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Besiedlung Amerikas

Genetische Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Vorfahren der rezenten Amerikaner den Kontinent frühestens vor 18.000 Jahren erreicht haben. ... Für ihre …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Forschungsstand
  2. 2. Einwanderung über Beringia
  3. 3. Wellen, Funde und genetische Befunde
  4. 4. Umstrittene frühe Besiedlungen
  5. 5. Spätere europäische Ansiedlungen

Gegenstand und Forschungsstand

Besiedlung Amerikas bezeichnet die Geschichte von Einwanderungen und Niederlassungen auf dem amerikanischen Kontinent, nicht bloße Entdeckungsfahrten ohne Ansiedlung. Besonders Zeitpunkt und Wege der ersten Einwanderung werden von Linguistik, Archäologie, Anthropologie, Genetik und Ethnologie untersucht.

Als gesicherter Forschungsstand gilt: Am Ende der letzten Eiszeit, der Wisconsin-Eiszeit in Nordamerika, kamen vor nicht mehr als 15.000 Jahren mehrere Einwanderungswellen aus Sibirien. Genetische Untersuchungen an Regionen des Y-Chromosoms heutiger indigener Bevölkerungen weisen darauf hin, dass ihre Vorfahren Amerika frühestens vor 18.000 Jahren erreichten. Eine Mutation, die auch bei heutigen Asiaten vorkommt, entstand vermutlich vor 18.000 Jahren; die Trennung von Asiaten und Amerikanern müsste danach erfolgt sein. Ältere Funddatierungen bleiben wissenschaftlich umstritten.

Einwanderung über Beringia

Die Beringstraßen-Theorie ist die am stärksten belegte und daher mehrheitlich vertretene Erklärung. Während oder gegen Ende der letzten Eiszeit gelangten Jäger und Sammler aus Ostasien über Beringia nach Amerika. Beringia war eine breite Landbrücke an der Stelle der heutigen Beringstraße, die durch den damals niedrigen Meeresspiegel entstand. Die Einwanderung wird auf mindestens 11.500 Jahre, höchstens 35.000 Jahre vor heute angesetzt.

Zunächst verhinderten der Laurentidische Eisschild und die Gletscher der Coast Mountains den Weg von Alaska nach Süden. Ein eisfreier Korridor im heutigen Yukon öffnete sich nach älterer Annahme vor rund 11.500 Jahren; jüngere Forschung deutet darauf hin, dass er erst später nutzbar war. Etwa tausend Jahre nach seiner Öffnung sollen erste Gruppen die Südspitze Südamerikas erreicht haben. Zur Erklärung der Zeit zwischen einem Aufbruch in Asien vor etwa 25.000 Jahren und dem Eintreffen in Amerika vor etwa 15.000 Jahren wird ein längerer Aufenthalt in Beringia diskutiert. Dort gab es tundraartige Vegetation, insbesondere Bäume und damit Feuerholz.

Die Küsten-Theorie ergänzt dies: Seefahrer könnten sich vor 15.000 bis 13.500 Jahren von Japan und Südostsibirien entlang der eisfreien Aleuten und der amerikanischen Westküste bis Feuerland ausgebreitet haben. Direkte Belege sind schwierig, weil damalige Küstensiedlungen wegen des späteren Meeresspiegelanstiegs heute unter Wasser liegen können. Eine Kombination beider Theorien nimmt eine schwache Küsteneinwanderung vor höchstens 15.000 Jahren und eine wesentlich stärkere Einwanderung vor rund 11.500 Jahren an.

Wellen, Funde und genetische Befunde

Viele Fachleute nehmen mindestens drei Einwanderungswellen aus Sibirien an: Die erste und bei weitem wichtigste kam im späten Pleistozän vor rund 15.500 Jahren. Eine zweite Welle brachte die Vorfahren der Na-Dené-Indianer nach Alaska und Westkanada; Vorfahren der Diné und Apachen zogen später bis in den Südwesten der heutigen USA. Mit der dritten Welle erreichten die Vorfahren von Eskimos, Unungun und Yupik Alaska. Aufgrund sprachlicher Untersuchungen vermuten manche Forschende zwischen erster und Na-Dené-Welle zusätzlich eine Welle mit Vorfahren der Algonkin.

