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Martin Luther King
Er propagierte den zivilen Ungehorsam als Mittel gegen die politische Praxis der Rassentrennung (Racial segregation) in den Südstaaten der USA mit religiösen …
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Bedeutung und Grundidee
Martin Luther King Jr. (* 15. Januar 1929 in Atlanta, Georgia, als Michael King Jr.; † 4. April 1968 in Memphis, Tennessee) war ein US-amerikanischer Baptistenpastor und Bürgerrechtler. Zwischen Mitte der 1950er und Mitte der 1960er Jahre war er der bekannteste Sprecher des Civil Rights Movement, der Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner.
Er kämpfte gegen Rassentrennung und soziale Ungerechtigkeit mit Gewaltlosigkeit und zivilem Ungehorsam. Ziviler Ungehorsam bedeutet, ungerechte Vorschriften bewusst und friedlich nicht zu befolgen. King begründete dies religiös und orientierte sich besonders an Mahatma Gandhi. Durch seine Wirkung wurde die Bürgerrechtsbewegung zu einer Massenbewegung. Sie trug dazu bei, dass die gesetzliche Rassentrennung aufgehoben und das Wahlrecht für die schwarze Bevölkerung der Südstaaten uneingeschränkt eingeführt wurde. 1964 erhielt King den Friedensnobelpreis.
Prägung und Ausbildung
King wuchs in Atlanta in einer baptistischen Familie auf. Sein Vater war Prediger der Ebenezer Baptist Church und bereits vor Kings Geburt Vorsitzender der NAACP in Atlanta. Die Rassentrennung prägte Kings Kindheit: Schwarze und Weiße mussten getrennte Schulen, Kirchen, öffentliche Gebäude, Verkehrsmittel und sogar Toiletten benutzen. Als Kind verlor King einen weißen Freund, weil dessen Eltern ihm den Kontakt zu einem schwarzen Jungen verboten.
1944 begann er, noch nicht 16 Jahre alt, am Morehouse College Soziologie zu studieren und schloss 1948 mit dem Bachelor of Arts ab. Wichtige Einflüsse waren Walter P. Chivers, George D. Kelsey und der College-Präsident Benjamin Mays. Im theologischen Studium beschäftigte er sich unter anderem mit Plato, John Locke, Jean-Jacques Rousseau, Aristoteles, Henry David Thoreau, Walter Rauschenbusch, Karl Marx, Gandhi und Reinhold Niebuhr. Er lehnte sowohl den traditionellen Kapitalismus als auch den Marxismus als jeweils unvollständige Antworten ab. Für ihn sollte ein Prediger zugleich Menschen und gesellschaftliche Verhältnisse verändern.
1951 erhielt King den Bachelor of Divinity. 1954 wurde er Pastor der Dexter Avenue Baptist Church in Montgomery, Alabama. 1955 promovierte er an der Boston University mit der Arbeit A Comparison of the Conceptions of God in the Thinking of Paul Tillich and Henry Nelson Wieman zum Doctor of Philosophy. 1991 wurde bekannt, dass Teile dieser Dissertation Plagiate enthielten; die Universität entzog den Titel nicht, weil die Arbeit trotz der übernommenen Passagen einen eigenen wissenschaftlichen Anteil habe.
Gewaltfreier Kampf für Bürgerrechte
Der erste große Erfolg war der Montgomery Bus Boycott. Nachdem Rosa Parks am 1. Dezember 1955 festgenommen worden war, weil sie ihren Bussitz nicht für einen Weißen räumte, boykottierte die schwarze Bevölkerung die Busse. Fast 100 Prozent beteiligten sich am ersten Tag. King leitete die Montgomery Improvement Association; Bayard Rustin beriet ihn zum gewaltfreien Widerstand. Der Boykott dauerte etwa 385 Tage, trotz Bombenanschlägen auf Kings Pfarrhaus. Am 13. November 1956 erklärte der Oberste Gerichtshof die Rassentrennung in den öffentlichen Verkehrsmitteln Montgomerys für verfassungswidrig. 1957 wurde King Präsident der neu gegründeten Southern Christian Leadership Conference (SCLC).
Die Proteste in Albany ab Dezember 1961 blieben weitgehend erfolglos. King erklärte dies vor allem mit ungenügender Vorbereitung und Organisation. In Birmingham begann deshalb am 3. April 1963 eine genauer geplante Kampagne: friedliche Sitzproteste an ausschließlich weißen Lunch Counters und ein Boykott weiß geführter Kaufhäuser. King und weitere Aktivisten wurden am 12. April festgenommen. In seinem Brief aus dem Gefängnis von Birmingham vom 16. April verteidigte er den Protest gegen die Kritik weißer Prediger.
Auch Kinder und Jugendliche beteiligten sich. Am 2. Mai wurden 959 Kinder festgenommen; am nächsten Tag ging die Polizei massiv gewaltsam gegen Demonstrierende vor. Die veröffentlichten Bilder erhöhten den Druck. Am 10. Mai wurde vereinbart, Rassenschranken in Restaurants aufzuheben, Schwarzen Aufstiegsmöglichkeiten zu eröffnen, eine gemischte Kommission zu gründen und 2500 Inhaftierte freizulassen. Gewalt weißer Rassisten und des Ku-Klux-Klan blieb jedoch eine Gefahr.
