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Benediktiner
Das benediktinische Mönchtum ist die älteste und bedeutendste klösterliche Bewegung des Abendlandes. Die Missionstätigkeit der Benediktiner vom 7. bis 12.
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Begriff und Grundidee
Benediktiner sind Ordensleute, die nach der Regula Benedicti (Benediktsregel) leben. Im engeren Sinn gehören sie Gemeinschaften der 1893 errichteten Benediktinischen Konföderation an, einem kontemplativ, also auf Gebet und inneres geistliches Leben, ausgerichteten Orden der römisch-katholischen Kirche. Im weiteren Sinn gibt es benediktinische Klöster auch im Anglikanismus und vereinzelt im Luthertum.
Der Orden beruft sich auf Benedikt von Nursia, die ihm zugeschriebene Regel und die Abtei Montecassino; seine Anfänge sind historisch jedoch schwer fassbar. Das Benediktinertum gilt als älteste und bedeutendste klösterliche Bewegung des Abendlandes. Seine Mission vom 7. bis zum 12. Jahrhundert trug zur flächendeckenden Christianisierung Europas bei.
Die bekannte Kurzformel lautet „Ora et labora et lege“: „Bete und arbeite und lies“. Sie steht nicht in der Benediktsregel und war ursprünglich kein spezifisch benediktinisches Motto, fasst deren Ausrichtung aber inhaltlich zusammen. Viele Klöster haben Oblaten: Menschen, die nicht als Mönche oder Nonnen im Kloster leben, sich aber an der Spiritualität der Regel orientieren.
Die Mitglieder legen drei Gelübde ab: „Stabilitas loci“, die dauerhafte Bindung an eine Gemeinschaft und ein bestimmtes Kloster; „Conversatio morum suorum“, den klösterlichen Lebenswandel; und „Oboedientia“, den Gehorsam. Als Leitwort kann 1 Petr 4,11 gelten: „Ut in omnibus glorificetur Deus“ – „Auf dass Gott in allem verherrlicht werde“.
Regel, Alltag und Spiritualität
Die Benediktsregel versteht das Kloster als „Schule für den Dienst des Herrn“. Ziel des Mönchs ist die Suche nach Gott. Wichtige Haltungen sind Gehorsam gegenüber dem Abt, Schweigsamkeit, Beständigkeit und Demut. Gehorsam bedeutet dabei auch ein einfühlsames Hinhören auf Gott und andere Menschen.
Wesentlich ist die „discretio“, die Unterscheidungsgabe; die Regel nennt sie die Mutter aller Tugenden. Der Abt soll alles mit Maß ordnen, „damit die Starken finden, was sie suchen, und die Schwachen nicht weglaufen“. Die Regel verbindet deshalb gemeinschaftliches Gebet, persönliche geistliche Lesung und Meditation mit Handarbeit. Arbeit schafft Ausgleich und sichert den Lebensunterhalt.
Der Gottesdienst gliedert den Tagesablauf; ihm soll nichts vorgezogen werden. Im Zentrum steht das gemeinschaftliche Chorgebet, nicht das Einzelgebet. Die Regel sieht sieben Gebetszeiten vor: Laudes, Prim, Terz, Sext, Non, Vesper und Komplet; hinzu kommen die nächtlichen Vigilien. Alle 150 Psalmen des Alten Testaments sollten innerhalb einer Woche gesungen werden. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde die Prim abgeschafft; heute werden die Psalmen je nach Kloster in einer oder zwei Wochen gebetet. Terz, Sext und Non werden etwa in bayerischen und österreichischen Abteien teilweise zu einer Tages- oder Mittagshore zusammengefasst.
Zur Liturgie gehört eine innere Haltung der Ehrfurcht. Die Regel fordert beim Psalmensingen, dass Denken und Herz mit der Stimme übereinstimmen. Kapitel 48 betont außerdem: „Müßiggang ist ein Feind der Seele“; daher sollen sich die Brüder zu bestimmten Zeiten mit Handarbeit und zu anderen mit heiliger Lesung beschäftigen.
