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Christliche Theologie
Christliche Theologie ist die Theologie, die sich auf Jesus Christus als das Wort Gottes (logos theou) zurückführt. Christliche Theologie sieht sich selbst …
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Gegenstand und Aufbau
Christliche Theologie bezieht sich auf Jesus Christus als das Wort Gottes (logos theou). Sie versteht sich traditionell und historisch als den anderen Wissenschaften gleichwertiges Fachgebiet, ist aber nach christlichen Konfessionen gegliedert. Ihr Selbstverständnis ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Quellen und Praxis des christlichen Glaubens sowie dessen Darstellung und systematische Analyse.
Theologie kann als vernünftiges Nachdenken über Gott, Gottesglauben und Gottesgedanken verstanden werden. Eine weitere Bestimmung betont die Orientierung für das praktische Leben. In einer breiten Definition prüft und bewertet christliche Theologie religiöse Erfahrungen und entwickelt Theorien über Gott, sein Wirken und seine Mitteilungen. Sie erforscht dabei besonders die von der jeweiligen Kirche anerkannten Glaubensurkunden, vor allem die Bibel als göttliche Offenbarung, die Geschichte der Christenheit und kirchliche Aufgaben; Erfahrungen als Christ und im kirchlichen Dienst werden einbezogen.
Die Wissenschaftsfähigkeit der Theologie ist umstritten. Wissenschaftstheoretische Fragen behandelt die Fundamentaltheologie als Teilgebiet der Systematischen Theologie. Die fünf Hauptbereiche sind Biblische, Historische, Systematische, Praktische und Interkulturelle Theologie. Ihre genaue Abgrenzung und die Zuordnung von Einzeldisziplinen unterscheiden sich je nach Konfession.
Bibel, Geschichte und Glaubenslehre
Die Bibel ist für Christen aller Konfessionen Ausgangspunkt des Redens von Gott. Biblische Exegese bedeutet Übersetzung, Untersuchung und Interpretation von Bibeltexten mithilfe bestimmter Methoden. Hermeneutik reflektiert die Bedingungen und Möglichkeiten des Verstehens und damit besonders die Methoden der Exegese. Die Einleitungswissenschaft untersucht Entstehung, Autoren, Traditionen, Ort, Zeit und Umstände biblischer Schriften, um Hintergrundwissen für ihre Auslegung bereitzustellen.
Traditionell wird Exegese in Altes und Neues Testament gegliedert. Zu beiden gehören Einleitung, Geschichte, Theologie und Ethik. Im Alten Testament geht es unter anderem um die Geschichte des Volkes Israel, im Neuen Testament um die Geschichte des Urchristentums. Die Bereiche lassen sich oft nicht scharf trennen: Die Bibel entsteht aus der Geschichte Israels, und Theologie und Ethik hängen zusammen. Der Zusammenhang beider Testamente wird besonders in reformatorischer Theologie ebenfalls als Biblische Theologie behandelt. Dazu gehört auch die Judaistik für die Zeit zwischen den Testamenten.
Historische Theologie ist meist ein Sammelbegriff für Kirchen- und Dogmengeschichte, kein eigenes Einzelfach. Sie umfasst historisch arbeitende Theologiesparten wie Religionsgeschichte und Geschichte der Ökumene. Konfessionelle Unterschiede können sich etwa in abweichenden Epocheneinteilungen oder Gewichtungen geschichtlicher Epochen zeigen.
Die Systematische Theologie ordnet und reflektiert Glaubensinhalte. Fundamentaltheologie fragt nach Charakteristik und Rechtfertigung des christlichen Glaubens sowie seiner Abgrenzung von Weltanschauungen und Religionen. Ihre Traktate heißen Religion, Offenbarung, Kirche und theologische Erkenntnislehre. Dogmatik stellt Glaubensinhalte gewöhnlich in der Reihenfolge der Glaubensbekenntnisse dar. Wichtige Teilgebiete sind theologische Anthropologie, Gotteslehre, Christologie über Jesus Christus, Soteriologie über das Heil, Pneumatologie über den Heiligen Geist, Ekklesiologie über die Kirche, Sakramentenlehre und Eschatologie über die Vollendung von Welt und Menschen. Ethik beziehungsweise Moraltheologie reflektiert Normen und Prinzipien christlicher Lebensgestaltung. Religionswissenschaft erforscht Religionen und Religiosität allgemein; ihre Zuordnung zur Systematischen oder Historischen Theologie ist je nach Fakultät verschieden.