Gesetze, Märsche und neue Konflikte
Am 28. August 1963 nahmen am March on Washington for Jobs and Freedom mehr als 250.000 Menschen teil, darunter 60.000 Weiße. Dort hielt King seine bekannteste Rede I Have a Dream. Präsident Kennedy hatte zuvor am 19. Juni 1963 den Civil Rights Act vorgeschlagen. Nach Kennedys Ermordung unterzeichnete Präsident Lyndon B. Johnson den Civil Rights Act of 1964 am 2. Juli 1964 im Beisein Kings. Das Gesetz hob die Rassentrennung auf. Am 11. Dezember 1964 erhielt King in Oslo den Friedensnobelpreis und spendete das Preisgeld von 54.000 US-Dollar einem Fonds seiner Bewegung.
1965 kämpfte King in Selma für die Aufnahme schwarzer Bürger in die Wählerlisten. Diskriminierende Tests verlangten etwa Kenntnisse zur amerikanischen Geschichte oder Verfassung. Nach Märschen, Polizeigewalt und der Erschießung von Jimmy Jackson erreichte ein dritter Marsch nach Montgomery im März 1965 unter Schutz von US Army und Nationalgarde sein Ziel. Der Voting Rights Act, von Johnson am 6. August 1965 unterzeichnet, verbot diskriminierende Wahltests und erlaubte Wahlbeobachter in besonders gefährdeten Regionen.
Trotz der Gesetze blieben Rassismus, Armut und schlechte Wohn- und Bildungsbedingungen bestehen. In Chicago verlangte King 1966 unter anderem bessere Schulen, niedrigere Mieten, öffentlichen Wohnungsbau, Arbeitsplätze und Schutz vor Polizeigewalt. Das vereinbarte Neun-Punkte-Programm blieb nahezu wirkungslos. Gleichzeitig gewannen radikalere Gruppierungen wie Black Muslims, Black Panther Party und die Black-Power-Bewegung an Einfluss. Sie unterschieden sich von Kings Pazifismus und seiner Vorstellung eines friedlichen Zusammenlebens aller Amerikaner.
Ab 1966 wandte sich King auch gegen den Vietnamkrieg. Er kritisierte, dass Milliarden US-Dollar für den Krieg statt für soziale Probleme ausgegeben würden. Damit verlor er Unterstützung, etwa bei Teilen der Bürgerrechtsbewegung, der Gewerkschaften und im Weißen Haus. Für 1968 plante er einen Poor People’s March für benachteiligte Menschen und Minderheiten.
Ermordung und Aufarbeitung
King reiste nach Memphis, um streikende Müllwerker zu unterstützen und den geplanten Poor People’s March vorzubereiten. In seiner Rede I’ve been to the mountaintop am 3. April 1968 sagte er, er habe das „Gelobte Land“ gesehen. Dies wurde später oft als Todesahnung gedeutet. Am 4. April 1968 um 18:01 Uhr wurde er im Alter von 39 Jahren auf dem Balkon des Lorraine Motels von James Earl Ray erschossen.
Nach seinem Tod kam es in mehr als 110 US-Städten zu Krawallen: 39 Menschen starben, 2.000 wurden verletzt und 10.000 festgenommen. Coretta Scott King führte am 8. April den geplanten Marsch in Memphis mit etwa 35.000 friedlichen Teilnehmenden durch. Am 11. April 1968 verabschiedete der Kongress den Civil Rights Act of 1968, auch Fair Housing Act, zur Gleichberechtigung bei Mietpreisen und beim Erwerb von Wohneigentum.
Ray gestand und wurde zu 99 Jahren Haft verurteilt, widerrief sein Geständnis aber wenige Tage später. Untersuchungen von US-Justizministerium, Repräsentantenhaus und Staatsanwaltschaft kamen zu dem Ergebnis, dass Ray geschossen habe; ob er Helfer hatte, sei nicht sicher. Ein Zivilverfahren von 1999 sah eine Verschwörung zwischen Mafia und US-Regierung, doch das Justizministerium wies dieses Ergebnis 2000 zurück: Es gebe keine Beweise für eine Verschwörung, auch wenn nicht alle Ungereimtheiten restlos aufgeklärt seien.
Das FBI hatte King seit 1961 überwacht, abgehört und im Rahmen von COINTELPRO mit anonymen Drohbriefen zu diskreditieren versucht. Später veröffentlichte Vorwürfe zu seinem Privatleben sind teilweise umstritten: Die Behauptung, King sei bei einer Vergewaltigung anwesend gewesen, beruht laut Artikel auf einer Notiz zu einer erst 2027 veröffentlichten Tonaufnahme und wurde von Historikern kritisiert.
Nachwirkung und Erinnerung
King blieb für viele bis zu seinem Tod die wichtigste Führungsfigur des gewaltfreien Widerstands. Seine Rolle war aber auch umstritten: Das Student Nonviolent Coordinating Committee kritisierte seine Führungsrolle, und militante oder nationalistische Gruppen lehnten seinen ausschließlich gewaltfreien Kurs ab. Nach 1970 erlahmte die Bürgerrechtsbewegung; die NAACP und die SCLC bestehen weiter.
King wurde am 9. April 1968 in Atlanta beerdigt. 50.000 Menschen folgten seinem Sarg. Seit 1977 liegt er nahe dem King Center zusammen mit Coretta Scott King begraben. Zu den wichtigen Ehrungen gehören die Presidential Medal of Freedom 1977, der Menschenrechtspreis der Vereinten Nationen 1978, der Martin Luther King Day seit 1986 am dritten Montag im Januar und das Martin Luther King, Jr. National Memorial in Washington, das 2011 eröffnet wurde. King ist dort der erste Afroamerikaner mit einem Denkmal an der National Mall.