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Haiti

Die im Jahr 1804 nach langen Auseinandersetzungen in der Haitianischen Revolution erkämpfte Unabhängigkeit führte zu einem wirtschaftlichen Niedergang des …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Staat und geografische Grundlagen
  2. 2. Bevölkerung, Sprachen und Religionen
  3. 3. Geschichte und Entwicklung des Staates
  4. 4. Politisches System und aktuelle Krisen
  5. 5. Wirtschaft, Außenbeziehungen und Lebensbedingungen
  6. 6. Kultur, Bildung und Sport

Staat und geografische Grundlagen

Haiti, amtlich Republik Haiti, ist ein Inselstaat auf Hispaniola in den Großen Antillen. Es umfasst den westlichen Teil der Insel; im Osten liegt die Dominikanische Republik. Hauptstadt ist Port-au-Prince. Haiti hat 27.750 km² Fläche, 11,7 Millionen Einwohner (2023) und eine Bevölkerungsdichte von 415 Einwohnern pro km². Amtssprachen sind Haitianisch-Kreolisch und Französisch, die Währung ist die Gourde (HTG). Die Unabhängigkeit von Frankreich wurde am 1. Januar 1804 erklärt und 1825 anerkannt.

Haiti ist der erste unabhängige Staat der Karibik und die erste unabhängige Republik von Schwarzen. Die Unabhängigkeit entstand aus der Haitianischen Revolution, hatte aber einen langfristigen wirtschaftlichen Niedergang zur Folge. Dazu trugen die von Frankreich geforderten Entschädigungen, internationale Anerkennungsprobleme, Staatsverschuldung, innere Machtkämpfe, Kriege gegen den Ostteil Hispaniolas, Korruption und politische Blockaden bei. Haiti gilt als das einzige Land in Nord- und Südamerika, das zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt gezählt wird; die instabile Lage und die schwache Binnenwirtschaft führten zur Auswanderung von seit Mitte der 1990er Jahre über drei Millionen Bürgern.

Das Staatsgebiet bildet im Westen Hispaniolas ein nach Westen geöffnetes „U“ aus zwei langen Halbinseln. Zwischen ihnen liegt der Golfe de la Gonâve mit Port-au-Prince an seinem östlichen Ende. Zum Staatsgebiet gehören außerdem unter anderem die Île de la Tortue, die Île de la Gonâve und die Île à Vache. Der höchste Berg ist der Pic la Selle mit 2674 m in der Chaîne de la Selle. Die Landgrenze zur Dominikanischen Republik ist 388 km lang.

Hispaniola liegt an der Grenze zwischen der Karibischen und der Nordamerikanischen Platte. Deshalb kommt es häufig zu Erdbeben; schwere Beben trafen Haiti 1751, 1842, 1860, 2010 und 2021. Das tropische Klima bringt im größten Teil des Landes etwa 1300 mm Niederschlag, im Nordwesten dagegen nur etwa 500 mm. Die Hauptregenzeiten liegen im April und Mai sowie im September und Oktober. Haiti ist außerdem tropischen Wirbelstürmen ausgesetzt. Hurrikan Jeanne forderte im September 2004 etwa 3150 Todesopfer; vier aufeinanderfolgende Stürme töteten im August und September 2008 insgesamt rund 800 Menschen.

Bodenerosion und Entwaldung sind zentrale Umweltprobleme. Die ursprünglich bei der Landreform des frühen 19. Jahrhunderts verteilten 15 ha je Bauernfamilie wurden durch Erbteilung immer weiter verkleinert; 1971 entfielen nur noch knapp 1,5 ha auf eine Bauernfamilie. Übernutzung machte Böden unfruchtbar und verstärkte die soziale Destabilisierung. Von etwa 5000 Pflanzenarten Haitis sind rund 35 Prozent endemisch. Von ursprünglich 28 Säugetierarten überlebten nur das Zaguti (Plagiodontia aedium) und der Haiti-Schlitzrüssler (Solenodon paradoxus).

