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Politische Linke

Unter der politischen Linken werden relativ breit gefächerte weltanschauliche Strömungen des politischen Spektrums verstanden (siehe auch Links und …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und zentrale Ziele
  2. 2. Ursprünge des Links-rechts-Spektrums
  3. 3. Parlamentarische und außerparlamentarische Politik
  4. 4. Entwicklung nach 1989 und Kritik
  5. 5. Psychologische und internationale Spannungsfelder

Begriff und zentrale Ziele

Die politische Linke umfasst breit gefächerte weltanschauliche Strömungen des politischen Spektrums. Gemeinsam ist ihnen die Annahme der Gleichwertigkeit aller Menschen und die Unterstützung des Egalitarismus, also des Ziels möglichst gleicher gesellschaftlicher Verhältnisse. Linke Politik richtet sich häufig gegen soziale Hierarchien und will Ungleichheiten sowie als Unterdrückung verstandene Sozialstrukturen zugunsten wirtschaftlich oder gesellschaftlich benachteiligter Gruppen aufheben. Ihr traditioneller Gegenpol ist die politische Rechte.

Im heutigen Sprachgebrauch leitet sich eine linke Position meist von mehr oder weniger ausgeprägten sozialistischen Grundsätzen ab. Besonders werden Kommunismus und Anarchismus, historisch stärker und heute eingeschränkter auch Sozialdemokratie sowie teilweise Sozialliberalismus oder Linksliberalismus dazugezählt. Linke Politik kann kulturelle und ökonomische Schwerpunkte haben. Kulturell gehören beispielsweise Feminismus und LGBT-Rechte dazu, ökonomisch etwa staatliche Umverteilung.

Die politische Linke versucht, reaktionäre oder konservative Politik zu überwinden. Sie setzt ihr progressive Politik entgegen, die durch Reformen und teilweise durch revolutionäre Aktivitäten neue soziale, ökonomische und politische Verhältnisse zugunsten eher unterprivilegierter Bevölkerungsschichten schaffen will. Ein klassisches linkes Menschenbild betont die Gleichberechtigung aller Menschen unabhängig von nationaler, ethnischer, geschlechtlicher oder anderer Zugehörigkeit. Daraus folgen Forderungen nach Chancengleichheit, gleichem Zugang zum gesellschaftlichen und materiellen Reichtum und sozialer Gerechtigkeit. Je nach Strömung reichen die Ziele bis zur gleichen Wohlstandsverteilung, zur Vergesellschaftung oder Verstaatlichung der Produktionsmittel, zur klassenlosen Gesellschaft im Kommunismus oder zu einer herrschaftsfreien, nicht staatlich strukturierten Gesellschaft im Anarchismus.

Die Einordnung in „links“ und „rechts“ ist wegen der Komplexität moderner politischer Fragen zunehmend umstritten, bleibt aber im Alltag, in der Öffentlichkeit und in den Massenmedien üblich. Sie dient der weltanschaulichen Selbstverortung und der Abgrenzung von politischen Gegnern. Die Begriffe sind außerdem relativ zu der politischen Mitte zu verstehen, die in verschiedenen Gesellschaften unterschiedlich bestimmt wird. Deshalb gibt es auch in eher rechten Parteien linke Flügel; in Parteien, die sich selbst bereits als links verstehen, fordern linke Flügel häufig eine konsequentere oder radikalere Umsetzung linker Ziele.

Die Unterscheidung zwischen politischer Linker und Rechter geht laut zeitgenössischen Mitschriften auf die Sitzordnung bei der Einberufung der französischen Generalstände und der nachfolgenden Konstituante im Übergang zur Nationalversammlung zwischen 1789 und 1791 zurück. Rechts vom Parlamentspräsidenten, dem traditionell ehrenvolleren Platz, saß der Adel als führende Schicht des Ancien Régime. Das Bürgertum nahm links Platz. Während der Französischen Revolution von 1789 bis 1799 wurde die Sitzordnung politisch bedeutsam.

