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Athen
Mit der attische Demokratie wurde in Athen eine auf den Prinzipien der Volkssouveränität und der Mehrheitsentscheidung aufbauende politischen Ordnung begründet.
Inhalt6 Abschnitte
Überblick und Bedeutung
Athen (neugriechisch Athína) ist die Hauptstadt Griechenlands sowie die bevölkerungsreichste und flächengrößte Stadt des Landes. Die Gemeinde Athen im Zentrum des Ballungsraums ist mit etwa 39 km² Fläche relativ klein und hatte 2021 rund 643.452 Einwohner (Bevölkerungsdichte etwa 16.507 Ew./km²). Der Ballungsraum umfasst die Regionalbezirke Athen-Zentrum (88,1 km²), Athen-Nord (133,9 km²), Athen-Süd (70,2 km²), Athen-West (67,7 km²) und Piräus (51,3 km²) mit zusammen fast 3 Mio. Einwohnern. Die Agglomeration hat nach Eurostat ca. 3,8 Mio. Einwohner; wegen fehlender Meldepflicht gehen andere Schätzungen von mindestens 5 Mio. aus. Athen ist das kulturelle, historische und wirtschaftliche Zentrum Griechenlands. Der Flughafen ist der wichtigste des Landes, der etwa 8 km vom Zentrum entfernte Hafen Piräus der größte Griechenlands. Das Stadtgebiet ist seit der Jungsteinzeit kontinuierlich besiedelt, so dass Athen zu den ältesten Städten Europas zählt. In der klassischen Zeit (5. und 4. Jahrhundert v. Chr.) war Athen eine der führenden Poleis; dort wurde die attische Demokratie begründet, eine auf Volkssouveränität und Mehrheitsentscheidung aufbauende Ordnung. Als Haupt des Attischen Seebunds war die Stadt eine griechische Großmacht. 1834 wurde Athen Hauptstadt des neu gegründeten Königreichs Griechenland, 1985 die erste Kulturhauptstadt Europas. 1987 wurde die Akropolis, 1990 das Kloster Daphni in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.
Lage, Klima und Umwelt
Athen liegt in der weiträumigsten Ebene der Landschaft Attika an den Flüssen Ilisos und Kifisos. Die Stadt ist an drei Seiten von Bergen umgeben: Hymettos (1026 m), Pentelikon (1107 m), Parnitha (1413 m) und Egaleo (468 m); die vierte Seite öffnet sich zum Saronischen Golf. Das Klima ist trocken und weitgehend mild, durch die Berglage und die vorherrschenden Winde trockener und wärmer als in anderen Regionen Griechenlands. In Hitzeperioden von Juni bis September können Temperaturen über 40 °C im Schatten erreicht werden; nachts kühlt es wegen der dichten Besiedlung kaum ab. Im Winter können Kaltlufteinbrüche zu Schneedecken führen, die Temperaturmittelwerte liegen zwischen 9,6 und 11,4 °C. Jahresniederschlag: nur etwa 402 mm, meist von Ende Oktober bis Anfang Februar. Über 2800 Sonnenstunden und mindestens 348 Sonnentage pro Jahr; teils wehen Sand und Staub aus der Sahara bis nach Athen. Die Industrialisierung und der steigende Individualverkehr seit den 1950er Jahren führten zu starker Luftverschmutzung (Smog, griechisch to nefos, „die Wolke“). 1987 starben durch Smog zahlreiche Menschen. Maßnahmen wie ein ab 1981 geltendes Einfahrtsverbot nach geraden/ungeraden Kennzeichen sowie der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs haben die Luftqualität seit den 1990er Jahren verbessert.
