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Provence

Das Adjektiv zu Provence ist provenzalisch (französisch provençal, okzitanisch provençal -ala / prouvençau -ala [pruvensau]). Inhaltsverzeichnis. 1 Herkunft …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Lage, Raum und Bevölkerung
  2. 2. Landwirtschaft, Küche und Wein
  3. 3. Landschaften, Schutzgebiete und Bauwerke
  4. 4. Griechische und römische Zeit
  5. 5. Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert

Lage, Raum und Bevölkerung

Die Provence ist ein historisches Gebiet im Südosten Frankreichs am Mittelmeer, zwischen Rhônetal und Italien. Im Norden schließt die Dauphiné an. Ihr Gebiet entspricht ungefähr den Départements Bouches-du-Rhône, Alpes-de-Haute-Provence, Var und Vaucluse; zusammen mit Alpes-Maritimes und Hautes-Alpes gehören sie zur heutigen Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Historische Hauptstadt ist Aix-en-Provence, Hauptstadt der heutigen Region Marseille.

Man unterscheidet die bevölkerungsarme Hochprovence (Haute-Provence) und die bevölkerungsreiche Niederprovence (Basse-Provence). Zur Niederprovence zählen das südliche Rhônetal bis Valence, die Camargue und oft auch Städte an der Côte d’Azur. Die Landschaft reicht von der Rhône über die Provenzalischen Voralpen und das Massif des Maures bis zu den Seealpen und den Cottischen Alpen an der Grenze zu Piemont und Ligurien.

Die größten Städte sind Marseille mit 886.040 Einwohnern, Nizza mit 357.737, Toulon mit 179.116 und Aix-en-Provence mit 149.695 Einwohnern. Weitere wichtige Städte sind unter anderem Avignon, Arles, Gap, Menton, Orange und Carpentras.

Der Name Provence geht auf das lateinische provincia zurück. Die Region war als Provincia Narbonensis eine der ersten und am stärksten romanisierten Regionen außerhalb des heutigen Italiens. Gesprochen werden verschiedene Dialekte des Provenzalischen, einer Varietät des Okzitanischen. Diese Sprache wurde von der Französischen Republik lange unterdrückt und ist weiterhin keine Amtssprache; seit Beginn des 20. Jahrhunderts wird sie wieder stärker gesprochen. Damit lebten auch Bräuche und Volksmusik wieder auf. Typisch sind Santons, provenzalische Krippenfiguren.

Landwirtschaft, Küche und Wein

Die Landwirtschaft ist mediterran geprägt. Besonders wichtig sind Gemüse- und Obstanbau; bekannte Erzeugnisse sind Kirschen, Erdbeeren, Pfirsiche, Aprikosen, Mandeln und Melonen aus Cavaillon. Olivenöle aus Orten am Südrand der Alpilles, aus Maussane-les-Alpilles und Nyons sowie aus dem Hinterland von Nizza sind durch eigene Appellationen (AOC) geschützt. Ab einer Höhenlage von 300 Metern liegen Lavendelfelder. Ihr Ertrag ist Grundlage der Parfümherstellung, deren Zentrum Grasse in den Seealpen bildet.

Zur Küche gehören Fischgerichte wie Bouillabaisse, Bourride und Soupe de poisson, außerdem Daube provençale, Aioli, Ratatouille und Soupe au pistou. Bekannte Salate sind Salade Niçoise und Salade de Mesclun. Als Spezialitäten werden weißer Nougat aus Montélimar, kandierte Früchte aus Apt, Trüffel, Socca, Pissaladière aus Nizza und Calissons d’Aix genannt. „À la provençale“ bezeichnet bei Speisen meist Tomatensoße mit Kräutern der Provence, Auberginen, Courgettes (Zucchini), Paprika und Olivenöl.

