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Faktencheck Mauerbau | Terra X
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 44 Zeilen
- Sie ist das Symbol des Kalten Krieges und der deutschen Teilung: 28 Jahre lang teilt die Mauer Berlin. Hier kommt unser Faktencheck zu 5 verbreiteten Annahmen über die Berliner Mauer. Die Annahme: Berlin war schon vor dem Mauerbau eine geteilte Stadt.
- Falsch! Die innerdeutsche Grenze ist zwar schon zu, aber Berlin noch jahrelang weitestgehend offen. Zwischen Bundesrepublik und DDR ist 1961 längst eine Grenzanlage gebaut.
- Doch Berlin genießt einen Sonderstatus. Alle vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs halten die Stadt gemeinsam besetzt und teilen die Stadt in Besatzungszonen auf. Die Sowjets hatten also Ostberlin besetzt und Franzosen, Amerikaner und Engländer residierten in Westberlin.
- Das Leben in Ost und West unterscheidet sich zwar schon bald. Doch trotz zweier politischer Systeme, zweier Währungen und der Berlin-Krisen – bleibt die Grenze zwischen Ost- und West-Berlin weiter geöffnet. Darauf hatten sich die Alliierten geeinigt.
- Die Grenze hat man auch nicht wahrgenommen. Wir sind einfach rüber spaziert. Nix war. Und die Leute sind hin und her gegangen. Hin und her, mit viel Betrieb oft. Das war eigentlich ziemlich locker.
- Geschätzt eine halbe Million Berliner überqueren jeden Tag die Grenze zwischen dem östlichen und den westlichen Sektoren, zum Arbeiten, zum Einkaufen, um Freunde und Familie zu besuchen.
- Doch auch viele Flüchtlinge nehmen den Weg von Ost- nach West-Berlin, um sich in die Bundesrepublik abzusetzen. Von den fast drei Millionen Flüchtlingen bis 1961 entkommen schätzungsweise zwei Drittel durch das „Schlupfloch“ Berlin.
- Noch ahnt kaum einer, dass die DDR-Führung dem schlagartig ein Ende machen will, auch wenn es immer wieder Gerüchte gibt. Die Annahme, niemand wusste vom Mauerbau. Stimmt nicht ganz! Der Westen hat eine Warnung erhalten.
- Aus Dokumenten und von Zeitzeugen wissen wir: die Planung des Mauerbaus - Deckname Rose - soll unter absoluter Geheimhaltung ablaufen. Alle vorbereitenden Arbeiten sind unter strengster Geheimhaltung durchzuführen. Die gesamte Aktion erhält die Bezeichnung "Rose".
- Die ganze Sache blieb für mich eine absolut ungewöhnliche Situation. Einfach, weil ich bis dann noch nie erlebt hatte, dass eine Geheimhaltung dieser Art im politischen Geschehen unter uns stattgefunden hat.
- Und ich würde auch heute noch sagen, das war ein Meisterstück! Heute wissen wir: Der westdeutsche Bundesnachrichtendienst verfasst zwei Tage vor Mauerbau ein geheimes Fernschreiben mit dem Betreff,
- „Schließung der Sektorengrenzen“, um den nicht mehr kontrollierbaren Flüchtlingsstrom zu unterbinden. Die Information kam telefonisch von einer Quelle in Ost-Berlin. Ernst wird diese Nachricht jedoch nicht genommen.
- Auch die amerikanischen Geheimdienste sind im Bilde. Sie fangen am 09. August eine Nachricht aus der Staatspartei SED ab. Darin geht es um Pläne, Grenzübergänge in Berlin für Fußgänger zu sperren.
- Allerdings, ihrem Präsidenten leiten sie die Warnung nicht weiter. Es hätte auch nicht viel geändert. Kennedy und Chruschtschow hatten im Juni ein Treffen gehabt. Was wir damals gar nicht so mitbekommen haben,
- dass die Interessensphären zwischen den Großmächten abgesteckt sind, und das da nichts zu löten ist. Es war nicht zu erwarten, dass etwa die USA militärisch hier eingreifen. Die Amerikaner begrüßen zwar nicht die Grenzschließung in Berlin. Sie sind aber bereit, sie hinzunehmen, um eine Zuspitzung des Kalten Krieges verhindern.
