Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Deutschland im 20. Jahrhundert

Die weltbewegende Geschichte von Deutschland im 20. Jahrhundert umfasst den Ersten Weltkrieg mit dem Ende von Monarchie und Kaiserreich, die Weimarer …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Weimarer Republik: Entstehung und Krisen
  2. 2. Nationalsozialistische Diktatur, Krieg und Holocaust
  3. 3. Besatzung und Gründung zweier deutscher Staaten
  4. 4. Bundesrepublik Deutschland: Westintegration und politische Entwicklung
  5. 5. DDR: SED-Herrschaft, Teilung und friedliche Revolution
  6. 6. Wiedervereinigtes Deutschland seit 1990

Weimarer Republik: Entstehung und Krisen

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Monarchie bildete sich am 10. November 1918 mit dem Rat der Volksbeauftragten eine provisorische Regierung. Der Reichsrätekongress entschied sich mehrheitlich für eine demokratische Ordnung. Eingeführt wurden unter anderem das allgemeine und Frauenwahlrecht sowie der 8-Stunden-Tag. Im Januar 1919 gründete sich die KPD; der Spartakusaufstand wurde von Freikorps niedergeschlagen. Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Leo Jogiches wurden ermordet.

Die am 19. Januar 1919 gewählte Nationalversammlung trat in Weimar zusammen. Sie wählte Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten und Philipp Scheidemann zum Reichskanzler. Nach der Weimarer Verfassung war Deutschland eine parlamentarische Demokratie. Zugleich besaß der Reichspräsident sehr weitgehende Befugnisse: Er konnte den Reichskanzler ernennen, den Reichstag auflösen und mit Notverordnungen sogar Grundrechte außer Kraft setzen. Die Verfassung konnte durch eine qualifizierte Mehrheit vollständig geändert werden.

Der Versailler Vertrag vom 28. Juni 1919 verpflichtete Deutschland zu Gebietsabtretungen, zum Verlust des gesamten Kolonialbesitzes, zur Entmilitarisierung des Rheinlandes und zu starken Beschränkungen der Reichswehr. Deutschland und seine Verbündeten wurden mit der alleinigen Kriegsschuld belastet; Reparationsforderungen wurden gestellt. Das Saargebiet kam unter die Verwaltung des Völkerbundes, und Österreich musste ein Anschlussverbot mit Deutschland akzeptieren. Der Vertrag wurde in Deutschland als Versailler Diktat abgelehnt. Nicht durchgeführte Reformen in Militär, Justiz und Verwaltung sowie die Dolchstoßlegende belasteten die Republik zusätzlich.

Die Entwicklung lässt sich in drei Phasen einteilen. Die Krisenjahre waren von politischen Morden, dem Kapp-Putsch 1920, Erfolgen radikaler Parteien und der Ruhrbesetzung im Januar 1923 geprägt. Der von der Regierung unterstützte Ruhrkampf verstärkte die galoppierende Inflation, die erst im November 1923 durch eine Währungsreform beendet wurde. Der Hitlerputsch in Bayern scheiterte.

Von 1924 an folgte eine Phase relativer Stabilität. Die Währungsneuordnung und US-amerikanische Kredite im Rahmen des Dawes-Plans ermöglichten die sogenannten Goldenen 20er Jahre. Gustav Stresemann bemühte sich um eine Verständigung mit Frankreich und zugleich um eine schrittweise Revision des Versailler Vertrags. Wichtige Schritte waren die Verträge von Locarno 1925 und die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund 1926. Nach dem Tod Friedrich Eberts im Februar 1925 wurde der kaisertreue Paul von Hindenburg Reichspräsident.

Die Weltwirtschaftskrise leitete ab 1930 die Schlussphase ein. Im Sommer 1932 waren 6 Millionen Menschen arbeitslos. Präsidialkabinette regierten ohne parlamentarische Mehrheiten, während sich NSDAP und KPD radikalisierten. Die NSDAP wurde am 31. Juli 1932 stärkste Kraft. Nach dem Rücktritt Kurt von Schleichers am 28. Januar 1933 ernannte Hindenburg Adolf Hitler am 30. Januar zum Reichskanzler.