Von Frankreich aus verbreitete sich die Einteilung in Europa. Im Paulskirchenparlament von 1848 saßen republikanische Abgeordnete, die den Sturz der monarchisch strukturierten deutschen Fürstentümer forderten, links. Vertreter des Status quo und Befürworter einer konstitutionellen gesamtdeutschen Monarchie saßen rechts.

Inhaltlich bezeichnete „links“ zunächst vor allem oppositionelle, antimonarchistische und republikanische Vorstellungen, teilweise auch solche des klassischen Liberalismus. Später wurde die Sitzordnung auf ein vielfältigeres Parteienspektrum übertragen: Rechts standen reaktionäre oder nationalistische Parteien, daran schlossen sich konservative, liberale und bürgerliche Parteien an; links folgten sozialdemokratische, sozialistische und kommunistische, später auch ökologische Parteien. In der Mitte dieses Halbrunds liegt die politische Mitte.

Parlamentarische und außerparlamentarische Politik

Im engeren parlamentarischen Sinn fordern Anhänger linker Politik häufig Sozialleistungen und staatliche Eingriffe in Wirtschaftsfragen. Damit soll die materielle Situation von Menschen in Armut verbessert werden.

Linke Politik beschränkte sich jedoch nie auf Parlamente. Im 19. Jahrhundert waren linke Parteien und Gruppen über längere Zeiträume aus Parlamenten ausgeschlossen, verboten oder durch ein Zensuswahlrecht im Verhältnis zu ihrer tatsächlichen Unterstützung in der Bevölkerung unterrepräsentiert. Dies betraf besonders sozialistisch inspirierte Zusammenschlüsse. Einige strebten revolutionäre Umwälzungen an und setzten sie teilweise auch um. Linke Gruppen waren deshalb in der Neuzeit wiederholt an Revolutionen, Aufständen, Revolten und anderen sozialen beziehungsweise Klassenkämpfen beteiligt oder führten diese an.

Auch heute gibt es außerhalb der Parlamente zahlreiche Gruppierungen, die sich auf linke Positionen beziehen. Ihre Ziele, politischen Mittel und gesellschaftlichen Wirkungen sind sehr unterschiedlich.

Entwicklung nach 1989 und Kritik

Der Artikel enthält zur unmittelbaren Nachkriegszeit keine ausgeführte Darstellung und weist selbst auf fehlende wichtige Informationen hin. Für die Zeit nach dem Zerfall der Sowjetunion beschreibt er jedoch eine deutliche Verschiebung des politischen Kräfteverhältnisses.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde der Kapitalismus als „Ende der Geschichte“ angesehen. Dies schwächte die Arbeiterbewegung und die Gewerkschaften und begünstigte ein Fortschreiten neoliberaler Politik. Sozialdemokratische und konservative Parteien in Europa rückten wirtschaftlich weiter nach rechts und näherten sich der Politik Ronald Reagans und Margaret Thatchers an. Der „Dritte Weg“ von Schröder und Blair wurde nach 1989 zum Leitgedanken sozialdemokratischer Parteien.

Dadurch entstand ein politisches Vakuum auf der linken Seite. Neue linke Parteien wie Die Linke in Deutschland und die Partito della Rifondazione Comunista in Italien konnten sich etablieren. Reformen und theoretische Entwicklungen führten zu einer offeneren linken Politik, die verschiedene Traditionen verbindet und sich mit sozialen Bewegungen verknüpft. Neben marxistisch geprägtem Sozialismus unterstützt sie auch grüne, feministische, antirassistische und pazifistische Politik. Mit Forderungen nach dem Erhalt des Lebensstandards, der Verteidigung des Wohlfahrtsstaats und der Opposition gegen den Vertrag von Maastricht, dem eine neoliberale Austeritätspolitik zugeschrieben wird, erreichten solche Parteien häufig bis zu 10 % der Wählerstimmen.