- Zumal auch jede Besatzungsmacht in ihrer Zone autonom ist, solange die anderen Zonen unberührt bleiben. Die Annahme: Die Mauer wurde wegen der steigenden Flüchtlingszahlen gebaut.
- Stimmt, Aber nicht nur! Die offene Stadt bringt der DDR einige Nachteile, die von der Führung propagandistisch übertrieben werden. Dieses Westberlin mit seiner offenen Grenze hat uns über 30 Milliarden Mark gekostet. Und noch mehr, was nicht mit Zahlen zu beziffern ist.
- Das war natürlich ein Ärgernis für die DDR. Vor allem die sogenannten Grenzgänger, also solche, die in Ostberlin wohnten und in Westberlin arbeiteten. 63.000 Ostberliner arbeiten als Grenzgänger im Westen. 12.000 pendeln jeden Tag nach Ost-Berlin.
- Das Problem: Die Grenzgänger West bekommen ihr Gehalt zum Teil in Ost-, zum Teil in Westmark. Und Westgeld ist viermal so viel wert. Man hat mehr Geld zur Verfügung gehabt. Sicherlich gab es da auch Neider!
- Die DDR reagiert mit einer Kampagne gegen Grenzgänger. Aber auch das westliche Kulturangebot ist den Genossen ein Dorn im Auge. Jede freie Minute waren wir eigentlich drüben in Westberlin. Wenn wir dann für 25 Pfennig West im Kino John Wayne gesehen haben oder andere. Das war unser Leben. Das war prima!
- Für Ostberliner ist der Besuch von Westkinos durch die Bundesregierung subventioniert. Überall an der Sektorengrenze schießen Kinos aus dem Boden.
- Wir konnten also subventioniert von der Bundesregierung ins Kino gehen für zwei Ostmark. Und alles, was ein bisschen schön war, holten wir uns auf diese Weise im Westen. Und das wollte die DDR natürlich ändern.
- Diese Kinos an der Sektorengrenze spielen mit Vorliebe Gangsterfilme. Und oft genug haben wir dann mit den Auswirkungen zu tun. Der Osten reagiert nicht nur mit Propaganda. Auch die Kontrollen an den Grenzübergängen werden verschärft.
- Beispielsweise ist das Einführen westlicher Druckerzeugnisse, Schallplatten und elektronischer Geräte verboten. Umgekehrt dürfen Westberliner aus Ost-Berlin unter anderem keine Fleischwaren ausführen.
- Denn viele West-Berliner kaufen im Osten der Stadt ein. Lebensmittel und Konsumgüter sind in der DDR subventioniert. Wer seine West-Mark auf dem Schwarzmarkt tauscht, kann sich in Ost-Berlin günstig eindecken.
- Dass das strafbar ist, das wissen Sie selbst. Ja. Sie haben sich selbst in diese missliche Lage gebracht. Egoismus, Gewinnsucht, Eigennutz auf Kosten anderer. Doch am meisten schmerzt der Verlust der Menschen. Immer mehr suchen ihr Glück im Westen. Allein im Juli 1961 fliehen über 30.000 – Tendenz steigend.
- Kurz vorm 13. August, gab es in allen Nachrichten die Mitteilung dass die Fluchtwelle immer größer wird und 100.000e pro Woche das Land verlassen. Also die Fluchtbewegung, die nahm hysterische Ausmaße an. Die DDR sieht sich gezwungen, zu reagieren.
- Die Annahme: Die Mauer wurde über Nacht gebaut. Falsch! Die Mauer entsteht über einen längeren Zeitraum hinweg.
- Zunächst plant die DDR die Abriegelung am 13. August mit provisorischen Mitteln. Es werden benötigt: 473 Tonnen Stacheldraht, 6.700 Kilogramm Bindedraht, 145 Festmeter Holz, 47.900 Stück Betonsäulen.
- Die Grenze soll schnell dicht gemacht werden. Dann wartet man auf die Reaktion des Westens. In der Nacht, etwa gegen zwei Uhr kamen die ersten Nachrichten darüber, mit LKWs, die Stacheldrähte und Barrikaden abluden.