Nationalsozialistische Diktatur, Krieg und Holocaust

Nach Hitlers Ernennung begann die Umwandlung der Republik in eine Diktatur. Nach dem Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933, dessen Umstände bis heute nicht restlos geklärt sind, schränkte eine Notverordnung die Grundrechte ein. Politische Gegner wurden verhaftet, die KPD verboten und mit dem Ermächtigungsgesetz die Gesetzgebungsbefugnisse des Parlaments auf die Regierung übertragen. Länder, Presse, Gewerkschaften und Parteien wurden gleichgeschaltet. Die ersten Konzentrationslager dienten zunächst vor allem der Inhaftierung politisch Verfolgter.

Die NS-Herrschaft durchdrang das gesamte gesellschaftliche Leben mit Organisationen wie Hitler-Jugend, SS, Deutscher Arbeitsfront und KdF. Im April 1933 begannen der Boykott jüdischer Geschäfte und die Entfernung jüdischer Beamter aus dem Staatsdienst; am 10. Mai 1933 wurden Bücher verbrannt. Die evangelischen Landeskirchen wurden in einer Reichskirche zusammengefasst, gegen die sich unter anderem der Pfarrernotbund richtete. Arbeitslosigkeit wurde beseitigt und der Autobahnbau beschleunigt, diente jedoch vorwiegend der Kriegsvorbereitung. 1934 wurden Justiz und Partei weiter gleichgeschaltet. Nach Hindenburgs Tod am 2. August 1934 vereinigte Hitler die Ämter des Reichspräsidenten und Reichskanzlers und ließ die Reichswehr auf sich vereidigen.

Die Aufrüstung und Expansionspolitik führten zum Großdeutschen Reich. 1935 kehrte das Saarland nach einer Abstimmung zum Reich zurück; zugleich wurden die Nürnberger Rassengesetze beschlossen. 1936 besetzte die Wehrmacht das entmilitarisierte Rheinland. Der Vierjahresplan sollte Deutschland spätestens 1940 kriegsfähig machen. 1938 erzwang Hitler den Anschluss Österreichs und erhielt nach der Münchner Konferenz das Sudetenland. In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden mehr als 1.400 Synagogen angezündet, über 7000 jüdische Geschäfte zerstört und Tausende Juden verhaftet; etwa 90 Juden starben durch Misshandlungen oder wurden ermordet. 1939 entstanden nach dem Einmarsch in die Rest-Tschechei das Reichsprotektorat Böhmen und Mähren; außerdem kam das Memelland wieder zu Deutschland.

Der Überfall auf Polen am 1. September 1939 löste den Zweiten Weltkrieg aus. Die schnellen Siege über Polen, Dänemark, Norwegen, die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Frankreich 1939 und 1940 wurden als Blitzkriege bezeichnet. Eine Invasion Großbritanniens scheiterte. 1940/41 eroberten Deutschland und Italien Jugoslawien und Griechenland. Am 22. Juni 1941 griff Deutschland die Sowjetunion an; am 11. Dezember 1941 erklärten Deutschland und Italien den USA den Krieg. Die Kapitulation der 6. Armee in Stalingrad am 2. Februar 1943 markierte den Wendepunkt. 1943 kapitulierten die Achsenmächte in Tunesien, und mit der Operation Husky begann der alliierte Italienfeldzug.

