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Die Völkerwanderung: Flucht und Vertreibung in der Antike
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 132 Zeilen
- In diesem Video geht es um die Völkerwanderung. Ein Begriff, den ihr schon mal gehört habt.
- Er steht für eine Umbruchszeit zwischen Antike und Mittelalter. Aber die meisten wissen nicht, was da genau passiert.
- Allein die Karten dazu sind schon verwirrend. Franken, Goten, Vandalen, Langobarden.
- Ein ziemliches Kuddelmuddel. Um die Verwirrung komplett zu machen,
- inzwischen schreiben Historiker:innen, dass der Begriff Völkerwanderung eigentlich falsch ist.
- Und politisch missbraucht wird. Viel Durcheinander also.
- Um das alles mal zu ordnen, beantworten wir hier die sieben wichtigsten Fragen zu Völkerwanderung.
- (Einzelner heller Ton) Alles endet irgendwann.
- So ist das in der Geschichte. Dieses Video wird irgendwann enden.
- Vielleicht mit einem Klick von euch auf dem Abo-Button. Auch das Imperium Romanum, das große Römische Reich
- fand irgendwann ein Ende. Das wisst ihr.
- Damit sind wir mitten bei der ersten Frage. Die Völkerwanderung wird in der Geschichtsschreibung
- lange als Story des Untergangs des Römischen Reiches erzählt. Vielleicht habt ihr das mitbekommen.
- Einerseits stimmt das irgendwie. Aber es ist auch falsch. Wenn ihr denkt: "Der Typ, der Mirko, macht die Verwirrung noch größer",
- könntet ihr recht haben. Also, eins nach dem anderen.
- Das Römische Reich wird in seiner Geschichte oft herausgefordert. Durch äußere Feinde und innere Probleme.
- Aber die Römer sind anpassungsfähig und schaffen es, immer wieder den Kernbestand des Reiches und seiner Kultur
- zu behaupten. Aber gegen Ende des 4. Jahrhunderts nach Christus
- gehen die Kräfte aus. Erst wird das Reich geteilt, ein Video dazu gibt's auf dem I.
- Dann geht 476 der westliche Teil endgültig unter. Der germanisch-römische Heerführer Odoaker
- setzt den weströmischen Kaiser Augustus ab und beendet die Kaiserherrschaft im Westen.
- Es gibt zwar noch den Kaiser Ostroms, aber Westeuropa, das jahrhundertelang unter römischer Oberhoheit stand,
- ist jetzt eine Gegend, in der sich etwa ein Dutzend neue Königreiche bilden.
- seit dem Jahr 568. Das ist die Zeit der Völkerwanderung.
- Aus römischer Sicht erzählt. Allgemeiner klingt es so:
- In der Zeit zwischen 375 nach Christus bis um 568 ist die vom römischen Imperium geprägte Welt
- im Umbruch. Am Anfang dieses Prozesses steht die antike Welt.
- Und am Ende das Mittelalter. Am Anfang ein römisches Imperium mit einem Kaiser,
- das viele Völker und Kulturen umfasst. Am Ende stehen mehrere Königreiche.
- Am Anfang steht die antike Götterwelt, am Ende das Christentum.
- Die Wirtschaft, die Kultur, die Art, wie man Kriege führt, die Religion, alles das verändert sich.
- Und ein wichtiger Teil dieses Umbruchs sind Migrationsbewegungen. Darum spricht man in der Geschichtsschreibung
- von der Zeit der Völkerwanderung. Der Begriff "Volk" ist irreführend.
- Erstens sind keine ganzen Völker unterwegs. An den Grenzen des Römischen Reiches
- leben verschiedene germanische Stämme. Da kann es sein, dass die Menschen eines Dorfes ins Reich ziehen.
- Vielleicht wegen einer Überschwemmung. Oder die Menschen fliehen vor Feinden.
- Oder Rom lockt mit gutem Ackerland Bauern in seinen Herrschaftsbereich. Und "Volk" bezeichnet Menschen,
- die durch ihre Abstammung miteinander verbunden sind. Das ist bei den "Völkern", die damals unterwegs sind, nicht der Fall.
- Es handelt sich um Stammesverbände, die politisch verbunden sind. Man schließt sich zusammen, weil man so stärker ist.
- Oder weil man gleiche Ziele oder Ansichten teilt. Oder weil die einen die anderen besiegen
- und in ihren Stamm eingliedern. Anstatt von Völkern spricht man besser von Stammesverbänden.
- Übrigens: Für die Römer sind diese Menschen alle "Barbaren". Das hört sich für uns wie eine Beleidigung an.
- Es bezeichnet aber erst einmal Menschen, die keine Römer oder Griechen sind.
- Je nach Zusammenhang ist es mehr oder weniger negativ gemeint. Der Begriff "Barbarenstämme" sagt erst einmal:
- Das sind Leute, die nicht im Wirkungskreis der römischen Zivilisation leben.
