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Nachfrage
Nachfrage ist in der Wirtschaft die Menge jeder Art von Gütern und Dienstleistungen, die Wirtschaftssubjekte durch Kauf mit Hilfe von ausreichender …
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Begriff und Grundzusammenhang
Nachfrage bezeichnet in der Wirtschaft die Menge an Gütern und Dienstleistungen, die Wirtschaftssubjekte zu einem bestimmten Kaufpreis pro Einheit erwerben wollen und aufgrund ausreichender Kaufkraft auch erwerben können. Das Angebot ist der Komplementärbegriff.
Nachfragende Wirtschaftssubjekte sind Unternehmen, Privathaushalte beziehungsweise Verbraucher sowie der Staat mit seinen Untergliederungen, etwa der öffentlichen Verwaltung und Staatsunternehmen. Grundsätzlich besteht ein negativer Zusammenhang zwischen Preis und nachgefragter Menge: Je höher der Preis eines Gutes oder einer Arbeitsstunde ist, desto niedriger ist die Nachfrage; sinkt der Preis, steigt sie in der Regel.
Die Nachfrage wird grafisch durch eine Nachfragekurve und mathematisch durch eine Nachfragefunktion dargestellt. Eine Nachfragefunktion beschreibt die Beziehung zwischen der Nachfrage und insbesondere dem Preis.
Mangel, Bedürfnis, Bedarf und Nachfrage
Die Wirtschaftswissenschaften unterscheiden die Kette Mangel → Bedürfnis → Bedarf → Nachfrage. Ein objektiver Mangel wird zum Bedürfnis, wenn ein Wirtschaftssubjekt ihn subjektiv wahrnimmt und ein Anreiz zu seiner Beseitigung entsteht. Nach Friedrich Benedikt Wilhelm von Hermann ist ein Bedürfnis „das Gefühl eines Mangels mit dem Streben, ihn zu beseitigen“.
Ein Bedürfnis kann zum Kaufmotiv werden, wenn es einen ausreichenden Grad an Kaufintensität erreicht. Der Bedarf ist die Konkretisierung und Spezifizierung eines Bedürfnisses in bestimmten Wirtschaftsobjekten, also in der Art und/oder Menge benötigter Güter oder Dienstleistungen. Erst wenn dieser Bedarf mit Kaufkraft, also der Verfügbarkeit über Zahlungsmittel, und entsprechender Zahlungsbereitschaft verbunden wird, entsteht Güternachfrage. Nachfrage ist somit der zu einem bestimmten Zeitpunkt auf einem Markt durch Kaufkraftunterlegung wirksam gewordene Bedarf.
Gerhard Scherhorn unterschied 1959 nach den Funktionen: Bedürfnisse haben Verbraucher, Bedarf haben Kunden und Nachfrage entwickeln Käufer. Der Konsument entwickelt zunächst ein Bedürfnis, der Kunde konkretisiert daraus einen Bedarf und wird bedient, während der Käufer durch eine Kaufentscheidung tatsächlich Nachfrage ausübt. Auf der Angebotsseite entsprechen dem Hersteller, dem Personal und dem Verkäufer mit Bedürfnisbefriedigung, Bedienung und Angebot.
Arten und gesamtwirtschaftliche Nachfrage
Bedürfnisse werden auch als latente Nachfrage bezeichnet. Manifeste Nachfrage ist die tatsächliche Marktentnahme, die sich in Käufen zeigt und bei Anbietern durch Umsatzerlöse gemessen werden kann. Sinkt der Marktpreis eines Gutes, können bisherige Nichtkäufer das Gut kaufen, weil der Preis nun innerhalb ihrer Zahlungsbereitschaft liegt. Andere Konsumenten erhöhen möglicherweise ihren Verbrauch. Dadurch wird zusätzliche, bisher nicht sichtbare Nachfrage wirksam. Eine Änderung der Gesamtnachfrage entsteht entweder dadurch, dass latente Nachfrage wirksam wird, oder dadurch, dass bisher wirksame Nachfrage latent wird.
Die höchste Aggregationsebene ist die gesamtwirtschaftliche Nachfrage einer Volkswirtschaft. Sie umfasst Nachfragen auf verschiedenen Teilmärkten, darunter Güternachfrage, Devisennachfrage, Geldnachfrage, Kapitalnachfrage, Kreditnachfrage, Arbeitsnachfrage sowie die Binnennachfrage eines Binnenmarkts im Gegensatz zur Exportnachfrage.
