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1968
Das Jahr 1968 ist in vielen Ländern der Höhepunkt der linksgerichteten Studenten- und Bürgerrechtsbewegungen der 1960er-Jahre, die daher auch als …
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Bedeutung des Jahres
1968 gilt in vielen Ländern als Höhepunkt linksgerichteter Studenten- und Bürgerrechtsbewegungen der 1960er-Jahre; daher spricht man auch von der 68er-Bewegung. Kennzeichnend waren Proteste gegen Krieg, Diskriminierung und politische Einschränkungen. In den USA verbanden sich Proteste gegen den Vietnamkrieg mit der schwarzen Bürgerrechtsbewegung. Martin Luther King wurde am 4. April in Memphis ermordet; am 11. April trat der Civil Rights Act of 1968 gegen die Diskriminierung farbiger Bürger in Kraft.
In Frankreich begannen im Mai die Besetzung der Sorbonne, Straßenschlachten und ein Generalstreik. In der Bundesrepublik prägten Studentenbewegung, Außerparlamentarische Opposition und der Protest gegen die Notstandsverfassung das Jahr. Der Bundestag verabschiedete sie am 30. Mai mit Zweidrittelmehrheit; die Notstandsgesetze traten am 28. Juni in Kraft. Am 11. April verletzte Josef Bachmann den Studentenführer Rudi Dutschke in Berlin lebensgefährlich. Am 3. April verübte eine Gruppe um Andreas Baader und Gudrun Ensslin einen Brandanschlag auf ein Frankfurter Kaufhaus.
1968 war außerdem „Internationales Jahr der Menschenrechte“. Studentenproteste fanden unter anderem in Polen, Mexiko und Japan statt. Das Massaker von Tlatelolco beendete am 2. Oktober die mexikanische Studentenbewegung.
Vietnamkrieg und internationale Konflikte
Am 30. Januar begann die Nationale Front für die Befreiung Südvietnams (FNL) aus dem kommunistischen Nordvietnam mit rund 84.000 Kämpfern die Tet-Offensive gegen Saigon, Huế und weitere Provinzhauptstädte. Die Stärke und Strategie überraschten die US-amerikanischen und südvietnamesischen Truppen. Militärisch war die Offensive eine schwere Niederlage für die FNL: Sie verlor etwa die Hälfte ihrer Truppen, Saigon und Huế wurden schwer zerstört, und die FNL wurde dauerhaft geschwächt.
Politisch und psychologisch war die Offensive dennoch bedeutsam. In den USA wurde deutlich, dass der Krieg mit einer Niederlage enden könnte. Präsident Lyndon B. Johnson verlor Popularität und Glaubwürdigkeit; die Antikriegsproteste verstärkten sich. Johnson erklärte am 31. März, nicht erneut für das Präsidentenamt zu kandidieren, reduzierte die Bombenangriffe und forderte Friedensgespräche. Diese begannen am 13. Mai zwischen den USA und Nordvietnam. Am 31. Oktober ordnete Johnson die Einstellung aller Bombenangriffe an.
Am 16. März ermordeten US-Soldaten beim Massaker von My Lai 503 Zivilisten. Bekannt wurde es erst im folgenden Jahr durch einen Artikel im Magazin Life, trug aber laut Artikel entscheidend zur Veränderung der öffentlichen Stimmung bei. Am 1. Februar wurde die Erschießung eines festgenommenen Vietcong durch den Saigoner Polizeichef Nguyễn Ngọc Loan fotografiert; das Bild wurde zu einem der bekanntesten des 20. Jahrhunderts.
Im Biafra-Krieg besetzten nigerianische Streitkräfte zwei Drittel der abtrünnigen Provinz. Nach der Einnahme von Port Harcourt am 18. Mai wurden Hilfslieferungen blockiert. Die Hungersnot forderte nach den genannten Angaben 1 bis 3 Millionen Menschenleben. Im Nahostkonflikt zerstörte eine israelische Kommandoeinheit am 28. Dezember am Flughafen Beirut 13 Flugzeuge.
Prager Frühling und politische Umbrüche
In der Tschechoslowakei begann unter Alexander Dubček, der am 5. Januar Erster Sekretär der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KSČ) wurde, eine schrittweise Liberalisierung. Ihr Motto lautete „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“. Ein wichtiges Element war die Aufhebung der Pressezensur.
In der Nacht zum 21. August marschierten etwa eine halbe Million Soldaten aus der Sowjetunion, Polen, Ungarn und Bulgarien, also anderen Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts, in die Tschechoslowakei ein. Sie besetzten binnen weniger Stunden strategisch wichtige Positionen. Dubček und weitere Regierungsmitglieder wurden festgenommen, nach Moskau gebracht und zugunsten des linientreuen Gustáv Husák entmachtet. Weltweit kam es zu Protesten gegen den Einmarsch. Am 12. November verkündete Leonid Breschnew die Breschnew-Doktrin: Sie erklärte die Souveränität sozialistischer Staaten für beschränkt und sollte den Einmarsch rechtfertigen.