Gesicherte Funde des Nenana Complex in Alaska reichen bis 11.500 BP. In den Paisley-Höhlen in Oregon wurden 2002/03 menschliche aDNA in 14.300 Jahre alten versteinerten Exkrementen gefunden; sie zeigt Gemeinsamkeiten mit Menschen aus Sibirien. Am Buttermilk Creek Complex beziehungsweise an der Debra L. Friedkin Site in Texas wurden Steinwerkzeugschichten auf 15.500 bis 13.200 Jahre vor 1950 datiert. Fundangaben von mehr als 13.000 Jahren für andere Steingeräte oder vermeintliche Fußspuren hielten teilweise einer Überprüfung nicht stand.

Genetische Analysen stützen die ostasiatische Herkunft der indigenen Bevölkerung Amerikas und die Drei-Phasen-Theorie über Beringia. Eine Studie von 2012 untersuchte 364.470 genetische Merkmale von 52 Völkern des amerikanischen Doppelkontinents, 17 ostasiatischen Gruppen und 57 Vergleichsbevölkerungen. Nach Herausrechnen europäischer und afro-amerikanischer Einflüsse zeigte sich überwiegend eine schnelle Ausbreitung von Sibirien über Alaska nach Süden. Die Chipewyan passen nur zu 90 % in dieses Muster und werden mit einer zweiten Welle verbunden; Bewohner der nordamerikanischen Arktis stimmen nur zu 57 % mit der ersten Welle überein und sprechen für eine dritte. Die DNA eines Angehörigen der Clovis-Kultur aus dem Grab von Anzick bei Wilsal, Montana, ordnete 2014 auch diese Kultur Einwanderern aus Asien zu.

Weitere Studien ergeben ein komplexeres Bild: Südamerikanische Küstengruppen breiteten sich laut Daten von 2016 ab 14.000 v. Chr. innerhalb von 1400 Jahren bis Chile aus. Die Vorfahren der Zuwanderer verloren zwischen 23.000 und 16.400 v. Chr. den Kontakt zur sibirischen Bevölkerung. Datierungen aus den Bluefish-Höhlen von 24.000 Jahren cal B.P. stützen die Annahme einer kleinen, genetisch isolierten Bevölkerung in Alaska und Nachbarregionen; sie könnte nur rund 1000 bis 2000 Frauen umfasst haben. Eine Ausbreitung entlang der Küste wäre vielleicht schon um 16.000 cal B.P. möglich gewesen.

Der 1996 gefundene Kennewick-Mann, auf etwa 7300 v. Chr. beziehungsweise 8410 ± 60 uncal. BP datiert, wurde zunächst fälschlich als besonders europäisch gedeutet. Seine 2015 untersuchte DNA zeigt stattdessen die größte Nähe zu heutigen westamerikanischen Indianerstämmen. Kleine Anteile australo-melanesischer DNA bei einigen heutigen indigenen Gruppen im Amazonasgebiet und auf den Aleuten wurden 2015 unterschiedlich erklärt: Eine Nature-Studie sah eine vor-europäische Verbindung, eine Science-Studie eher Einträge durch jüngere historische Kontakte.

