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Anti-Hitler-Koalition
Anti-Hitler-Koalition · 1 Bezeichnung · 2 Vorgeschichte. 2.1 Kollektive Sicherheit; 2.2 Hitler-Stalin-Pakt; 2.3 Entwicklung zu Kriegsbeginn · 3 Gründung · 4 Ziele …
Inhalt6 Abschnitte
Bündnis gegen die Achsenmächte
Die Anti-Hitler-Koalition, auch Great Alliance oder Grand Alliance, war das Militärbündnis der drei alliierten Hauptmächte Großbritannien, Sowjetunion und USA sowie weiterer Staaten im Zweiten Weltkrieg. Sie kämpfte gegen die Achsenmächte: das Deutsche Reich unter Adolf Hitler, das faschistische Königreich Italien und das Kaiserreich Großjapan.
Das Bündnis bezeichnete sich selbst seit seiner Gründung als Vereinte Nationen. In der westdeutschen Forschung wurde lange vor allem von den Alliierten gesprochen; die Bezeichnung Anti-Hitler-Koalition war zunächst besonders in der Geschichtsschreibung der Ostblock-Staaten verbreitet und wurde seit den 1970er Jahren auch in der westdeutschen Geschichtsschreibung verwendet.
Nach dem Waffenstillstand mit Italien sowie den Kapitulationen der Sozialrepublik, Deutschlands und Japans waren die militärischen Ziele erreicht. Die Koalition zerfiel anschließend rasch; aus ihr gingen 1945 jedoch die Vereinten Nationen hervor.
Vorgeschichte und Kriegsbeginn
Ein Vorläufer der Zusammenarbeit war der französisch-sowjetische Beistandspakt vom 2. Mai 1935 gegen deutschen Expansionismus. Die Sowjetdiplomatie setzte sich für kollektive Sicherheit, also gemeinsame Maßnahmen von Staaten zur Friedenssicherung, und für eine Stärkung des Völkerbundes ein. Die Sowjetunion wurde im Dezember 1939 wegen ihres Angriffs auf Finnland aus dem Völkerbund ausgeschlossen. Deutschland, Italien und Japan waren zwischen 1933 und 1937 selbst ausgetreten.
Der Hitler-Stalin-Pakt von 1939/40, die sowjetische Besetzung Ostpolens, der Angriff auf Finnland und die Annexion der baltischen Staaten führten in Westeuropa zu Verwirrung und im Vereinigten Königreich zu einer stark antisowjetischen Stimmung. Umgekehrt machte das Sowjetregime Großbritannien für Beginn und Ausweitung des Krieges verantwortlich und warf den USA vor, durch „heuchlerische Neutralität“ Großbritannien und Frankreich mit Waffen zu unterstützen.
Nach dem deutschen Überfall auf Polen erklärten Frankreich und Großbritannien dem Deutschen Reich am 3. September 1939 den Krieg. Australien, Neuseeland, Britisch-Indien, Südafrika und Kanada folgten. Nach der französischen Niederlage und dem Waffenstillstand von Compiègne 1940 setzte Charles de Gaulle den Kampf mit den Forces Françaises Libres fort. Auch die nach dem deutschen Überfall im April 1940 ins Exil gegangene norwegische Regierung unterstützte den Widerstand mit Handelsflotte, Exilarmee und Milorg. Im Juni 1941 fand in London die erste interalliierte Konferenz in St James’s Palace statt.
Zusammenarbeit nach dem Angriff auf die Sowjetunion
Mit dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 traten die bisherigen Ressentiments in den Hintergrund. Winston Churchill erklärte noch am selben Tag, Großbritannien stehe nun an der Seite der UdSSR und werde ihr jede Hilfe zukommen lassen.
Der US-Sonderbeauftragte Harry Hopkins besuchte Moskau, um sich über die sowjetische Kriegführung und ihren Materialbedarf zu informieren. Seine Berichte förderten in den USA die Bereitschaft, die Sowjetunion zu unterstützen. Auf der ersten Moskauer Konferenz regten die USA und Großbritannien Hilfsabkommen an; Harriman und Beaverbrook unterzeichneten am 1. Oktober erste Lieferabkommen.
Die Sowjetunion erhielt im Krieg umfangreiche Lieferungen. Besonders wichtig waren Transportmittel: 427.284 Lastkraftwagen, 1.966 Lokomotiven und 11.000 Waggons. Große Bedeutung hatten auch Lebensmittel, darunter 4,5 Mio. Tonnen Fleischkonserven. Im August 1941 besetzten die Sowjetunion und Großbritannien den deutschlandfreundlichen Iran, obwohl dessen Neutralität verletzt wurde; damit sollten unter anderem Transportwege durch den Persischen Korridor und der Zugang zu Öl gesichert werden.
Der Historiker Gregor Schöllgen bezeichnete die Koalition als „eine unnatürliche Allianz“: Die totalitär regierte Sowjetunion und die für freie Wirtschaft und Gesellschaft kämpfenden USA verband vor allem der gemeinsame Wille, das NS-Regime zu besiegen.
Gründung und Organisation
Die eigentliche Gründung erfolgte nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor sowie der Kriegserklärung Deutschlands und Italiens an die USA im Dezember 1941. Auf der Arcadia-Konferenz in Washington, D.C., von Dezember 1941 bis Januar 1942 nahmen Delegierte aus 26 Staaten teil. Am 1. Januar 1942 verabschiedeten sie die Deklaration der Vereinten Nationen gegen den Dreimächtepakt.
