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Kontinent

Heute sind in Geographie und Geologie jeweils unterschiedliche Einteilungen der Kontinente üblich. So wird insbesondere Europa historisch und kulturell bedingt …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Definition
  2. 2. Verschiedene Zählweisen
  3. 3. Entwicklung der Vorstellungen
  4. 4. Fläche und Bevölkerung
  5. 5. Grenzfälle und Besonderheiten
  6. 6. Wichtige Zusatzbegriffe

Grundidee und Definition

Ein Kontinent ist eine große, zusammenhängende Festlandmasse. Im Deutschen wird dafür auch das Wort Erdteil verwendet. Die Encyclopædia Britannica definiert einen Kontinent als „eine der größeren zusammenhängenden Landmassen“ und nennt, der Größe nach geordnet, Asien, Afrika, Nordamerika, Südamerika, Antarktika, Europa und Australien. Die Kontinente bedecken zusammen rund 148 Millionen Quadratkilometer, also 29,3 Prozent der Erdoberfläche. Der Rest entfällt auf Meere und Inseln.

Der Begriff ist nicht völlig eindeutig, weil er unterschiedlich verwendet wird. Topographisch meint ein Kontinent traditionell eine große Landmasse, die durch Wasser oder andere natürliche Grenzen ganz oder fast ganz abgegrenzt ist. Geologisch zählt auch das Schelfgebiet, also der Festlandssockel im Flachmeer, zum Kontinent. Kontinentale Erdkruste ist leichter als ozeanische Kruste: Sie hat eine geringere Dichte von 2,7 g/cm³ gegenüber etwa 3,0 g/cm³ bei ozeanischer Kruste. Die Dicke eines durchschnittlichen Kontinents beträgt rund 30 km.

Neben der topographischen und geologischen Bedeutung gibt es eine historisch-politische Dimension. Europa gilt meist als eigener Erdteil, obwohl es geografisch eine zusammenhängende Landmasse mit Asien bildet und daher auch als Teil Eurasiens betrachtet werden kann. National Geographic betont entsprechend, dass „Kontinent“ mehr als nur eine physische Definition hat.

Verschiedene Zählweisen

Je nach Modell werden heute ohne Mikrokontinente vier bis sieben Kontinente gezählt. Das bekannteste Sieben-Kontinente-Modell unterscheidet Antarktika, Nordamerika, Südamerika, Europa, Asien, Afrika und Australien. Andere Modelle fassen Nord- und Südamerika zu Amerika zusammen oder Europa und Asien zu Eurasien. Manche Modelle verwenden Ozeanien statt Australien, besonders wenn nicht nur der Staat Australien, sondern auch pazifische Inselräume gemeint sind.

Beispiele für heutige Modelle sind: vier Kontinente mit Antarktika, Amerika, Eurafrasien und Ozeanien; fünf Kontinente mit Antarktika, Amerika, Eurasien, Afrika und Ozeanien; sechs Kontinente mit Antarktika, Amerika, Europa, Asien, Afrika und Australien; oder sieben Kontinente mit Antarktika, Nordamerika, Südamerika, Europa, Asien, Afrika und Australien.

Der Begriff Doppelkontinent wurde seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert für Landmassen wie Eurasien oder Amerika verwendet. 2017 schlugen neuseeländische Geologen außerdem vor, Zealandia als achten Kontinent zu definieren, weil Neuseeland, Neukaledonien und ein dazwischen liegender Meeresteil eine 4,9 Millionen km² große kontinentale Platte bilden. Dieser Vorschlag ist bisher nicht allgemein anerkannt.

Entwicklung der Vorstellungen

Die Frage, wie viele Kontinente es gibt, wurde schon in der Antike unterschiedlich beantwortet. Herodot teilte die Welt ursprünglich in drei Kontinente: Europa, Asien und Libyen, das heutige Afrika. Diese Dreiteilung galt im Altertum lange als verbindlich.

Mit der Entdeckung Amerikas und der Kolonisation der Neuzeit entstand Uneinigkeit über die Zählung. Besonders umstritten sind zwei Fragen: ob Amerika als ein Kontinent oder als Nordamerika und Südamerika gezählt wird, und ob Europa und Asien getrennte Kontinente oder zusammen Eurasien sind. Historisch gilt Amerika oft als ein Kontinent, der im 15. und 16. Jahrhundert von Europäern erobert wurde. Geologisch gesehen handelt es sich jedoch um Nordamerika und Südamerika, die erst durch den Isthmus von Panama miteinander verbunden wurden.

Europa und Asien werden aus historischen Gründen unterschieden. Hekataios von Milet zog im 6. Jahrhundert v. Chr. eine Grenze vom Ägäischen Meer über das Marmarameer und das Schwarze Meer bis zum Don. In der Neuzeit wurde in Europa der Ural als östliche Grenze Europas zu Asien üblich. Gleichzeitig bildet Eurasien eine zusammenhängende Landmasse, die größtenteils auf derselben Kontinentalplatte liegt.

