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Portugal
Zum 1. Januar 1986 trat Portugal zusammen mit Spanien den Europäischen Gemeinschaften (EG) bei, aus denen später die Europäische Union (EU) entstand, und zählt …
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Staat und geografischer Raum
Portugal, amtlich Portugiesische Republik, ist ein Staat im Westen der Iberischen Halbinsel. Im Norden und Osten grenzt es auf 1224 km an Spanien, im Westen und Süden an den Atlantischen Ozean. Zum Staatsgebiet gehören außerdem die autonomen Inselregionen Azoren und Madeira mit Porto Santo. Der westlichste Punkt Kontinentaleuropas liegt in Portugal.
Die Fläche beträgt 92.212 km². Hauptstadt ist Lissabon, Amtssprache Portugiesisch; regional ist Mirandesisch anerkannt. Portugal ist eine semipräsidentielle Republik, seit 1986 Mitglied der Europäischen Gemeinschaften beziehungsweise der Europäischen Union und Gründungsstaat der Eurozone. Die Währung ist der Euro. Portugal ist außerdem Gründungsmitglied der NATO und OECD sowie Mitglied der Vereinten Nationen, des Europarats und des Schengen-Raums.
Der Norden ist kühl und feucht. Im Minho werden unter anderem Vinho Verde, Gemüse, Wein, Oliven, Eichen, Kastanien und Pinien angebaut. Trás-os-Montes im Nordosten ist gebirgig, mit kalten Wintern und heißen Sommern. Im Zentrum liegen hügelige und gebirgige Landschaften; der Torre ist mit 1993 m der höchste Berg Kontinentalportugals. Der Tejo teilt die Region und wichtige Anbauprodukte sind Wein, Getreide, Reis, Sonnenblumen und Gemüse.
Der Alentejo ist heiß, trocken, eben bis hügelig und dünn besiedelt. Getreidefelder, Olivenhaine und Korkeichen prägen die Landschaft; daneben werden Wein und Sonnenblumen angebaut. Die Algarve im Süden ist durch Steilküsten, Sandstrände und starken Tourismus gekennzeichnet. Die Azoren und Madeira sind, mit Ausnahme von Santa Maria, Vulkaninseln. Der höchste Berg Portugals ist der Ponta do Pico auf der Azoreninsel Pico mit 2351 m. Bedeutende Flüsse sind Tejo, Douro und Mondego.
Bevölkerung und öffentliche Lebensbereiche
Nach der Volkszählung lebten 2021 insgesamt 10.344.802 Menschen in Portugal; die Infobox nennt für denselben Zeitraum 10.421.117 Einwohner. Die Bevölkerung hat sich seit 1900 verdoppelt. Nach einem Rückgang seit der Finanzkrise 2010 wuchs sie ab 2019 wieder, unter anderem durch Zuwanderung aus früheren Kolonien, eine stabilere Wirtschaft und die Rückkehr von Portugiesen aus dem Ausland.
Die Geburtenrate sank von 30 je 1000 Einwohner vor 1920 auf 8,2 je 1000 im Jahr 2021. 2022 lag die durchschnittliche Kinderzahl je Frau bei 1,4. Die Bevölkerung wächst besonders an der Algarve, in Lissabon und auf den Azoren, während sie im Alentejo und im Zentrum zurückgeht. 2021 waren 1,3 Millionen Menschen jünger als 16 Jahre und 2,5 Millionen mindestens 65 Jahre alt. Die Lebenserwartung betrug 2022 81,6 Jahre, bei Frauen 84,5 und bei Männern 78,8.
Portugal ist sprachlich, ethnisch und religiös weitgehend homogen. Die größte einheimische Minderheit bilden Roma; Schätzungen nennen 40.000 bis 50.000 Personen, eine offizielle Studie von 2017 gut 37.000. Knapp 40 % der Bevölkerung leben im dicht besiedelten Küstenstreifen zwischen Porto und Lissabon. 2021 hatten 555.299 Einwohner eine ausländische Staatsangehörigkeit, also 5,4 % der Gesamtbevölkerung. Die größte Gruppe waren 2020 Brasilianer mit 204.694 Personen.
Die Mehrheit bekennt sich zum römisch-katholischen Glauben; der Anteil wird mit 85 % bis 95 % angegeben. Seit 1976 ist der Laizismus verfassungsrechtlich verankert, und es gilt Religionsfreiheit. Fátima ist das wichtigste katholische Pilgerziel. Das Bildungssystem umfasst vier Jahre Grundschule, fünf Jahre Oberschule und eine gesetzliche neunjährige Schulpflicht ab dem sechsten Lebensjahr. Nach einer dreijährigen Escola Secundária ist die Universitätsreife möglich. Das steuerfinanzierte Gesundheitssystem Serviço Nacional de Saúde steht seit 1979 weitgehend kostenlos zur Verfügung; 2022 betrugen die Gesundheitsausgaben 10,6 % des BIP.
