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Claude Debussy

Achille-Claude Debussy (* 22. August 1862 in Saint-Germain-en-Laye; † 25. März 1918 in Paris) war ein französischer Pianist und Komponist des …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Person und Lebensweg
  2. 2. Eigenständige Tonsprache
  3. 3. Wichtige Werke
  4. 4. Werkbereiche und Aufnahmen
  5. 5. Nachleben

Person und Lebensweg

Claude Debussy (Achille-Claude Debussy; * 22. August 1862 in Saint-Germain-en-Laye; † 25. März 1918 in Paris) war ein französischer Pianist und Komponist des Impressionismus. Seine Musik gilt als Bindeglied zwischen Romantik und Moderne.

Debussy wuchs als erstes von fünf Kindern in bescheidenen Verhältnissen auf. Er besuchte keine Schule; seine Mutter vermittelte ihm Lesen, Schreiben und Rechnen. Der Pate Achille Arosa ermöglichte ihm den ersten Klavierunterricht. Madame Mauté de Fleurville förderte ihn anschließend so, dass er innerhalb von zwei Jahren am Pariser Konservatorium aufgenommen wurde.

Dort studierte Debussy insgesamt 13 Jahre, ab seinem 10. oder 11. Lebensjahr. 1874 gewann er mit Chopins 2. Klavierkonzert einen 2. Preis, 1875 mit Chopins Ballade in F-Dur einen 1. Preis. Spätere Misserfolge führten dazu, dass er eine Laufbahn als Klaviervirtuose aufgab. Im Fach Klavierbegleitung errang er einen 1. Preis und wurde dadurch zur Kompositionsklasse zugelassen. Er studierte unter anderem bei Ernest Guiraud.

1880 begleitete der 18-jährige Debussy Nadeschda Filaretowna von Meck auf Reisen durch Frankreich, Italien und die Schweiz und erteilte ihren Kindern Klavierunterricht. 1883 belegte er beim Prix de Rome den 2. Platz, 1884 gewann er ihn mit der Kantate L’Enfant prodigue. Der Wettbewerb verlangte zunächst eine vierstimmige Fuge und ein Chorwerk in sechs Tagen; in der Schlussrunde musste eine zwei- oder dreistimmige Kantate zu einem vorgegebenen Text entstehen. Der Gewinner erhielt ein vierjähriges Stipendium für die Académie des Beaux-Arts.

Den Aufenthalt in der römischen Villa Medici empfand Debussy als belastend. Er brach ihn 1887 vorzeitig ab. Die Akademie bewertete seine frühen Einsendungen, darunter Zuleima und später La Damoiselle élue, zunächst kritisch. Nach der Rückkehr begann seine sogenannte Bohème-Periode: Ohne feste Anstellung lebte er von kleineren Kompositionen und wurde unter anderem von dem Verleger Georges Hartmann unterstützt. In dieser Zeit entstanden die unveröffentlichte Oper Rodrigue et Chimène, die Suite bergamasque mit Clair de lune sowie seine Musikkritiken unter der Figur Monsieur Croche.

Debussys Privatleben war von mehreren Beziehungen und öffentlichen Konflikten geprägt. 1899 heiratete er Rosalie Texier; 1901 lernte er Emma Bardac kennen. Ihre Beziehung führte zu einem öffentlichen Skandal und zur Scheidung von seiner ersten Frau. Die gemeinsame Tochter Emma-Claude, genannt Chouchou, wurde am 30. Oktober 1905 geboren. Ihr widmete Debussy Children’s Corner. Die Ehe mit Bardac wurde erst 1908 rechtlich möglich.

Am 13. Mai 1909 wurde bei Debussy Darmkrebs festgestellt. Eine Operation im Dezember 1915 brachte keine Besserung. Er starb am 25. März 1918 in Paris und wurde auf dem Cimetière de Passy beigesetzt.