Der Holocaust war der systematische nationalsozialistische Völkermord. Juden in den besetzten Gebieten wurden in Ghettos gezwungen, zur Zwangsarbeit eingesetzt und ab September 1941 zum Tragen des Judensterns verpflichtet. Auf der Wannseekonferenz im Januar 1942 wurde die sogenannte Endlösung der Judenfrage koordiniert. In Vernichtungslagern wurden bis zum Kriegsende etwa sechs Millionen Juden sowie europäische Roma ermordet. Weitere Verfolgte waren unter anderem Homosexuelle, als asozial bezeichnete Menschen, politische Gegner, entschiedene Christen, Zeugen Jehovas und die Bevölkerung besetzter Gebiete. Millionen Menschen wurden zur Zwangsarbeit deportiert; sowjetische Kriegsgefangene starben vielfach an Hunger und Kälte.

Ab 1943 bombardierten die Alliierten deutsche Städte; bis Kriegsende starben dabei etwa 300.000 Zivilisten. 1944 rückte die Rote Armee in Südosteuropa vor, am 6. Juni landeten die Westalliierten in der Normandie. Das Attentat vom 20. Juli 1944 scheiterte. Im Frühjahr 1945 erreichten die Alliierten Deutschland, Hitler beging am 30. April Selbstmord. Am 7. und 9. Mai unterzeichnete das Oberkommando der Wehrmacht die bedingungslose Kapitulation. Damit endete in Europa ein von Deutschland entfesselter Krieg, der etwa 60 Millionen Tote forderte.

Besatzung und Gründung zweier deutscher Staaten

Auf der Potsdamer Konferenz im Juli und August 1945 legten die Siegermächte USA, Großbritannien und Sowjetunion die Grundsätze ihrer Deutschlandpolitik fest: Demokratisierung, Denazifizierung, Demilitarisierung, Dezentralisierung und Demontage. Deutschland wurde in vier Besatzungszonen geteilt, Berlin erhielt eine gemeinsame Verwaltung. Ein Alliierter Kontrollrat sollte gemeinsame Entscheidungen ermöglichen. Gleichzeitig begannen Wiederaufbau, Trümmerbeseitigung, die Bildung von Ländern und die Zulassung politischer Parteien. Ab Oktober 1945 wurden im Rahmen der Entnazifizierung die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse durchgeführt.

Die Besatzungsmächte entwickelten zunehmend unterschiedliche politische und wirtschaftliche Systeme. In der Sowjetischen Besatzungszone führte eine Bodenreform zu zahlreichen Enteignungen. Zunächst wurden im Rahmen einer Volksfrontpolitik mehrere Parteien zugelassen, doch nach der Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED besetzten Kommunisten wichtige Schlüsselstellen. Die Deutsche Wirtschaftskommission erhielt ab 1947 wachsende Aufgaben bei der Wirtschaftssteuerung.

Die britische und die US-amerikanische Zone bildeten Anfang 1947 die Bizone. Der Marshallplan unterstützte ab 1947 den Wiederaufbau, wurde von der Sowjetunion für die SBZ jedoch abgelehnt. In den Westzonen entstand mit dem Wirtschaftsrat ein vorstaatliches Organ. Die Währungsreform mit der D-Mark am 20. Juni 1948 schuf eine Grundlage für die Marktwirtschaft und das spätere Wirtschaftswunder. Die Einführung der D-Mark in West-Berlin am 24. Juni löste die Berliner Blockade aus; West-Berlin wurde monatelang aus der Luft versorgt. Am 12. Mai 1949 endete die Blockade.

Nach dem Austritt der Sowjetunion aus dem Kontrollrat im März 1948 bildeten die westlichen Zonen im Juni die Trizone. Die Frankfurter Dokumente vom 1. Juli 1948 forderten die Ministerpräsidenten zur Vorbereitung eines westdeutschen Staates auf. Der Parlamentarische Rat erarbeitete in Bonn das Grundgesetz, das am 23. Mai 1949 verkündet wurde. Damit war die Bundesrepublik Deutschland gegründet. In der SBZ nahm der Deutsche Volkskongress eine Verfassung für eine Deutsche Demokratische Republik an; am 7. Oktober 1949 wurde die DDR gegründet.