Bevölkerung, Sprachen und Religionen

Die Bevölkerungszahlen sind unsicher, weil nur ein sehr kleiner Teil der Geburten und Todesfälle amtlich registriert wird. Für 2023 werden 11,7 Millionen Einwohner und ein jährliches Wachstum von +1,2 % geschätzt. Die Geburtenziffer lag bei 23,1, die Sterbeziffer bei 8,5 je 1000 Einwohner. 2022 hatte eine Frau statistisch 2,8 Kinder; die Lebenserwartung bei der Geburt betrug 63,7 Jahre. Das Medianalter lag 2021 bei 23 Jahren. 2023 waren 31,8 % der Bevölkerung unter 15 Jahre und 4,6 % über 64 Jahre alt. Die Einwohnerzahl stieg von 3,688 Millionen im Jahr 1960 auf 11,403 Millionen im Jahr 2020.

Haiti gliedert sich in zehn Départements. Das zehnte, Nippes, entstand am 4. September 2003 durch Abspaltung von Grand’Anse. Nach einer Schätzung zum 1. Januar 2015 war Ouest mit 4.029.705 Einwohnern das bevölkerungsreichste und mit 807 Einwohnern je km² auch das dichtest besiedelte Département. Haiti insgesamt hatte nach dieser Schätzung 10.911.819 Einwohner und 403 Einwohner je km². Die Summe der Départementflächen beträgt 27.065 km², weil Binnengewässer nicht eingerechnet werden.

2023 lebten 60 % der Bevölkerung in Städten. Port-au-Prince hatte 875.978 Einwohner; in der Metropolregion lebten 2.296.386 Menschen, knapp 20 % der Gesamtbevölkerung. Wegen fehlender Verwaltung, häufiger Mobilität, Behelfsunterkünften, Naturkatastrophen und Kriminalität sind die Angaben zu Städten ungenau und variieren stark. Weitere große Städte sind Carrefour, Delmas, Pétionville, Cité Soleil, Gonaïves und Cap-Haïtien.

Die Angaben zur ethnischen Zusammensetzung widersprechen sich. Eine Quelle nennt 95 % Schwarze, 0,1 % Weiße und 4,9 % Personen mit schwarzen und weißen Vorfahren; andere Quellen nennen 60–80 % Schwarze, bis zu maximal 5 % Weiße und 15–35 % Personen mit schwarzen und weißen Vorfahren. Haitianische Minderheiten leben besonders in den Vereinigten Staaten (etwa 600.000) und der Dominikanischen Republik (800.000); ein Viertel der Bevölkerung der Bahamas stammt aus Haiti. Weitere Zielländer sind Brasilien, Frankreich, Kanada, Chile und Mexiko.

Haitianisch-Kreolisch und Französisch sind die beiden Hauptsprachen. Französisch ist besonders als Zweit- und Bildungssprache wichtig. Langaj besitzt nur religiöse Bedeutung; die Sprachen der indigenen Bevölkerung sind ausgestorben. Bis 1987 war die römisch-katholische Kirche Staatskirche. Für 2003 werden je nach Quelle etwa 55 % oder früher geschätzt 80 % Katholiken genannt, knapp 30 % Protestanten und rund 10 % Nichtgläubige. Nur 2,1 % bekannten sich offiziell zum Voodoo, doch schätzungsweise 70 % praktizierten Voodooriten. Voodoo wird seit 2003 behördlich als religiöse Praxis anerkannt, besitzt aber nicht die vollen Rechte einer Religion.

Geschichte und Entwicklung des Staates

Bis ins 15. Jahrhundert lebten auf Hispaniola vor allem Ciboney und Arawak; im Westen bildeten die Taíno die Mehrheit. Nach der Ankunft Christoph Kolumbus’ 1492 wurde die indigene Bevölkerung durch eingeschleppte Krankheiten und Zwangsarbeit innerhalb weniger Jahrzehnte fast vollständig ausgelöscht. Im späten 17. Jahrhundert wurde das Gebiet vor allem durch versklavte Menschen aus Westafrika wiederbevölkert. Spanien trat 1697 das westliche Drittel an Frankreich ab. Als Saint-Domingue wurde es im 18. Jahrhundert durch Zucker- und Baumwollplantagen zur profitabelsten französischen Kolonie in Amerika.