Praxis und interkulturelle Perspektive
Praktische Theologie untersucht Praxis kirchlichen und christlichen Handelns, etwa Gottesdienst, Diakonie, Liturgie und Seelsorge. Homiletik ist die Predigtlehre, Liturgik behandelt Gottesdienstformen, Katechetik und Religionspädagogik die Vermittlung christlicher Inhalte. Poimenik reflektiert Seelsorge, Oikodomik den Gemeindeaufbau und Diakonik beziehungsweise Caritaswissenschaft die tätige Nächstenliebe. Weitere Bereiche sind Missionswissenschaft, Kirchenmusik, Kirchenbau, christliche Archäologie, christliche Publizistik, Kirchenrecht, Aszetik und Religionsdidaktik. Die Zuordnung solcher Fächer ist teils unsicher, da Überschneidungen bestehen. In evangelischer Verwendung betrachtet Pastoraltheologie speziell die Person des Amtsträgers; im katholischen Bereich kann „Pastoral“ das ganze Feld der Praktischen Theologie bezeichnen.
Interkulturelle Theologie und Religionswissenschaft haben sich an deutschen theologischen Fakultäten vielerorts als eigenständiges Doppelfach etabliert. Der Begriff „Interkulturelle Theologie“ wurde 2005 von Vertretern der Fachgruppe der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie (WGTh) und Mitgliedern des Verwaltungsrates der DGMW als Erläuterung von Missionswissenschaft eingeführt. Sein Verhältnis zur Missionswissenschaft wird kontrovers diskutiert.
Interkulturelle Theologie reflektiert nach einer neueren Definition missionarisch-grenzüberschreitende Interaktionen christlichen Glaubenszeugnisses, die vom universalen Geltungsanspruch seiner Heilsbotschaft motiviert sind. Im Zusammenspiel mit kulturellen, religiösen und gesellschaftlichen Kontexten führen sie zu vielen lokalen Varianten des Christentums. Diese stehen vor der Aufgabe, normative Inhalte christlicher Lehre und Praxis zwischen Universalität und Partikularität immer neu auszuhandeln. Das Fach reagiert auf Pluralisierung, Internationalisierung, Globalisierung und Migration. Zugleich besteht die Gefahr, die Fachgeschichte der Missionswissenschaft aus dem Blick zu verlieren, wenn nur die Vielfalt globaler Christentümer betrachtet wird.
Konfessionelle Ausprägungen
Konfessionskunde untersucht Grundlagen, Wesensmerkmale und religiöse Praxis einzelner christlicher Konfessionen in Geschichte und Gegenwart. Ökumenische Theologie befasst sich dagegen mit Fragen des Verhältnisses der Konfessionen, der Weltverantwortung der Kirchen und der Gerechtigkeit.
Katholische Theologie versteht sich als konstruktive Reflexion und wissenschaftliche Darstellung des christlichen Glaubens. Maßgeblich sind Bibel, Tradition, Glaubenslehren der Tradition, besonders dogmatisierte Entscheidungen und Aussagen des kirchlichen Lehramtes, sowie der Glaubenssinn aller Gläubigen. Tradition umfasst mündliche, schriftliche und praktische Überlieferung. Dogmen müssen nicht direkt aus der Bibel hervorgehen, dürfen ihr aber nicht widersprechen. Die Theologie ist an die vom Lehramt festgelegten Dogmen gebunden; nichtamtliche Lehrentscheidungen sollen das in der Bibel Grundgelegte klären. Ein Theologiestudium ist gewöhnlich Voraussetzung für die Priesterweihe.
Evangelische Theologie gründet auf der in der Heiligen Schrift bezeugten Erlösung durch Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi. Zentral sind Rechtfertigung aus Glauben (sola fide) und aus Gnade (sola gratia), außerdem sola scriptura und solus Christus. Anders als die katholische Theologie kennt sie kein übergeordnetes kirchliches Lehramt, das Glaubenswahrheit dogmatisch festlegt. Dogma ist daher das sich erneuernde Ergebnis eines theologischen und kirchlichen Diskussionsprozesses, der als fortlaufende Auslegung der Bibel verstanden wird. Kirchliche Leitungsorgane wie Presbyterien und Synoden entscheiden aufgrund theologischer Reflexion und Gebet.