Geschichte und Gründungsmythos
Der Sage nach buhlten die Göttin Athene und der Meeresgott Poseidon um die Gunst der Einwohner. Poseidon schenkte eine salzige Quelle, Athene einen Olivenbaum, der Nahrung, Öl und Holz spendete. Athene gewann, und die Stadt wurde nach ihr benannt. Als erster König bzw. Gründer gilt Kekrops. Der Name stand einst im Plural (Athēnai), seit den 1960er Jahren hat sich die Singularform (Athína) durchgesetzt. Die Besiedlung reicht ca. 7500 Jahre bis in die Jungsteinzeit zurück. Um 1300 v. Chr. stand auf der Akropolis ein mykenischer Palast; die älteste Stadtanlage lag auf dem Felsplateau, das als Burg (Akropolis) militärischer und religiöser Mittelpunkt war. Dem König Theseus wird die Vereinigung Attikas zu einer Polis (Synoikismos) zugeschrieben. Höhepunkt politischer und kultureller Macht war das 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. 86 v. Chr. wurde Athen römische Provinzstadt, blieb aber intellektuelles Zentrum (z. B. Platonische Akademie). 267 n. Chr. wurde die Stadt von den germanischen Herulern erobert und gebrandschatzt. 529 n. Chr. schloss Kaiser Justinian I. die letzten Philosophenschulen; slawische Einfälle beendeten im späten 6. Jahrhundert die antike Phase. Im Mittelalter war Athen nacheinander fränkisches Herzogtum (ab 1204), dann unter florentinischer, venezianischer und ab 1456/1458 osmanischer Herrschaft; der Parthenon wurde 1460 eine Moschee. 1834 wurde Athen – damals kaum mehr als 4000 Einwohner – Hauptstadt des neuen Königreichs. Nach 1920 wuchs die Stadt durch die Vertreibung von über einer Million Griechen aus Kleinasien stark. Im Zweiten Weltkrieg starben in den Wintern 1941/42 und 1942/43 über 100.000 Menschen im Ballungsgebiet den Hungertod. 1967 begann mit dem Staatsstreich der Obristen die siebenjährige Militärdiktatur; am 17. November 1973 wurde der Polytechnikum-Aufstand blutig niedergeschlagen. 1974 kehrte Konstantinos Karamanlis als Premierminister nach Athen zurück. Seit den 1990er Jahren wurden Metro, S-Bahn und die Athener-Spangenautobahn ausgebaut. Bürgermeister ist seit 2019 Kostas Bakogiannis. Größte Zuwanderergruppe sind Albaner; weitere u. a. Russen, Polen, Filipinos, Bangladescher und Nigerianer.
Stadtbild, Sehenswürdigkeiten und Kultur
Das Zentrum entstand im 19. Jahrhundert nach dem Stadtplan von Eduard Schaubert und Stamatios Kleanthis; ein geschlossenes Stadtbild findet sich nur im älteren Viertel Plaka. Fast alle wichtigen öffentlichen Bauten sind klassizistisch, z. B. die „Athener Trilogie“ (Universität 1841 von Hans Christian Hansen, Nationalbibliothek und Akademie der Wissenschaften 1891 von Theophil Hansen) und das Parlamentsgebäude (ehem. Schloss) am Syntagma-Platz von Friedrich von Gärtner. Im 20. Jahrhundert prägte die griechische Moderne das Stadtbild; die Charta von Athen (Manifest der modernen Architektur) wurde 1933 unterzeichnet. Spätere bedeutende Bauten sind z. B. das Neue Akropolis-Museum von Bernard Tschumi (2001–2007, Eröffnung 2009) und der Athens Olympic Sports Complex von Santiago Calatrava. Um die herausragende Stellung der Akropolis zu schützen, sind Landmarken oder auffällige Solitärgebäude grundsätzlich nicht erlaubt. Wichtige Sehenswürdigkeiten: Syntagma-Platz mit Parlament und Grabmal des unbekannten Soldaten (stündlicher Wachwechsel der Evzonen), Viertel Kolonaki mit Standseilbahn auf den Lykavittos (277 m), Zappeion, antikes Kallimarmaro-Stadion, Athener Trilogie, mittelbyzantinische Kapnikarea-Kirche, Plaka, Monastiraki-Platz, Agora, Römische Agora mit Turm der Winde, Kerameikos, Akropolis mit Akropolismuseum und Odeon des Herodes Atticus, Hadrianstor und Olympieion. Außerhalb: Kloster Daphni (11. Jahrhundert) und Kloster Kaisariani. Wichtigste Museen: Archäologisches Nationalmuseum (meistbesucht), Akropolismuseum, Museum für kykladische Kunst, Benaki-Museum, Byzantinisches Museum, Nationalgalerie. Kulturell prägend ist das seit 1955 jährlich stattfindende Athens Festival (Mai bis Oktober) mit den zwei antiken Theatern als Hauptbühnen; außerdem das Iródion, der Konzertsaal Megaro Mousikis, die Nationalbibliothek und die Nationaloper im 2016 fertiggestellten Stavros Niarchos Foundation Cultural Center. Alle zwei Jahre findet die Athens Biennale statt; 2017 war Athen (neben Kassel) Veranstaltungsort der Documenta 14. In einer Rangliste der Lebensqualität belegte Athen 2018 Platz 86 von 231 Städten.