Historische Entwicklung
Portugal wurde vermutlich bereits vor 500.000 Jahren von Homo heidelbergensis und später von Neandertalern besiedelt. Moderne Menschen sind in Zentralportugal durch Steinwerkzeuge aus der Höhle Lapa do Picareiro belegt, die auf 41.100 bis 38.100 Jahre cal BP datiert wurden. Ab 800 v. Chr. gründeten Phönizier Handelsstützpunkte an der Algarve, ab etwa 600 v. Chr. Griechen Siedlungen. Kelten vermischten sich mit Iberern und bildeten die Keltiberer. Die Römer verwalteten das Gebiet zunächst als Hispania ulterior und unter Augustus als Lusitania. Ihre Herrschaft führte zu Romanisierung, Städten, Straßen, Bergwerken, Christentum und der Verbreitung des Vulgärlateins, aus dem Portugiesisch entstand.
711 eroberten muslimische Truppen das Westgotenreich. Der maurische Einfluss prägte Kultur, Sprache, Bewässerung, Landwirtschaft, Handwerk und Architektur. Im 9. Jahrhundert begann von Norden aus die christliche Reconquista. 868 wurde Portucale, 879 Coimbra erobert. Aus der Grafschaft Portucale entwickelte sich das Königreich Portugal. Alfons I. nahm 1143 den Königstitel an; 1166 wurde die formelle Unabhängigkeit erreicht. Mit der Eroberung der Algarve war die Reconquista bis 1250 abgeschlossen.
Unter dem Haus Avis wurde Portugal im 15. und 16. Jahrhundert eine führende Handels- und Seemacht. Entdeckungsfahrten an der westafrikanischen Küste leiteten den Aufbau eines Kolonialreichs in Afrika, Brasilien und Asien ein. 1580 fiel Portugal an die spanischen Habsburger und blieb bis 1640 in der Iberischen Union. Danach regierte das Haus Braganza. Das Erdbeben von 1755 zerstörte große Teile Lissabons; Marquês de Pombal leitete den Wiederaufbau und Reformen ein. 1807 besetzten napoleonische Truppen Portugal, die königliche Familie floh nach Brasilien. Nach der liberalen Revolution erhielt das Land 1821 erstmals eine Verfassung.
1910 stürzte die Monarchie, und am 5. Oktober wurde die Erste Republik ausgerufen. Politische Instabilität führte 1926 zum Militärputsch. António de Oliveira Salazar errichtete ab 1933 den autoritären Estado Novo mit Einheitspartei, Staatsjugend und Geheimpolizei. Die Kolonialkriege ab 1960 verschärften die wirtschaftliche und außenpolitische Krise. Die Nelkenrevolution vom 25. April 1974 beendete die Diktatur und leitete die Unabhängigkeit der Kolonien 1974/1975 ein. Die Verfassung von 1976 begründete die demokratische Dritte Republik. 1986 trat Portugal der Europäischen Gemeinschaft bei; Macau folgte 1999 an China.
Politisches System und internationale Beziehungen
Portugal ist seit 1974 eine repräsentative Demokratie mit semipräsidentiellem Regierungssystem. Die wichtigsten politischen Organe sind Präsident, Premierminister und Ministerrat, Parlament und Justiz. Der Präsident wird alle fünf Jahre direkt gewählt, ist Oberkommandierender der Streitkräfte und ernennt den Premierminister unter Berücksichtigung des Ergebnisses der Parlamentswahlen. Seit der Verfassungsrevision von 1982 besitzt er keine exekutiven Befugnisse mehr; die Regierung ist dem Parlament verantwortlich.
Das Parlament, die Assembleia da República, ist ein Einkammersystem mit bis zu 230 Abgeordneten. Sie werden für vier Jahre nach Verhältniswahlrecht gewählt. Die Regierung muss ihr Programm dem Parlament vorlegen. Das Verfassungsgericht mit neun Mitgliedern überwacht die verfassungsgemäße Auslegung des Rechts; der Oberste Gerichtshof ist die höchste Instanz der ordentlichen Justiz. Das portugiesische Recht beruht auf dem römischen Recht und wurde im 20. Jahrhundert besonders vom deutschen Recht beeinflusst.
Zu den wichtigsten Parteien gehören die Sozialistische Partei PS, die Sozialdemokratische Partei PSD, CDS/PP, die Kommunistische Partei PCP und der Linksblock BE. Am 21. März 2024 wurde Luís Montenegro Premierminister und bildete eine Minderheitsregierung. Im Januar 2026 wurde António José Seguro zum Staatspräsidenten gewählt.
Portugal ist Mitglied der EU, NATO, OECD, WTO, Eurozone und des Europarats. Es ist Gründungsmitglied der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder und beteiligt sich an den Ibero-Amerikanischen Gipfeltreffen. 2024 wurde Portugal im Demokratieindex mit 8,08 von 10 Punkten als vollständige Demokratie eingestuft. Im Global Peace Index 2023 lag es auf Platz 7. Die Streitkräfte bestehen aus Heer, Marine, Luftstreitkräften und Republikanischer Nationalgarde; die allgemeine Wehrpflicht ist seit 2003 ausgesetzt.