Weitere politische Entwicklungen waren die Unabhängigkeit Naurus am 31. Januar, von Mauritius am 12. März, von Swasiland am 6. September und von Äquatorialguinea am 12. Oktober. Richard Nixon gewann am 5. November die Wahl zum 37. Präsidenten der USA und trat sein Amt am 20. Januar 1969 an. In Nordirland leitete die gewaltsame Auflösung eines Demonstrationszugs katholischer Bürgerrechtler in Derry am 5. Oktober die langjährigen gewaltsamen Auseinandersetzungen der „The Troubles“ ein.
Wirtschaft, Wissenschaft und Technik
In der Bundesrepublik Deutschland wurde am 1. Januar die Mehrwertsteuer als besondere Form der Umsatzsteuer eingeführt. Sie betrug 10 %, für bestimmte Waren wie Nahrungsmittel und Druckerzeugnisse 5 %. Im März wurde der Goldstandard aufgegeben: Die Zentralbanken westlicher Länder hoben ihre Verpflichtung auf, nationale Währungen vorrangig durch Gold zu decken; am 18. März hob auch der US-Kongress die interne Golddeckung des US-Dollars auf. Intel wurde am 18. Juli von Robert Noyce und Gordon Moore gegründet.
In Medizin und Raumfahrt gab es bedeutende Fortschritte. Christiaan Barnard führte am 2. Januar in Kapstadt die zweite erfolgreiche Herztransplantation durch. Surveyor 7 landete am 10. Januar auf dem Mond. Apollo 5 testete ab 22. Januar unbemannt die Mondlandefähre, Apollo 7 war am 11. Oktober der erste bemannte Flug eines Apollo-Raumschiffs. Apollo 8 startete am 21. Dezember zur ersten bemannten Mondumkreisung; Frank Borman, James Arthur Lovell und William Anders umkreisten den Mond. Anders fotografierte den Erdaufgang, Earthrise.
ASCII wurde als ANSI-Standard X3.4 eingeführt. Georges Charpak entwickelte einen Teilchendetektor mit vielen parallel angeordneten Drähten in einer gasgefüllten Kammer; dies verbesserte Orts- und Energieauflösung beim Nachweis von Teilchen. Am 31. Dezember absolvierte die sowjetische Tupolew Tu-144, das erste Überschall-Passagierflugzeug, ihren Jungfernflug.
Kultur, Sport und Katastrophen
In der Kultur hatten Stanley Kubricks Film 2001: Odyssee im Weltraum am 2. April, das Musical Hair am 29. April am Broadway und George A. Romeros Die Nacht der lebenden Toten am 1. Oktober Weltpremiere. Die Filmfestspiele von Cannes wurden am 18. Mai wegen der Mai-Unruhen abgebrochen. Die Versetzung der Tempel von Abu Simbel war am 22. September abgeschlossen und rettete sie vor dem Stau des Nassersees. Johnny Cash nahm am 13. Januar Live at Folsom Prison auf; Deep Purple wurde gegründet und veröffentlichte Shades of Deep Purple. Massiel gewann am 6. April mit La, la, la... für Spanien den Eurovision Song Contest.
Bei den XIX. Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt sprang Bob Beamon am 18. Oktober 8,90 m weit. Richard „Dick“ Fosbury gewann mit dem später nach ihm benannten Fosbury-Flop den Hochsprung mit 2,24 m. Tommie Smith und John Carlos wurden am 16. Oktober aus dem US-Team und olympischen Dorf verwiesen, nachdem sie bei der Siegerehrung im 200-Meter-Lauf mit erhobener Faust in schwarzen Handschuhen für Black Power demonstriert hatten. Die DDR lag im Medaillenspiegel vor dem bundesdeutschen Team. Italien gewann die Fußball-Europameisterschaft; Graham Hill wurde zum zweiten Mal Formel-1-Weltmeister.
Die Hongkong-Grippe forderte zwischen 750.000 und 1 Million Menschenleben. Ein Erdbeben der Stärke 7,3 im Iran verursachte am 31. August 12.000 bis 20.000 Tote. In Bitterfeld starben am 11. Juli nach einer Vinylchlorid-Explosion 42 Menschen, mehr als 200 wurden verletzt. Beim Absturz einer B-52 nahe der Thule Air Base am 21. Januar gingen vier Wasserstoffbomben verloren; der Artikel nennt radioaktive Kontaminationen, während die Frage einer Freisetzung an anderer Stelle als umstritten bezeichnet wird.
Wissenschaftspreise
Die Nobelpreise erhielten Luis W. Alvarez für Physik, Lars Onsager für Chemie sowie Robert W. Holley, Har Gobind Khorana und Marshall W. Nirenberg für Medizin. Der Literaturpreis ging an Yasunari Kawabata, der Friedensnobelpreis an René Cassin.
Der Turing Award ging an Richard Hamming für Numerische Methoden, code-erzeugende Systeme sowie fehlererkennende und fehlerkorrigierende Codes.
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