Geologische Modelle knüpfen an Alfred Wegeners 1912 veröffentlichtes Konzept an. Danach waren am Ende des Paläozoikums alle Kontinente im Superkontinent Pangaea vereinigt und bewegten sich später durch Kontinentaldrift beziehungsweise Plattentektonik auseinander. In solchen Modellen können auch Platten wie die Arabische, Indische oder Australische Platte gesondert berücksichtigt werden.

Fläche und Bevölkerung

Die sieben Kontinente nehmen jeweils weniger als ein Zehntel der Erdoberfläche ein. Der größte Kontinent ist Asien mit 44,4 Millionen km², 47 Ländern, 4750 Millionen Einwohnern und 59,4 Prozent der Weltbevölkerung. Der kleinste in der Tabelle ist Australien und Ozeanien mit 8,5 Millionen km², 14 Ländern, 45 Millionen Einwohnern und 0,6 Prozent der Weltbevölkerung. Die Fläche des größten und kleinsten Kontinents unterscheidet sich ungefähr um den Faktor fünf.

Afrika hat 30,3 Millionen km², 55 Länder und 1400 Millionen Einwohner. Nordamerika umfasst 24,9 Millionen km², 23 Länder und 605 Millionen Einwohner. Südamerika hat 17,8 Millionen km², 13 Länder und 441 Millionen Einwohner. Antarktika hat 13,2 Millionen km² und praktisch keine ständige Bevölkerung; angegeben sind 0,001 Millionen Einwohner. Europa umfasst 10,5 Millionen km², 49 Länder und 730 Millionen Einwohner.

Die Weltbevölkerung ist sehr ungleich verteilt. Fast zwei Drittel leben in Asien, vor allem in Indien und China. In Europa, Amerika und Afrika lebt jeweils etwas mehr als ein Achtel der Weltbevölkerung. Weniger als ein Prozent lebt in Australien und Ozeanien. Die Antarktis wird nur zeitweise von wenigen Forschern und Besuchern bewohnt. Insgesamt nennt die Tabelle 193 international anerkannte Länder mit UN-Mitgliedschaft, 149,6 Millionen km² Landfläche und 8.000 Millionen Einwohner.

Grenzfälle und Besonderheiten

Viele politische Grenzen stimmen nicht genau mit Kontinentgrenzen überein. Die Türkei, Russland und Kasachstan liegen sowohl in Europa als auch in Asien. Istanbul liegt beidseits des Bosporus auf zwei Kontinenten. Auch Städte wie Oral, Magnitogorsk und Orenburg liegen an beiden Ufern des Ural. In Ägypten liegen einige Städte auf beiden Seiten des Suezkanals, der Afrika von Asien trennt, zum Beispiel El Qantara und Port Said mit Port Fuad.

Mehrere Staaten haben Landesteile auf anderen Kontinenten. Spanien besitzt Gebiete in und vor Afrika, Frankreich Gebiete in Südamerika sowie auf ozeanischen, afrikanischen, nordamerikanischen und antarktischen Inseln. Madeira gehört politisch zu Portugal, liegt aber in Afrika. Die westlichsten Azoreninseln Corvo und Flores liegen auf der nordamerikanischen Kontinentalplatte. Grönland gehört politisch zum Königreich Dänemark, liegt aber auf dem nordamerikanischen Kontinent. Die Sinai-Halbinsel gehört politisch zu Ägypten, wird aber zu Asien gezählt.

Weitere Grenzfälle zeigen, dass geologische, geografische und politische Einteilungen auseinanderfallen können. Durch Indonesien verläuft die Grenze zwischen Asien und Australien/Ozeanien. Island liegt geologisch auf der Grenze zwischen Nordamerika und Eurasien, wird aber geografisch meist Europa zugerechnet. Zypern zählt geografisch zu Asien, politisch jedoch zu Europa. Die Länder auf der Arabischen Platte werden zu Asien gezählt, obwohl diese Kontinentalplatte geologisch zu Afrika gehört.

Während der letzten Eiszeit waren Amerika und Eurasien über die Beringbrücke verbunden, Afrika über die Sinai-Halbinsel mit den anderen Kontinenten. Dadurch bestand eine durchgängige Landmasse, über die Landlebewesen wie der Mensch fünf Kontinente trockenen Fußes hätten durchwandern können: Afrika, Europa, Asien sowie Nord- und Südamerika.

Wichtige Zusatzbegriffe

Die Landhemisphäre ist die Halbkugel der Erde mit dem größten Anteil an Festland. Ihr Gegenstück ist die Wasserhemisphäre, also die Halbkugel mit dem größeren Wasseranteil.

Subkontinente sind plattentektonisch unterschiedliche Teile eines Kontinents. Weitere verwandte Begriffe sind Großkontinent, Superkontinent und Urkontinent. Ein Superkontinent ist eine sehr große zusammenhängende Landmasse wie Pangaea, in der frühere Kontinente zeitweise vereinigt waren.

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