Drei evangelische Modelle bestimmen Theologie vor allem dogmatisch: Als propositionale Dogmatik sind Sätze Aussagen über Gott und Welt; als Glaubenslehre beschreibt Theologie deren Wahrnehmung im Glauben; als Regelsystem bilden theologische Sätze Regeln für die christliche Rede von Gott. Exegetische Fächer verstehen sich häufig als besonders biblische Theologie. Heute bemüht sich evangelische Theologie um Ökumene und um die Überwindung des konfessionellen Zeitalters.
Orthodoxe Theologie verbindet Dogma eng mit geistlicher Erfahrung, den Kirchenvätern – besonders des Ostens – und dem Gottesdienst als Quelle dogmatischer Überlieferung. Sie versteht sich als „Wissenschaft von der Erfahrung Gottes“ und betont die ersten ökumenischen Konzilien. Der Kern der überlieferten Glaubenstradition ist die Bibel. Freikirchliche Theologien betrachten meist die Bibel als einzige Grundlage; sie prüfen kirchengeschichtliche Tradition an der Schrift, beruhen weitgehend auf reformatorischer Theologie, unterscheiden sich jedoch zwischen den Freikirchen teils erheblich.
Studium, Methoden und Abschlüsse
Theologie kann wissenschaftlich studiert werden, doch für kirchlichen Dienst ist meist zusätzlich eine praxisorientierte Seelsorgeausbildung erforderlich. Katholische Theologen absolvieren regelmäßig ein Pastoraljahr; Priesteramtskandidaten vor der Priesterweihe, meist unmittelbar vor der Diakonenweihe. In freikirchlichen Hochschulen ist dieser praktische Teil häufig bereits in das Studium integriert. Für evangelische Theologen ist das Vikariat Voraussetzung der Ordination: Praxis in einer Gemeinde wechselt mit Kursen im Predigerseminar und endet mit dem Zweiten Theologischen Examen. Die katholische Kaplanszeit folgt der Priesterweihe.
Theologie wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz an Universitäten und kirchlichen Hochschulen gelehrt; Fakultäten und Institute sind konfessionell ausgerichtet. Daneben gibt es transdisziplinäre Ansätze wie Angewandte Theologie sowie interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen akademischen Fächern. Methodisch nutzt Theologie auch Analyseverfahren der Linguistik, Philosophie und Geschichtswissenschaft. Ihr Spezifikum liegt in der Bestimmung des Materialobjekts, also ihres Gegenstands, und des Formalobjekts, also ihres methodischen Zugangs. Zu den Studienbereichen gehören Exegese von Altem und Neuem Testament mit historischen und philologischen Methoden, Kirchengeschichte, Systematische Theologie und Praktische Theologie; Letztere verwendet auch empirische Sozialwissenschaften und Psychologie.
Im Bologna-Prozess wurden die meisten evangelisch-theologischen Fakultäten modularisiert und auf Bachelor beziehungsweise teilweise Bachelor of Theology sowie Master beziehungsweise teilweise Master of Theology umgestellt. Die römisch-katholische Kirche modularisierte das Diplomstudium, behielt aber das fünfjährige Vollstudium mit dem Abschluss Magister Theologiae bei. Für orthodoxe Theologie an der Universität München ist ebenfalls ein fünfjähriger Magister Theologiae beabsichtigt. Katholische, evangelische und einige ausländische orthodoxe Angebote existieren auch als Fernstudium; orthodoxe Theologie ist im deutschsprachigen Raum jedoch nicht per Fernstudium belegbar.
Wissenschaftliche Kritik
Kritiker bezeichnen Theologie als Pseudowissenschaft oder halten sie für unwissenschaftlich. Die Gegenkritik betont, Wissenschaft sei nicht auf Naturwissenschaft und deren Methoden beschränkt. Theologie arbeite methodisch streng und systematisch, lege ihre Axiome offen, reflektiere sich selbst und arbeite interdisziplinär. Deshalb müsse sie wie andere Geisteswissenschaften als Wissenschaft anerkannt werden.