Umstrittene frühe Besiedlungen

Diskutiert werden mögliche frühere oder andere Einwanderungswege, doch reichen die Belege nicht für einen Konsens. Für Monte Verde in Chile werden Feuerstellen, Steinwerkzeuge und Knochen bis zu 15.000 BP genannt. In der Serra da Capivara in Brasilien sollen Besiedlungsspuren älter als 30.000 Jahre sein; die hohen Datierungen sind umstritten. Die Ozeanien-Theorie vermutet Fahrten über den Pazifik. Der 11.000 bis 11.500 Jahre alte Schädel von Luzia aus Brasilien wurde teils als australo-melanesisch gedeutet, was Walter Neves ablehnte. Eine direkte Besiedlung von Südamerika aus Australien oder von südpazifischen Inseln gilt wegen der Ankunftszeiten der Polynesier sowie fehlender sprachlicher, genetischer und kultureller Gemeinsamkeiten als ausgeschlossen.

Die Atlantik-Theorie oder Solutréen-Hypothese leitete aus Ähnlichkeiten zwischen Clovis-Werkzeugen und Werkzeugen der europäischen Solutréen-Kultur eine Einwanderung über den Atlantik ab. Gegen sie sprechen eine zeitliche Lücke von etwa 5000 Jahren, überwiegende Unterschiede der Werkzeuge und die DNA-Analyse von Anzick; seit 2014 ist sie in dieser Form nicht mehr vertretbar. Thor Heyerdahls Kon-Tiki-Expedition von 1947 zeigte nur, dass eine Pazifikfahrt mit prähistorischen Mitteln möglich war, nicht die tatsächliche Herkunft von Menschen.

Sehr frühe Funde, etwa aus der Chiquihuite-Höhle in Mexiko, wurden 2020 auf 32.000 bis 25.000 Jahre datiert. Dort wurden fast 2000 Steine ausgegraben, davon 239 aus datierten Schichten. Kritiker bezweifeln, dass es menschliche Artefakte sind; menschliche DNA wurde nicht gefunden. Auch bei anderen Fundorten fehlen menschliche aDNA in ungestörter Stratigraphie. Im White-Sands-Nationalpark in New Mexico wurden menschliche Fußabdrücke über Samen von Ruppia cirrhosa indirekt auf rund 23.000 Jahre datiert. Diese Datierung wurde Anfang 2023 angezweifelt, im Oktober 2023 aber im Grundsatz bestätigt.

Außerwissenschaftliche Thesen, etwa über Atlantis, biblische Abstammung, das Buch Mormon oder eine walisische Besiedlung durch Madoc, werden von der Fachwelt überwiegend abgelehnt. Sie beruhen auf schwachen oder widerlegten Indizien und weisen starke Widersprüche auf.

Spätere europäische Ansiedlungen

Die erste wissenschaftlich belegte europäische Ansiedlung in Amerika entstand um 1000 n. Chr. durch Wikinger. Nach isländischen Sagas segelte Leif Eriksson 1000 oder 1001 von Grönland nach Amerika, vermutlich nach Neufundland, errichtete Häuser und überwinterte in Vinland. Der Versuch Thorfinn Karlsefnís von 1006, mit drei Schiffen und 250 Personen in Vinland zu kolonisieren, scheiterte nach Konflikten mit der einheimischen Bevölkerung. In L’Anse aux Meadows auf Neufundland wurde 1961 eine Wikingersiedlung ausgegraben; damit wurden Teile der Überlieferung bestätigt. Ob spätere genannte Reisen, etwa 1121 oder 1347, zu dauerhaften Aufenthalten führten, ist ungeklärt.

1492 erreichte der genuesische Seefahrer Christoph Kolumbus auf der Suche nach einem neuen Seeweg nach Indien Amerika. Die Bezeichnung „Entdeckung Amerikas“ ist historisch ungenau, weil der Kontinent bereits besiedelt war. Danach nahmen europäische Mächte den Doppelkontinent schrittweise in Besitz und kolonisierten ihn. Die indigene Bevölkerung und ihre Kulturen wurden zurückgedrängt; europäische Einwanderer sowie als Sklaven verschleppte (Schwarz-)Afrikaner und ihre Nachkommen prägten anschließend fast den gesamten Kontinent.

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