Der Aufstand unter Dutty Boukman und Georges Biassou vom 22. auf den 23. August 1791 entwickelte sich zu einem Krieg zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen und ausländischen Mächten. Die aufständischen Sklaven setzten sich schließlich durch; auch eine von Napoleon Bonaparte entsandte Armee wurde geschlagen. Am 1. Januar 1804 erklärte Haiti seine Unabhängigkeit von Frankreich. Das Land war nach den USA der zweite amerikanische Staat, der die europäische Kolonialherrschaft abschüttelte. Es schaffte die Sklaverei ab und unterstützte Unabhängigkeitskämpfe in Venezuela, Peru und Kolumbien.

Nach der Ermordung Jean-Jacques Dessalines’ 1806 zerfiel Haiti in den „Staat Haiti“ im Norden, ab 1811 ein Königreich, und die „Republik Haiti“ im Süden. Jean-Pierre Boyer vereinigte das Land 1820 und eroberte 1822 den spanischen Ostteil Hispaniolas. Dieser wurde 1844 als spätere Dominikanische Republik wieder unabhängig. Frankreich verlangte 1825 als Preis für die Anerkennung haitianischer Unabhängigkeit Entschädigungen für ehemalige Plantagenbesitzer. Haiti zahlte insgesamt 90 Millionen Gold-Franc; diese Schulden belasteten das Land über lange Zeit.

Nach der Unabhängigkeit wurden Großplantagen aufgeteilt. Dadurch brach der Export von Agrargütern ein. Versuche, die Landwirtschaft durch den Code Rural von 1826 produktiver zu machen, scheiterten an den kleinen Parzellen. Im 19. Jahrhundert verschärften Schulden, außenpolitische Blockaden, hohe Militärausgaben, fehlende Investitionen, politische Instabilität, soziale und rassische Konflikte sowie die Umstellung auf kleinbäuerliche Betriebe den Niedergang.

Von 1915 bis 1934 war Haiti durch das US Marine Corps besetzt. Die USA bauten Infrastruktur, Verwaltung und eine haitianische Gendarmerie auf, berücksichtigten jedoch haitianische Bräuche und Traditionen nur unzureichend. 1946 übernahmen Schwarze in der sogenannten „Revolution“ die politische Vorherrschaft. Ab 1957 errichtete François „Papa Doc“ Duvalier eine Diktatur und machte sich 1964 zum Präsidenten auf Lebenszeit. Seine Freiwilligentruppe Tontons Macoutes übte Gewalt gegen Gegner aus. Sein Sohn Jean-Claude „Baby Doc“ Duvalier folgte ihm 1971 und wurde 1986 vertrieben.

Nach Militärputschen und der Verfassungsreform von 1987 wurde Jean-Bertrand Aristide 1990 zum Präsidenten gewählt, 1991 aber weggeputscht. Eine US-geführte Intervention brachte ihn 1994 zurück. Nach seinem Ausscheiden übergab er 1996 das Amt an René Préval. 2004 führten bürgerkriegsähnliche Zustände erneut zu einer Intervention und zur Stationierung von rund 10.000 MINUSTAH-Blauhelmsoldaten. Das Erdbeben vom 12. Januar 2010 forderte bis zu 316.000 Tote. Eine Choleraepidemie ab 2010 infizierte im ersten Jahr über 300.000 Menschen; bis 2013 starben über 8000. 2016 räumte die UNO ein, dass nepalesische UNO-Soldaten den Erreger eingeschleppt hatten.

Seit September 2019 gab es wegen Korruptionsvorwürfen und Armut Proteste gegen Präsident Jovenel Moïse. Er wurde in der Nacht vom 6. auf den 7. Juli 2021 ermordet. Danach übernahmen bewaffnete Banden weitere Ortschaften und bis zur Hälfte der Hauptstadt. Treibstoffmangel, Stromausfälle, der Zusammenbruch des öffentlichen Verkehrs, Hunger und die Auswanderung qualifizierter Arbeitskräfte verschärften die Krise.

Politisches System und aktuelle Krisen

Nach der Verfassung vom 28. April 1987 ist Haiti eine präsidiale Republik. Der Präsident wird für fünf Jahre direkt vom Volk gewählt, ist Staatsoberhaupt und oberster Inhaber der Exekutivgewalt und ernennt den vom Parlament zu bestätigenden Ministerpräsidenten. Die Legislative besteht aus dem Senat mit 30 Senatoren für sechs Jahre und der Abgeordnetenkammer mit 99 Abgeordneten für vier Jahre.