Bundesrepublik Deutschland: Westintegration und politische Entwicklung

Bei der Bundestagswahl vom 14. August 1949 wurde die CDU/CSU stärkste Fraktion. Konrad Adenauer wurde Bundeskanzler, Theodor Heuss Bundespräsident. Die frühen Jahre waren durch Westintegration, Wiederbewaffnung und das Wirtschaftswunder geprägt. Die Bundesrepublik erhob den Alleinvertretungsanspruch für ganz Deutschland und wandte die Hallstein-Doktrin an. 1955 trat der Deutschlandvertrag in Kraft, der das Besatzungsstatut aufhob, wobei alliierte Vorbehaltsrechte teilweise bestehen blieben. Die Bundesrepublik trat der NATO bei und gründete die Bundeswehr. Sie war 1952 Mitbegründerin der Montanunion und 1957 der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft; im selben Jahr wurde das Saarland ein Bundesland. 1951 und 1956 verbot das Bundesverfassungsgericht die SRP beziehungsweise die KPD.

Bis zum Bau der Berliner Mauer 1961 kamen Millionen Menschen aus der DDR in die Bundesrepublik. Wegen des Arbeitskräftemangels wurden zunehmend Gastarbeiter aufgenommen. Der Élysée-Vertrag von 1963 leitete die Aussöhnung mit Frankreich ein. Nach Adenauers Rücktritt 1963 folgte Ludwig Erhard, der 1966 wegen einer Wirtschaftskrise zurücktrat. Die Große Koalition unter Kurt Georg Kiesinger beschloss 1968 die Notstandsverfassung. Die 68er-Bewegung kritisierte unter anderem die unzureichende Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit, den Bildungsnotstand, den Vietnamkrieg und die als überholt empfundene Gesellschaftsordnung. Sie veränderte Alltagskultur und Politik; ein Teil der Protestbewegung wandte sich später dem Linksterrorismus der RAF zu.

1969 bildeten SPD und FDP unter Willy Brandt eine sozialliberale Koalition. Brandts neue Ostpolitik zielte auf Annäherung an die Ostblockstaaten und die DDR. Innenpolitisch wurden Rechtssystem und Sozialstaat liberalisiert und das Bildungswesen ausgebaut. Nach der Ölkrise 1973 endete das Wirtschaftswunder. Brandt trat 1974 wegen der Guillaume-Affäre zurück. Unter Helmut Schmidt wurden Ostpolitik und Entspannung fortgesetzt; zugleich bekämpfte der Staat den RAF-Terrorismus, der 1977 im Deutschen Herbst seinen Höhepunkt erreichte. Umwelt- und Friedensbewegung gewannen an Bedeutung.

Nach dem Bruch der SPD/FDP-Koalition wurde Helmut Kohl am 1. Oktober 1982 durch ein konstruktives Misstrauensvotum Bundeskanzler. Die CDU/CSU-FDP-Koalition wurde 1983 bestätigt; die Grünen zogen erstmals in den Bundestag ein. Wichtige Themen waren unter anderem der Beginn des Privatfernsehens, die Flick-Affäre, die Katastrophe von Tschernobyl 1986 und der Besuch Erich Honeckers in der Bundesrepublik 1987. Die friedliche Revolution in der DDR, die Einführung der D-Mark dort sowie die Zustimmung der Siegermächte und beider deutschen Parlamente ermöglichten die Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990.

DDR: SED-Herrschaft, Teilung und friedliche Revolution

Die DDR war formal ein Staat mit Volkskammer, Staatspräsident und Ministerpräsident; der eigentliche politische Machthaber war jedoch bis 1971 der SED-Generalsekretär Walter Ulbricht. Wilhelm Pieck wurde Staatspräsident, Otto Grotewohl Ministerpräsident. 1950 entstand das Ministerium für Staatssicherheit, kurz MfS oder Stasi. Die Volkskammer wurde bis 1989 über eine Einheitsliste gewählt; für die erste Wahl am 15. Oktober 1950 wurden offiziell 99,3 % Zustimmung angegeben.