Eigenständige Tonsprache

Debussys Bedeutung liegt vor allem in der Entwicklung einer eigenständigen Harmonik und Klangsprache. Auf der Pariser Weltausstellung von 1889 beeindruckte ihn das javanische Gamelan. Besonders die pentatonische Stimmung und das schwebende Klangideal beeinflussten ihn. Er übernahm diese Anregungen jedoch nicht als direkte Kopie. Ein deutliches Beispiel ist Pagodes aus Estampes.

Debussy verzichtete zunehmend auf die zielgerichtete Auflösung harmonischer Spannungen. An die Stelle der klassisch-romantischen Funktionsharmonik mit klaren tonalen Schwerpunkten in Dur und Moll traten unter anderem Pentatonik, Ganztonleitern und eine Verbindung europäischer, slawischer und asiatischer Einflüsse. Weil seine Klangbilder oft fremdartig, schwebend und sphärisch wirken, wird er als Hauptvertreter des musikalischen Impressionismus bezeichnet.

Weitere wichtige Einflüsse kamen von Modest Mussorgsky, Alexander Borodin und Nikolai Rimski-Korsakow. Aus der Beschäftigung mit Mussorgskys Boris Godunow entwickelte Debussy eine Alternative zu Wagners ariosem Gesang: die Prosodie, eine an der natürlichen Sprachmelodie orientierte Art des Sprechgesangs. In Pelléas et Mélisande setzte er diese Textbehandlung ein. Wagner bewunderte Debussy, wollte ihn aber nicht nachahmen. Er forderte für die Musik eine diskrete Wirkung und sah ihre Aufgabe besonders im Ausdruck des Unaussprechlichen.

Debussy bezog außerdem Anregungen aus der französischen Barockmusik, besonders von Jean-Philippe Rameau, Jean-Baptiste Lully und François Couperin. Er schätzte an der französischen Musik Klarheit, schlichte Eleganz, Natürlichkeit, Anmut und plastische Schönheit. Auch spanische Tanzmusik, Salonmusik und frühe Jazzharmonik finden sich in seinem Werk. Ibéria aus Images pour orchestre wirkt durch Rhythmik und Orchestrierung spanisch, enthält aber keine Zitate spanischer Volksmusik.

Seine Harmonik und Rhythmik waren nicht bloß auf Klangwirkung angelegt. Debussys Werke folgen häufig streng durchdachten Strukturen. In Voiles aus Préludes I entsteht die Ganztonleiter schrittweise durch die systematische Brechung der Oktave: Auf große Terzen folgen übermäßige Quarten beziehungsweise Tritoni und schließlich große Sekunden. Danach wechselt das Stück kurz zur Pentatonik und kehrt zur Ganztonleiter zurück. Auch symmetrische Muster und additive Rhythmen prägen den Satz.

Bis zur Fertigstellung von Pelléas et Mélisande bevorzugte Debussy eher eine schwebende und undurchsichtige Tonsprache. Im Spätwerk, etwa in Jeux, den Études und dem Opernfragment La Chute de la maison Usher, wurde sein Stil klarer und klanglich einfacher, blieb aber strukturell äußerst komplex. Mit Erik Satie verband ihn die Suche nach Alternativen zu überlieferten Formen. Zu Maurice Ravel bestand eine distanzierte Freundschaft; mit Igor Strawinsky tauschte Debussy sich regelmäßig über Komposition und Technik aus.

Wichtige Werke

Den Durchbruch brachte das Prélude à l’après-midi d’un faune, inspiriert von einem Gedicht Stéphane Mallarmés und am 22. Dezember 1894 in Paris uraufgeführt. Das ungefähr zehn Minuten lange Orchesterstück gilt als erstes bedeutendes Hauptwerk Debussys, weil darin seine eigenständige Tonsprache besonders geschlossen hervortritt: kühne Harmonik, kammermusikalische Instrumentation und eine sorgfältig proportionierte Form. 1912 schuf Vaslav Nijinsky daraus das Ballett L’Après-midi d’un faune.