Die Politikwissenschaftlerin und Feministin Nancy Fraser kritisierte 2003, die Linke habe unter dem Neoliberalismus die soziale Frage teilweise von der Machtpolitik auf die symbolische Anerkennung verlagert. Ihr zufolge entstand dadurch unwillentlich ein Bündnis mit dem „progressiven Neoliberalismus“, in dem vor allem die Nichtdiskriminierung von Konsumenten betont werde. Simon Schleusener beschrieb für den US-Wahlkampf 2016 einen linken Mainstream, in dem Anti-Rassismus, Anti-Sexismus und Anti-Homophobie dominierten. Diese „kulturalistische Linke“ habe Klassenpolitik vernachlässigt und sich von einfacher Bevölkerung, Mittelklasse und Arbeiterklasse entfernt, was zum Aufstieg rechtspopulistischer Bewegungen beigetragen habe. 2022 erklärte Fraser jedoch, das Interesse an Kapitalismuskritik nehme wieder zu. Sie beobachte eine „Renaissance gewerkschaftlicher Organisierung“ und ein „Revival“ von Marxismus, marxistischem Feminismus und Ökomarxismus.

Psychologische und internationale Spannungsfelder

Politikwissenschaftliche Studien legen Zusammenhänge zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und politischer Einstellung nahe. Besonders untersucht wird das Modell der „Big Five“ mit fünf grundlegenden Persönlichkeitsmerkmalen. Menschen mit hoher Offenheit für Erfahrungen, also unter anderem hoher Kreativität, Vorstellungskraft und Neugier, sind demnach mit größerer Wahrscheinlichkeit politisch links eingestellt.

Nach der Forschung des Moralpsychologen Jonathan Haidt nutzen Menschen im linken Spektrum bei moralischen Urteilen vor allem Fairness und Fürsorge. Im rechten Spektrum kommen zusätzlich Autorität, Freiheit, Loyalität und Reinheit als moralische Grundlagen hinzu. Studien aus den USA zeigen außerdem, dass autoritäre Persönlichkeiten im linken Spektrum seltener vorkommen. Linke Personen sind eher bereit, Empathie für hilfebedürftige Menschen zu empfinden. Dieser Effekt hängt jedoch vom Kontext ab: Für Mitglieder der eigenen politischen Gruppe ist die Empathiebereitschaft höher als für Außenstehende, und diese Eigengruppenbevorzugung wurde auch bei anderen politischen Überzeugungen festgestellt.

Sozialpsychologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass politisch Linke grundsätzlich weniger Vorurteile haben als politisch Rechte. Die Ideologie-Konflikt-Hypothese wendet dagegen ein, dass dabei häufig Vorurteile gegenüber Gruppen untersucht werden, die mit linker Politik verbunden werden, etwa ethnische Minderheiten. Bei Gruppen, die eher mit rechter Politik verbunden werden, etwa Abtreibungsgegnern, könnten politisch Linke demnach mehr Vorurteile zeigen. Zwischen Intelligenz und eher liberalen Einstellungen besteht eine positive, allerdings nicht sehr starke Korrelation.

Für die europäische Linke waren im Zweiten Weltkrieg und danach laut Caroline Fourest zwei Bezugspunkte besonders wichtig: der antitotalitäre Kampf sowie Entkolonialisierung und Antiimperialismus. Nach dem Erstarken des Islamismus in islamischen Ländern und muslimischen Einwanderergruppen entstand ein Konflikt darüber, ob Islamismus als totalitäre Ideologie bekämpft oder als antiimperialistische Strömung unterstützt werden solle. Eine ähnliche Spannung gab es bereits in der jungen Sowjetunion. Lenin riet zur Vorsicht gegenüber nationalkommunistischen Parteien in feudalen islamischen Ländern rund um das Kaspische Meer. Grigori Sinowjew rief dagegen 1920 in Baku zum „Heiligen Krieg […] gegen den britischen Imperialismus“ auf, plädierte kurz darauf aber dafür, die „Macht der Mullahs im Orient mit Gewalt zu brechen“. Die Bildung der Transkaukasischen SFSR 1922 gegen den Widerstand nationalkommunistischer Akteure führte letztlich zu deren Unterdrückung und verstärkte den antireligiösen Kampf.

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