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Mose

Nach der Stillzeit habe die Tochter des Pharao das Kind als Sohn angenommen und ihm den Namen Mose gegeben. Die Tochter des Pharao trägt in der Bibel keinen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Überlieferung
  2. 2. Von der Geburt bis zum Sinai
  3. 3. Tod und historische Deutungen
  4. 4. Mose in Judentum, Christentum und Islam
  5. 5. Der gehörnte Mose und Übersetzungsfragen
  6. 6. Mose in Kunst, Musik und Film

Bedeutung und Überlieferung

Mose oder Moses ist die Zentralfigur der Erzählungen des Pentateuchs, also der fünf Bücher Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium. Nach biblischer Überlieferung beauftragte ihn Gott, die Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei in das kanaanäische Land zu führen. Die Wanderung dauerte 40 Jahre. Mose erscheint dabei als Prophet, Befreier, Führer, Gesetzgeber und Vermittler zwischen Gott und dem Volk.

Bis zur Aufklärung galt Mose als Verfasser des Pentateuchs und des Psalms 90. Die heutige Bibelwissenschaft schließt ihn jedoch als tatsächlichen Verfasser biblischer Bücher aus, unabhängig davon, ob Mose als historische Persönlichkeit betrachtet wird. Die Moseerzählungen sind über mehrere Bücher verteilt und nach der traditionellen Urkundenhypothese aus verschiedenen Überlieferungsschichten zusammengesetzt, die vorwiegend zwischen dem 10. und 6. Jahrhundert v. Chr. datiert werden. Der biblischen Erzählung zufolge war Mose mit Zippora verheiratet und hatte mit ihr zwei Kinder.

Von der Geburt bis zum Sinai

Die Geburtserzählung in Ex 2,1–10 nennt die Eltern des Mose nicht; sie ordnet ihn dem Stamm Levi zu. Ein Stammbaum in Ex 6,14–27 nennt Amram als Vater, Jochebed als Mutter und Aaron als Bruder. Mirjam war die Schwester von Mose und Aaron. Weil der Pharao die Tötung männlicher Kinder der Israeliten angeordnet hatte, setzte Moses Mutter ihn in einem wasserdichten Kästchen am Nil aus. Die Tochter des Pharao fand ihn, ließ seine leibliche Mutter als Amme kommen, nahm ihn nach der Stillzeit als Sohn an und gab ihm den Namen Mose.

Das Motiv des ausgesetzten und geretteten Schicksalskindes wird mit Erzählungen über Romulus und Remus, Ödipus, Sargon von Akkad und Kyros II. verglichen. Als mögliche Vorlage oder Parallele zu Ex 2,1–10 wird besonders die neuassyrische Sargonlegende aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. genannt. Andere Forschungen verweisen auf die Horuslegende oder auf einen ägyptischen Ursprung einzelner Erzählungselemente. Der Name Mose wird in der Bibel volksetymologisch mit der hebräischen Wurzel mšh, „ziehen“, verbunden. Neuere Untersuchungen stellen ihn eher zur altägyptischen Wurzel mesi, mesa, mes, „gebären“, und zu Namen wie Ramses oder Thutmosis.

Nachdem Mose einen ägyptischen Aufseher getötet hatte, der einen Hebräer geschlagen oder erschlagen hatte, floh er nach Midian. Der dortige Priester, der je nach Text Reguel oder Jitro heißt, gab ihm seine Tochter Zippora zur Frau. Am Horeb, dem „Berg Gottes“, offenbarte sich JHWH im brennenden Dornbusch als „der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“. Mose erhielt den Auftrag, nach Ägypten zurückzukehren, die Ältesten Israels zu versammeln und die Befreiung aus der Knechtschaft und den Auszug in das Land der Kanaaniter anzukündigen.

Der Pharao lehnte Moses Forderung ab, die Hebräer drei Tage in der Wüste ihren Gott verehren zu lassen. Erst nach den Plagen, insbesondere dem Tod der ägyptischen Erstgeborenen, gestattete er den Auszug. Es folgten das Meerwunder am Schilfmeer, die Wanderung durch die Wüste, die Einsetzung von Richtern sowie der Bundesschluss am Sinai. Dort empfing das Volk die Zehn Gebote und weitere Gesetze.