Les Nocturnes, ein Orchesterwerk mit den Teilen Nuages, Fêtes und Sirènes, wurde am 9. November 1900 uraufgeführt. Der Titel bezeichnet bei Debussy nicht die übliche Form eines Nocturnos, sondern allgemeine Eindrücke und besondere Beleuchtungen. Das Werk brachte ihm vor allem Anerkennung bei den Musikkritikern.

Die Oper Pelléas et Mélisande entstand zwischen 1893 und 1902 nach einem Text von Maurice Maeterlinck und wurde 1902 aufgeführt. Sie ist ein lyrisches Drama in fünf Aufzügen und zwölf Bildern mit Orchester. Debussy arbeitete lange und wiederholt an der Partitur. Vor der Uraufführung kam es zu einem Konflikt mit Maeterlinck, der seine Lebensgefährtin Georgette Leblanc als Mélisande besetzen wollte, während Debussy Mary Garden bevorzugte. Die Generalprobe wurde wegen der neuartigen Harmonien, Rhythmen und der Prosodie von Protesten begleitet; die Premiere zwei Tage später verlief deutlich ruhiger und die Oper erhielt lobende Kritiken.

Weitere zentrale Orchesterwerke sind La Mer (1903–05) mit den drei Teilen De l’aube à midi sur la mer, Jeux de vagues und Dialogue du vent et de la mer sowie Images pour orchestre (1905–12) mit Gigues, Ibéria und Rondes de printemps. Zu den wichtigen Klavierwerken gehören Estampes (1903), Images – Série I und II, Children’s Corner (1906–08), die beiden Bücher der Préludes (1909–10 und 1910–12) und die Études (1915). In Children’s Corner finden sich unter anderem Doctor Gradus ad Parnassum und Golliwogg’s cakewalk.

Werkbereiche und Aufnahmen

Debussys Gesamtwerk umfasst Bühnenwerke, Chor- und Orchesterwerke, Kammermusik, Klaviermusik sowie Lieder und Gesänge.

Zu den Bühnenwerken zählen neben Pelléas et Mélisande die unvollendete Oper Rodrigue et Chimène (1890–92), die Opernfragmente Le Diable dans le beffroi und La Chute de la maison Usher (1908–16), die Bühnenmusik Le Martyre de Saint Sébastien (1911) sowie die Ballette Khamma (1911–12), Jeux (1912) und La Boîte à joujoux (1913). Zu den Chorwerken gehören die Kantaten Le Gladiateur, L’Enfant prodigue und La Damoiselle élue. Bei den Orchesterwerken stehen außerdem Fantaisie pour piano et orchestre, Nocturnes, Printemps und Première Suite d’Orchestre. Für Soloinstrumente und Orchester schrieb Debussy unter anderem Deux danses für Harfe und Streichorchester sowie Werke für Saxophon und Klarinette.

Seine Kammermusik umfasst das Streichquartett in g-Moll (1893), Syrinx für Flöte solo (1913), die Sonate für Violoncello und Klavier (1915), die Sonate für Flöte, Viola und Harfe (1916) und die Sonate für Violine und Klavier (1916/17). Zu den Liedsammlungen gehören Ariettes oubliées nach Paul Verlaine, Cinq Poèmes de Baudelaire, Chansons de Bilitis, Fêtes galantes I und II, Trois chansons de France, Trois Ballades de François Villon und Trois Poèmes de Stéphane Mallarmé.

1912 spielte Debussy für Welte-Mignon sechs eigene Werke auf Klavierrollen ein: die Children’s Corner Suite, D’un cahier d’esquisses, La Soirée dans Grenade aus Estampes, La plus que lente, mehrere Préludes aus Livre I sowie Le Vent dans la plaine und Minstrels aus Préludes I. Eine Werknummerierung mit vorangestelltem L wurde unter anderem von François Lesure vorgenommen.

Nachleben

1990 wurde in Debussys Geburtshaus in der rue au Pain 38 in Saint-Germain-en-Laye das Musée Claude Debussy eingerichtet. Außerdem sind der Asteroid (4492) Debussy und das Gebirge Debussy Heights auf der Alexander-I.-Insel in der Antarktis nach ihm benannt.

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