- Ja, jetzt zum Begriff "Wanderung". Da geht es, platt gesagt, natürlich nicht um so etwas
- wie Schulausflüge, sondern darum, die Heimat zu verlassen.
- Dafür gibt es verschiedene Gründe. Wandern, das machen die Stämme allerdings tatsächlich.
- Und nicht zu knapp. Etwa die Westgoten.
- Die ziehen vom Schwarzen Meer durch Griechenland und den Balkan, danach durch Italien und schließlich landen sie
- in Südfrankreich und Spanien. Die Langobarden lassen sich in Norditalien nieder.
- Die Vandalen kommen aus Osteuropa und ziehen über die Iberische Halbinsel nach Afrika.
- Genauer in die Gegend um Karthago. Auch die Burgunder und Franken überqueren den Rhein
- und siedeln sich im Imperium Romanum an. Angeln, Sachsen und Jüten gelangen über die Nordsee nach Britannien.
- Diese Verbände geben sich mit der Zeit eigene Herkunftsgeschichten. Genau das beginnt sie, zusammenzubringen.
- Es ist ein wichtiger Teil der Volkswerdung. Als sie ihre Heimat verlassen haben.
- Da stellt sich die Frage: Die Heimat zu verlassen kann unterschiedliche Gründe haben.
- In der Regel gibt es aber zwei Kategorien. Die treiben einen weg.
- Gründe, deretwegen man in eine bestimmte Gegend hineinwill. Also das, was einen anzieht.
- Was man sich erhofft. Zur Völkerwanderungszeit gibt es beides.
- Was pusht, was drückt die Stämme weg? Da sind einmal die Wetter- und Klimabedingungen in Germanien,
- die Menschen dazu bringen, die Heimat zu verlassen. Dass klimatische Veränderungen mit Migrationsbewegungen damals
- zu tun haben, das gilt heute als bewiesen. Dann gibt es Angreifer, Eroberer, v.a. die Hunnen.
- Mit ihnen wird der Beginn der Völkerwanderungszeit verknüpft. Die hunnischen Reiterheere greifen 375
- in der Gegend nördlich des Schwarzen Meeres die dort siedelnden Ostgoten an.
- Die weichen aus und kommen an die Grenze des Römischen Reiches. Etwa da, wo heute Budapest liegt.
- Dabei verdrängen sie wieder andere. Hier ist der Begriff Push-Faktoren wirklich angesagt.
- Es geht um das Wegdrücken. Was pullt, zieht einen an?
- Na ja, die römischen Gebiete sind höchst zivilisiert. Große Städte, Bäder, Theater, Arenen für Gladiatorenkämpfe
- und Pferderennen. Saubere Wasserversorgung, Straßen und Arbeit.
- Die Stämme suchen meistens Siedlungsland. Eine Gegend wo sie bleiben und eine eigene Herrschaft errichten können.
- Dafür streben sie einen Vertrag mit den Römern an. Bei solch einem Bündnis übernehmen die Stämme militärische Aufgaben.
- Sie erhalten Land, dafür verteidigen sie für die Römer z.B. die Reichsgrenze.
- Die Stämme wollen sich also v.a. eine Existenz aufbauen. Wenn es aber Unstimmigkeiten mit den Römern gibt,
- nehmen sie sich das, was sie brauchen, auch gewaltsam. Und das Weströmische Reich, in dem die Stämme v.a. siedeln,
- hat nicht mehr die Kraft, sich zu wehren. Damit fünftens:
- Diese Karte hier hatten wir am Anfang schon mal. Der Westen des Reiches zerfällt.
- In die Reiche der Vandalen, Westgoten, Burgunder, Ostgoten, Angelsachsen und Franken.
- Mit der Zeit vollzieht sich ein Konzentrationsprozess. Mehrere kleine Stämme werden zu wenigen großen.
- Am Ende bleiben die Westgoten in Spanien übrig. Das wird später islamisches Gebiet.
- Im Norden entsteht ein neues starkes Reich. Das Reich der Franken.
- Mitte des 6. Jahrhunderts will der römische Kaiser Justinian das Römische Reich noch einmal zu alter Stärke führen
- und erobert u.a. Italien zurück. Aber der Triumph wärt nur kurz.
- Der Schlussakt der Völkerwanderung gehört den Langobarden. Die siedeln zunächst in der Gegend des heutigen Westungarn.
- Als Ostrom schwächelt, ziehen sie 568 über die Alpen und gründen in Italien das Langobardenreich.
- Diese Reichsgründung ist die letzte, die durch germanische Verbände durchgeführt wird.