Mehrere Erzählungen schildern die Unzufriedenheit und den Ungehorsam der Israeliten sowie ihre Zweifel an Mose: Dazu gehören die Wasserwunder, Manna und Wachteln, der Rückfall in den Götzendienst und die Rebellion gegen Moses Autorität. Beim goldenen Kalb schufen die Israeliten unter Aarons Anweisung ein Gottesbild. Mose befahl daraufhin die Tötung der Abgefallenen; die Leviten erschlugen dabei etwa 3000 Männer. Eine weitere Revolte führten Korach, Datan und Abiram mit 250 Leviten an. Auch Mirjam zweifelte an Moses Autorität und wurde der Erzählung zufolge mit Aussatz bestraft, bevor sie wieder gesund wurde.

Tod und historische Deutungen

Nach Dtn 34 starb Mose im Alter von 120 Jahren auf dem Berg Nebo im Ostjordanland. Von dort aus sah er das Land jenseits des Jordans, durfte es aber wie die übrigen Angehörigen seiner Generation nicht betreten. Sein Grab gegenüber Bet-Pegor blieb an einem unbekannten Ort.

Die biblische Darstellung seines Todes wurde unterschiedlich gedeutet. Ernst Sellin vertrat Anfang des 20. Jahrhunderts die These, Mose sei als Märtyrer von den Israeliten getötet worden. Diese Auffassung fand später vereinzelt auch bei Sigmund Freud und René Girard Anklang; Goethe war in einer frühen Schrift von einem Mord durch Josua und Kaleb ausgegangen. Sellin deutete verschiedene prophetische Texte als verkürzte Erinnerungen an Moses Tod als Schuldopfer für die Sünden des Volkes. Diese Deutung ist eine Forschungsthese und nicht der Bericht des Pentateuchs.

Die neuere historische Forschung fragt vor allem nach Moses Rolle bei der Entstehung Israels und seiner Religion. Mose wurde als Volks- oder Religionsgründer, Gesetzgeber oder Reformator verstanden. Martin Noth hielt jedoch die Vorstellung vom Gesetzgeber und Religionsstifter für stark an die deuteronomisch-deuteronomistische Literatur und besonders an den Bundesschluss am Sinai gebunden. Seiner Ansicht nach wurden ursprünglich unterschiedliche Erzählstoffe nachträglich miteinander verbunden und Mose in die Geschichten vom Auszug bis zur Ankunft in Palästina eingefügt. Am ehesten historischen Kern habe für ihn die Nachricht vom Grab Moses jenseits des Jordans. Die Päpstliche Bibelkommission bestätigte 1906 dagegen die traditionelle Auffassung, Mose habe den Pentateuch verfasst, möglicherweise durch von ihm gebilligte Schreiber.

Zahlreiche Historiker und Ägyptologen versuchten, Mose mit ägyptischen Personen zu identifizieren. Genannt wurden unter anderem der Würdenträger Bay beziehungsweise Beja aus der 19. Dynastie, der semitischstämmige königliche Butler Ramsesemperre und Amenmesse. Jan Assmann und Donald B. Redford verbanden die Exoduserzählung mit der Vertreibung der Hyksos durch Pharao Ahmose I. und mit ägyptischen Berichten über Naturkatastrophen. Diese Gleichsetzungen und Verbindungen sind kontrovers.

In der griechisch-römischen Geschichtsschreibung erscheint Mose häufig in Erzählungen über die Vertreibung von Aussätzigen oder Fremden aus Ägypten. In diesen meist polemischen Darstellungen führt er eine neue Religion und die Ausgezogenen nach Kanaan. Jüdische Autoren wie Flavius Josephus und Artapanos überlieferten zusätzlich einen Krieg Moses gegen die Äthiopier. Die Angaben weichen deutlich von der biblischen Überlieferung ab.

Mose in Judentum, Christentum und Islam

Im Tanach wird Mose insgesamt 767 Mal erwähnt, überwiegend in den Überlieferungen vom Auszug und der Wüstenwanderung; 647 Erwähnungen finden sich in den Büchern 2 bis 5 Mose. Im Neuen Testament wird er 80 Mal genannt. Die wichtigsten biblischen Rollen sind die des Empfängers göttlicher Offenbarung, Befreiers, Führers, Propheten und Vermittlers des Gesetzes. Dtn 18,15 und 18,18 kündigen außerdem einen künftigen Propheten „wie“ Mose an.

