkt der katholischen Gegenreformation.

Neben der Religionspolitik entstanden wichtige Reichsgesetze. Die 1532 bestätigte Constitutio Criminalis Carolina war das erste allgemeine Straf- und Prozessgesetzbuch des Heiligen Römischen Reiches. Karl verschärfte außerdem die Zensur: Druck und Einfuhr von Büchern unterlagen Genehmigungen, Luthers Schriften waren verboten, und seit 1546 entstanden Listen verbotener Bücher.

Sieg, Fürstenaufstand und Religionsfriede

Nachdem Ausgleichsversuche gescheitert waren, begann Karl 1546 den Schmalkaldischen Krieg gegen den protestantischen Bund. Trotz anfänglicher zahlenmäßiger Überlegenheit konnten dessen Mitglieder nicht gemeinsam handeln. Karl siegte am 24. April 1547 in der Schlacht bei Mühlberg; Johann Friedrich von Sachsen und Philipp von Hessen gerieten in Gefangenschaft. Auf dem „geharnischten“ Reichstag von Augsburg 1547/48 demonstrierten spanische Truppen die kaiserliche Macht. Karl reformierte das Reichskammergericht und ordnete mit dem Burgundischen Vertrag von 1548 die siebzehn niederländischen Provinzen als staatsrechtliche Einheit im Burgundischen Reichskreis.

Zur vorläufigen Lösung der Glaubensfrage setzte Karl 1548 das Augsburger Interim durch. Es erlaubte protestantischen Laien den Kelch beim Abendmahl und anerkannte verheiratete Priester, verlangte ansonsten aber weitgehend die Rückkehr zur katholischen Kirche. Katholische und protestantische Gebiete verweigerten die Umsetzung. Der Versuch, die Ordnung mit spanischen Soldaten durchzusetzen, verstärkte den Widerstand.

1552 führte Moritz von Sachsen den Fürstenaufstand gegen Karl an und verbündete sich mit Heinrich II. von Frankreich. Frankreich besetzte Metz, Toul und Verdun; die Fürstenarmee drang bis Tirol vor, und Karl musste aus Innsbruck fliehen. Der Passauer Vertrag von 1552 beseitigte das Interim faktisch und erkannte die vorläufige Koexistenz der Konfessionen an.

Im Augsburger Religionsfrieden vom 25. September 1555 wurde der lutherische Protestantismus reichsrechtlich anerkannt. Die weltlichen Reichsstände erhielten das Recht, die Konfession ihres Territoriums zu bestimmen, zusammengefasst in der Formel „cuius regio, eius religio“. Geistliche Territorien waren davon ausgenommen. Ferdinand leitete die Verhandlungen; Karl hielt sich zurück, weil der Frieden das Scheitern seines Ziels einer katholisch geeinten Reichskirche sichtbar machte.

Abdankung, letzte Jahre und Bedeutung

Von Gicht schwer gezeichnet und nach dem Scheitern seiner Religions- und Reichspolitik entschloss sich Karl zur Abdankung. Seine Gebiete wurden geteilt: Sohn Philipp II. erhielt die Niederlande, Spanien, die italienischen Besitzungen und die amerikanischen Kolonien; Bruder Ferdinand erhielt die österreichischen Erblande, Böhmen, Ungarn und den Anspruch auf die Kaiserkrone. Damit entstanden die spanische und die österreichische Linie der Habsburger.

Am 25. Oktober 1555 übergab Karl in Brüssel die Niederlande an Philipp, am 16. Januar 1556 folgten Kastilien, Aragón, Sizilien und die amerikanischen Kolonien. Am 8. August 1556 überließ er Ferdinand die Regierung des Reiches und sandte den Kurfürsten am 12. September seine förmliche Abdankungsurkunde – ein einmaliger Vorgang in der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches. Ferdinand wurde erst am 26. Februar 1558 als „erwählter Kaiser“ anerkannt.

Karl zog sich in ein komfortables Landhaus neben dem Hieronymitenkloster San Jerónimo de Yuste zurück, ohne Mönch zu werden. Sein Hof umfasste etwa 50 Personen. Er nahm nicht mehr unmittelbar an der Regierung teil, diktierte aber weiterhin Depeschen und erteilte gelegentlich wichtige Anweisungen. Er beschäftigte sich mit Religion, Uhren, Karten und Globen. Das verbreitete Bild eines streng asketischen Einsiedlers entspricht daher nicht seinem tatsächlichen Leben.

Karl starb am 21. September 1558 an Malaria; die Diagnose wurde 2007 durch die Untersuchung eines mumifizierten Fingerglieds bestätigt. Sein Leichnam wurde zunächst in Yuste beigesetzt und 1574 von Philipp II. in das Kloster El Escorial überführt.

Karl nutzte Kunst gezielt zur Darstellung kaiserlicher Macht. Tizian schuf bedeutende Herrscherporträts, darunter das Reiterbild nach dem Sieg bei Mühlberg; Jan Cornelisz Vermeyen und Willem de Pannemaker verherrlichten den Tunisfeldzug. Karls Regierungszeit zeigt zugleich die Grenzen dynastischer Universalherrschaft: Seine weit verstreuten Länder machten ihn zum mächtigsten Herrscher seiner Zeit, konnten aber weder dauerhaft zentralisiert werden noch die konfessionelle Spaltung, den Widerstand der Reichsstände, Frankreichs Eigenständigkeit oder die osmanische Expansion überwinden.

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