Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Rechnungswesen
Zum einen werden Geld- und Güterströme in einem Unternehmen dokumentiert, um gegenüber Außenstehenden Rechenschaft ablegen zu können (externes Rechnungswesen), …
Inhalt5 Abschnitte
Aufgabe und Grundstruktur
Das Rechnungswesen (RW oder REWE), seltener Unternehmensrechnung genannt, ist ein Teilgebiet der Betriebswirtschaftslehre. Es erfasst, überwacht und verdichtet systematisch die Geld- und Leistungsströme, die durch den betrieblichen Leistungsprozess entstehen.
Es erfüllt zwei Hauptaufgaben: Einerseits dokumentiert es Geld- und Güterströme, damit das Unternehmen gegenüber Außenstehenden Rechenschaft ablegen kann. Dazu gehören beispielsweise das Finanzamt, Banken oder Kostenträger im Gesundheitswesen. Andererseits liefert es dem Unternehmer Informationen zur Steuerung und Planung des Unternehmens.
Das Rechnungswesen umfasst vier Teilbereiche: das externe Rechnungswesen, das interne Rechnungswesen, die betriebswirtschaftliche Statistik und Vergleichsrechnung sowie die Planungsrechnung. In der Schul- und Berufsausbildung mehrerer deutscher Bundesländer wird es im Fach Kaufmännische Steuerung und Kontrolle (KSK) gelehrt.
Externes und internes Rechnungswesen
Das externe Rechnungswesen, auch Rechnungslegung genannt, stellt die finanzielle Situation eines Unternehmens nach außen dar. Es informiert über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage. Zentrale Bestandteile sind der Jahresabschluss mit Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung, die Kapitalflussrechnung, der Anhang und der Lagebericht. Anhang und Lagebericht sind dabei nicht notwendigerweise zahlenorientiert.
Die Buchführung ist ein Teil des Rechnungswesens. Sie zeichnet Geschäftsvorfälle auf, die im Unternehmen entstehen, zum Beispiel den Einkauf von Waren oder den Verkauf von Produkten.
Das interne Rechnungswesen wird auch Controlling genannt. Es plant, kontrolliert und koordiniert bewertete Unternehmensprozesse mit dem Ziel, den Unternehmenserfolg zu maximieren. Die gewonnenen Informationen sollen Entscheidungen des Managements objektiv fundieren. Dazu werden die Erfolgsquellen des Unternehmens vor allem mithilfe der Kosten- und Leistungsrechnung sowie der Investitionsrechnung untersucht und in ein Controllingkonzept einbezogen.
Im Gegensatz zum externen Rechnungswesen ist das interne Rechnungswesen grundsätzlich nicht an handels- und steuerrechtliche Auflagen oder Publizitätspflichten gebunden. Es kann deshalb andere oder zusätzliche Bewertungsansätze verwenden. Dazu gehören abweichende Faktorpreise und kalkulatorische Kosten. Kalkulatorische Kosten können beispielsweise Zins einschließlich Risiko, Unternehmerlohn, Abschreibung oder Miete sein.
Das interne Rechnungswesen ist überwiegend zukunftsorientiert und arbeitet mit Standard- und Planwerten. Außerdem werden in der Regel die Bestandteile des Gesamterfolgs auf der Ebene einzelner Produkte und Dienstleistungen ermittelt und analysiert. Zu seinen Instrumenten gehören die Betriebsabrechnung, die Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung, die kurzfristige Erfolgsrechnung beziehungsweise Betriebsergebnisrechnung sowie die Selbstkostenrechnung beziehungsweise Kostenträgerstückrechnung.
Statistik, Vergleiche und Planung
Die betriebswirtschaftliche Statistik und Vergleichsrechnung stellt Informationen über betriebliche Vorgänge zusammen und ermöglicht deren Auswertung durch Vergleiche. Dazu zählen die betriebswirtschaftliche Statistik selbst, der einzelbetriebliche Vergleich, der Soll-Ist-Vergleich, der Verfahrensvergleich und der Zeitvergleich. Beim Soll-Ist-Vergleich werden geplante oder erwartete Werte den tatsächlich erreichten Werten gegenübergestellt. Ein zwischenbetrieblicher Vergleich vergleicht Unternehmen miteinander und wird auch mit dem Begriff Benchmark in Verbindung gebracht.
Die Planungsrechnung ist eine unternehmens- und betriebsbezogene Vorschaurechnung. Sie wendet betriebswirtschaftliche Methoden an und dient der Vorbereitung von Entscheidungen in verschiedenen Unternehmensbereichen und für unterschiedliche Strategien.
Rechtliche Grundlagen in Deutschland
Die wichtigste rechtliche Grundlage für den handelsrechtlichen Einzel- und Konzernabschluss in Deutschland ist das Handelsgesetzbuch, insbesondere die §§ 238 ff. HGB. In bestimmten Fällen sind außerdem die Empfehlungen des Deutschen Rechnungslegungs Standards Committees (DRSC) für die Konzernrechnungslegung relevant.
Der handelsrechtliche Einzelabschluss muss von jedem Kaufmann erstellt werden. Er dient vor allem der Bemessung der Ausschüttungsansprüche der Eigentümer. Der Konzernabschluss hat insbesondere eine Informationsfunktion; er dient weder der Bemessung von Ausschüttungen noch der Steuerbemessung.
Kapitalmarktorientierte Konzern-Mutterunternehmen mit Sitz in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union müssen ihren Konzernabschluss nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) aufstellen. Für diese Unternehmen entfällt in Deutschland dadurch die Konzernrechnungslegung nach dem HGB.
Für die Steuerbemessung müssen Gewerbetreibende eine eigenständige Steuerbilanz erstellen, wenn sie Kaufmann im Sinne des HGB sind oder bestimmte Größenkriterien nach § 141 AO erfüllen. Die Steuerbilanz orientiert sich am Einzelabschluss nach HGB. Dieses Verhältnis wird als Maßgeblichkeitsprinzip bezeichnet. Zusätzlich zum HGB sind vor allem das Einkommensteuergesetz (EStG), das Körperschaftsteuergesetz (KStG) und die dazugehörigen Durchführungsverordnungen zu beachten.
Rechtliche Grundlagen in der Schweiz
In der Schweiz muss die Rechnungslegung mindestens nach dem Obligationenrecht (OR) erfolgen. Für mehr Transparenz gegenüber Anlegern wurden die Fachempfehlungen zur Rechnungslegung eingeführt. Diese werden als FER oder Swiss GAAP FER bezeichnet und sind nicht mit den IFRS zu verwechseln. Sie dienen als Mindeststandard, nach dem Unternehmen ihre Bilanzen und Erfolgsrechnungen aufbauen und gliedern.
Eine besondere schweizerische Problematik sind stille Reserven, die bei der Rechnungslegung berücksichtigt werden müssen.
Lernvideos zu Rechnungswesen
6:33
Buchungssätze - Beispielaufgaben zum Rechnungswesen
Wirtschaft - simpleclub · 1,7 Mio. Aufrufe
3:56
Buchungssätze mit Vorsteuer und Umsatzsteuer - Externes Rechnungswesen
Wirtschaft - simpleclub · 950.384 Aufrufe
5:02
Einführung in das Rechnungswesen
Wirtschaft - simpleclub · 938.029 Aufrufe
3:05
Einfacher Dreisatz | Rechnungswesen | kaufmännisches Rechnen | Lehrerschmidt
Lehrerschmidt · 764.782 Aufrufe