Wirtschaft, Bildung und Verkehr
Wirtschaft: Laut einer Studie von 2014 erwirtschaftete der Großraum Athen ein BIP von 129,62 Mrd. US-Dollar (KKP), Platz 102 der weltweiten Metropolregionen; BIP pro Kopf 32.484 US-Dollar. Athen ist wirtschaftlich die wichtigste Metropole des Landes. Bedeutende Unternehmen: Mytilineos Holdings, Viohalco, Coca-Cola HBC, Titan Cement, Marfin Investment Group. Etwa 50 Prozent der griechischen Industrieunternehmen haben ihren Sitz im Ballungsgebiet. Bekannte Produkte: Fage-Joghurt, Metaxa-Weinbrand, ION-Schokolade, Korres-Naturkosmetik. Etwa 6 Mio. ausländische Besucher pro Jahr (2005) machen den Tourismus zu einer wichtigen Einnahmequelle. Bildung: Athen hat 17 ausländische archäologische Institute; hier sitzen u. a. die Nationale und Kapodistrias-Universität Athen (1837), die Nationale Technische Universität Athen (1836), die Panteion-Universität, die Wirtschaftsuniversität und die Hochschule der Bildenden Künste. Griechisch ist die einzige Lehrsprache. Verkehr: Zwei mautpflichtige Autobahnen (A1 Richtung Thessaloniki, A8 Richtung Korinth/Peloponnes) werden von der privaten, mautpflichtigen Attiki Odos verbunden, die am Flughafen endet. In der Innenstadt („Daktylios“-Zone) gilt an heißen Tagen die Regelung mit geraden/ungeraden Kennzeichen-Endziffern. Die U-Bahn besteht seit 1904, Linie 2 und 3 gingen 2000 in Betrieb; seit 2004 gibt es die S-Bahn (Proastiakos) und eine erneut eingeführte Straßenbahn. Der Oberleitungsbus (seit 1954, seit 1988 mit Piräus verbunden) ist mit 366 Fahrzeugen auf 22 Linien das größte Obus-Netz der EU. Busfahrpläne geben nur die Abfahrtszeit an der ersten Haltestelle und den Takt an. Eine Standseilbahn führt auf den Lykavittos, eine Seilbahn auf den Parnitha. Der Schiffsverkehr läuft über Piräus, den größten Passagierhafen Europas, und teilweise Nea Makri.
Sport, Wasserversorgung und Partnerschaften
Sport: In Athen fanden 1896 die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit statt (Panathenaikon Stadion, gebaut 330 v. Chr.) sowie 1906 die Olympischen Zwischenspiele. 2004 wurden dort die Spiele der XXVIII. Olympiade ausgetragen – gemessen an den Fernsehzuschauern die bis dahin erfolgreichsten Spiele. Außerdem fanden in Athen 1982 die Leichtathletik-EM, 1997 die Leichtathletik-WM, 1994 und 2007 Champions-League-Finals statt; Panathinaikos Athen ist mit über 500 Titeln der erfolgreichste Verein Griechenlands. 2011 fanden die Special Olympics World Summer Games in Athen statt, unterstützt von 25.000 Freiwilligen und 40.000 Familienangehörigen. Wasserver- und Entsorgung: Athen gilt vermutlich als älteste Stadt mit künstlicher Wasserversorgung; im 2. Jahrhundert baute Kaiser Hadrian einen Aquädukt vom Penteli-Berg zum Reservoir am Lykabettos. Heute wird die Stadt vom Marathon-See (gebaut 1926–1929), dem Yliki-See (seit 1959) und dem Mornos-Stausee (seit 1981) versorgt. Der Versorger EYDAP beliefert 4,3 Mio. Wasserkunden (Netz: 9500 km); das Abwassernetz ist 6000 km lang (3,5 Mio. Kunden). Ab 1990 wurde auf der Insel Psyttalia die zweitgrößte Kläranlage Europas errichtet (Kapazität: 1 Mio. m³ Abwasser pro Tag); die Schadstoffbelastung wurde um 93 Prozent, die Stickstoffmenge um 80 Prozent reduziert. Städtepartnerschaften: Athen unterhält Partnerstädte in vielen Ländern, darunter Athen (USA), Barcelona, Beirut, Belgrad, Boston, Buenos Aires, Bukarest, Chicago, Genua, Havanna, Istanbul, Jerewan, Kiew, Ljubljana, Los Angeles, Madrid, Montreal, Moskau, Nikosia, Paris, Philadelphia, Prag, Rom, Seoul, Sofia, Tirana, Warschau und Xi’an. Der Name „Athen“ dient zudem als Beiname anderer Städte, z. B. „Spree-Athen“ für Berlin, „Isar-Athen“ für München sowie „Athen des Nordens“ für Edinburgh.
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