Die Unterzeichner verpflichteten sich auf Ziele und Grundsätze der Atlantik-Charta von August 1941 und schlossen Separatfrieden aus. Auf sowjetischen Wunsch sprach die Erklärung vom „Kampf gegen den Hitlerismus“, weil die Sowjetunion einen Krieg mit Japan vermeiden wollte. Das Deutsche Reich galt als vorrangiger Feind; seine „Niederlage“ sei der „Schlüssel zum Sieg“.
Briten und Amerikaner organisierten ihre Kriegführung mit den Combined Chiefs of Staff und dem unterstellten Combined Munitions Assignments Board gemeinsam. Diese enge militärische und rüstungswirtschaftliche Koordination trug wesentlich zu ihren Erfolgen bei; die Achsenmächte hatten keine vergleichbare Abstimmung. Für den Südwestpazifik wurde ABDACOM als gemeinsames Kommando amerikanischer, britischer, niederländischer und australischer Streitkräfte unter General Wavell beschlossen.
Großbritannien und die Sowjetunion unterzeichneten am 26. Mai 1942 nach fünfmonatigen Verhandlungen ein Bündnis für 20 Jahre. Die UdSSR nahm zugleich wieder Beziehungen zu mehreren Exilregierungen auf und löste 1943 die Komintern auf. Bis 1945 traten weitere 21 Staaten bei. Die USA, das Vereinigte Königreich und die Sowjetunion wurden wegen ihrer führenden Rolle als „Große Drei“ bezeichnet. Frankreich wurde nach Kriegsende nachträglich Siegermacht mit eigener Besatzungszone und damit Teil der Vier Mächte.
Kriegs- und Nachkriegsziele
Die Großmächte misstrauten einander, waren aber aufeinander angewiesen: Roosevelt wollte den sowjetischen Kriegseintritt gegen Japan, Stalin verlangte eine zweite Front der Alliierten in Europa. Gemeinsames unmittelbares Ziel war die bedingungslose Kapitulation der Achsenmächte.
Ab 1941 planten die Partner außerdem Sühne und Wiedergutmachung, die Erforschung der Ursachen deutscher Verbrechen, die Bestrafung der Verantwortlichen und eine tragfähige Nachkriegsordnung. Deutschland und die anderen besiegten Staaten sollten politisch-kulturell neu gestaltet werden. Angestrebt wurden zudem eine stabile geopolitische Neuordnung Europas sowie Fortschritte im Völkerrecht und bei den Menschenrechten; zugleich dachten die Großmächte an die Sicherung ihrer eigenen Vormachtstellung.
Wichtige Schritte waren die Atlantik-Charta (August 1941), die Deklaration der Vereinten Nationen (Januar 1942), die Londoner Erklärung über die Nichtigkeit von Enteignungen während des Krieges (1943), die Moskauer Deklaration (November 1943), das Bretton-Woods-Abkommen von 44 Staaten (1944) sowie das Potsdamer Abkommen (August 1945). Das Londoner Statut vom August 1945 regelte erstmals völkerrechtlich verbindlich die strafrechtliche Verantwortlichkeit einzelner Personen und schuf den Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg; für japanische Hauptkriegsverbrecher war der IMTFE vorgesehen. Im Dezember 1948 folgten die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und die Völkermordkonvention.
Vereinte Nationen und Zerfall des Bündnisses
Die Anti-Hitler-Koalition legte die Grundlage für ein neues System kollektiver Sicherheit, das nach dem Krieg Frieden sichern und Friedensbrüche verhindern sollte. An den formal noch bestehenden Völkerbund wollte niemand anknüpfen, weil dessen Scheitern als zu offensichtlich galt.
Roosevelt dachte zunächst an eine Friedensordnung, in der allein Großmächte schwere Waffen besitzen dürften und alle anderen Staaten radikal abrüsten müssten. Später sollte auch die Sowjetunion einbezogen werden; Roosevelt sprach gegenüber Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow im Mai 1942 von „Frieden durch Diktat“. Auf der Außenministerkonferenz in Moskau im Oktober 1943 und auf der Teheran-Konferenz Ende 1943 stimmten die Mächte diesem Vorgehen zu.
In Dumbarton Oaks erarbeiteten Fachleute der USA, Großbritanniens, der Sowjetunion und Chinas die Grundzüge der Satzung. Sie verband eine weitgehende Gleichberechtigung aller Mitglieder in der Generalversammlung mit einer privilegierten Stellung der Großmächte im Sicherheitsrat. In Jalta wurden im Februar 1945 offene Fragen zum Vetorecht der Großmächte gelöst. Am 25. April 1945 begann die Konferenz von San Francisco; im Juni unterzeichneten Vertreter von 50 auf alliierter Seite beteiligten Staaten die Charta der Vereinten Nationen.
Trotz der gemeinsamen Ziele bestanden starke Gegensätze. Es gab keine gemeinsame militärische Strategie der Westmächte und der Sowjetunion; die UdSSR forderte wiederholt eine zweite Front. Begriffe wie der demokratische Wiederaufbau Deutschlands blieben bewusst ungenau. Konflikte bestanden auch wegen der Atlantik-Charta, der sowjetischen Annexionen, der Kolonien der Alliierten und besonders wegen Polens sowie des Massakers von Katyn. Bald nach Kriegsende zerbrach die Koalition. Spätestens mit der Truman-Doktrin und Andrei Alexandrowitsch Schdanows Rede vom 30. Juli 1947 wurde offen von einer geteilten Welt gesprochen: Die Ära des Kalten Krieges begann.