- Dass da schon tonnenweise Steine irgendwo hingekarrt worden sind und Stacheldraht an der Grenze bereit lag, das wusste kein Schwein. Das haben wir erst gesehen, als wir dann wirklich vor Ort waren. Hat doch niemand gemerkt, dass da irgendwo riesige Materialansammlungen stattfinden.
- Es wurde ja die Mauer von Tag zu Tag weiter aufgebaut. Ich wusste, dass es streng verboten war, die Staatsgrenze zu fotografieren. Dennoch dokumentiert Ingrid Taegner in einer geheimen Fotoserie, wie die Grenzanlagen ab August 1961 nach und nach wachsen.
- Da standen an den ersten Tagen dann nur ein paar Grenzer rum. Dann wurde ein Holzzaun errichtet. Dieser Holzzaun wurde abgerissen. Ein Stacheldrahtzaun wurde gebaut. Dann wurde ein zweiter Stacheldrahtzaun gezogen. Es wurden Lampen aufgestellt.
- Also richtig grelle Lampen zur Beleuchtung dieses Uferweges. Also es war von Tag zu Tag immer eine Verschärfung. Erst einige Tage später steht die erste provisorische Stein-Mauer. Doch auch sie wird permanent umgebaut, erweitert und perfektioniert.
- Ihre Kosten summieren sich bis 1970 allein in Berlin auf 100 Millionen DDR-Mark. Erst ab Mitte der 1970er bekommt die Mauer ihr endgültiges Gesicht. Mit Grenzstreifen und Wachtürmen.
- Die Hightech-Mauer 2000, noch ein Jahr vor dem Mauerfall geplant, kommt nicht mehr zum Einsatz. Die Annahme: Nach dem 13. August kam keiner mehr rüber.
- Falsch! allein bis zum Nachmittag des 13. August fliehen noch Hunderte in den Westen. Zum Beispiel an der Bernauer Straße. Hier gehören die Häuser zum Osten, der Bürgersteig davor aber zum Westen.
- Diese Häuser mussten geräumt werden. Es wurden ja zum Beispiel auch in der Bernauer Straße die Fenster zugemauert, weil die ja nach dem Westen gingen. Das war ja gar nicht so schnell zu erledigen, das hat ja auch ein paar Tage gedauert.
- Während von hinten bereits die Grenzer anrücken, fliehen einige Bewohner noch durch das Fenster. Bernauer Straße 29. Eine 77-jährige Rentnerin versucht, aus dem ersten Stock zu springen. Die Feuerwehr hat das Sprungtuch gespannt.
- Oben ziehen die Volkspolizisten bzw. die Sicherheitskräfte der DDR und unten ziehen die Westberliner Bürger die Frau und wollen sie bald auseinanderreißen. Auch andere Teile der Grenze sind in den ersten Tagen noch undicht. Viele Menschen fliehen durch Schlupflöcher im Stacheldrahtzaun.
- So auch Manfred Roseneit, damals Anfang 20. Er will fliehen, bevor es zu spät ist. Jetzt steh ich hier hinterm Stacheldraht…dat war die Situation, bevor ich einfach erstarrt da stand, das kann man auf diesem Bild auch gut nachvollziehen.
- Ich bin dann weiter in die Kiefholzstraße reingelaufen, da konnte ich dann, durch so einen normalen Zaun durchkrauchen. Ein Drahtzaun, der schon hochgebogen war. Dann war ich befreit in Westberlin. Aber innerlich natürlich der Krampf: Familie ist zuhause.
- Ein Schicksal, das Tausende teilen. Bis zum Mauerfall 1989 gelingt noch mehr als 5000 Menschen die Flucht über die Berliner Mauer. 140 kommen dort ums Leben.
- Wenn ihr mehr über die Geschichte der deutschen Teilung erfahren wollt, haben wir euch hier ein Video von MrWissen2Go Geschichte verlinkt. Und hier geht`s zu unserem Themenschwerpunkt in der ZDF-Mediathek, mit vielen Dokus und Infos rund um den Mauerbau.
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