Der Weinbau profitiert vom warmen Mittelmeerklima und dem trocknenden Mistral. Côtes de Provence erstreckt sich über Bouches-du-Rhône, Var und Alpes-Maritimes. Größer ist die Rebfläche der Côtes du Rhône, vor allem im Département Vaucluse; Côtes du Luberon und Côtes du Ventoux verbinden beide Gebiete. Rotweine gelten als kraftvoll und geschmeidig und können mehrere Jahre lagern. Fruchtige Rosé- und aromatische Weißweine der Côtes de Provence sollen jung getrunken werden. Besonders langlebig sind Spitzenrotweine aus Châteauneuf-du-Pape, Gigondas, Bandol und Palette. Vin cuit ist eine weinähnliche Spezialität.

Landschaften, Schutzgebiete und Bauwerke

Die Provence verbindet Küsten-, Feucht-, Gebirgs- und Schluchtlandschaften. Die Camargue ist das 930 Quadratkilometer große Rhône-Delta. Im Étang de Vaccarès leben Rosaflamingos und viele Zugvögel; Camargue-Pferde helfen Gardians beim Hüten der Camargue-Stiere. Nordöstlich davon liegt die Crau, die einzige verbliebene große zusammenhängende Steinsteppe der Mittelmeerküste.

Wichtige Gebirge sind die 200 bis 500 Meter hohen Kalkstein-Alpilles, der Luberon mit dem 1125 m hohen Mourre Nègre, das dicht bewaldete Massif des Maures und die Montagne Sainte-Victoire. Die Calanques südlich von Marseille sind fjordähnliche Badebuchten in einer Bergkette. Die Verdonschlucht ist bis zu 700 Meter tief und nach der Taraschlucht der zweittiefste Canyon Europas. Weitere markante Räume sind die Daluis-Schlucht mit roten Felswänden, die bis zu 400 Meter tiefe Gorges de la Nesque, das rote Porphyrgebirge Esterel und der Lac de Serre-Ponçon, Frankreichs größter künstlicher See. Der Mont Ventoux ist ein bekannter Anstieg der Tour de France und wird in der Hors Catégorie geführt.

Der Nationalpark Calanques, der Nationalpark Mercantour und der Nationalpark Port-Cros liegen in der Provence. Zu den regionalen Naturparks gehören Alpilles, Baronnies Provençales, Camargue, Queyras, Luberon, Mont-Ventoux, Préalpes d’Azur, Sainte-Baume und Verdon. Im Nationalpark Mercantour liegt das Vallée des Merveilles mit 25.000 bis 30.000 Petroglyphen.

Die Region besitzt zahlreiche römische und mittelalterliche Baudenkmäler. In Arles stehen ein zweigeschossiges Amphitheater mit jeweils 60 Arkaden pro Geschoss und die romanische Kirche St-Trophime. Das römische Theater von Orange entstand im 1. Jahrhundert n. Chr.; dort werden auch die einzigen Zeugnisse des amtlichen Vermessungswesens aus der römischen Antike aufbewahrt. Der Pont du Gard war Teil eines Aquädukts zur Wasserversorgung von Nîmes. Die von einer Stadtmauer aus dem 12. Jahrhundert umgebene Altstadt Avignons wird vom Papstpalast geprägt. In Nîmes stehen das Amphitheater und die 19 v. Chr. errichtete Maison Carrée. Vaison-la-Romaine bietet großflächige römische Ausgrabungen und eine mittelalterliche Altstadt.

Griechische und römische Zeit

Um 600 v. Chr. begann die systematische Kolonisation der provenzalischen Küste durch Griechen aus Phokaia in Kleinasien. Sie gründeten Massalia, das spätere Marseille, das wegen seiner Lage am Meer zu einer bedeutenden Handelsniederlassung wurde. Entlang der Küste entstanden Stützpunkte und Tochtergründungen, darunter Antipolis (Antibes), Nikäa (Nizza) und Glanon (St. Rémy, Glanum). Die Blütezeit Massalias lag im 4. Jahrhundert v. Chr. Nach einer keltischen Invasion im späten 2. Jahrhundert v. Chr. geriet die Stadt unter Druck und bat Rom um Hilfe.