Entstehung und Durchsetzung der Regel
Das westliche Mönchtum entwickelte sich nach Vorbildern aus Ägypten und dem Nahen Osten. Dort stand vor allem das Eremitentum, also das zurückgezogene Leben einzelner Asketen, im Vordergrund. Im Westen entstanden auch Gemeinschaften von Priestern und Frauen sowie Klöster. Das Konzil von Chalcedon stellte die Klöster 451 unter bischöfliche Aufsicht und schrieb die Bindung des Mönchs an sein Eintrittskloster fest.
Benedikt von Nursia (* um 480; † 547) gründete 529 ein Kloster bei Montecassino und verfasste dafür die Regula Benedicti, die unter anderem auf der Regula Magistri beruht. Er plante keinen Orden mit übergreifender Organisation, sondern regelte das Leben seines eigenen Klosters. Die Regel war vergleichsweise kurz und maßvoll in der Askese. Sie verringerte Standesunterschiede: Die Rangfolge richtete sich grundsätzlich nach der Dauer der Zugehörigkeit, nicht nach Herkunft. Ergänzende Bestimmungen für den Alltag hießen Consuetudines.
Gregor der Große († 604) machte Benedikt durch das zweite Buch seiner Dialoge besonders bekannt. Seine Darstellung ist stark idealisierend; die Forschung nimmt heute dennoch einen realen biografischen Kern an. Gregor schildert Benedikt zunächst als Eremiten bei Affide, dann als Gründer von zwölf Klosterzellen bei Subiaco und schließlich als Gründer von Montecassino zwischen 520 und 530.
Im 7. und 8. Jahrhundert wurde die Benediktsregel häufig zusammen mit anderen Regeln befolgt, besonders mit der Regel des irischen Wandermönchs Columban († 612 oder 615); dies heißt Mischregelobservanz. Columban gründete 590 Luxeuil in den Vogesen. Erst ab 817 verpflichtete Benedikt von Aniane mit Unterstützung Ludwigs des Frommen die fränkischen Klöster auf die Benediktsregel. Das Konzil von Aachen von 816 bis 819 erklärte sie zur einzigen verbindlichen Klosterregel im Frankenreich und ergänzte sie durch verbindliche Consuetudines. Klöster sollten nun auch Seelsorge, Schulunterricht und Mission leisten. Karl der Große hatte bereits 789 angeordnet, dass alle Klöster Klosterschulen unterhalten sollten; Klosterbibliotheken bewahrten dabei wesentlich antike Literatur.
Reformen, Krisen und Gegenwart
Nach dem Zerfall des Karolingerreichs geriet das Mönchtum in eine Krise; Montecassino wurde 883/84 durch Sarazenen zerstört. Einen Neubeginn brachte Cluny, das Herzog Wilhelm der Fromme am 11. September 910 unter Abt Berno gründete. Die Abtei erhielt freie Abtswahl, Exemtion von bischöflicher Aufsicht und Immunität gegenüber weltlichen Herrschern. Der Verband von Cluny umfasste innerhalb eines Jahrhunderts über 1.000 abhängige Klöster und bildete als „sacer ordo cluniacensis“ den ersten eigentlichen Orden der Mönchsgeschichte.
Die cluniazensische Reform betonte Liturgie und strenge Regelbefolgung. Kritisiert wurde jedoch, dass das Gleichgewicht zwischen Gebet und Handarbeit verloren ging: Im 11. Jahrhundert beteten in Cluny 400 Mönche täglich über 200 Psalmen. Die Zisterzienser, deren Mutterkloster Robert von Molesme ab 1098 in Cîteaux aufbaute, wollten zu Einsamkeit, Armut, Handarbeit und einfacher Liturgie zurückkehren. Mit Augustiner-Chorherren und vor allem den Bettelorden des 13. Jahrhunderts verlor das Benediktinertum seine frühere Vorherrschaft.
