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Komposition (Musik)
Als Komposition (von lateinisch componere ‚zusammenfügen') (veraltet: Tonwerk) wird bezeichnet: die Schöpfung, Erarbeitung und Urheberschaft eines musikalischen …
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Begriff und Abgrenzung
Komposition bezeichnet sowohl die Schöpfung, Erarbeitung und Urheberschaft eines musikalischen Kunstwerks – also das Komponieren – als auch das vollendete, aufführungsbereite Tonstück und dessen musikalischen Aufbau. In der Regel ist eine Komposition ein überliefertes Werk eines Komponisten, das wiederholt aufgeführt werden kann.
Davon werden drei Bereiche unterschieden:
- Bei der mündlichen Überlieferung lässt sich ein Werk nicht auf eine einzelne Person zurückführen. Es wird als Gemeingut weitergegeben und kann sich dabei verändern.
- Bei der Improvisation entsteht die Musik erst während des Spielens und ist nicht auf eine identische Wiederholung ausgerichtet. Die Fantasie gilt dagegen als eigene Kompositionsform.
- Bei der Interpretation führen Sänger oder Musiker ein bereits als Komposition vorliegendes Werk auf.
Zur Kompositionslehre gehören insbesondere Harmonielehre, Kontrapunkt und Formenlehre. Früher wurde sie meist von erfahrenen Komponisten im Lehrer-Schüler-Verhältnis vermittelt. Heute ist Komposition an europäischen Musikhochschulen gewöhnlich ein zehnsemestriges Hauptstudienfach.
Festlegung klassischer Werke
In der klassischen Musik, also der Kunst- oder E-Musik, umfasst Komposition die Erfindung eines Werkes und seine Fixierung durch den Komponisten. Wie genau ein Werk festgelegt wird, hängt vom jeweiligen musikalischen Parameter und vom einzelnen Werk ab.
In der klassisch-romantischen Musik sind die Tonhöhen präzise definiert. Auch Tondauern und Rhythmus lassen sich im Verhältnis zum Grundtempo genau bestimmen. Sie gelten deshalb als primäre Parameter oder Kompositionskategorien. Dynamik, also die Lautstärke und ihre Veränderungen, sowie Artikulation, also die Art, wie Töne ausgeführt und miteinander verbunden werden, können ebenfalls differenziert vorgeschrieben werden. Da sie sich in der Notenschrift jedoch nicht durch ebenso genaue Werte darstellen lassen, gelten sie als sekundäre Parameter. Die dabei entstehenden Spielräume muss der Interpret auslegen.
Auch beim Tempo bleibt ein Interpretationsspielraum. Selbst eine Angabe in Schlägen pro Minute wird nicht zwingend als absoluter Wert wahrgenommen. Abweichungen gelten daher nicht ohne Weiteres als Abweichungen von der Komposition, solange der allgemeine Tempoeindruck – etwa „schnell“, „mäßig“ oder „langsam“ – erhalten bleibt.
Der Komponist entscheidet außerdem über die Besetzung und die Instrumentation, also darüber, welche Instrumente mitwirken und wie die musikalischen Stimmen auf sie verteilt werden. Mit der zunehmenden Ausdifferenzierung des sinfonischen Orchesters erhielten diese Entscheidungen im 19. und 20. Jahrhundert stärker den Rang von Kompositionskategorien. Meist liegt die Wahl der Besetzung jedoch vor der eigentlichen Komposition, während die Instrumentation ihr nachgeordnet ist.
Rollen, Überlieferung und Forschung
Ein wesentliches Merkmal klassischer Musik ist die Konzentration des Schaffensprozesses auf den einzelnen Komponisten. Sie bildete die Voraussetzung für die seit dem 19. Jahrhundert wachsende Verehrung des Komponisten als „Genie“, für einen immer größeren Kanon an „Meisterwerken“ und für die strengere Trennung der spezialisierten Rollen von Komponist und Interpret. Neuere, nicht individualistische Ansätze betonen dagegen, dass künstlerische Praktiken trotz ihrer individuellen Ausprägung historisch und gesellschaftlich verankert sind. Komponieren wird dann als intelligenter und kreativer Vollzug einer sozialen Praxis verstanden.
Nach Darstellung des Artikels führten diese Entwicklungen im 20. Jahrhundert paradoxerweise dazu, dass der Komponist gegenüber dem Interpreten an Bedeutung verlor: Interpreten konnten auf einen anerkannten historischen Kanon zurückgreifen, mit dem zeitgenössische Komponisten konkurrieren mussten. Neue Komponisten fanden ihre Nischen vor allem im Experiment, das teilweise sogar grundlegende Merkmale des Komponierens infrage stellte. Dadurch wurden sie häufig auf spezialisierte Konzertreihen und Festivals verwiesen, während sich das Publikum in Hörer klassischer und neuer Musik aufspaltete.
Durch Schallaufzeichnungen entstand zudem ein überlieferbarer Kanon von „Meisterinterpretationen“. Der Artikel vertritt die umstritten formulierte Einschätzung, dass Interpreten dadurch in eine ähnliche Lage wie Komponisten geraten seien und die klassische Musik in eine Stagnation gelangt sei; ausdrücklich offen bleibt, ob sie sich daraus befreien kann.
Kompositionsprozesse werden empirisch in Musikwissenschaft, Psychologie und Soziologie untersucht. Dabei unterscheidet man retrospektive Dokumentationen und Analysen, die den Prozess im Rückblick betrachten, von Untersuchungen in actu, also während des tatsächlichen Komponierens.
Jazz und Rockmusik
Außerhalb der klassischen Musik haben Komposition und Komponist laut Artikel eine vergleichsweise geringere Bedeutung, weil traditionelle Aufgaben des Komponisten häufig arbeitsteilig erfüllt werden.
Im Jazz bezeichnet Komposition gewöhnlich nur die Melodie und das harmonische Grundgerüst eines Stückes. Das Arrangement, also die konkrete Einrichtung des Stückes für die beteiligten Musiker, und die Improvisation tragen ebenfalls wesentlich zum hörbaren Ergebnis bei. Eine ähnliche Verbindung von festgelegten und offenen Anteilen gab es in der europäischen Kunstmusik bis zur Mitte des Barockzeitalters. Jazzkomponisten wie Duke Ellington, Miles Davis und Wayne Shorter waren zugleich bedeutende ausführende Musiker. Entsprechend wird die geschichtliche Entwicklung des Jazz vor allem von Musikern und nicht allein von Komponisten geprägt.
In der Rockmusik bilden Komposition, Arrangement und Aufführung meist einen kollektiven Prozess, dessen einzelne Beiträge sich nicht vollständig voneinander trennen lassen. Das Ergebnis ist gewöhnlich für die Darbietung durch seine Urheber bestimmt und nicht für die Weitergabe an andere Interpreten im klassischen Sinn. Noten werden deshalb oft nur in reduzierter Form oder gar nicht benötigt. Besonders bei enger Arbeit mit Studioaufnahmen kann die klassische Notation überflüssig werden.
Der unterschiedliche Stellenwert des Komponierens in U-Musik, also Unterhaltungsmusik, und E-Musik, also ernster beziehungsweise Kunstmusik, führt mitunter zu uneinheitlichen Maßstäben bei ästhetischen Wertvergleichen.