Die römische Ausbreitung stand auch im Zusammenhang mit den Punischen Kriegen gegen Karthago. Im Zweiten Punischen Krieg von 218 bis 202 v. Chr. war Massalia ein treuer Verbündeter Roms; Hannibal musste die Stadt auf seinem Zug nach Italien umgehen. Nach weiteren Hilferufen griff Rom militärisch ein. Marcus Fulvius Flaccus erhielt 125 v. Chr. den Auftrag, Massilia gegen die Salluvier zu unterstützen, eroberte aber große Teile des Landes und feierte 123 v. Chr. einen Triumphzug in Rom.

Zwei Jahre später entstand die Provinz Gallia ulterior, später Gallia Narbonensis. Zunächst war Aquae Sextiae (Aix-en-Provence) Hauptstadt, später die 118 v. Chr. gegründete Colonia Narbo Martius (Narbonne). Die Via Domitia verband als Verlängerung der Via Aurelia Italien auf dem Landweg mit Spanien. Die Provinz musste gegen Kimbern, Teutonen und gallische Aufstände gesichert werden. Bei Arausio (Orange) verloren die Römer im Herbst 105 v. Chr. gegen die Kimbern; Marius besiegte die Teutonen 102 v. Chr. südöstlich von Aquae Sextiae. Ab 58 v. Chr. diente die Narbonensis Caesar als Ausgangsbasis für seine Eroberungen in Gallien. Massilia unterstützte später Pompeius gegen Caesar, wurde nach fast einem halben Jahr Widerstand erobert und verlor seine Flotte.

Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert

Nach fast 600 Jahren als römische Provinz wurde die Provence 470/477 von den Westgoten erobert. 507 übernahmen die Ostgoten das Gebiet, 536 wurde es für 320 Jahre fränkisch. Von 855 bis 879 bestand mit Südburgund ein selbständiges karolingisches Königreich; ab 879 gehörte die Provence zum Königreich Niederburgund, bis 933 mit Arles als Hauptstadt, daher auch Arelat. Zwischen 888 und 975 war Fraxinetum eine islamische Basis; Araber beherrschten und plünderten weite Teile Burgunds. Ab 934 gehörte die Provence zum vereinigten Königreich Burgund, ab 1032 zum Heiligen Römischen Reich, wurde aber nie vollständig integriert.

Die Grafschaft Provence war ab 1112 zwischen Toulouse und Barcelona geteilt: Toulouse erhielt die Gebiete nördlich der Durance, Barcelona die südliche Provence. 1167 ging die Erbfolge an Alfons II. von Aragon, 1267 an das Haus Anjou. Dieses regierte bis 1481; nach dem Tod Karls III. fiel die Grafschaft testamentarisch an den französischen König Ludwig XI. Damit schied sie endgültig aus dem Heiligen Römischen Reich aus. 1498 wurde der französische Teil in die Domaine royal eingefügt, ab 1660 wie eine Provinz verwaltet und 1789 in Départements geteilt. Nizza kam endgültig erst 1860 zu Frankreich, Tende, La Brigue und Isola 1947.

Im 19. Jahrhundert überwinterten zunehmend englische Aristokraten an der Küste. Stéphen Liégeard veröffentlichte 1887 „La Côte d’Azur“; der Name setzte sich für den Küstenstreifen zwischen Hyères und Menton durch. Im Ersten Weltkrieg war die Provence nicht direkt Kampfgebiet, doch nach der Mobilmachung vom 1. August 1914 meldeten sich binnen weniger Tage 140.000 Männer. Die Region nahm Verwundete, Gefangene und Flüchtlinge auf; Marseille war Kriegshafen. Ab 1933 flohen zahlreiche deutsche und österreichische Intellektuelle in die Provence. Im Zweiten Weltkrieg gehörte sie zunächst zur freien Zone des Vichy-Regimes. Kollaboration, Verfolgung und Deportation der jüdischen Bevölkerung prägten die Zeit; das größte Internierungslager war das Camp des Milles bei Aix-en-Provence.

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