Reformation, Kriege, Kommenden und Säkularisation führten zu großen Verlusten. In der Reformationszeit gingen bei Benediktinern und Zisterziensern insgesamt 1260 Klöster verloren. In Deutschland wurden 1803 104 Abteien und zusätzlich 38 Häuser aufgehoben; Frankreich verbot 1790 das Mönchtum. Im 19. Jahrhundert entstanden neue Reformzentren: Solesmes wurde 1832 gegründet, Beuron 1863 und Subiaco wurde ab 1850 erneuert. In Bayern entstand 1830 Metten erneut als erste Benediktinerabtei nach den Neugründungsvereinbarungen des Bayerischen Konkordats von 1817.
Seit dem 19. Jahrhundert breiteten sich Benediktiner weltweit aus, besonders durch deutschsprachige Missionsbenediktiner. Andreas Amrhein gründete 1883 die Benediktinerkongregation von St. Ottilien. Papst Leo XIII. errichtete 1893 mit dem Breve „Summum semper“ die Benediktinische Konföderation als Dachorganisation der Kongregationen. Die Äbte wählen den Abtprimas jeweils für zwölf Jahre; er hat repräsentative, keine Leitungsaufgaben. Die im Artikel genannten aktuellen Angaben unterscheiden sich: Einerseits werden rund 6.000 Mönche und 12.500 Nonnen in der weltweiten Konföderation genannt, andererseits rund 20.000 Angehörige der benediktinischen Ordensfamilie weltweit. Seit 1960 sind die Mitgliederzahlen rückläufig.
Aufgaben, Bildung und Kultur
Benediktinerklöster wirken in Bildung, Jugendarbeit, Erwachsenenbildung, Landwirtschaft, Mission und Kultur. Schulen und Internate knüpfen an eine lange Tradition an. Die Regel kennt in Kapitel 59 die Oblation: Eltern übergaben minderjährige Jungen dem Kloster, die dadurch unwiderruflich zur Gemeinschaft gehörten. Heute unterhalten zahlreiche Klöster Schulen mit modernen Lehrplänen; genannt werden etwa die Abtei Ettal sowie Stiftsgymnasien in Österreich und Schulen von Einsiedeln, Engelberg und Disentis in der Schweiz.
Klöster bieten außerdem Jugendbegegnungs- und Jugendbildungshäuser sowie Erwachsenenbildung an, etwa Seminare für Manager und Unternehmer. Landwirtschaft bleibt ein wichtiger Bereich: Dazu zählen Waldwirtschaft, Ackerbau, Viehzucht, Obstgärten, Weinbau, Liköre und Kräuter. Das Kloster Plankstetten stellte 1994 auf organisch-biologische Landwirtschaft um; auch Kirchschletten und Niederaltaich betreiben Biolandbau.
Missionsbenediktiner arbeiten besonders in Afrika und Asien, zum Beispiel in Peramiho in Tansania. Die Kongregation von St. Ottilien wurde im 19. Jahrhundert ausdrücklich für Mission gegründet; dass ein kontemplativer Orden gezielt Mission betrieb, war damals neu. Das Institut St. Bonifatius unterhält unter anderem Missionsstationen in Ruanda, im Kongo und in Guatemala.
Viele Abteien besitzen Museen, Kunstschätze und bedeutende Bibliotheken. Die Bibliothek des Stifts Admont umfasst 200.000 Bände; ihr 70 Meter langer Prunksaal gilt als größte Klosterbibliothek der Welt. Die älteste Abschrift der Benediktsregel befindet sich in der Bibliothek des ehemaligen Klosters St. Gallen. Benediktinermönche entwickelten außerdem maßgeblich die Likörrezepturen Bénédictine, Siegburger Abtei-Liqueur und die Liqueurmanufaktur im Kloster Ettal.