Die Wirtschaft wurde zentral geplant. 1951 begann der 1. Fünfjahresplan, aus Sowjetischen Aktiengesellschaften entstanden 1952 Volkseigene Betriebe, und die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft wurde gegründet. Eine Erhöhung der Arbeitsnormen führte 1953 zu Protesten. Der Volksaufstand vom 17. Juni wurde mit sowjetischen Truppen blutig niedergeschlagen; in der Bundesrepublik galt der 17. Juni bis 1990 als Tag der deutschen Einheit.

Nachdem zwischen 1949 und 1961 etwa drei Millionen Menschen die DDR verlassen hatten, riegelte die DDR am 13. August 1961 die Grenze zu West-Berlin ab und errichtete die Berliner Mauer. In den 1970er Jahren kam es zu einer begrenzten Annäherung an die Bundesrepublik. Der Grundlagenvertrag trat 1973 in Kraft; beide deutschen Staaten wurden Mitglieder der UNO. 1975 unterzeichneten sie die Schlussakte von Helsinki. Die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann im November 1976 löste Proteste aus. Ein Milliardenkredit, den Franz Josef Strauß der DDR 1983 ermöglichte, sollte ihre finanzielle Stabilität sichern.

Michail Gorbatschows Politik von Glasnost und Perestroika wurde von der DDR-Führung nicht übernommen. 1989 flohen immer mehr DDR-Bürger über Ungarn und über Botschaften der Bundesrepublik. Friedensgebete und vor allem die Leipziger Montagsdemonstrationen entwickelten sich zu großen, überwiegend friedlichen Protesten. Erich Honecker musste am 18. Oktober 1989 zurücktreten. Am 9. November wurde die Berliner Mauer geöffnet; der Rücktritt der Regierung und die friedlichen Massenproteste führten zum Ende des SED-Regimes. Am 3. Oktober 1990 trat die DDR nach dem Einigungsvertrag gemäß Artikel 23 a. F. des Grundgesetzes der Bundesrepublik bei.

Wiedervereinigtes Deutschland seit 1990

Nach der Wiedervereinigung fanden im Dezember 1990 erstmals gesamtdeutsche Bundestagswahlen statt. Helmut Kohl blieb Bundeskanzler und wurde 1994 erneut gewählt. Zentrale Aufgaben waren das Zusammenwachsen von Ost und West, Reformen in vielen Bereichen und die weitere europäische Integration. In Ostdeutschland wurden Infrastruktur und einzelne Regionen deutlich verbessert. Gleichzeitig blieben Arbeitslosigkeit, strukturelle Probleme, Abwanderung junger Menschen und rechtsradikale Tendenzen wichtige Herausforderungen. Die PDS entwickelte sich zu einer ostdeutschen Regionalpartei. Der Regierungsumzug von Bonn nach Berlin wurde 1991 beschlossen und größtenteils 1999 abgeschlossen. Die Bundeswehr nahm erstmals an Auslandseinsätzen teil.

1998 löste Gerhard Schröder mit einer Koalition aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen die CDU/CSU-FDP-Regierung ab. Es war die erste eigentliche Abwahl einer Bundesregierung in der Bundesrepublik. Die neue Regierung leitete Reformen ein, deren Wirkung teilweise umstritten blieb. 2000 wurde der Atomausstieg beschlossen, der stufenweise bis 2023 umgesetzt wurde. Nach der Bundestagswahl 2002 wurde die Koalition knapp bestätigt. Die Jahrhundertflut von 2002 verursachte große Schäden. Gegen das Hartz-Konzept, das am 1. Januar 2005 umgesetzt wurde, gab es starke Proteste.