Nach dem Gesetz der Nachfrage nimmt die Nachfrage nach einem normalen Gut im Regelfall ab, wenn dessen Preis steigt. Die Wirtschaftstheorie beschreibt dieses Verhalten mithilfe von Nachfragefunktionen. Besondere Nachfrageeffekte sind der Bandwageneffekt oder Mitläufereffekt, der Snobeffekt mit gegenläufigem Nachfragerverhalten, der Veblen-Effekt als Prestigekonsum und das Giffen-Paradoxon als Sonderform der inversen Preiselastizität bei inferioren Gütern.
Elastizität der Nachfrage
Die Elastizität misst, wie stark die Nachfrage auf Veränderungen verschiedener Einflussfaktoren reagiert. Die direkte Preiselastizität beschreibt die Reaktion der Nachfragemenge auf Preisänderungen:
- Bei relativ elastischer Nachfrage führt eine Preiserhöhung um 1 % zu einem Rückgang der Nachfragemenge um mehr als 1 %; die Ausgaben sinken. Eine Preissenkung um 1 % erhöht die Nachfragemenge um mehr als 1 %; die Ausgaben steigen.
- Bei relativ unelastischer Nachfrage sinkt die Nachfragemenge bei einer Preiserhöhung um 1 % um weniger als 1 %; die Ausgaben steigen. Bei einer Preissenkung um 1 % nimmt die Nachfragemenge um weniger als 1 % zu; die Ausgaben sinken.
- Bei vollkommen unelastischer Nachfrage reagiert die Nachfrage überhaupt nicht auf Preisänderungen. Steigende Preise erhöhen dann die Ausgaben, sinkende Preise vermindern sie.
- Bei vollkommen elastischer Nachfrage sinkt die Nachfrage auf null, sobald die Preise steigen.
Die Einkommenselastizität der Nachfrage gibt an, wie sich die nachgefragte Menge bei Einkommensänderungen verändert. Bei normalen Gütern ist sie positiv: Steigende Einkommen erhöhen die Nachfrage. Der Elastizitätswert zeigt, in welchem Umfang die nachgefragte Menge zunimmt. Bei inferioren Gütern ist die Einkommenselastizität negativ.
Wichtige Entwicklung der Theorie
François Quesnay nahm 1758 in seinem ersten Wirtschaftskreislaufmodell an, dass die Produktion von Gütern das Einkommen schaffe, das für die Nachfrage nach diesen Gütern erforderlich sei. Adam Smith unterschied im März 1776 in Der Wohlstand der Nationen zwischen bloßem Bedarf und „wirksamer Nachfrage“: Entscheidend sei nur der Bedarf derjenigen, die den Preis bezahlen können. Damit wurde die Bedeutung der Kaufkraft für die Nachfrage begründet.
Jean-Baptiste Say entwickelte 1803 das Saysche Theorem, nach dem ein höheres Güterangebot stets eine entsprechend höhere Nachfrage hervorbringe und deshalb keine anhaltende Arbeitslosigkeit entstehen könne. Thomas Robert Malthus widersprach 1820 und betonte, dass eine größere Produktion nur dann nütze, wenn für die Erzeugnisse auch Nachfrage bestehe. David Ricardo vertrat 1820 die Auffassung, Sparsamkeit vermindere die Nachfrage nicht, sondern übertrage sie auf andere Konsumenten; diese Auffassung wird im Artikel als Irrtum bewertet, weil Sparen nachfragedämpfenden Konsumverzicht bedeutet. Karl Marx erklärte 1844 die Nachfrage unter anderem mit der „Laune der Reichen und Kapitalisten“ und hielt fest, dass Nachfrage und Angebot die Warenpreise bestimmen, sich aber nie oder nur zufällig decken. John Stuart Mill bestätigte 1869 Smiths Aussagen.
John Maynard Keynes erklärte 1936 in der Allgemeinen Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes unfreiwillige Arbeitslosigkeit durch einen Mangel an Nachfrage oder durch nach unten starre Löhne. Solche Löhne werden von Arbeitern nicht leicht akzeptiert gekürzt oder sind beispielsweise durch Tarifverträge gesichert.
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