Das politische System war wiederholt durch Staatsstreiche, Diktaturen, Wahlverschiebungen, Wahlfälschung, Korruption und ausländische Interventionen blockiert. 2015 löste Präsident Michel Martelly das Parlament auf und regierte per Dekret. Die Wahlbeteiligung bei den Wahlen im August 2015 betrug 18 %, in Port-au-Prince 10 %. Die Präsidentschaftswahl wurde mehrfach verschoben, überprüft und schließlich am 20. November 2016 durchgeführt. Jovenel Moïse gewann nach vorläufigem Ergebnis mit 55,7 %; nur etwa 1,3 Millionen von 6,2 Millionen Wahlberechtigten stimmten ab.

Da die für Oktober 2019 geplante Parlamentswahl nicht stattfand, war der Senat seit Januar 2020 nicht mehr beschlussfähig. Im Januar 2023 endete die Amtszeit der letzten Senatoren; seither besaß Haiti laut Artikel keine demokratisch legitimierte Staatsinstitution mehr. 2024 wurde mit Unterstützung der Karibischen Gemeinschaft ein Übergangsrat aus sieben Vertretern politischer und gesellschaftlicher Gruppierungen gebildet. Er übte die Aufgaben des Präsidenten aus; sein Mandat endete am 7. Februar 2026, ohne dass Wahlen oder ein Referendum über eine Verfassungsreform organisiert werden konnten (Stand X/2025). Ministerpräsident Alix Didier Fils-Aimé amtierte kommissarisch.

Politische Parteien sind meist Plattformen einflussreicher Personen; eine gewisse Kontinuität besitzt die Fanmi Lavalas des früheren Präsidenten Aristide. Haiti wird als schwacher, nach Einschätzung einiger Indizes sogar als gescheiterter Staat beschrieben. Die innenpolitische Lage ist durch fehlende rechtsstaatliche Ordnung, mangelnde Strafverfolgung, Wahlbetrug, Drogenhandel und bewaffnete Banden gekennzeichnet. Wegen unzureichender Luftraumüberwachung dient Haiti als Transitland für Kokainschmuggel.

Die politischen Indizes weisen auf eine sehr fragile Lage hin: Der Fragile States Index 2024 gab 103,5 von 120 Punkten und Rang 9 von 179 an. Der Demokratieindex 2024 bewertete Haiti mit 2,74 von 10 als autoritäres Regime. Im Freedom in the World Index 2024 erhielt das Land 30 von 100 Punkten und den Status „unfrei“. Der Korruptionswahrnehmungsindex 2025 lag bei 16 von 100 und Rang 169 von 181.

Wirtschaft, Außenbeziehungen und Lebensbedingungen

Haiti ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre und ein dicht besiedelter Agrarstaat. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2024 bei etwa 1471 Euro pro Jahr. Für 2022 wurde das BIP auf 20 Milliarden US-Dollar geschätzt; das reale Wachstum betrug −3,2 %, die Inflation 23 %. 2023 lebten 29,2 % der Bevölkerung unter der absoluten Armutsgrenze, die Arbeitslosenquote wurde auf 14,6 % geschätzt. Im Herbst 2024 meldete das Welternährungsprogramm, dass einer von zwei Haitianern unter Nahrungsmittelmangel leidet.

Die Landwirtschaft erzeugte 2023 18 % des BIP; etwa zwei Drittel der Bevölkerung leben von ihr. Wichtige Produkte sind Kaffee, Mangos, Rohrzucker, Sorghumhirse und Holz. Reis, Mais, Mangos, Kaffee und Kakao werden auch exportiert, während fast alle anderen Nahrungsmittel in großem Umfang importiert werden. Rund ein Drittel des Landes wird landwirtschaftlich genutzt, doch Abholzung und Erosion haben große Ackerflächen zerstört. Die Industrie trägt rund 31 % zum BIP bei und umfasst vor allem Textilien, Handwerk, Elektronikmontage, Lebensmittelverarbeitung, Getränke, Tabak und Möbel. Dienstleistungen stellen rund 48 % des BIP; dazu zählen Handel, Hotels, Restaurants und Tourismus.