Angela Merkel wurde am 22. November 2005 Bundeskanzlerin. Nach der Wahl 2009 regierte sie zunächst mit der FDP, nach der Wahl 2013 erneut mit der SPD. Die Nuklearkatastrophe von Fukushima führte 2011 zur Verkürzung der Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke. 2015 nahm Deutschland mehr als eine Million Geflüchtete auf, die größtenteils aus Afghanistan und Syrien kamen. Die Flüchtlingspolitik löste Proteste aus; rechtsextreme Gruppen und Parteien gewannen an Stärke. Die AfD erhielt 2017 12,6 % der Stimmen und wurde drittstärkste Fraktion. Eine Jamaika-Koalition scheiterte, ab 2018 regierte erneut eine Große Koalition.

Die Corona-Pandemie führte ab Frühjahr 2020 zu mehreren Lockdowns, weiteren Schutzmaßnahmen und einer Wirtschaftskrise. Die Maßnahmen wurden ab Herbst 2022 schrittweise aufgehoben und endeten im Frühjahr 2023. Nach der Bundestagswahl 2021 endete Merkels 16-jährige Amtszeit. Olaf Scholz wurde am 8. Dezember 2021 Bundeskanzler einer Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP. Wegen der durch den am 24. Februar 2022 eskalierten Russisch-Ukrainischen Krieg ausgelösten Energiekrise wurde der Atomausstieg kurzfristig bis April 2023 verschoben. Am 15. April 2023 wurden die letzten Atomreaktoren in Deutschland abgeschaltet.

Lernvideos zu Deutschland im 20. Jahrhundert

Weiterlesen

Deutsches Kaiserreich Die innen- und außenpolitische Entwicklung des Reichs wurde von 1871 bis 1890 von seinem ersten und am längsten amtierenden Kanzler, Otto von Bismarck, bestimmt … Erster Weltkrieg Der Erste Weltkrieg war ein bewaffneter Konflikt, der von 1914 bis 1918 in Europa, Vorderasien, Afrika, Ostasien und auf den Ozeanen geführt wurde. Weimarer Republik Die Weimarer Republik entstand im Zuge der Novemberrevolution. Diese Bezeichnung der ersten auf nationalstaatlicher Ebene verwirklichten deutschen Republik ist … Deutsche Inflation 1914 bis 1923 Die deutsche Inflation von 1914 bis November 1923 war eine der radikalsten Geldentwertungen in großen Industrienationen. Nationalsozialismus Seine Wurzeln hat er in der völkischen Bewegung, die sich etwa zu Beginn der 1880er Jahre im deutschen Kaiserreich und in Österreich-Ungarn entwickelte. Ab 1919 … Zweiter Weltkrieg Als Zweiter Weltkrieg (1. September 1939 – 2. September 1945) wird der zweite global geführte Krieg sämtlicher Großmächte im 20. Jahrhundert bezeichnet. Holocaust Das Menschheitsverbrechen gründete auf dem staatlich propagierten Antisemitismus und der entsprechenden rassistischen Gesetzgebung im Deutschen Reich zur Zeit … Ostgebiete des Deutschen Reiches Insgesamt hatte Ostpreußen unter allen deutschen Ländern im Kontext von Flucht und Vertreibung die höchsten Menschenverluste zu verzeichnen. [25] Polnische … Deutsche Teilung Die Teilung war eine Folge der deutschen Niederlage im Zweiten Weltkrieg. Die Bundesrepublik ist eine liberale Demokratie und unterhält enge Beziehungen zu den … Wahlrecht Diese Wahlen sind keine „politischen“ Wahlen. Es gelten zwar die obigen Wahlrechtsgrundsätze, ansonsten können aber andere Voraussetzungen gegeben sein. Frauenwahlrecht 1 Geschichte · 2 Frauenwahlrecht weltweit · 3 Auswirkungen auf die Politik · 4 Das Frauenwahlrecht in Europa · 5 Internationale Vernetzung · 6 Politikerinnen · 7 … Kommunistische Partei Deutschlands Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) war eine zum Jahreswechsel 1918/19 in der Weimarer Republik gegründete, aus dem Spartakusbund hervorgegangene …