Wirtschaft, Energie und Verkehr
Seit dem EG-Beitritt 1986 entwickelte sich Portugal zu einer diversifizierten, vor allem dienstleistungsorientierten Wirtschaft. Dienstleistungen erbringen etwa zwei Drittel des BIP. 2024 betrug das BIP nominal 309 Milliarden USD, das BIP nach Kaufkraftparität 513 Milliarden USD; das BIP pro Kopf lag nominal bei 28.887 USD und nach Kaufkraftparität bei 48.014 USD. 2024 wuchs das reale BIP um 1,9 %, die Inflation lag bei 2,7 % und die Staatsverschuldung bei 95 % des BIP. Die Arbeitslosenquote betrug im Februar 2022 5,8 %.
Portugal wurde von der Finanz- und Eurokrise stark getroffen. 2011 wurden Finanzhilfen von 78 Milliarden Euro zugesagt, doch konnte das Land den Rettungsschirm 2014 verlassen. Tourismus, Inlandsnachfrage und Exporte verbesserten anschließend die Lage. Der Außenhandel wird zu etwa 80 % mit EU-Partnern abgewickelt. Exportiert werden unter anderem Bekleidung, Schuhe, Fahrzeuge, Maschinen, Chemieprodukte, Kork, Zellstoff und Papier; importiert werden vor allem Maschinen, Fahrzeuge, Öl und Landwirtschaftsprodukte. 2018 betrug der Wert der Exporte 89,211 Milliarden Euro, der Importe 87,211 Milliarden Euro.
2024 wurden 71 % des portugiesischen Strombedarfs durch erneuerbare Energien gedeckt: Wasserkraft lieferte 28 %, Windenergie 27 %, Solarenergie 10 % und Biomasse 6 %. 10 % stammten aus Erdgas. Ende 2021 wurden die letzten Kohlekraftwerke abgeschaltet. Portugal ist weltweit führend bei Rohkork und gehört zu den führenden Wolframproduzenten. Die Landwirtschaft erwirtschaftet etwa 5 % des BIP, beschäftigt aber mehr als 15 % der Arbeitskräfte; fast die Hälfte der Nahrungsmittel wird importiert. Eukalyptusplantagen für die Zellstoffindustrie sind wegen Bodenverarmung und Waldbrandrisiken umstritten.
Der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle; 2015 kamen 17 Millionen Touristen, besonders an die Algarve und nach Lissabon. Das Straßennetz umfasst etwa 82.900 km, darunter 1100 km gebührenpflichtige Autoestradas. Das Schienennetz ist 2789 km lang. Die wichtigsten Flughäfen liegen in Lissabon, Porto, Faro, Ponta Delgada und Funchal. Bedeutende Häfen sind Aveiro, Porto, Lissabon, Sines und Setúbal.
Kultur, Alltag und Sport
Portugal besitzt eine vielfältige Kultur mit iberischen, maurischen, afrikanischen, brasilianischen und weiteren kolonialen Einflüssen. Die portugiesische Literatur ist besonders durch Lyrik geprägt; bekannte Namen sind Luís de Camões und Fernando Pessoa. In der modernen Literatur wurde Portugal unter anderem durch José Saramago international bekannt. In der Architektur verbinden sich europäische Baustile mit eigenen Ausdrucksformen wie Manuelismus und Azulejo-Kunst. Der Fado ist die international bekannteste portugiesische Musikform. Er ist häufig melancholisch und mit Saudade, also Sehnsucht, verbunden. Unterschieden werden der volksnahe Fado von Lissabon und der akademische, nur von Männern gesungene Fado von Coimbra. Der Cante Alentejano ist ein polyphoner Gesang aus dem Baixo Alentejo; Fado steht seit 2011, Cante seit 2014 auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes.
Die Küche verwendet Fisch, Meeresfrüchte, Gewürze und Produkte aus früheren Kolonialgebieten. Als Nationalgericht gilt Bacalhau, getrockneter und gesalzener Fisch. Weitere typische Speisen sind gegrillte Sardinen, Caldo verde, Cozido à portuguesa, Francesinha und verschiedene Käsesorten. Pastéis de Nata gehören zu den bekanntesten Süßspeisen. Portugal ist außerdem für Vinho Verde, Portwein und Madeira bekannt.
Im Juni finden Feste zu Ehren von Antonius, Johannes und Petrus statt. Der Nationalfeiertag ist der 10. Juni; weitere wichtige gesetzliche Feiertage sind der 25. April, der Tag der Freiheit, der 1. Mai, der 5. Oktober als Tag der Republik und der 1. Dezember als Tag der Wiederherstellung der Unabhängigkeit.
Fußball ist der meistausgeübte Sport. Die Nationalmannschaft gewann die Europameisterschaft 2016; 1966 erreichte sie den dritten Platz der Weltmeisterschaft. Weitere bedeutende Sportarten sind Kanusport, Langstreckenlauf, Radsport, Motorsport, Surfen, Segeln, Tennis, Rollhockey und Rugby. Portugal verfügt über bekannte Surfgebiete wie Ericeira und Nazaré. Der Caminho Português führt über etwa 620 km von Lissabon nach Santiago de Compostela. 2023 nutzten 85,8 % der Einwohner das Internet.