2024 betrug der gesetzliche Mindestlohn 540 Gourdes pro Tag, entsprechend 3,74 € zum damaligen Wechselkurs. Das BIP nach Kaufkraftparität lag 2024 bei 37,7 Milliarden US-Dollar, das BIP pro Kopf bei 3039 US-Dollar. Das reale BIP-Wachstum betrug −4,0 %, die Inflation 26,0 %, die Staatsverschuldung 14 % des BIP. 2020 standen Staatsausgaben von 1,5 Milliarden US-Dollar Einnahmen von 1,2 Milliarden gegenüber; das Haushaltsdefizit entsprach 1 % des BIP. 2023 betrug die Staatsverschuldung 15 % des BIP.

Rücküberweisungen haitianischer Emigranten und der Textilhandel bilden einen großen Teil der Wirtschaftsleistung. 2023 exportierte Haiti Waren im Wert von 1,36 Milliarden US-Dollar, hauptsächlich Textilien, und importierte Waren im Wert von 5,45 Milliarden US-Dollar. Rund 80 % der Exporte gehen in die Vereinigten Staaten; etwa die Hälfte der Importe stammt von dort. Nach dem Erdbeben 2010 wurde Haiti vollständig von internationaler Hilfe abhängig. Deutschland unterstützt Haiti seit den 1960er Jahren, insbesondere bei kommunaler und lokaler Entwicklung im ländlichen Raum. Kuba leistete medizinische Hilfe, Brasilien führte seit 2004 die UN-Stabilisierungstruppe an. Haiti ist unter anderem Mitglied der CELAC.

Haiti besitzt 1700 km Karibikküste. Der Tourismus ist jedoch wegen ausbleibender Investitionen und Reisewarnungen der USA und der EU stark eingeschränkt. Ein wichtiger Einnahmebereich ist die verpachtete Bucht Labadee, die von Royal Caribbean Cruises als abgeschotteter Kreuzfahrt-Landgang genutzt wird. Die Reederei zahlt dem haitianischen Staat sechs US-Dollar pro Tourist.

Kultur, Bildung und Sport

Die haitianische Kultur ist besonders von französischen und westafrikanischen Einflüssen geprägt; daneben finden sich spanische und Taíno-Elemente. Der Karneval, Kanaval oder Mardi Gras genannt, wird besonders intensiv gefeiert. Zur Rara-Festsaison vor Ostern gehören Umzüge, Tänze und Musik.

Die haitianische Malerei verbindet afrikanische, französische, spanische und indigene Wurzeln. Typische Motive sind leuchtende Farben, mythische Erzählungen, Dschungellandschaften, Rituale, Tänze und Voodoo-Götter. Genannt werden unter anderem die Schule Cap-Haïtiens mit Darstellungen des städtischen Alltags, die Jacmel-Schule mit Landschaften aus Tälern und Bergen sowie die Saint-Soleil-Schule mit abstrakten menschlichen Formen und Vodou-Symbolik.

Die bekannteste Musikrichtung ist Kompa. Sie verbindet spanische und französische Elemente mit afrikanischen Rhythmen und kreolischen Gesängen. Weitere Richtungen sind Rara, Mizik Rasin, Compas, Mini-Jazz und Haitian Rap. Die Literatur entwickelte sich von historischer Essayistik und Romantik über den kreolischen Roman national zu sozialkritischen, sozialistischen und später stark von Exilerfahrungen geprägten Formen. Seit 1930 verband der haitianische Indigénisme den Widerstand gegen die USA mit einer Neubewertung des schwarzen kulturellen Erbes. Das Schreiben auf Kreolisch ist umstritten: Es erweitert den Zugang für die Bevölkerung, schränkt aber wegen des kleineren Verbreitungsbereichs die Buchverbreitung ein. Etwa 80 % der Bevölkerung können keine französischen Bücher lesen.

Haiti verfügt über die staatliche Université d’État d’Haïti mit rund 20.000 Studierenden und die katholische Université Notre Dame d’Haïti. Beide wurden durch das Erdbeben von 2010 stark beeinträchtigt.

Im Sport qualifizierte sich Haiti 1974 überraschend für die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. 2025 gelang die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2026 in Kanada, Mexiko und den USA. Special Olympics Haiti wurde 2003 gegründet und nahm unter anderem an den Special Olympics World Summer Games 2023 in Berlin teil.

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