- Hier setzt die Geschichtsschreibung den Schlusspunkt der Völkerwanderung. Das Langobardenreich wird später vom Franken Karl dem Großen erobert,
- der sich 800 zum Kaiser krönen lässt. Zum ersten in Westeuropa nach mehr als 300 Jahren.
- Und, ihr habt es euch schon gedacht, auch zu ihm findet ihr ein Video oben auf dem I.
- Tja. Gute Frage.
- In Deutschland wird der Begriff ab 1790 populär. Nicht zuletzt,
- weil ihn der Dichter und Historiker Friedrich Schiller verwendet. Deutschland ist ja lange politisch zersplittert.
- Die deutschen Stämme, die Bayern, Sachsen, Schwaben usw., die kennen wir bis heute, bis heute gibt es auch Bundesländer.
- Die Deutschen, die sich einerseits als gemeinsame Nation verstehen und andererseits ihre Herkunft
- aus mittelalterlichen Volksstämmen hochhalten, die können der Idee, dass damals Völker unterwegs waren,
- viel abgewinnen. Im Grunde ist das ein positiver Begriff.
- Unsere französischen Nachbarn nennen diese Epoche Zeit der Invasion der Barbaren.
- Das ist deutlich negativer. Wir wissen jetzt, dass es sich bei den gemeinten Völkern
- in der Übergangszeit von der Antike zum Mittelalter um Gruppen germanischer Stämme handelt.
- Die verwenden den Begriff "Volk" nicht wie die Deutschen im 19. Jahrhundert oder wie wir heute.
- Es sind eben Stammesverbände, die von Kriegsherren, Warlords geführt werden,
- sich Herrschaft aneignen und versuchen, ihre Herzogtümer und Königreiche zu etablieren.
- Ihre "Wanderungen" erscheinen uns erst im Nachhinein als geplante Bewegungen.
- Der Begriff "Völkerwanderung" vermittelt also ein falsches Bild. Migration gibt es immer.
- Das ist kein besonderes Kennzeichen einer Epoche. Aber Völker sind damals eben nicht unterwegs.
- Und die angebliche Völkerwanderung stellt keine so gravierende Zäsur dar,
- wie man früher vermutete hat und wie es heute auch noch vermittelt wird.
- Deshalb klare Antwort: Na ja, ihr wisst, jetzt kommt kein Ja oder Nein.
- Der Begriff ist problematisch, weil er dazu verleitet, ein komplexes Geschehen
- so zu vereinfachen, dass die Erklärungen falsch werden. Aber ich hab auch keinen besseren Begriff dafür.
- Man kann ihn verwenden, weil man mittlerweile weiß, dass Völkerwanderung mehr meint
- als das Schulwissen von vor 30 oder 50 Jahren. Habt ihr ein besseres Wort? Schreibt es in die Kommentare.
- Dann verwenden wir nur noch diesen Begriff. Man darf den Begriff natürlich nicht missbrauchen.
- Damit zur letzten Frage. Die Verbindung zwischen Völkerwanderung,
- also germanischer Migration und dem Untergang des zivilisierten Römischen Reiches
- wirkt sich noch heute aus. Während der Flüchtlingsdiskussion 2015 konnte man es hören
- und auch heute warnen einige Politiker davor. Vor einer neuen Völkerwanderung, dem drohenden Untergang.
- Krieg, Blut, Leid, Tränen, Gefahr. Das Ende von allem, was wir schätzen.
- Wer so spricht, missbraucht eine geschichtliche Entwicklung, um Angst zu schüren, wie das oft der Fall ist.
- Die spätantike Migration ist nicht mit heute vergleichbar. Was soll man aus der Geschichte lernen?
- Z.B. dass einfache Erklärungen, einfache Begriffe oft den Blick auf die Wirklichkeit verstellen
- und man nicht erfährt, was wirklich geschehen ist. Die Völkerwanderungszeit bringt etwas Neues hervor.
- Es geht um eine Transformation. Die Menschen passen sich an.
- An das Klima, neue politische Verhältnisse, eine Religion. Klar ist, dass das alle mit viel Gewalt verbunden ist.
- Seit Längerem bemühen sich Historiker:innen, einen neuen Zugang zu dieser Epoche zu finden.
- Zur Epoche der angeblichen Völkerwanderung. Wir halten euch auf dem Laufenden.
- Welches Bild habt ihr denn von der Völkerwanderung? Oder welches Bild hattet ihr?
- Habt ihr den Begriff schon mal in Verbindung mit heutige Flüchtlingsbewegungen gehört?
- Schreibt es gerne unten in die Kommentare. Lasst uns darüber sachlich diskutieren.
- Neben mir findet ihr noch zwei weitere Videos. Was nach der Zeit der Völkerwanderung die Menschen bewegt,
- erfahrt ihr im Video über das 7. Jahrhundert. Und darunter ein Video über die Wikinger in Europa.
- Danke fürs Zuschauen.
Zum Nachlesen
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