Psalm 90 trägt die Überschrift „Gebet des Mose“. In der jüdischen Tradition werden auch die folgenden Psalmen bis einschließlich Psalm 100 Mose zugeschrieben. Mose gilt neben Abraham, Jakob und David als eine wichtige Figur für das religiöse und nationale Selbstverständnis der Juden. Der Artikel weist jedoch darauf hin, dass die Abschnitte zur jüdischen und christlichen Theologie nicht ausreichend mit Einzelnachweisen belegt sind.

Im Christentum wird die biblische Darstellung teilweise als redaktionell erweitert und die Historizität Moses unterschiedlich bewertet. Orthodoxe Juden und verschiedene christliche Konfessionen halten seine führende Rolle beim Auszug und bei der Vermittlung des JHWH-Glaubens für historisch. Die katholische Kirche und die Orthodoxie verehren Mose als Patriarchen des Alten Testaments und als Heiligen; der Gedenktag ist der 4. September. Andere Christen verstehen ihn vor allem als Symbolfigur für die Einheit Israels, die Begründung des Kultus und der Gebote sowie den Weg zum Gottesglauben.

Im Islam heißt Mose Mūsā. Er gehört neben Abraham, Jesus und Mohammed zu den bedeutenden Propheten und gilt im Koran als Empfänger „des Buches“. Der Koran erzählt mehrfach von seiner Geburt, seiner Flucht nach Midian, der Offenbarung und Sendung, der Auseinandersetzung mit den ägyptischen Magiern, den Plagen und dem Wunder am Schilfmeer. Auch Manna, Wachteln, Wasserwunder und der Götzendienst der Israeliten werden erwähnt. Die Plagen erscheinen in Sure 7, 133–135, jedoch ohne den Tod der Erstgeborenen.

Der gehörnte Mose und Übersetzungsfragen

Ex 34,29 beschreibt, dass Moses Gesicht nach der Begegnung mit Gott strahlte. Die Israeliten fürchteten sich davor, weshalb Mose nach seiner Rede einen Schleier über sein Gesicht legte und ihn nur bei der Begegnung mit Gott abnahm.

Einige ältere christliche Kunstwerke zeigen Mose mit Hörnern. Ursache ist eine besonders wörtliche Übersetzung des hebräischen Verbs qāran durch Aquila. Das Verb hängt mit qeren, „Horn“, zusammen; Hieronymus übernahm diese Wiedergabe in der Vulgata als facies cornuta, „gehörntes Gesicht“. Eine Verwechslung von cornuta mit coronata, „bekränzt“ oder „gekrönt“, lag dabei nicht vor. Das hebräische Wort qeren kann neben „Horn“ auch „Strahlenbündel“ bedeuten. Die Septuaginta übersetzt die Stelle deshalb sinngemäß als glänzenden oder strahlenden Ausdruck des Gesichts.

Mose in Kunst, Musik und Film

Mose ist eine häufig bearbeitete Figur der Kunst. Michelangelos Skulptur entstand 1513–1515 als Teil des Juliusgrabmals in San Pietro in Vincoli in Rom und gehört zu seinen bekanntesten Werken. Eine moderne, knapp drei Meter hohe Moses-Plastik der Kunstaktion „Das 11. Gebot“ wurde 2014 erstmals gezeigt und danach unter anderem in Berlin, Düsseldorf, Erfurt, Münster und Stuttgart aufgestellt. Die Aktion kritisiert öffentliche Zahlungen in Millionenhöhe für Kirchentage.

Der Mose-Stoff wurde in zahlreichen musikalischen Werken verarbeitet, darunter Giovanni Battista Bassanis Oratorium Mosè risorto dalle acque von 1694, Händels Israel in Ägypten von 1739, Franz Lachners Moses von 1833 und Max Bruchs Moses von 1893/94. Arnold Schönbergs Opernfragment Moses und Aron orientiert sich am zweiten Buch Mose. Weitere Bearbeitungen sind das Rock-Oratorium Moses von 1985, das Pop-Oratorium Die 10 Gebote von 2010 und das Spiritual Go Down Moses.

Auch im Film wird die Mosegeschichte seit 1905 umgesetzt. Bedeutende Beispiele sind Cecil B. DeMilles Die zehn Gebote von 1923 und 1956, Moses und Aron von 1974, Die Bibel – Moses von 1996, der Zeichentrickfilm Der Prinz von Ägypten von 1998 und Exodus: Götter und Könige von 2014. Die Filmkomödie Bruce Allmächtig von 2003 parodiert die Teilung des Roten Meeres mit einer Tomatensuppe.

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